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Wir sind nur Menschen

Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:

Für die Rettung eines Jungen erhält Tropenarzt Dr. Perthes von dem dankbaren Vater eine Geldsumme. Endlich kann er seinen Wunschtraum verwirklichen: eine Expedition in die Urwälder Südamerikas. Seine Geliebte, die Kinderärztin Dr. Angela Bender, ist dagegen, aber sie kann den tatendurstigen Mediziner nicht halten. Die Briefe aus Südamerika verbrennt sie ungelesen. Als der Giftspezialist Dr. Perthes einen Stammeshäuptling vor dem sicheren Tod rettet, ist er ein berühmter Mann. Doch eines Tages wird er selbst von einer giftigen Urwaldspinne gebissen — und bleibt gelähmt. Durch einen Zufall erfährt Angela Bender in der Heimat von seinem Unglück. In ihrer Verzweiflung wagt sie ein gefährliches Experiment…
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«In Köln warten alle auf Sie«, sagte der Bankier weiter und trank Peter zu.»Wenn Sie hier fertig sind, bauen Sie ab und kommen zurück nach Deutschland, mein Lieber! Sie müssen Ihre Entdeckungen mit auswerten, und Ihr Freund Dr. Cartogeno auch.«

Peter schüttelte den Kopf.»Es wird nicht gehen«, sagte er langsam. Fernando Cartogeno stockte der Atem, und er starrte Peter ungläubig an.»Ich kann meine Hütte hier am Rio Guaviare nicht allein lassen. Die Tarapas brauchen mich. Sie haben das Gegenmittel — Sie werten es aus und machen es groß und berühmt. Wir werden immer in Verbindung bleiben. Ich werde Ihnen vielleicht auch neue Sera schicken, Ratschläge geben und die Eroberungen Ihrer Forscher in der großen Praxis des Urwaldes bestätigen. Aber mit nach Deutschland. «Er schüttelte den Kopf.»Es wird nicht gehen. «Er betrachtete seine gelähmten Beine.»Was sollte ich auch in Köln? Im Rollstuhl durch den Garten der Lindenburg fahren? Das Mitleid der Kollegen im Rücken? Nein, das könnte ich nicht.«

Wolf von Barthey wollte etwas sagen, aber er biß sich auf die Lippen und schwieg. Er starrte auf Peters Beine, die leblos vom Sitz des Rollstuhls herunterhingen.»Was ich schon bei der Begrüßung sagte: Ich soll Sie von allen grüßen«, fuhr er dann fort.»Professor Dr. Window übrigens ist vor einigen Wochen die erste operative Linderung der kaum erforschten multiplen Sklerose gelungen. Es war eine Sensation in der medizinischen Welt.«

«Der gute Professor!«Peter lachte vor sich hin.»Und Dr. Sacher?«

«Dr. Sacher war nach Erlangen gefahren, um.«

Perthes und Cartogeno sprangen auf.»Nach Erlangen?«rief der Kolumbianer.

«Ja — ein Besuch bei Professor Dr. Purr. «Herr von Barthey dachte gerade noch rechtzeitig daran, daß er nichts über Angela Bender sagen durfte, und wand sich aus der heiklen Situation heraus.»Er war nur kurz dort. Sonst ist er der alte geblieben.«

Der Bankier lachte noch einmal ein wenig gequält.»Denken Sie nur! Er wollte doch tatsächlich mit nach Zapuare und Ihnen Gesellschaft leisten! Er wollte sogar hier bleiben! Wir haben es ihm lange ausreden müssen, bis er dann doch einsah, daß er an der Lindenburg als tüchtiger Chirurg mehr leisten kann als im Urwald beim Kampf gegen giftige Ameisen und Spinnen!«

Dr. Perthes nickte zögernd. Eine Frage würgte in seiner Kehle. Es schien schwer zu sein, sie auszusprechen. Er wollte einen Namen nennen, den er eigentlich aus seinem Gedächtnis längst gestrichen haben sollte.»Und — was macht Angela?«sagte er endlich.

«Dr. Bender?«Von Barthey stockte.»Sie wissen es nicht?«

«Nein! Was weiß ich nicht?«

«Ach. «Wolf von Barthey überlegte. Ich muß ihm etwas sagen, ohne zu verraten.»Dr. Bender ist doch weg aus Köln.«

«Ja, das weiß ich. Vorübergehend, nicht wahr? Auf Urlaub im Allgäu? Und dann?«Dr. Perthes betrachtete den Bankier aufmerksam.

«Nein, Peter, an dem Tag, als Sie von Bremerhaven aus in See stachen, löste sie alle Verträge in Köln. Sie gab ihre Praxis auf, fuhr dann ins Allgäu und ist nun schon seit Monaten verschwunden.«

«Verschwunden?«Dr. Perthes richtete sich im Sitzen auf.»Soll das heißen, daß niemand weiß, wo sich Angela jetzt befindet?«

Wolf von Barthey nickte. Die Lüge kam ihm nur stockend über die Lippen. Peter deutete es gottlob als Erschütterung.»Ja, so ist es. Dr. Bender ist irgendwo untergetaucht.«

«Angela untergetaucht?«Peter sprang aus seinem Rollstuhl auf und schwankte an den Tisch.»Sie hat Köln ganz verlassen? So liebte sie mich. «Und leiser:»Ich war schlecht zu ihr, so schlecht.«

Mit offenem Mund starrte Dr. Cartogeno den Freund an. Blässe, Entsetzen im Gesicht, dachte er: Er ist aufgesprungen! Er ist doch ein paar Schritte gegangen! Die Beine! Mein Gott, Peters Beine — sie tragen ihn wieder. Er kann gehen. Die Beine.

Ein Aufschrei Dr. Cartogenos ließ Peter herumfahren. Er sah die ausgestreckte Hand Fernandos, sah den Zeigefinger zitternd auf seine Beine gerichtet… sah die starren Augen. Dr. Perthes blickte an sich hinunter. Tastend ging er ein paar Schritte. Die Beine bewegten sich! Die Beine trugen ihn. Und er begriff das Wunder — es überfiel ihn wie ein Schlag. Es schmetterte ihn zu Boden. Mit ei-nem Aufschrei warf er die Arme empor und sank vornüber.»Fernando!«schrie er.»Fernando… ich… gehe. «Dann fiel er zu Boden und schüttelte sich wie im Krampf.

Doch ehe der Kolumbianer und der Bankier bei ihm waren, kniete er schon wieder und stand langsam, zitternd auf. Frei stand er jetzt im Zimmer, die Arme weit ausgebreitet. Vorsichtig setzte er die Füße. Fuß nach Fuß. Er ging. ging dreimal durch den Raum. ein wenig schwankend noch, unsicher, hinkend. aber er ging mit seinen Beinen.

Dr. Cartogeno stürzten die Tränen übers Gesicht. Auch der Bankier wandte sich ab und mußte sich die Nase putzen. Er verließ das Zimmer. Dann stand er auf der Veranda und blickte über den Fluß.

«Das Serum, Fernando. «Peter ging auf Cartogeno zu, der ihn stumm umarmte.»Das Serum hat geholfen. Das anonyme Mittel aus Deutschland. aus Erlangen!«Und plötzlich fiel sein Kopf an Dr. Cartogenos Schulter, und Schluchzen durchzitterte den Körper.»Ich kann es noch nicht fassen, Fernando, sag mir, daß ich träume. Sag mir doch, daß ich wieder laufen kann. Ich glaube es nicht. ich kann es nicht glauben! Sag es mir.«

«Du bist gesund, Peter. «Der Kolumbianer drückte den deutschen Freund an sich.»Du kannst wieder gehen! Hörst du — gehen. gehen.«

«Ja, Fernando, ja. «Peter umklammerte die Schultern seines Freundes.»Und ich werde meine Beine gebrauchen, um den Mann zu suchen, der mir das Serum geschickt hat. Ich werde gehen, wenn es sein muß, rund um die Erde. «Er richtete sich auf und schrie:»Ich fahre nach Deutschland! Ich fahre nach Deutschland!«

Weithin gellte es durch den Garten.

Draußen stand der Bankier von Barthey aus Köln und faltete die Hände. Er konnte sich nicht besinnen, wann er das letztemal gebetet hatte.

Kapitel 14

Die plötzliche Heilung des weißen Zauberers wurde in den Urwäldern Kolumbiens rasch bekannt. Tag und Nacht dröhnten die Baumtrommeln und riefen das Wunder in alle Winde. Die Tarapas starrten auf ihre Arme, viele hatten Narben, aufgequollen und groß. Sie waren stolz darauf und verachteten diejenigen, bei denen die Impfung keine Zeichen hinterlassen hatte. Ihre Freude war groß, daß er seine Beine von den Göttern wiedergeschenkt bekommen hatte. Vier Tage lang loderten die Feuer an den geheimen Lagerplätzen mitten im Urwald.

Dann dröhnte aber die Trommel Sapolanas. Und der Kreis schloß sich wieder um Peter Perthes.

Er durfte Zapuare nicht verlassen.

Die Medizinmänner umtanzten die Fetischsäulen. Ihre wunderlich bemalten Körper glänzten im Feuerschein.

Einmal, in der Nacht, ließ der alte Sapolana vor Peters Haus den mit Muscheln und Tukanfedern geschmückten Balg eines riesenhaften Trompetervogels legen.

Ein Symbol des besiegten Dämons.

Aber der Ring wurde immer enger. Selbst der Bankier merkte es, als er mit Peter und Cartogeno den Rio Guaviare hinabfuhr, um sich das Tor zu den unerforschten Wäldern zeigen zu lassen, die Mündung des Cuno Supari.

Wo auch immer sie anlegten, überall staken in den Uferbäumen die langen, gefiederten Pfeile — die roten Pfeile! Sie warnten stumm. Im Holz der Bäume zitterten sie leicht.

Von Barthey sah sie mit Grausen und wandte sich an Peter:»Ich fahre wohl doch lieber allein nach Deutschland zurück«, sagte er leise.»Ich möchte ja nicht Ihr Leben in Gefahr bringen. Kommen Sie nach, wenn man Sie fahren läßt.«

Peter schüttelte nur den Kopf und schwieg. Er riß die Pfeile aus den Bäumen und warf sie weit hinaus in den Fluß. Sie trieben den

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