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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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Ich werde zu von Barthey gehen, dachte Paul Sacher. Ich werde ihn bitten, mich mitzunehmen. Ich bin es schon Angela schuldig, daß alles für Peter getan wird. Für sie tue ich es, ich kann sie nicht unglücklich sehen. Und ich weiß doch, daß sie nur glücklich wird,

wenn Peter endlich lebend zurückkommt.

Am Abend nach der schweren Operation fuhr Dr. Sacher in die Villa des Bankiers. Es wurde eine lange Unterredung, in der er um seinen Plan mit der Kraft eines Fanatikers kämpfte. Sosehr Dr. Sacher auch bat und bettelte — Bankier von Barthey lehnte eine Begleitung ab. Er wollte allein fahren.»Nicht, daß ich Sie, lieber Herr Sacher, nicht bei mir haben wollte«, sagte er und hoffte auf Verständnis,»aber bedenken Sie die nervliche Belastung für Ihren Freund, wenn er Sie groß und rüstig vor sich sieht und muß Ihnen auf seinen Krücken entgegenhumpeln! Der ganze Schmerz über das, was er verloren hat, wird in ihm wieder wach werden. Ich bin ein alter Mann, ich kann als Vater zu ihm reden — keine Konkurrenz seiner Generation, verstehen Sie? Glauben Sie mir, es ist besser, wenn ich allein fahre.«

Professor Window, als er davon hörte, sah es sofort ein. Bei Sacher dauerte es länger. Sein stiller Plan blieb es, mit nach Zapuare zu fahren und dann, unter Außerachtlassung seines Kölner Klinikvertrages, einfach bei Peter im Urwald zu bleiben. Ein Toxikologe, ein Internist und ein Chirurg. so wollten sie sich den Gefahren der grünen Hölle entgegenstemmen.

Der Professor ahnte es und unterstützte die Auffassung des Bankiers.»Paul, es wäre eine ausgesprochene Dummheit, Peter in seiner jetzigen Verfassung aufzusuchen. Wenn er in Zapuare bleiben will, haben wir später immer noch die Möglichkeit, ihn aufzusuchen. «Und dann fuhr er noch ein schweres Geschütz seiner Überredungskunst auf:»Hast du von Peter seit seinem Unfall eigentlich eine Nachricht bekommen?«

«Nein«, antwortete Dr. Sacher stockend.»Nur von Dr. Cartoge-no.«

«Und beweist dir das nicht deutlich genug, daß Peter mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat? Daß er nicht mehr erinnert werden will an Köln, an unsere Klinik, an dich und mich? Er lebt in seinem Leid verbissen in der Gegenwart und für die Zukunft — aber die Vergangenheit ist tot für ihn, ein Zurückblicken würde ihn schwach werden lassen. «Energisch schüttelte er den Kopf.»Ich möchte den armen Jungen auch sehr gern trösten… aber er braucht keinen Trost durch Worte, sein großer Trost ist seine Aufgabe!«

An einem sonnigen Junitag fuhr Wolf von Barthey nach England und drei Tage später, von Southampton aus, mit einem der großen Überseedampfer nach Südamerika. Die Fahrt sollte eineinhalb Monate dauern.

An Dr. Cartogeno hatte er nichts von seiner Ankunft geschrieben. Er wollte plötzlich vor Dr. Perthes' Tür stehen. Die Überraschung sollte wirken. Nur an seinen Geschäftsfreund in Bogota und die Filiale seiner Außenhandelsbank gab er kurze Nachrichten mit dem Ankunftsdatum im Hafen von Buenaventura.

Der Bankier befand sich mitten auf dem Ozean, als in Köln die Nachricht von der schweren Erkrankung Angelas eintraf. Dr. Sacher zögerte keinen Augenblick und fuhr die Nacht durch mit dem nächsten Zug nach Erlangen. Am Morgen schon traf er in der Universitätsklinik ein.

Angela Bender hatte das Bewußtsein wiedererlangt. Aber sie war zu geschwächt, um auf die vorsichtigen Fragen, die Professor Purr stellte, eine Antwort zu geben. Sie schüttelte nur den Kopf auf alle Fragen, was man deuten konnte, sie wolle nichts sagen — was man sie auch fragen würde.

Achselzuckend verließ der Professor das Krankenzimmer. Zu dem Kollegen Professor Heines, der die Behandlung übernommen hatte, meinte er:»Ich stehe vor einem Rätsel. Ich weiß keine Erklärung mehr. Hier können wohl Sie und ich als Ärzte kaum helfen, hier scheint ein Meister am Werk zu sein, der uns über ist.«

Dr. Sacher, der an diesem Morgen vom Bahnhof gleich in die Klinik fuhr, erkundigte sich zuvor bei den Erlanger Kollegen nach Angelas Zustand und ließ sich die Krankengeschichte, soweit sie bekannt war, genau erklären. Auch er stand vor dem Rätsel der drei Tage, an denen Angela verschwunden gewesen war. Es war wie ein

Dunkel, aus dem sie mit einem schweren Nervenfieber zurückkehrte. Angela Bender, Dr. med., die vielleicht nie wieder den weißen Ordinationskittel einer Ärztin anziehen konnte.

«Sie zu fragen hat keinen Zweck, Herr Kollege«, sagte Professor Purr zu Dr. Sacher.»Sie gibt keine Antworten. Sie reagiert auf alle Vorstöße in dieser Richtung mit einer geradezu verbissenen Abweisung. Wären wir Kriminalisten, hätten wir jetzt die undankbare Aufgabe, drei verlorengegangene Tage aufzuklären. Wir aber begnügen uns mit der medizinischen Seite und halten Dr. Bender zunächst unter strenger Bewachung. Es ist zu fürchten, daß sie an einem Komplex leidet, eventuell in der Nacht versuchen wird, die Klinik heimlich zu verlassen. Kollege Dr. Heines, ein Spezialist, ist sich auch noch nicht ganz klar über diesen komplizierten Fall.«

«Sie haben auch gar keine Andeutungen, wo sie gewesen sein könnte?«Dr. Sacher las noch einmal die Krankengeschichte aufmerksam durch.»Dr. Heines meint doch, daß das Nervenfieber durch eine außergewöhnliche Überanstrengung, eine Überreizung oder eine Überarbeitung ausgelöst wurde. Hatte sie in der Klinik einen so großen Aufgabenbereich?«

«Ganz im Gegenteil! Dr. Bender hatte nur die Visiten, den Verbandssaal und ab und zu die Assistenz bei einer Operation. Ich habe sie wegen der schweren Zeit, die hinter ihr liegt, wegen des Kindes, besonders geschont. Nein, hier ist nichts zu finden. Sie muß die freie Zeit, die ihr reichlich zur Verfügung stand, dazu benutzt haben, sich anderweitig zu beschäftigen und sich dadurch gesundheitlich zu ruinieren. Ein Zusammenbruch des zentralen Nervensystems kann innerhalb weniger Tage stattfinden! Das wissen Sie ja, Herr Kollege.«

Nach dieser Aussprache vermied es Dr. Sacher, Angela in ihrem Zimmer zu besuchen.

Eine lange Zeit stand er vor der weißen Tür und hörte sich den Bericht der Stationsschwester an. Apathisch, müde, interesselos sei die Patientin. Ihr einziger Wunsch sei Lektüre. Man habe ihr einige leichtere Romane gegeben, in denen sie aber nur herumblätterte, ohne zu lesen. Die Besuche der Ärzte lasse sie mit unbewegter

Miene über sich ergehen — auf Fragen drehe sie sich auf die Seite und schließe die Augen.

Am Abend begab sich Dr. Paul Sacher in Angelas Wohnung. Der kleine Peter schlief schon, gut betreut von dem Mädchen. Es saß jetzt am Fenster und stopfte Strümpfe. Ein Korb mit Flickwäsche stand daneben auf dem Fußboden. Die junge Frau gab bereitwillig Auskunft, sie wiederholte aber nur das, was sie schon den anderen Ärzten gesagt hatte und was sie wußte: Dr. Bender war in der letzten Zeit jeden Abend außer Haus gewesen und erst gegen Morgen gekommen. Die letzten drei Tage vor der Erkrankung war sie ganz fort — nach Köln, wie sie gesagt hatte. Sie kam dann zurück, ging ins Schlafzimmer, wo sie ohnmächtig vor dem Bett umsank. Sie, die Haushälterin, habe Dr. Bender dann zu Bett gebracht und wollte gerade die Klinik anrufen, als ihr Professor Purrs Telefongespräch zuvorkam. Weiter sagte sie aus, daß Frau Doktor, bevor sie die Nächte über fortblieb, Wochen vorher bis zum Morgengrauen gelesen habe. Lauter medizinisches Zeug, wie sie meinte, von dem sie nichts verstünde.

Paul Sacher bat um die Genehmigung, den Schreibtisch inspizieren zu dürfen. Er fand aber wenig, ein paar Notizen aus dem Klinikbetrieb, ein Buch über Kinderlähmung und Tuberkulose, einige Zeitschriften, ein Notizbuch, dessen Seiten leer waren, und ein im Papierkorb liegender Fetzen Schreibpapier, auf dem als Anschrift — sonst nichts — zu lesen war: An das Tropeninstitut in Hamburg. Der Bogen war anscheinend danach aus der Maschine gerissen worden.

Tropeninstitut! Dr. Sacher steckte den Papierfetzen ein. Man konnte ja dort einmal anfragen, was Dr. Bender gewollt hatte.

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