Wir sind nur Menschen
- Автор: Конзалик Хайнц
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Wir sind nur Menschen». Краткое содержание книги:
«Das Herz.«, röchelte er.»Das Herz setzt aus. Die Dosis ist zu stark. In meinem Körper brennt alles. «Er schwieg erschöpft und schloß von neuem die Augen.
Nach einer Stunde war der Anfall, so rasch er gekommen war, vorüber. Die Merkwürdigkeit dieses Fieberschauers war, daß sich Peter danach nicht erschöpft fühlte, sondern — im Gegenteil — ein wenig erfrischt und von einem Druck befreit, der ihm die ganzen Wochen über in den Gliedern des Körpers gesessen hatte.
Er las mit Staunen das Tagebuch durch, das Dr. Cartogeno in dieser Stunde geführt hatte, und wunderte sich über die starken Reaktionen seines Blutes auf das neue Serum.
«In drei Tagen die nächste Spritze«, sagte Dr. Perthes und saß schon wieder vor seinem Mikroskop. Im Lichtfeld des Okulars lag der milchige Saft aus den fremden Ampullen.»Jetzt ein Labor haben«, stöhnte er.»Analysieren können, aus welchen Stoffen das Serum besteht. Fernando, dafür gäbe ich viel!«
In den drei Tagen bis zur neuen Injektion fuhren sie wieder die Flüsse hinauf und hinab und sammelten giftige Insekten. Am Bra-za Amanaveni trafen sie plötzlich in einer versteckt liegenden Bucht auf Umari, den Unterhäuptling der Tarapas. Er erwartete die beiden Ärzte in einem breiten Kriegskanu, das von acht Ruderern bewegt wurde. Einer davon war ein Dolmetscher.
«Du willst Zapuare verlassen?«fragte Umari über den Dolmetscher Peter Perthes.
Der sah verwundert seinen Freund an. Er schwieg einen Augenblick. Sie haben gute Späher, dachte er. Sie wissen mehr als meine nächste Umgebung. Nie habe ich darüber gesprochen, auch Fernando nicht, mit keinem der Indios. Ich habe mich nur einmal heimlich in Villavicencio erkundigt, wann der nächste Dampfer von Buenaventura aus nach New York fährt. Eine Antwort habe ich noch nicht — aber Sapolana weiß es schon.
«Vielleicht«, antwortete er.»Ich weiß es noch nicht, Umari.«
«Du mußt bleiben!«entgegnete der Häuptling.
«Du liebst deine Heimat, Umari. «Peter zeigte auf den dichten Ur-wald.»Hier bist du geboren, und hier möchtest du sterben. Du würdest den Wald nie verlassen, wenn du nicht daraus vertrieben würdest. Auch ich habe Sehnsucht nach meiner Heimat, nach den Orten, wo ich als Kind spielte und glücklich war. Ich möchte diese Heimat noch einmal sehen. Dann komme ich zu euch zurück.«
Umari schüttelte den Kopf. Die Muscheln und Federn in seinen durchstochenen Ohrläppchen flatterten und klapperten. Grauenhaft anzusehen war es, wie die Schrumpfköpfe an dem Menschenhaargürtel um seinen Leib schaukelten.
«Sapolana und ich glauben dir nicht. Wenn du erst weg bist von Zapuare, wirst du nie wiederkommen. Aber der Große Häuptling wird dich nicht gehen lassen. Er braucht dich und deinen Zauber. «Er zeigte auf die Medikamentenkästen, die in dem Boot der Ärzte lagen.
«Ist Sapolana wieder krank?«fragte Perthes.
«Nicht er, aber viele seiner Krieger. Sie haben Fieber, sie sind von giftigen Mücken gestochen worden, sie sterben schnell. Du mußt die Tarapas retten, weißer Zauberer.«
«Ich werde euch alle impfen!«Peter nickte.»Aber erst muß ich nach Deutschland, Umari.«
«Du kannst nicht gehen. Deine Beine sind dir genommen.«
«Ich werde wieder gehen können!«Zuversicht klang in Peters Stimme. Seine Augen glänzten.»Aus meiner Heimat kam ein Mittel, dieses Mal wirklich ein Zaubermittel, und ich werde meine Beine wieder gebrauchen können. Ich werde ohne Krücken und ohne Rollstuhl zu euch zurückkehren, Umari, und euren Stamm mit neuen Mitteln impfen, auch gegen das Gift der >Schwarzen Witwe<! Sage das Sapolana!«
Umari nickte. Sein Speer, mit runenhaften Zeichen bedeckt, zeigte mit der Knochenspitze hinauf in den weißblauen Himmel.»Die Götter der Sonne werden bei dir sein. Der Große Häuptling wartet auf dich. Du wirst nicht fahren können. Du mußt in unseren Wäldern bleiben. Ich weiß, daß du nicht wiederkommst.«
Ein kurzer Schrei klang aus seiner Kehle. Die acht Ruderer war-fen sich nach vorn und trieben das Kanu mit starken Schlägen in die Mitte des Stromes. Pfeilschnell glitt es die Strömung hinab, dem Cuno Supari entgegen, den undurchdringbaren Wäldern von Ar-norua.
Eine Baumtrommel am Ufer in den Büschen verkündete dumpf die Zusammenkunft.
Dr. Cartogeno saß Peter gegenüber im Boot und rauchte eines seiner widerlich riechenden langen Zigarillos. Sein Gesicht war ernst.»Willst du wirklich zurück nach Deutschland?«fragte er nach einer ganzen Weile, in der sie langsam den Fluß abwärts trieben.
«Ja, Fernando, ich habe es dir noch nicht gesagt. Woher es Sapolana weiß, ist mir ein Rätsel. Als ich das Paket erhielt mit den zehn Ampullen, als ich im Mikroskop feststellte, daß es ein Gegengift ist, das mir die Bewegung der Beine wiedergeben kann, da habe ich mir geschworen, nach Deutschland zurückzufahren und den Mann zu suchen, von dem dieses Serum stammt. «Er beugte sich vor.»Verstehe es doch, Fernando! Ich muß diesen Mann finden! Nicht mein Leben allein, das Leben Tausender hängt doch an diesem milchigen Wasser! Du bleibst in Zapuare, führst unsere Arbeit weiter fort und wartest. Ich werde wiederkommen, bestimmt! Das schwöre ich dir. Ich kann ohne die riesigen Wälder nicht mehr sein, ohne den Ruf des Tukans und den Gesang der Ruderer, wenn sie zurückkommen, die Boote von Kautschuk und Orchideen entladen. Aber ich muß wissen, wer sich hinter diesem anonymen Paket verbirgt. Es kann ein Jahr dauern, vielleicht auch zwei oder drei Jahre. Es wird vielleicht schwer sein, in Deutschland den Mann zu finden, aber ich weiß auch, daß ich zu dir nach Zapuare zurückkehre und zu dir sagen werde: Fernando, hier bin ich wieder! Komm, rudere mich hinaus auf den Rio Guaviare, den Cuno Supari hinauf in die Wälder von Amorua und zu den unbekannten Quellen des Cuno Mataveni. «Er starrte auf seine Füße und wischte sich über das verschwitzte Haar.»Aber erst muß ich wieder laufen können. Ich muß auf das Wunder warten, Fernando!«
Einen Tag später injizierte Dr. Cartogeno die zweite Ampulle. Der
Körper reagierte nicht mehr so stark. Wohl stellte sich Atemnot ein, ein leichtes Fieber, aber der Verstand wurde nicht mehr getrübt. Auch das Brennen im Körper war weniger stark. Es war, als überflute eine plötzliche Hitzewelle das Blut. Dann war der Körper nach einer halben Stunde fieberfrei, und Perthes fühlte sich erfrischt.
In diesen Tagen beobachteten die beiden Ärzte, wie um sie ein Ring von Tarapas gelegt wurde. Sie kamen nicht bis Zapuare — aber unter- und oberhalb des Rio Guaviare, am Rio Uva in den Llanos de San Martin, am Rio Vichada, ja sogar in der Nähe von Villavi-cencio am Rio Moco hatte man die Krieger in den Wäldern beobachtet. Wohin die beiden in diesen Tagen in ihrem Boot auch fuhren — überall stießen sie auf Tarapas, die still und scheu in den Büschen und Sümpfen hockten und den Weg des Bootes mit ihren Baumtrommeln anmeldeten.
Ein Ring schloß sich um Peter Perthes; Sapolana bewachte ihn. Der geringste Versuch, nach Villavicencio durchzubrechen, würde von ihm vereitelt werden.
«Ich muß nach Deutschland, Fernando«, sagte Peter am zwölften Tag, nachdem er die vierte Spritze erhalten hatte.»Und wenn ich durchbrechen müßte. es geht hier um mehr als um den Willen Sapolanas. Ich werde versuchen, ihn selbst zu sprechen.«
Doch dieses Vorhaben erwies sich als reine Utopie. Sosehr sich Peter auch bemühte und verschiedene Krieger ansprach, die an den Ufern der Flüße saßen, oder gar Umari, als er ihn einmal wieder traf, um eine Unterredung mit dem Großen Häuptling bat — Sapolana schwieg. Nur der Ring wurde immer enger gezogen, er wurde dichter, deutlicher. die Warnung an den weißen Zauberer, die grüne Hölle nicht zu verlassen.
Am achtzehnten Tag nach Eintreffen des Paketes erhielt Dr. Perthes die letzte Injektion. Sechs Ampullen waren jetzt in seinem Blut. Der Körper reagierte ab der vierten Spritze nicht mehr auf das Serum. Kein Fieber mehr, keine Atembeschwerden, kein Brennen in den Adern. Es war, als spritze man aqua destillata. Und die Lähmung der Beine blieb.