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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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«So ein Quatsch!«sagte José. Aber sowohl Indiana als auch Norten ignorierten seinen Einwurf einfach. Fast eine Minute lang blickten die beiden Männer sich schweigend an, und das, was ihre Blicke sich erzählten, das war mehr, als Worte vermocht hätten.

Trotzdem sagte Norten schließlich:»Sie sind Wissenschaftler wie ich, Dr. Jones. Sie sollten wissen, daß es so etwas wie Magie nicht gibt.«

«Natürlich«, erwiderte Indiana, ebenso ernst wie Norten.»Aber es gibt sehr wohl Dinge, die wir mit reiner Logik und Wissenschaft nicht erklären können, nicht wahr? Also können wir genausogut bei dem Wort Magie bleiben — bis wir ein besseres gefunden haben.«

Norten lächelte humorlos.»Wenn Sie so wollen.«

«Das ist aber immer noch keine Antwort auf meine Frage«, beharrte Indiana.»Welches Geheimnis umgibt diese Anhänger? Was ist so wichtig daran, daß Menschen dafür sterben mußten?«

«Glauben Sie mir, Dr. Jones«, sagte Norten ernst.»Ich weiß es nicht.«

«Und wenn Sie es wüßten, würden Sie es mir nicht verraten«, vermutete Indiana.

«Richtig«, sagte Norten.

Indiana seufzte tief.»So kommen wir nicht weiter«, sagte er.

«Dann spiel doch einfach den Klügeren und gib nach«, riet ihm José spöttisch.

Indiana wollte antworten, aber in diesem Moment fuhr draußen ein greller Blitz nieder und tauchte das Zimmer für eine Hundertstelsekunde in blauweiße, schattenlose Helligkeit. Indiana blinzelte, und auch Norten und Joana fuhren sich mit den Händen über die Augen. Im Kamin zersprang knackend ein Holzscheit, und ein Schauer winziger Funken regnete auf den Boden.

Indiana stand auf und trat mit ein paar Schritten zum Fenster. Der Himmel im Westen hatte sich mit schweren, tiefhängenden Wolken bezogen, und in weiter Entfernung konnte er ein dumpfes Donnergrollen hören. Der Waldrand lag wie ein mit dicker, schwarzer Tusche gemalter Strich über dem Horizont. Nichts bewegte sich zwischen ihm und der Hacienda — aber was hieß das schon? In den finsteren Schatten dort draußen konnte sich eine ganze Armee verbergen, ohne daß man ihre Anwesenheit auch nur ahnte. Und wahrscheinlich war es auch genau das, überlegte Indiana, was dort draußen auf sie wartete. Eine kleine Armee, aber eine Armee.

Er verscheuchte den Gedanken.»Sie hatten recht, Professor Norten«, sagte er.»Es gibt tatsächlich ein Gewitter.«

Norten stand auf und trat neben ihn ans Fenster. Und nach einigen Sekunden gesellte sich auch Joana zu ihnen. Nur José blieb im Sessel vor dem Kamin sitzen.

«Es kommt schnell näher«, sagte Norten. Ein besorgter Schatten huschte über sein Gesicht.»Das sieht nicht gut aus.«

«Haben Sie sich nicht gerade genau dieses Wetter gewünscht?«

Norten nickte und schüttelte fast in der gleichen Bewegung den Kopf.»Die Wolken schon, aber kein Gewitter. Und schon gar keinen Sturm. «Er sah Joana mit eindeutiger Sorge an.»Glaubst du, daß du die Maschine bei diesem Wetter starten kannst?«

«Ich weiß es nicht«, gestand Joana.»Ich bin noch nie bei schlechtem Wetter gestartet. Aber schlimmstenfalls«, fügte sie hinzu, als sie sah, wie sich der Ausdruck von Sorge auf Nortens Gesicht in Enttäuschung verwandelte,»können wir die Maschine immer noch als Boot benutzen. Selbst wenn ich nicht starten kann, brauchen wir keine zehn Minuten für die zehn Meilen.«

«Nein«, sagte Norten düster.»Genau das können wir nicht.«

«Wieso?«frage Joana.

«Weil der Fluß …«

In diesem Moment zerriß ein weiterer gleißender Blitz den Himmel, und diesmal so nah und hell, daß nicht nur Indiana mit einem schmerzhaften Stöhnen die Lider zusammenpreßte.

Es half nicht viel. Er sah den Blitz noch immer; nicht mehr wirklich, sondern als grelles, zuckendes Nachbild auf seinen Netzhäuten, das sich wand und zitterte und …

Erstaunt riß er die Augen auf, starrte eine Sekunde aus dem Fenster und schloß die Lider dann wieder.

Das in einem unheimlichen, grünlichen Farbton leuchtende Nachbild auf seinen Netzhäuten war noch immer da. Aber was sich in seine Retina gebrannt hatte und nur allmählich verblaßte, das war nicht das Abbild des Blitzes, den er gesehen hatte.

Es war das Bild einer riesigen, sich windenden Schlange, aus deren Schädel ein gewaltiger Federbusch wuchs.

«Aber das ist doch … unmöglich!«hauchte Joana.

Indiana riß erstaunt die Augen auf und sah sie an.»Was ist unmöglich?«fragte er.

«Der Blitz«, stammelte Joana.»Ich meine, die … die …«Sie brach ab und blickte hilflos ihn und Norten und dann wieder ihn an.

Und als Indiana den Kopf wandte und Norten ansah, erkannte er auf dessen Gesicht den gleichen, fassungslosen Ausdruck wie auf dem Joanas und vermutlich auch auf seinem eigenen. Es war keine Einbildung gewesen. Die beiden hatten es auch gesehen.

Ein zweiter, noch grellerer Blitz machte die Nacht draußen für den Bruchteil einer Sekunde zum Tage, und diesmal war das Nachbild so stark, daß Indiana es sogar sah, ohne die Augen schließen zu müssen.

«Quetzalcoatl«, flüsterte Norten. Seine Stimme bebte vor Entsetzen.»Das … das ist …«

«Was redet ihr da für einen Unsinn?«fragte José unwillig. Er stand auf und kam näher, offensichtlich der einzige im ganzen Raum, der nichts von dem unheimlichen Vorgang bemerkt hatte.

Selbst die beiden Mexikaner waren bleich geworden. Auch sie mußten das Bild der Gefiederten Schlange gesehen haben. Und auch wenn sie nicht wußten, was es bedeutete, so erschreckte es sie fast zu Tode. Einer ließ schlichtweg sein Gewehr fallen und stürmte aus dem Raum, während der andere Schritt für Schritt vom Fenster zurückwich, bis er mit dem Rücken gegen die Wand neben dem Kamin stieß.

«Was hat das zu bedeuten?«fragte Joana aufgeschreckt.»Onkel Norten! Indy! Was geht hier vor?«

«Das solltest du besser den Professor fragen«, antwortete Indiana zornig.»Ich bin sicher, er weiß die Antwort.«

«Das ist doch nicht möglich!«flüsterte Norten. Die Worte galten nicht Indiana. Er sah ihn nicht einmal an, sondern starrte aus weit aufgerissenen, vor Angst dunkel gewordenen Augen aus dem Fenster.»Noch nicht jetzt! Sie haben noch nicht — «

«Sie haben noch nicht was?«hakte Indiana nach.

Norten fuhr sichtbar zusammen und wurde noch blasser. Aber er fiel auch diesmal nicht auf Indianas blitzartig nachgesetzte Frage herein, sondern wechselte übergangslos das Thema.

«José!«sagte er barsch.»Geh und hol deine Frau! Wir müssen weg hier! Sofort!«

«Ich verlange jetzt endlich eine Erklärung!«sagte Indiana, so laut, daß nur noch eine Winzigkeit gefehlt hätte, und er hätte wirklich geschrien.

Aber auch jetzt schüttelte Norten nur den Kopf.»Dazu ist jetzt keine Zeit«, sagte er.»Wir müssen raus hier!«

Wie um seine Worte zu unterstreichen, zuckte in diesem Moment ein dritter Blitz vom Himmel herab — und dieser richtete mehr Schaden an, als nur flimmernde Nachbilder in Form einer gefiederten Schlange auf ihren Netzhäuten zu hinterlassen. Indiana hörte ein unheimliches, berstendes Krachen, und dann schien das ganze Haus in seinen Grundfesten zu erbeben. Klirrend zerbrach überall Glas, Menschen schrien, und er hörte das schreckliche Geräusch von Holz, das Feuer gefangen hatte. Die Luft stank nach Ozon und brennendem Holz, und kaum eine Sekunde später drang flackernder Feuerschein vom oberen Ende der Treppe herab.

«Raus hier!«brüllte Norten mit überschnappender Stimme.

Und diesmal reagierte Indiana sofort. Blitzschnell fuhr er herum, packte Joana am Arm und stürmte auf den Ausgang zu.

Als sie durch die Halle rannten, traf ein zweiter Blitz das Haus.

Die Erschütterung war so stark, daß sie alle von den Füßen gerissen wurden und übereinander stürzten. Ein ungeheures Dröhnen und Krachen marterte Indianas Trommelfelle, und für Sekundenbruchteile war das gesamte Gebäude von einem unerträglich grellen, weißblauen Leuchten erfüllt. Die Luft knisterte elektrisch, und für einen Moment hatte er das Gefühl, flüssiges Feuer zu atmen. Das ganze Haus zitterte. Putz rieselte von der Decke, und weitere Fensterscheiben zerbrachen. Irgendwo stürzten polternd Möbelstücke um, und aus dem oberen Stockwerk drangen Geräusche, als breche der gesamte Dachstuhl zusammen. Indiana war noch nie in einem Haus gewesen, das vom Blitz getroffen wurde. Aber er hatte auch noch nie gehört, daß Blitze einschlugen wie Granaten. Dieser hier tat es. Er setzte das Haus nicht einfach in Brand, er ließ es förmlich explodieren.

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