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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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Die Indios, die beim Anlegen halfen, rannten schon mit Tauen das Ufer entlang. Auch der fremde Herr in Weiß rannte und schwenkte noch immer die Arme.

«Hartnäckiger Bursche«, meinte Dr. Cartogeno.»Wir legen extra weiter unten an — und er rennt mit!«

Er wollte noch etwas sagen, verstummte aber mitten im Satz und starrte mit offenem Mund seinen Freund an. Peter hatte nämlich plötzlich beide Arme hochgerissen und winkte dem weißen Mann zurück. Sein Gesicht glänzte. Der Körper bäumte sich auf, als wolle er sich aufrichten. Dr. Cartogeno biß sich auf die Lippen.

«Hallo!«schrie Peter.»Hallo! Wir legen an! Willkommen in Zapuare!«Und zu Dr. Cartogeno sagte er:»Fernando, an das Ufer! Es ist Herr von Barthey aus Köln!«

«Auch das noch!«Cartogeno gab den Ruderern einen Wink.»Der Geldgeber! Und wir haben an dreitausend Wilde sein Geld verimpft! Ein Unglück kommt wirklich selten allein.«

Als sie anlegten, stürzte Wolf von Barthey dem Boot entgegen. Schon beim Herausrollen des Fahrstuhls drückte er Peter die Hände und half mit, das Gefährt an Land zu bringen.»Viele Grüße aus Köln!«rief er.»Sie sehen gut aus, Doktor, blendend sehen sie aus! Braun, frisch, kräftig — ich bin glücklich. Sie so zu sehen!«

«Bis auf die Beine. «Peter versuchte ein Lächeln.»Die wollen nicht.«

«Die Beine!«Von Barthey winkte ab.»Pfeifen sie auf die Beine — Sie haben Ihr Lächeln, Sie haben Ihren Mut, Ihren Geist, Ihren Frohsinn. Was haben da die Beine zu sagen!«Er schob den Rollstuhl auf das Ufer und atmete tief auf.»Endlich sind Sie da, Dr. Perthes! Seit drei Wochen sitze ich schon hier in diesem Wanzennest und warte auf Sie! Schauermärchen erzählt man sich von Ihnen, mein Bester! Sie sollen in den Urwäldern die Kopfjäger impfen, damit sie lange gesund bleiben und recht viele weiße Schrumpfköpfe sammeln können. Haha!«Er lachte dröhnend.»Und mit dem größten Satan der grünen Hölle stehen Sie auf du und du? Mensch, Doktor, wenn das die Kölner Kapazitäten in der Lindenburg wüßten!«

Seine Vitalität riß Peter Perthes und Dr. Cartogeno mit. Man ging ins Haus, und Peter humpelte auf seinen Krücken herum, während der Kolumbianer in kurzen Worten berichtete, woher sie kamen.»Kurzum.«, meinte er am Schluß sarkastisch,»Sie haben es mit Ihrem Geld, Herr von Barthey, ermöglicht, daß dreitausend Wilde länger leben werden!«

«Wenn ich das meinen Bankdirektoren erzähle, zerreißen sie mich in der Luft!«Wolf von Barthey lachte schallend.»Also stimmt das alles, was man über Dr. Perthes erzählt? Bis Bogota — ach was, bis New York geht sein Ruf!«Er wandte sich an Peter, der aus seinem Kühlschrank eine flache Schale nahm.»Haben Sie mir einen Pudding kaltgestellt?«rief der Bankier lustig.

«Etwas Ähnliches. «Perthes winkte, und von Barthey trat an den Experimentiertisch. Er blickte in die Porzellanschale, auf deren flachem Boden ein Blutkuchen lag. Die geronnene kalte Masse sah braun und fleckig aus.

«Wenig appetitlich«, meinte der Bankier und wurde plötzlich ernst.»Ihr Blut?«fragte er Peter.

«Nein, das Blut eines Tapirs. Es enthält in konzentrierter Form so viel Curarin, daß man mit diesem Blutkuchen leicht zwanzigtausend Menschen umbringen könnte.«

Wolf von Barthey betrachtete die Schüssel voller Grauen.

«Und was machen Sie damit?«

«Das folgende Experiment soll meine Begrüßung für Sie sein. «Er nahm mit der Pinzette einen kleinen Teil des geronnenen Blutes aus der Schüssel und löste es in Wasser auf. Dann zog er die tödlichen Flüssigkeit in eine Spritze auf und hielt sie vor die Augen des Bankiers.»Diese Spritze enthält jetzt so viel Giftstoff, wie er sonst an hundert normalen vergifteten Pflanzen anzutreffen wäre. «Er ging damit zu einem Käfig im Nebenraum und holte einen kleinen Affen heraus.»Dieses Gift injiziere ich jetzt dem Tier.«

«Lassen Sie das Äffchen leben, Doktor!«rief von Barthey. Er blickte das zitternde Tier an und wandte sich dann ab.

Während Dr. Cartogeno den quiekenden Affen festhielt, stieß Peter die Spritze mit dem Giftstoff tief in den Schenkel des Tieres. Es fiel fast augenblicklich in Zuckungen.

«Sehen Sie es?«fragte Dr. Perthes laut. Der Bankier drehte sich um, seine Augen waren geweitet.»Das Äffchen liegt im Sterben. Das Curarin lähmt sofort die Muskeln und Organe. «Nun wandte sich Perthes zu Dr. Cartogeno um, der bereits eine andere Spritze in der Hand hielt.

«Antitoxikum, Fernando!«Perthes nahm die Spritze und stieß sie dem immer apathischer werdenden Affen in den gleichen Schenkel.»So«, sagte er dann zufrieden, und sah Herrn von Barthey groß an,»wenn der Affe jetzt noch stirbt, dürfen Sie mich einen Scharlatan nennen!«

Wolf von Barthey wischte sich über die Augen und lehnte gegen den Tisch.»Das ist ja unheimlich, Doktor Perthes, das ist. «Ihm versagten die Worte. Der Affe hatte sich aufgerichtet, streichelte mit beleckten Fingern die beiden Einstichstellen und flüchtete dann auf einen der Schränke, wo er hocken blieb und zu den drei Menschen hinunterkeifte.

Wolf von Barthey aber stürzte auf Peter Perthes zu und schloß ihn überschwenglich in seine Arme.»Sie haben es geschafft! Ich wußte es ja, ich habe es allen gesagt, allen, die nicht daran glauben wollten! Der alte Miesmacher Window und der sachliche Dr. Sacher — sie zweifelten! Aber ich habe gesagt: Er schafft es! Er ist nicht umsonst in den Wäldern, habe ich gesagt, er bringt uns das Gegengift gegen Curare, das einzige Mittel, das hilft! Mensch, Doktor. Ach was, Peter nenne ich Sie jetzt, Peter, mein Junge. «Rührung überfiel ihn. Er ließ den Arzt los und setzte sich auf das Feldbett.»Ich erlebe ein Wunder.«, stotterte er.»Ist das Ihr neues Serum?«

«Ja. Es muß jetzt noch von tüchtigen Serologen erprobt und klinisch untersucht werden. Ich mußte Sie damit begrüßen, Herr von Barthey: Es ist das Serum, das Sie mit nach Deutschland nehmen! Der Stamm unserer pharmazeutischen Fabrik, ihre Grundlage sozusagen: die Herstellung eines bisher unbekannten Physostigmins, entwickelt aus Phytotomie der Toxiferen.«

«Hören Sie auf!Hören Sie auf!«Der Bankier hielt sich die Ohren zu.»Ich ersticke an diesen schrecklichen Ausdrücken!«Während Dr. Perthes sachlich und ein wenig stolz seine Erfolge mit dem Gegengift erläuterte, lief Dr. Cartogeno in die nächste Bar und erstand einige Flaschen Whisky und lauwarmes Sodawasser, das er sogleich in den Kühlschrank stellte. Ein Benzinmotor hielt ratternd das verzweigte Kühlsystem der Schränke in Betrieb und spendete Strom für die Lampen und alle Geräte.

Am Abend erzählte Wolf von Barthey von seiner Fahrt. Vor vier Wochen schon war er in Buenaventura angekommen, von da fuhr er nach Bogota. Dort hielt man seinen Besuch für geschäftlich und erklärte ihn für einen Selbstmörder, als er den Wunsch äußerte, nach Zapuare zu Dr. Perthes zu fahren. Zwei Herren des Ministeriums versicherten, daß der kolumbianische Staat für nichts haftbar zu machen sei, wenn er in die Hände der Tarapas fallen würde. Man erzählte ihm alle Geschichten von dem >Teufel Sapolana<, den Kopfjägern, man zeigte ihm im Museum die Schrumpfköpfe und die Giftpfeile, Blasrohre, Speere, Keulen und Beile der Indianer, ja, man führte ihm sogar in einer Klinik Versuche mit Curare vor und erklärte ihm, daß ein Ritz mit diesem Gift unheilbar sei.

Der Bankier aus Köln ließ sich nicht abhalten. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, Dr. Perthes zu besuchen. Und wo der lebte — warum sollte er da nicht auch leben können? Achselzuckend brachte man ihn nach Villavicencio, wo man einen Führer mietete und Herrn von Barthey mit diesem in die unwegsamen Wälder schickte.

Zwei Männer im Land der Tarapas! Nach acht Tagen kamen sie in Zapuare an, ohne einem Wilden begegnet zu sein. Wohl hörten sie in ihrem Rücken und ringsherum den Klang von Trommeln, aber sie maßen dem keinerlei Bedeutung zu. Daß es die Nachricht war, ein Freund des weißen Zauberers ziehe durch den Wald und stehe unter dem Schutz des Großen Häuptlings — das ahnte von Barthey nicht. Er hörte die Trommeln und zog an seinem Tod vorbei, weil er zu Dr. Peter Perthes reiste.

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