Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Lauft!«schrie Norten.»Rennt! Zum Flugzeug! Wartet nicht auf mich!«
Was Indiana anging, war er nur zu bereit, auf Nortens Wunsch zu hören. Aber Joana riß sich blitzschnell los, sprang auf die Füße und eilte zu Norten zurück. Ohne auf dessen Proteste zu achten, zog sie ihn in die Höhe und auf die Tür zu.
Als sie durch die Halle stürmten, brach der Boden auf. Ein schmaler, gezackter Riß spaltete das schwarzweiße Schachbrettmuster der Fliesen, erreichte die Wand neben der Tür und zertrümmerte auch sie. Indiana prallte mitten im Lauf zurück und riß auch Joana mit sich, als der schmale Spalt sich mit irrsinniger Geschwindigkeit zu einem halbmeterbreiten, bodenlosen Schacht ausweitete, aus dem Staub und ein unheimliches Donnern und Grollen emporstoben.
Und einen Herzschlag später Flammen.
Der Mann, der neben ihnen gelaufen war, hatte weniger Glück gehabt. Auch er versuchte, sich mitten im Lauf herumzuwerfen, aber seine Reaktion kam zu spät. Eine Sekunde lang stand er nach vorn gebeugt und mit wild rudernden Armen da, die Augen vor Entsetzen geweitet und einen Schrei auf den Lippen, der im Krachen und Grollen des Gewitters und dem Zusammenbrechen des Hauses unterging. Dann schoß eine brüllende Flammenzunge aus dem Abgrund herauf, hüllte ihn ein und riß ihn in die Tiefe.
Und etwas an dieser Flamme war … unheimlich. Indiana sah es nur aus den Augenwinkeln, denn alles geschah in Bruchteilen von Sekunden, während er noch stürzte und Joana dabei schützend an sich preßte, aber die Stichflamme war eigentlich keine Flamme, sondern eine Schlange; eine sich windende, brüllende, lodernde Schlange aus purer Glut, die sich um den Körper des Mannes wand und ihn dabei versengte, ehe sie ihn mit einem harten Ruck nach vorn und in den Schlund der Erde riß.
Er prallte auf, rollte herum und versuchte, sich instinktiv schützend mit seinem Körper zwischen Joana und die Feuerwand zu werfen, aber sie entschlüpfte seinem Griff und sprang sofort wieder auf die Füße. Indiana wollte sie zurückreißen, aber die Flammen strahlten eine so ungeheure Helligkeit ab, daß er geblendet war und kaum noch etwas sah. Er griff daneben.
«Onkel Norten!«schrie sie.»Wo bist du?«
Indiana glaubte, eine Antwort zu hören, aber er war sich nicht sicher; binnen Sekunden war die unheimliche Stille, die den ganzen Tag geherrscht hatte, einem wahren Höllenlärm gewichen: dem Brüllen der Flammen, dem unheimlichen Zischen der niederfahrenden Blitze und dem ungeheuerlichen Dröhnen und Krachen des Donners, dem Bersten des zusammenbrechenden Hauses, dem Schreien von Menschen und dem Prasseln von Flammen. Er sah eine Gestalt im Widerschein der zuckenden Blitze, sah Joana darauf zulaufen, und riß sie im letzten Moment am Arm zurück, als über ihren Köpfen die Decke einzubrechen begann und ein mannsdicker, brennender Balken niederbrach. Joana versuchte, seine Hand beiseitezuschlagen, aber er hielt mit unerbittlicher Kraft fest, stemmte sich selbst auf die Füße und deutete wild gestikulierend zur Tür.
«Wir müssen raus hier!«schrie er. Der Lärm war so gewaltig geworden, daß er nicht einmal sicher war, ob Joana die Worte überhaupt verstand. Aber sie schien zumindest die Bedeutung seiner Geste begriffen zu haben, denn sie schüttelte wild den Kopf und versuchte abermals, sich loszureißen. Indiana zerrte sie mit einem harten Ruck ganz zu sich heran und brüllte noch einmaclass="underline" »Wir müssen raus! Das ganze Haus bricht zusammen!«
«Onkel Norten!«schrie Joana zurück.»Wir müssen ihn suchen!«
Einen Moment lang war Indiana versucht, sie sich schlichtweg über die Schulter zu werfen und loszustürmen; doch in diesem Augenblick erschien eine Gestalt in einem zerfetzten weißen Leinenanzug unter der Salontür und gestikulierte wild. Norten.
«Lauft zum Flugzeug!«schrie er.»Ich hole José und seine Frau! Lauft!«
Eine Sekunde lang zögerte Joana noch. Aber dann drehte sie sich herum, blickte einen Herzschlag lang aus angstvoll geweiteten Augen auf den mittlerweile gut meterbreiten Spalt im Boden und dann zur Tür, und als Indiana danach in ihre Augen sah, erkannte er darin zwar Angst, zugleich aber auch Entschlossenheit.
Er selbst fühlte sich kaum weniger verunsichert als das Mädchen. Der Spalt war nicht so breit, daß es wirklich gefährlich gewesen wäre, ihn zu überspringen — aber er dachte voller Entsetzen an die glühende Schlange aus Feuer, die den unglückseligen Mann verschlungen hatte. Der Spalt spie jetzt keine Flammen mehr, aber Indiana hatte nicht vergessen, wie entsetzlich schnell die Stichflamme in die Höhe geschossen war.
Aber sie hatten keine Wahl. Das ganze Haus zitterte und bebte jetzt ununterbrochen, und das Feuer griff rasend schnell um sich. Vom oberen Ende der Treppe strahlte eine unheimliche, fast weiße Glut zu ihnen herab, und die Hitze war beinahe unerträglich geworden. Entschlossen packte er Joanas linke Hand, sammelte alle Kraft — und stieß sich ab.
Ein Hauch höllischer Glut streifte sie, als sie über den Spalt sprangen. Und als Indiana nach unten blickte, sah er es: ein Nest sich windender, ineinander geschlungener, peitschender Schlangenkörper aus nichts anderem als aus Glut und Feuer, aus dem sich plötzlich ein fast mannsdicker Arm löste, der mit entsetzlicher Schnelligkeit zu ihnen heraufgriff. Es ging ungeheuer schnell, und doch sah Indiana alles mit schon fast übernatürlicher Klarheit, als hätte sich die Zeit geteilt und liefe plötzlich auf zwei unterschiedlichen, voneinander unabhängigen Ebenen: Die Schlange reckte sich zu ihnen empor, ein waberndes, weißglühendes Ding mit Schuppen aus Feuer und kleinen, lodernden Flammenaugen, die Indiana voll unstillbarem Haß anstarrten, und ein aufgerissenes Maul wie der Schlund der Hölle.
Die Feuerschlange berührte sein Bein, wand sich darum, versengte die Hose und die Haut darunter — und löste sich wieder, im gleichen Moment, in dem Indiana bereits die entsetzliche Kraft zu spüren glaubte, die ihrem lodernden Körper innewohnte. Er spürte, wie etwas ungeheuer Mächtiges, ungeheuer Altes, Düsteres nach seiner Seele griff und sie zu Eis erstarren ließ, so wie die Feuerschlange seinen Körper verbrannte — und jäh zurückprallte.
Mit einem Schmerzensschrei schlug er auf der anderen Seite des Spaltes auf den Boden, strauchelte und stürzte vor der Tür auf die Fliesen. Er versuchte, Joana loszulassen, riß sie aber trotzdem mit aus dem Gleichgewicht und sah, wie sie einen ungeschickten, stolpernden Schritt machte und wuchtig gegen den Türrahmen prallte. Halb benommen taumelte sie zurück und sank auf die Knie. Aus einer kleinen Platzwunde an ihrer Schläfe sickerte Blut in einem dünnen, aber beständigen Strom.
Trotzdem kam sie vor ihm wieder auf die Füße, denn Indianas Bein brannte wie Feuer und gab unter dem Gewicht seines Körpers nach, als er aufzustehen versuchte. Ein pochender Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen, und der Stoff seiner Hose zerfiel zu Asche, als er ihn mit den Fingern berührte. Die Haut über seinem Knöchel war rot, und schon jetzt begannen sich große, nässende Brandblasen zu bilden.
Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte er aufzustehen, fiel zum dritten Mal auf die Knie und zog sich schließlich am Türpfosten in die Höhe, ehe er hinter Joana aus dem Haus taumelte.
Das Gewitter tobte jetzt genau über dem Haus. Das sonderbar kranke Licht des Vollmondes war dem stroboskopischen Flakkern der Blitze gewichen, die jetzt fast ununterbrochen niederzuckten — und fast ausnahmslos das Haus trafen! Es war, als würden sie magisch davon angezogen. Und Indiana brauchte nicht einmal mehr die Augen zu schließen, um jetzt wirklich zuckende Schlangen in diesen Blitzen zu erkennen, gewaltige, gleißende Monstren aus purer Energie, die den Zorn uralter Götter auf das Anwesen herabschleuderten.