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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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Am schlimmsten war, daß diese kleine Gemeinschaft allmählich eine Form annahm, die sie von allem ausschloß. Warum sagten sie nicht mehr: ›Die Männer tun dieses, und die Frauen jenes.‹ Nun hieß es: ›Die Ehefrauen können hier bleiben, während die Männer aufbrechen‹. Es trieb sie manchmal in den Wahnsinn, daß die Frauen sich immer als Ehefrauen bezeichneten, die Männer aber nie als Ehemänner — sie waren noch immer Männer. Und als wären sie so dumm wie die Paviane, schienen die anderen Frauen nie zu begreifen, wovon Schedemei sprach, wenn sie darauf hinwies.

Natürlich merkten sie es, zumindest die klügeren, doch sie wollten kein großes Aufheben darum machen, weil … weil sie alle so ehefrauenhaft wurden. All diese Jahre in Basilika, wo die Frauen ihre Identität nicht aufgeben mußten, um einen Ehemann zu bekommen, und nun, nach sechs Wochen im Lager, benahmen sie sich wie nomadische Stammesfrauen! Die Kodierung, verheiratet durch das Leben zu gehen, muß so tief in unseren Genen liegen, daß wir sie nie überwinden können, dachte Schedemei. Aber ich wünschte, ich könnte dieses Gen finden. Ich würde es mit einer Maurerkelle ausgraben, ich würde es mit einer heißen Kohle ausbrennen, die ich mit den bloßen Fingern halte. Die-. Absurdität der Vorstellung, sich mit Hilfe so stumpfer Instrumente mit Genen zu befassen, störte sie nicht. Ihre Wut darüber, wie unfair die Dinge doch waren, ging über jene Vernunft hinaus.

Ich wollte nicht heiraten, noch lange nicht, und selbst wenn ich geheiratet hätte, wäre es nur ein Einjahresvertrag gewesen, gerade so lange, daß ich schwanger geworden wäre, und dann hätte ich den Ehemann fortgeschickt, ihm nur noch seine natürlichen Rechte bezüglich des Kindes gewährt. In meinem Leben war kein Platz für eine Verbindung mit einem Mann. Und falls ich geheiratet hätte, dann jedenfalls keinen schwächlichen Archivar ohne Rückgrat, der in einer Truppe, die nur aus Herren bestand, freiwillig den Diener spielte.

Schedemei hatte das Lager mit dem Vorsatz betreten, das beste aus einer schlimmen Lage zu machen, doch je öfter sie Zdorab sah, desto weniger mochte sie ihn. Sie hätte ihm vielleicht vergeben können, wie er in diese Gesellschaft gekommen war — Nafai hatte ihn überlistet, den Index aus der Stadt zu bringen, und ihn dann gezwungen, den Eid abzulegen, sie in die Wüste zu begleiten. Man konnte einem Mann verzeihen, sich zu einer Zeit der Anspannung und Unsicherheit und Überraschung so unmännlich verhalten zu haben. Doch als sie hier eintraf, hatte sie herausgefunden, daß Zdorab eine so entwürdigende Rolle übernommen hatte, daß sie sich schämte, zur selben Spezies wie er zu gehören. Er erledigte nicht nur alle Aufgaben, die kein anderer übernehmen wollte — die Latrinen abdecken, neue graben, Issibs Ausscheidungen beseitigen, kochen, waschen. Eigentlich respektierte sie hilfsbereite Menschen — sie waren ihr unter Garantie lieber als faule Subjekte wie Meb und Obring, Kokor, Sevet und Dol. Nein, sie empfand eine solche Verachtung für Zdorab wegen der Einstellung, mit der er all diese Arbeiten erledigte. Er bot sich nicht an, sie zu tun, zog nicht einmal in Betracht, die eine oder andere abzulehnen; er tat einfach so, als wäre es ganz natürlich, daß er die schlechtesten Arbeiten im Lager ausführte, und erledigte diese Aufgaben dann so still, so unsichtbar, daß schon bald alle es als gegeben hinnahmen, daß Zdorab die widerwärtigen oder unerträglich langweiligen Aufgaben übernahm.

Er ist ein natürlicher Diener, dachte Schedemei. Der geborene Sklave. Ich hätte nie gedacht, daß es solch einen Menschen gibt, aber es gibt ihn, und es ist Zdorab, und die anderen haben entschieden, daß er mein Gatte sein soll!

Schedemei verstand einfach nicht, wieso die Überseele Zdorab durch den Index einen so leichten Zugang zu ihrem Speicher bot. Außer, auch die Überseele wollte einen Diener haben. Vielleicht hat die Überseele das am liebsten — Menschen, die sich wie Diener benehmen. Sind wir alle deshalb hier draußen — um der Überseele zu dienen? Um ihre Arme und Beine zu sein, damit sie zur Erde zurückkehren kann? Wir alle sind Sklaven … bis auf mich.

Zumindest hatte Schedemei sich dies die ganzen Wochen über gesagt, bis ihr dann endlich klar wurde, daß auch sie allmählich in die Dienstbotenkategorie fiel. Es kam ihr an diesem Tag in den Sinn, als sie Wasser vom Bach zum Lager trug, damit Zdorab kochen und waschen konnte. Sie hatte diese Aufgabe bislang gemeinsam mit Huschidh und Luet erledigt, doch nun war Luet zu schwach, weil sie sich ständig übergeben mußte — sie hatte Gewicht verloren, und das war schlecht für das Kind —, und Huschidh pflegte sie, und so mußte Schedemei die Arbeit allein bewältigen. Sie wartete darauf, daß Rasa bemerkte, daß sie das Wasser ganz allein schleppte, und dann sagte: »Sevet, Dol, Eiadh, legt euch die Schultertrage auf und holt Wasser her! Übernehmt euren entsprechenden Anteil an der Arbeit!« Doch Rasa sah, daß Schedemei das Wasser jetzt jeden Tag allein schleppte, sah, wie sie es an Sevet und Kokor vorbei trug, die dort saßen und sich unterhielten, während sie so taten, als würden sie Kamelhaare zu Tauen flechten, und Tante Rasa sagte kein Wort.

Hast du vergessen, wer ich bin? wollte sie schreien. Weißt du nicht mehr, daß ich die größte Wissenschaftlerin Basilikas in dieser Generation bin? Seit zehn Generationen?

Aber sie kannte die Antwort und mußte es deshalb nicht rufen. Tante Rasa hatte es vergessen, weil dieses Lager eine neue Welt war, in der es keine Rolle mehr spielte, was man in Basilika oder irgendwo sonst gewesen war. In diesem Lager war man entweder eine Ehefrau, oder man war keine, und wenn man keine war, war man nichts.

Und deshalb machte sie sich an diesem Tag, nachdem sie ihre Arbeit erledigt hatte, auf die Suche nach Zdorab. Ob nun Diener oder nicht, er war der einzige Mann, der noch zur Verfügung stand, und sie war es leid, in dieser unendlich kleinen Nation eine Bürgerin zweiter Klasse zu sein. Die Ehe würde bedeuten, daß sie sich der neuen Ordnung unterwarf; sie war gleichbedeutend mit einer weiteren Art von Knechtschaft, und für ihren Ehemann würde sie lediglich Verachtung empfinden. Aber das wäre noch immer besser, als einfach zu verschwinden.

Natürlich bekam sie eine Gänsehaut, wenn sie daran dachte, was er mit ihrem Körper anstellen würde. Sie mußte ständig daran denken, daß Luet sich ununterbrochen übergab — das ist das Resultat, wenn man sich von Männern behandeln läßt, als wäre man eine Bank, in der sie ihren schwachen kleinen Samen deponieren können.

Nein, so empfinde ich eigentlich gar nicht, dachte Schedemei. Ich bin nur wütend. Das Teilen von genetischem Material ist elegant und wunderschön; es ist mein Leben. Die Anmut, mit der Eidechsen sich paaren; das Männchen besteigt das Weibchen und hält sich an ihm fest, und sein langer, schlanker Penis umschlingt das Weibchen und sucht die Öffnung und ist dabei so geschickt und flink wie der Arm eines Pavian. Der Tanz der Tintenfische, deren Armspitzen sich berühren; das Erzittern der Lachse, wenn sie die Eier und dann den Samen auf den Grund des Baches fallen lassen; das alles ist wunderschön, gehört zum Ballett des Lebens.

Aber die Weibchen haben immer irgendeine Wahl. Zumindest die starken Weibchen, die klugen. Sie geben ihre Eier dem Männchen, das ihnen die beste Überlebensaussicht bietet — dem starken Männchen, dem dominanten, aggressiven, intelligenten Männchen, aber keinem sich duckenden Sklaven. Ich will nicht, daß meine Kinder Sklavengene haben. Es wäre besser, gar keine Kinder zu haben, als jahrelang zu beobachten, wie sie aufwachsen und sich immer mehr wie Zdorab benehmen, so daß ich mich schon schäme, wenn ich sie sehe.

Deshalb fand sie sich vor der Tür des Indexzeltes wieder, bereit, hineinzugehen und Zdorab eine Art Halbehe vorzuschlagen. Weil sie solche Verachtung für ihn empfand, sollte es eine Ehe ohne Sex und ohne Kinder sein. Und weil er so verachtenswert war, rechnete sie damit, daß er sich einverstanden erklärte.

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