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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Der erste Mann am Tor spähte durch ein Guckloch und drehte sich aufgeregt um. »Sie haben etwas!«

Unverzüglich marschierte Taggin auf sie zu. »Alle Mann auf ihre Posten! Beim Triumvirat, wir sind hier beim Militär und nicht im Zirkus! Ihr werdet es noch früh genug zu sehen bekommen, wenn es wirklich ein Ungeheuer ist!«

Die Tore wurden geöffnet, und die erschöpfte, aber stolzgeschwellte Patrouille ritt herein. Einige Männer waren verwundet, doch Buoron flüsterte Huma zu, daß alle zurückgekehrt waren.

Das Ungeheuer war nicht zu erkennen, weil es in die schweren Netze eingewickelt war. Einige braune Pelzteile waren zu sehen, doch was für ein Untier es war, war nicht zu erkennen, denn es war zu einer Kugel zusammengeschnürt. Es schnaubte und knurrte.

Taggin ließ das Ungeheuer zu einem Verschlag schleifen, der ein paar Tage zuvor für diesen Zweck gebaut worden war. Unter Humas Augen ergriffen einige Ritter das gefesselte Monstrum und zerrten es in den Verschlag. Das Ungeheuer wand sich, wobei sich ein paar Stricke lockerten. Die Ritter hasteten aus dem Verschlag, während das Wesen versuchte, sich aus dem Netz zu befreien.

Der Hauptmann der Patrouille salutierte vor Fürst Taggin. »Im Flußbett gefunden. Hat vorher einen Hirsch getötet und aß gerade. Hat uns bemerkt, aber da hatten wir es schon umstellt. Erst haben die Männer versucht, es mit den Netzen einzufangen, da hat es sie heruntergezogen. Mehr Männer verwundet, als sie versuchten, die anderen zu retten. Dachte kurz, wir müßten es töten. Zum Glück war das nicht nötig. Es trat in die ausgelegten Netze, und da hatten wir es.«

Der alte Ritter nickte. »Paladin hat euch behütet, das sieht man. Ich bin froh, daß keiner dabei umgekommen ist. Der Käfig sollte es jetzt halten können.«

»Reden wir lieber nicht von einem Käfig. Gefängnis wäre der bessere Ausdruck, Herr.«

»Gefängnis?« Neben ihm tauschten Huma und Buoron Blicke aus. »Was habt ihr gebracht?«

Der Anführer der Patrouille strahlte vor Stolz. »Einen Spion der Drachenkönigin! Eine ihrer scheußlichsten Kreaturen aus dem Norden. Der Krieg ist doch noch zu uns gekommen.«

Es lag ein Glitzern in den Augen des Ritters, das Huma beunruhigte.

Taggin trat näher an den Gefängniskäfig heran. Das Ungeheuer war dabei, die letzten Netze wegzureißen, die es noch bedeckten.

»Verflucht sei Sargas! Ich werde euch alle in Stücke reißen!«

Huma erstarrte. Buoron sah ihn an. Vielleicht wunderte er sich, daß der Anblick des Ungeheuers Huma so beeindruckte. Da er erst kürzlich aus dem Norden gekommen war, mußte Huma solche Wesen doch kennen.

Das Ungeheuer zerrte das letzte Netz von seinem gehörnten Kopf. Heftig atmend drehte es sich zu seinen Wärtern um. Mit markerschütternder Wut rüttelte es an den Stäben seines neuen Gefängnisses.

»Idioten! Feiglinge! Laßt mich gegen einen von euch kämpfen! Gebt mir eine faire Chance! Wo ist eure berühmte Ehre?«

Aus seinem momentanen Blickwinkel konnte das Ungeheuer Huma nicht sehen, Huma das Ungeheuer hingegen sehr gut. Mit großen Augen starrte er den wutschnaubenden Stiermenschen an und fragte sich, wie er Kaz nur vor der Hinrichtung retten sollte.

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Buoron war der erste, dem er sein Geheimnis anvertraute. »Du hast Glück gehabt, daß es keinem von den anderen aufgefallen ist«, sagte der bärtige Ritter. »Dein Mund stand sperrangelweit auf, als sie ihn brachten.«

Huma schüttelte den Kopf. »Ich war völlig überrascht. Als ich Kaz zuletzt gesehen habe, ritt er nach Norden und ich nach Süden. Jede Menge Verfolger waren hinter uns her. Ich war anscheinend der Wichtigere, denn sie sind mir gefolgt.«

»Und haben dafür bezahlt«, bemerkte Buoron ruhig. Huma hatte ihm kurz von dem Zwischenfall erzählt, ohne ihn weiter auszuschmücken. Es hatte den anderen Ritter nicht wenig beeindruckt.

»Ich bin erstaunt, daß Kaz hier ist, und zwar schon einige Tage länger als ich. Er muß fast sofort nach Süden umgekehrt sein und mich knapp verpaßt haben. Nach unserer Trennung mußte ich mein Pferd opfern, weil ich hoffte, meine Verfolger dadurch zu täuschen. Danach war ich eine Zeitlang zu Fuß unterwegs. Er muß aber trotzdem schnell geritten sein, um die ganze Strecke zu schaffen. Er hat sein Pferd bestimmt auch bald eingebüßt.«

»Wußte er, wo du hin wolltest?«

Huma überlegte lange. Es schien Jahre her zu sein. »Die grobe Richtung. Genug jedenfalls, um sich südwestlich zu halten.«

Buoron schaute aus dem Fenster zum Käfig. Kaz war in dumpfem Zorn zusammengesackt. »Es gibt viele Wege, auf denen ein erfahrener Krieger unentdeckt reisen könnte. Er wird uns bemerkt haben und hat dann vielleicht angenommen, daß dein Ziel hier liegt.«

Das ergab für Huma einen Sinn. »Ich habe erwähnt, daß ich zu den Rittern zurückwollte. Womöglich hat er geglaubt, daß ich hierher gehe, wenn ich es nicht zurück nach Solamnia schaffe.«

»Oder – « Buoron zögerte. »Oder er ist wirklich ein Spion.«

»Nein.« Huma war sich in letzter Zeit über vieles im unklaren, aber die Loyalität des Minotaurus stand außer Frage.

»Du wirst Schwierigkeiten haben, die anderen davon zu überzeugen. Minotaurus bleibt Minotaurus. Sie werden ihn verhören und – ob er redet oder nicht – wahrscheinlich hinrichten.«

»Weswegen? Er hat sich nur verteidigt.«

Buoron verzog das Gesicht. »Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Er ist ein Minotaurus. Sie brauchen keinen anderen Grund.«

Huma ging auf und ab. »Ich muß mit Taggin reden.«

»Dann tu das bald. Sie werden noch heute mit dem Verhör beginnen, wahrscheinlich nach der Wachablösung.«

»Finde ich Taggin jetzt in seinem Quartier?«

»Ich glaube nicht. Als Ritter der Rose wird er jetzt seine täglichen Gebete verrichten. Nur wegen der Jagd hat er sie heute morgen überhaupt aufgeschoben. Wenn wir schon dabei sind – hast du in letzter Zeit dein Gewissen erleichtert?«

Huma blieb stehen und erbleichte. »Nein. Habe ich nicht. Es geschähe mir recht, wenn Paladin sein Auge für immer von mir abwenden würde.«

Buoron schüttelte den Kopf. »Ich glaube, Paladin ist etwas gnädiger. Komm.«

Taggin konnte Huma nach den Gebeten nicht empfangen. Der Kommandoritter beriet sich mit seinen Offizieren und dem Anführer der Patrouille. Huma wußte, daß er keinen Einlaß verlangen durfte. Das würde nur seine Chancen beeinträchtigen, sie zu überzeugen, Kaz freizulassen.

Da die Anführer beschäftigt waren, beschloß Huma, den Minotaurus zu begrüßen. Es war nicht recht, daß er vorgab, den massigen Mann aus dem Osten nicht zu kennen. Kaz hatte ihn immer ehrlich behandelt.

Das Gefängnis des Minotaurus ähnelte einem Stall für exotische Tiere in einem Wanderzirkus: ein Metallkäfig mit Gitterstäben und einer einzigen Tür, auf dem Boden Heu und Stroh. Kaz lief nicht hin und her. Statt dessen starrte er trübsinnig auf den Fleisch-Getreide-Brei, den seine Wärter ihm hineingeschoben hatten. Es war ein wenig appetitanregendes Essen, und Huma fragte sich, ob es so gräßlich schmeckte, wie es aussah.

Zwei Ritter bewachten den Käfig und stellten sich Huma in den Weg.

»Darf ich den Gefangenen verhören?«

»Das ist Sache des Oberbefehlshabers. Wer dabei zusehen will, ist willkommen.«

»Darf ich wenigstens mit ihm reden?«

Die beiden Ritter sahen sich an. Sie fragten sich zweifellos, warum einer von ihnen mit einem minotaurischen Gefangenen zu sprechen wünschte. Schließlich erwiderte derjenige, der zuerst gesprochen hatte: »Nicht ohne Erlaubnis des Oberbefehlshabers.«

Mittlerweile hatte Kaz die Stimmen gehört. Er reagierte nur langsam, vielleicht weil er nicht sicher war, wessen Stimme er hörte. Dann drehte er sich plötzlich um und sprang an den Gitterstäben hoch.

»Huma!«

Die beiden Wachen zuckten zusammen. Der augenscheinliche Anführer schlug mit seiner eisenbewehrten Faust gegen die Stäbe – weit genug entfernt, so daß der Minotaurus sie nicht ergreifen konnte. »Sei still, Ungeheuer! Du kannst reden, wenn das Verhör losgeht.«

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