Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
»Dann hast du nie irgendwelche anderen Mädchen geküsst?«, frage ich.
»Das hab ich nicht behauptet. Du warst ja erst zwölf, als wir uns kennenlernten. Und außerdem eine echte Nervensäge. Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte ein Leben außerhalb der Jagd mit dir«, sagt er, während er Brennholz aufsammelt.
Auf einmal bin ich richtig neugierig. »Wen hast du geküsst? Und wo?«
»Zu viele, um sie alle zu behalten. Hinter der Schule, auf der Bergehalde, weiß der Henker«, sagt er.
Ich verdrehe die Augen. »Und wann bin ich was Besonderes geworden? Als sie mich ins Kapitol gekarrt haben?«
»Nein. Ungefähr ein halbes Jahr vorher. Kurz nach Silvester. Wir waren auf dem Hob und haben bei Greasy Sae Suppe gegessen. Und Darius neckte dich damit, dass er ein Kaninchen gegen einen Kuss tauschen würde. Da hab ich gemerkt … dass es mir was ausmacht«, sagt er.
Ich erinnere mich an den Tag. Bitterkalt und schon um vier Uhr nachmittags dunkel. Wir waren auf der Jagd gewesen, aber ein heftiger Schneesturm hatte uns zurück in die Stadt getrieben. Der Hob war voller Leute, die Zuflucht vor dem Wetter suchten. Greasy Saes Suppe, die aus dem Sud der Knochen eines wilden Hundes gekocht war, den wir eine Woche zuvor geschossen hatten, war nicht so gut wie sonst. Aber immerhin war sie heiß, und ich löffelte sie mit Heißhunger aus, während ich im Schneidersitz auf ihrem Tresen saß. Darius lehnte am Pfosten des Marktstands, kitzelte mir mit dem Ende meines Zopfs die Wange, und ich schlug seine Hand weg. Er erklärte mir, ein Kuss von ihm sei ein Kaninchen, vielleicht sogar zwei wert, da alle wüssten, dass rothaarige Männer besonders männlich seien. Und Greasy Sae und ich lachten, weil er so albern und aufdringlich war und uns eine Frau nach der anderen zeigte, die angeblich weit mehr als ein Kaninchen für die Wonne seiner Küsse bezahlt hätten. »Siehst du? Die da mit dem grünen Schal? Geh hin und frag sie. Wenn du unbedingt einen Beweis brauchst.«
Das ist eine Million Meilen von hier passiert, vor einer Milliarde Tagen. »Darius hat doch nur rumgeflachst«, sage ich.
»Kann sein. Aber wenn nicht, wärst du die Letzte, die es mitkriegen würde«, sagt Gale. »Guck Peeta an. Oder mich. Selbst Finnick. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, er hätte auch ein Auge auf dich geworfen, doch jetzt scheint er ja wieder auf Kurs zu sein.«
»Wenn du denkst, Finnick könnte mich lieben, kennst du ihn schlecht«, sage ich.
Gale zuckt die Achseln. »Ich weiß, dass er verzweifelt war.
Wenn die Leute verzweifelt sind, machen sie die verrücktesten Sachen.«
Ich bin mir fast sicher, dass das auf mich gemünzt ist.
Am nächsten Morgen versammeln sich die Experten in aller Frühe, um die Nuss zu knacken. Ich werde zu der Versammlung dazugebeten, obwohl ich nicht viel beitragen kann. Abseits vom Konferenztisch hocke ich auf dem breiten Fensterbrett, das einen guten Blick auf den fraglichen Berg bietet. Die Kommandantin von 2, eine Frau mittleren Alters namens Lyme, begibt sich mit uns auf eine virtuelle Rundreise durch die Nuss und ihre Befestigungen und berichtet von den gescheiterten Versuchen, sie einzunehmen. Lyme ist mir seit meiner Ankunft schon ein paarmal kurz begegnet, und jedes Mal hatte ich das Gefühl, sie von früher zu kennen. Jedenfalls ist sie ein Mensch, den man nicht so leicht vergisst, über einen Meter achtzig groß und sehr muskulös. Aber erst, als ich einen Filmausschnitt von ihr an der Front sehe, wie sie einen Angriff auf den Hauptzugang zur Nuss anführt, erkenne ich sie wieder. Lyme, Tribut aus Distrikt 2, vor über einer Generation Siegerin der Hungerspiele. Zur Vorbereitung auf das Jubel-Jubiläum hatte Effie uns, neben anderen, auch ihr Video geschickt. Wahrscheinlich habe ich sie irgendwann sogar mal bei den Spielen gesehen, aber sie hat sich wohl im Hintergrund gehalten. Nachdem ich erfahren habe, wie Haymitch und Finnick behandelt worden sind, frage ich mich automatisch: Was hat das Kapitol ihr nach dem Sieg angetan?
Als Lyme mit der Präsentation fertig ist, sind die Experten mit ihren Fragen dran. Viele Stunden lang, unterbrochen nur durch das Mittagessen, versuchen sie einen realistischen Plan auszutüfteln, wie man die Nuss erobern könnte. Beetee meint, er könne sich in die Computersysteme einhacken, und es wird darüber beratschlagt, ob man die Handvoll Spione einsetzen sollte, die zur Verfügung stehen, doch keiner hat eine zündende Idee. Irgendwann kehrt das Gespräch zurück zu einer Strategie, die schon des Öfteren ausprobiert wurde - die Eingänge zu stürmen. Lyme wirkt immer frustrierter, denn dieser Plan ist in so vielen Varianten bereits gescheitert und sie hat schon so viele Soldaten dabei verloren. Schließlich platzt sie heraus: »Der Nächste, der vorschlägt, die Eingänge zu stürmen, sollte besser auch eine geniale Idee liefern, wie, denn er darf die Mission dann selbst anführen!«
Gale, der zu unruhig ist, um stundenlang am Tisch zu sitzen, läuft entweder herum, oder er sitzt bei mir auf dem Fensterbrett. Er hat Lymes Behauptung, die Eingänge könnten nicht gestürmt werden, sofort akzeptiert und sich aus der Diskussion völlig ausgeklinkt. Seit einer Stunde sitzt er schweigend und mit gerunzelter Stirn da und starrt durchs Fenster zu der Nuss. In der Stille, die auf Lymes Drohung folgt, meldet er sich zu Wort. »Ist es eigentlich zwingend notwendig, dass wir die Nuss erobern? Oder würde es auch genügen, sie zu blockieren?«
»Das könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein«, sagt Beetee. »Worauf willst du hinaus?«
»Stellen wir uns vor, das Ding wäre ein Bau mit wilden Hunden«, fährt Gale fort. »Dann würden wir ja nicht versuchen, dort einzudringen. Wir hätten zwei Möglichkeiten. Die Hunde da drin einzusperren oder sie hinauszuscheuchen.«
»Wir haben versucht, die Eingänge zu bombardieren«, sagt Lyme. »Doch sie sind so tief in den Fels gehauen, dass sie kaum nachgeben.«
»Daran habe ich auch nicht gedacht«, sagt Gale. »Ich dachte daran, dass wir uns den Berg zunutze machen.« Beetee steht auf und geht zu Gale ans Fenster, angestrengt schaut er durch seine schlecht sitzende Brille. »Verstehst du? Die Wände zum Abrutschen bringen.«
»Lawinenzüge«, sagt Beetee leise. »Das wäre aber kompliziert. Wir müssten die Abfolge der Detonationen ganz genau planen. Wenn sie einmal in Gang gesetzt sind, können wir nicht mehr eingreifen.«
»Wir brauchen nicht einzugreifen, wenn wir uns von der Vorstellung verabschieden, wir müssten die Nuss besitzen«, sagt Gale. »Wir machen sie einfach dicht.«
»Du schlägst also vor, dass wir Steinlawinen auslösen und die Zugänge blockieren?«, fragt Lyme.
»Genau«, sagt Gale. »Den Feind einsperren und von der Versorgung abschneiden. Sodass sie ihr Hovercraft nicht aussenden können.«
Während alle über den Plan nachdenken, blättert Boggs stirnrunzelnd einen Stapel mit Skizzen von der Nuss durch. »Damit riskierst du aber, dass alle da drin umkommen. Schau dir das Belüftungssystem an. Das ist bestenfalls in Ansätzen vorhanden. Nichts im Vergleich zu unserem in 13. Es ist vollständig davon abhängig, dass von den Bergwänden Luft hereingepumpt wird. Sind die Lüftungsschächte blockiert, ersticken alle, die in der Falle sitzen.«
»Sie könnten durch den Eisenbahntunnel zum Platz flüchten«, sagt Beetee.
»Nicht, wenn wir ihn sprengen«, sagt Gale schroff. Jetzt wird seine Absicht deutlich. Gale hat kein Interesse daran, dass diejenigen, die in der Nuss sind, überleben. Kein Interesse daran, die Beute für späteren Gebrauch gefangen zu nehmen.
Das ist eine seiner Todesfallen.
15
Nach und nach dämmert uns, was Gales Vorschlag bedeutet. In den Gesichtern spiegeln sich die unterschiedlichsten Reaktionen. Von Begeisterung bis Entsetzen, von Betroffenheit bis Genugtuung ist alles vertreten. »Die meisten Arbeiter stammen aus Distrikt 2«, sagt Beetee. »Na und?«, sagt Gale. »Denen können wir nie wieder trauen.«
»Sie sollten zumindest die Chance haben, sich zu ergeben«, sagt Lyme.