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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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«Abends?«

Benischek witterte die Gefahr, in die er gedrängt wurde, und begann mit dem Mut der Verzweiflung und eingedenk seines Versprechens tapfer zu lügen:»Nee!«Er lachte breit.»Ick bin woll nich

der Typ fürs Frollein Doktor!«

Paul Sacher lachte pflichtschuldigst mit, auch wenn er die Bemerkung als ziemlich taktlos ansah. Im sozusagen höheren Interesse schwieg er und setzte seine Unterhaltung höflich fort:

«Es liegt mir sehr viel daran, lieber Herr Benischek, zu erfahren, wo Angela die letzte Zeit war. Verstehen Sie — es ist keine Neugier, auch kein Herumspionieren. Es geht hier nur allein um die Gesundheit Dr. Benders. Sie wissen doch wohl, daß sie sehr krank ist?«

Fritz Benischek riß beide Augen auf. Diese Mitteilung warf ihn aus dem Gleichgewicht. Angela Bender krank? Sogar sehr krank? Er sprang auf und ging zum Nebentisch, um die Flasche Cognac zu holen. Während er die Gläser füllte, zitterten seine Hände. Dann prostete er Dr. Sacher zu und trank das Glas in einem Zug leer. Mit der Zunge wischte er sich danach über die Lippen.

«Ja, sie hat ein schweres Nervenfieber — ich dachte, das sei Ihnen bekannt? Sie war nächtelang außer Haus, sie muß sich dabei irgendwo und irgendwie die Nerven zerrüttet haben. Überarbeitung oder sonst etwas. Wir wissen es nicht! Wir dachten nun, Sie hätten sie vielleicht des Abends gesehen oder könnten uns einen Fingerzeig geben.«

Benischek goß sich sein Glas wieder voll. Schweigen — was auch kommen mag —, das hatte er versprochen. Aber jetzt lag sie krank in der Klinik. Eigentlich war es ja verständlich, eine solche Belastung konnte kein Körper ertragen, am wenigsten der einer zarten jungen Frau. Er hatte ja selbst dieses Wunder bestaunt, er hatte schlappgemacht, er war eingeschlafen, hatte sich mit Kaffee mühsam auf den Beinen gehalten. Er verspürte jetzt noch einen Druck im Kopf, wenn er nur daran dachte. Und sie hatte immer am Tisch gesessen, hatte in das Mikroskop gestarrt, gemischt, gekocht, destilliert, probiert, abgekühlt, geimpft, wieder probiert. ohne Aufhören, ohne Pause. Es war doch wirklich ein Wunder.

«Ick kann Ihnen nischt sagen«, meinte Benischek zweideutig und gewann mit dieser Antwort sein inneres Gleichgewicht wieder.

«Sie wissen auch nicht, wo Fräulein Dr. Bender gewesen sein könn-te?«

«Nee, Herr Doktor. Ick bin doch keen Kindermädchen.«

«Also, schönsten Dank!«Dr. Sacher erhob sich. Er war enttäuscht, zum zweitenmal an diesem Tag. Er gab Benischek die Hand und ging zur Klinik zurück, ein wenig bedrückt von der Unmöglichkeit, Angelas Geheimnis zu erhellen.

Fritz Benischek blickte ihm lange nach. Er hätte so viel sagen können.er hätte alles aufklären können! Aber er durfte es nicht. Schnell schloß er die Tür ab und schwor sich, in den nächsten Stunden taub gegen alles Türklingeln zu sein. Wenn dieser Arzt zurückkäme — er würde ihn nicht hören!

Denn Dr. Sacher hatte die Flasche stehen lassen.

Wie ein Magnet zogen die drei Sterne Fritz Benischek an. Der Cognac war ein Genuß, wie er ihn seit Jahren nicht in der Kehle brennen gespürt hatte.

In der Klinik stand Dr. Sacher den Professoren Purr und Heines gegenüber.»Nichts«, sagte er.»Ich fand keine Anhaltspunkte. Es gibt überhaupt kein Schlüsselloch, durch das ein winziger Lichtstrahl in das Dunkel um Angela Bender fallen könnte. Es ist zum Verzweifeln! Wenn sie selbst nicht sprechen will — wir erfahren nie den Grund dieses Zusammenbruchs!«

Dr. Paul Sacher blieb vier Tage in Erlangen. Erst am dritten Tag besuchte er Angela in ihrem Krankenzimmer. Er fand sie blaß, aber für ihren Zustand erstaunlich froh. Sie saß im Bett und las. Den alten Freund begrüßte sie mit echter Herzlichkeit, und nichts hätte auf eine akute Nervenkrise hingedeutet, wenn nicht in den weißen, schmalen Händen ein immerwährendes Zittern gewesen wäre, ein Flackern in den Augen und ein leichtes Zucken der Mundwinkel.

Nun erzählte Paul Sacher fröhlich von Köln, von dem Klinikchef Professor Window, der sie herzlich grüßen ließ, von der Lindenburg; er berichtete auch einige neue Witze, die im Ärztekasino kursierten und die nicht ganz stubenrein waren, er plauderte mit ihr, als säße er mit seiner schönen Kollegin auf irgendeiner Rheinterrasse oder in einem exklusiven Cafe der Kölner Innenstadt.

Mitten im angeregtesten Gespräch wischte Angela Bender plötzlich mit der Hand durch die Luft.»Wie geht es Peter?«fragte sie unvermittelt.

«Peter?«Dr. Sacher fiel es wie Schuppen von den Augen.»Haben Sie sich über meinen Brief so aufgeregt? Ich hätte es Ihnen nicht schreiben dürfen!«Sein Herz begann in der Erkenntnis des Selbstvorwurfes rascher zu schlagen.

«Ihr Brief?«Sie lächelte schwach.»Als der eintraf, wußte ich es schon einige Tage. Dr. Cartogeno hatte mir auch geschrieben.«

«Sie wußten schon von dem Unglück im Urwald von Amorua?«

«Ja, und ich war sehr unglücklich. «Sie sagte es, als spiele sie eine Rolle in einem Bühnenstück. Fast klang es einstudiert.»Aber dann habe ich mich gefaßt und mir gesagt: Gott weiß, was er tut. Gott verteilt nicht wahllos Leid und Freud. Es muß einen Sinn haben, so sagte ich mir, daß Peter Perthes dieses Schicksal zu tragen auferlegt bekam.«

«Vielleicht. «Paul Sacher blickte auf seine Hände, die in seinem Schoß ruhten.»Herr von Barthey ist übrigens unterwegs nach Za-puare. Er will Peter vielleicht zurück nach Köln bringen.«

«Das wäre sehr schön für Peter«, sagte sie mit gesenktem Blick leise.

«Und Sie kämen doch dann auch nach Köln, Angela?«

«Ich? Nein!«Es klang so fest, als gäbe es über diese Frage keine Diskussion.»Mein Weg ist vorgezeichnet. er führt nicht mehr mit Peter auf einer Straße.«

«Und wenn er Sie braucht, Angela?«

«Wenn ich es recht überdenke«, sagte die Kranke und strich mit der weißen Hand die Bettdecke glatt,»so glaube ich nicht, daß er nach Deutschland zurückkehrt. Er wird in seinen Wäldern bleiben. der Urwalddoktor!«

«Sie sprechen hart, Angela. «Paul Sacher schüttelte leicht mahnend den Kopf.»Peter ist am Ende.«

«Das bin ich auch. «Sie sah ihn groß an.

«Durch ihn, Angela?«

Sie zuckte mit den Schultern, legte sich, drehte sich auf die Seite und schloß die Augen.»Ich weiß es nicht«, sagte sie leise. Dann legte sie die Hände vors Gesicht und schwieg.

Auf Zehenspitzen verließ Dr. Sacher vorsichtig das Krankenzimmer.

Kapitel 13

In Zapuare traf ein kleines Paket mit zehn Ampullen ein.

Ein Postreiter hatte es von Villavicencio, dem Umschlagplatz für die Post des Distriktes Meta, gebracht. Dr. Cartogeno, an den es adressiert war, nahm es zögernd in Empfang. An den Marken sah er, daß es aus Deutschland kam. Der Absender fehlte.

Kopfschüttelnd ging er mit dem Päckchen ins Haus, setzte sich ans Fenster und schnitt mit einem Skalpell die versiegelten Bindfäden durch. Dann hob er den Deckel ab. Voll Staunen entdeckte er unter einem Pergamentpapier als Deckblatt eine Watte-Lage, in ihr ruhten zehn kleine, mit Wachs verschlossene Ampullen, die mit einer milchigen Flüssigkeit gefüllt waren.

Peter Perthes, der an einem selbstkonstruierten Experimentiertisch saß, lachte zu dem Freund hinüber.»Na, was schreibt die Kleine?«rief er fröhlich.»Ich wußte ja gar nicht, daß du irgendwo eine Flamme sitzen hast!«

Dr. Cartogeno stand auf und trat heran. Er schob Peter das Päckchen zu und setzte sich mit einem Schwung auf die Tischplatte.»Was hältst du davon?«fragte er.

Peter betrachtete verwundert die Ampullen.»Was ist denn das? Ampullen? Mit der Post? Und mit Wachs verschlossen? Wo kommen die denn her?«

«Aus Deutschland!«

«Was?«Peter wollte aufspringen, aber der Körper pendelte schlaff auf den leblosen Beinen. Er wurde rot und biß die Zähne zusammen. Vergessen, dachte er. Wieder einmal vergessen! Daß es so verdammt schwer ist, zwei gelähmte Glieder nicht zu vergessen! Er nahm den Deckel des Pakets und studierte den Poststempel.

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