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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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«Aus Erlangen«, sagte er.»Liegt in Bayern. Und kein Absender?«

«Nichts! Nur die nackten Ampullen. «Dr. Cartogeno nahm sie heraus und stieß auf einen Zettel. Peter entfaltete ihn und las vor:

«Beiliegendes Präparat stellt ein Antitoxikum vor. Man injiziere intravenös in Abständen von drei Tagen je 10 ccm sechsmal hintereinander. Nach Ablauf von zehn Tagen in Zwischenräumen von zwei Tagen zweimal 10 ccm. Kleine Herzstörungen können sich einstellen, verschwinden aber nach acht Tagen völlig. Das Antitoxikum ist entwickelt worden zur Bekämpfung von Bissen der >Schwarzen Witwe<. Seine Wirkung bei Curare, Urari und anderen Pfeilgiften ist noch nicht erprobt.«

Dr. Cartogeno war vom Tisch herabgesprungen und hatte Peter den Zettel aus der Hand gerissen. Er las ihn noch einmal durch, so gut er die deutsche Sprache verstand, und glänzte über das ganze Gesicht.»Peter«, stotterte er,»Peter, das ist ein Wunder! Der Himmel schickt es und. Du kannst neue Hoffnung haben, du wirst wieder gehen können. Zehn Ampullen.«

Dr. Perthes hatte die Ampullen aus der Watte genommen und drehte sie in den Fingern. Sein Gesicht war undurchdringlich.»Kein Absender«, sagte er nach einer Weile.»Keine Herstellerfirma — nichts! Wir werden die Ampullen wegwerfen, Fernando.«

«Bist du verrückt geworden?«Cartogeno riß die Ampullen an sich.»Ich werde dir die Spritzen geben, genau nach Vorschrift! Und du wirst dich nicht weigern!«

«Und wie werde ich das!«Peter schob sich mit seinem Rollstuhl vom Tisch weg und rollte an das geöffnete Fenster. Hier hatte man einen schönen Blick über den Rio Guaviare und den kleinen Bootshafen. Die Indios legten gerade an und brachten aus den Wäldern Kautschuk als Tauschware gegen Feldgeräte.»Ich wende doch kein

Serum an, das nicht erprobt ist!«

«Du hast mit deinem unerprobten Serum Sapolana und dann dir selbst das Leben gerettet!«rief Cartogeno.»Deine Heimat schickt dir doch kein Gift!«

«Das Paket war anonym. Das genügt mir. Warum nennt der Absender nicht seinen Namen? Warum verbirgt er sich? Ist es ein Chemiker, so könnte er mit diesem Mittel, wenn es hilft, Millionen verdienen. Ist es ein Arzt, so befiehlt es sogar sein Berufsethos, seinen Namen für ein selbstgefundenes Mittel herzugeben. Ist es aber ein Laie, so können wir es getrost als Produkt des Größenwahns wegwerfen.«

«Genauso sprach man über Pasteur! Erinnerst du dich?«Dr. Cartogeno sah noch einmal auf den Deckel des Päckchens.»Kennst du Erlangen?«

«Ja. Es hat eine alte Universität, doch das will nichts besagen. Es gibt auch Richter und Staatsanwälte, die morden. «Peter schüttelte den Kopf.»Es wird ein Scherz sein, Fernando. Ein schlechter, ein bitterer Scherz.«

Er blickte aus dem Fenster. Fleißig luden die Indios den Rohgummi aus und stapelten ihn auf dem Ufersand. Schon kamen die weißen Händler aus den Hütten und begannen mit den Verhandlungen. Ein Fischerboot kam herein, gefüllt mit frischen Fischen. Ihre Schuppen schillerten bunt in der Sonne. Dr. Cartogeno legte das Paket auf den Tisch, und man sprach an diesem Vormittag nicht mehr darüber. Die letzte Hoffnung, die der kolumbianische Arzt beim Eintreffen des Paketes gehabt hatte, schwand jetzt, nachdem eine nüchterne Überlegung die erste Aufwallung der Freude überstieg. Ein anonymes Paket, zehn laienhaft verschlossene Ampullen, eine milchige Flüssigkeit darin, die mysteriöse Beschreibung.

Am Nachmittag ging Cartogeno zu seinem Boot und fuhr den Fluß hinab, um unterhalb der Siedlung die dort angelegte Schlangenfarm zu kontrollieren und neue Giftabstriche vorzunehmen.

Peter sah seinen Freund über den Fluß rudern. Als er außer Sichtweite war, rollte er sich zu dem Experimentiertisch und öffnete von neuem das geheimnisvolle Paket. Kurz entschlossen nahm er aus dem Sterilkasten eine Spritze, entblößte das linke Bein und stieß sich die Hohlnadel tief in die Muskeln. Langsam zog er das Blut ab, bis die Spritze gefüllt war. Es sah dunkel aus, krank, sauerstoffarm. Dann stillte er den Einstich mit Alkohol und beugte sich über das Mikroskop. Einen kleinen Spritzer seines Blutes brachte er auf die Glasscheibe und betrachtete — wohl zum ungezählten Mal! — die Veränderungen seiner Blutsubstanz. Mit verkniffenen Augen nahm er eine Ampulle aus der Watte, löste den Wachsstopfen und träufelte ein wenig von dem Ampulleninhalt in das verseuchte Blut.

Und das Unbegreifliche geschah: Das Blut veränderte sich, die Kristalle des Giftes lösten sich auf! Mit starrem Blick sah Peter durch das Okular. Er konnte es nicht begreifen, was er dort sah. Er konnte es einfach nicht verstehen. Immer und immer wieder schob er neue Objektträger unter den Tubus, spritzte sein Blut auf das Glas und gab von dem Serum dazu. Und immer wieder vollzog es sich vor seinen Augen: Das Blut wurde rein!

Ein Zittern überfiel Peter Perthes. Er starrte die neun noch gefüllten Ampullen an, riß den Deckel des Paketes an sich und suchte verzweifelt nach einem Zeichen des Absenders. Erlangen! Sonst nichts. Per Luftpost! Kein Name. Kein Hinweis.

Das erste Mittel gegen die >Schwarze Witwe<!

Als Dr. Cartogeno nach drei Stunden zurückkehrte, saß Peter noch immer am Tisch und schrieb mit fliegenden Händen in sein Tagebuch.»Fernando!«rief er.»Fernando, es ist ein Wunder — wirklich, es ist ein Wunder!«Er winkte dem sprachlosen Freund, näher zu treten, und zeigte auf das Mikroskop.»Es frißt das Gift auf. Ich habe es versucht — mit meinem Blut! Und ich kann es nicht begreifen. Ich kann es einfach nicht verstehen.. Das gewaltigste Mittel seit den Erfindungen Robert Kochs kommt anonym!«

Dr. Cartogeno starrte auf den hellen Kreis unter dem Mikroskop. Auch er begriff nicht, was er sah. Von dem Serum schienen Wirkstoffe auf das Gift überzugehen, die es völlig zersetzten und absorbierten. Es gab kein Gift der >Schwarzen Witwe< mehr.

«Leg dich aufs Bett, Peter«, sagte der Kolumbianer leise, indem er sich vom Tisch erhob,»wir wollen es versuchen.«

Auf seinem Rollstuhl fuhr Perthes an das Feldbett. Dann hob ihn Dr. Cartogeno hinüber und legte ihn auf den gespannten Drillichbezug. Aus dem Sterilkasten nahm er eine Spritze, setzte die Nadel ein und ergriff eine der Ampullen.»Zehn Kubikzentimeter — ohne Zusatz«, sagte er wie fragend.

«So steht es auf dem Zettel. «Dr. Perthes nickte und rieb sich selbst den linken Arm mit Alkohol ein. Dann legte er sich ein wenig Watte zurecht, während Cartogeno die Spritze langsam aus der Ampulle aufzog.

Der dünne, milchige Saft füllte den gläsernen Leib. Es sieht aus wie Aquacillin, dachte Peter. Merkwürdig, wie stark das Vorurteil der Menschen gegen Dinge ist, die sich nicht in der altgewohnten Weise präsentieren. Aber ich habe es ja im Mikroskop gesehen — es frißt das Gift auf!Es ist meine letzte Hoffnung.

Cartogeno beugte sich über Peters Arm. In seinem Innern war eine starke Erregung. Doch seine Hand, in allen Lagen gewohnt, den ärztlichen Dienst zu verrichten, war ruhig wie immer. Die Spitze der Nadel stieß durch die wie Leder gewordene Haut, traf die Vene, langsam zog Dr. Cartogeno ein wenig Blut auf, nickte leicht und spritzte dann das unbekannte Serum in Peters Blutbahn.

Angelas Serum.

Während Dr. Perthes auf den Einstich Watte preßte und sich auf sein Kissen zurückfallen ließ, nahm Dr. Cartogeno das Tagebuch vor sich auf die Knie und setzte sich zu Peter ans Bett. Genau beobachtete er die Wirkung der Spritze.

«Es wird heiß im Körper«, sagte Perthes nach einer Weile.»Es ist, als ob du Calcium injiziert hättest. Es brennt in den Adern.«

Dann schien ihn eine Schwäche zu überfallen. Er schloß die Augen. Sein Gesicht rötete sich, der Atem ging rasselnder.

Dr. Cartogeno rannte zum Impfschrank und zog eine Spritze zur Bekämpfung des Kollapses auf. Dann eilte er zu Peter zurück, der ihn mit fiebrigen Augen ansah. Schweiß trat auf die Stirn Peters.

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