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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Er goss einen Becher Wein ins Loch und stimmte einen Sprechgesang an: »Mögen die Toten wieder kosten. Mögen sie sich erheben und dieses Opfer annehmen. Maria di Angelo, zeige dich!«

Weißer Dampf stieg auf. Eine menschliche Gestalt nahm Form an, aber es war nicht Nicos Mutter. Es war ein Mädchen mit dunklen Haaren, olivbrauner Haut und der silberfarbenen Tracht einer Jägerin.

»Bianca«, sagte Nico. »Aber …«

Ruf unsere Mutter nicht herbei, Nico, mahnte sie. Sie ist der einzige Geist, den du nicht sehen darfst.

»Warum?«, fragte er. »Was hat unser Vater zu verbergen?«

Schmerz, sagte Bianca. Hass. Einen Fluch, der bis zur Großen Weissagung zurückreicht.

»Was soll das heißen?«, fragte Nico. »Ich muss es wissen.«

Das Wissen würde dir nur wehtun. Denk daran, was ich gesagt habe: Groll zu hegen ist ein großer Fehler für ein Kind des Hades.

»Das weiß ich«, sagte Nico. »Aber ich bin nicht mehr so wie früher, Bianca. Hör auf, mich zu beschützen!«

Bruder, du verstehst nicht …

Nico fuhr mit der Hand durch den Nebel und Biancas Bild löste sich auf.

»Maria di Angelo«, sagte er noch einmal. »Sprich zu mir!«

Ein anderes Bild nahm Gestalt an. Es war eine ganze Szene, kein einzelner Geist. Im Nebel sah ich Nico und Bianca als Kinder, wie sie in der Lobby eines eleganten Hotels spielten und einander um Marmorsäulen jagten.

Daneben saß auf einem Sofa eine Frau. Sie trug ein schwarzes Kleid, Handschuhe und einen schwarzen Hut mit einem Schleier, wie ein Star aus einem Film der vierziger Jahre. Sie hatte Biancas Lächeln und Nicos Augen.

Neben ihr in einem Sessel saß ein kräftiger Mann mit Pomade in den Haaren und einem schwarzen Nadelstreifenanzug. Ich erschrak, als ich Hades erkannte. Er beugte sich zu der Frau vor und gestikulierte mit den Händen, als ob er erregt sei.

»Bitte, meine Liebe«, sagte er. »Du musst unbedingt mit mir in die Unterwelt kommen. Es ist mir egal, was Persephone sagt. Dort kann ich für deine Sicherheit sorgen!«

»Nein, mein Liebster.« Sie sprach mit italienischem Akzent. »Unsere Kinder im Land der Toten aufziehen? Das will ich nicht.«

»Maria, hör mir zu. Der Krieg in Europa hat die anderen Götter gegen mich aufgebracht. Es gibt eine neue Weissagung. Meine Kinder sind nicht mehr sicher. Poseidon und Zeus haben mir ein Abkommen aufgezwungen. Keiner von uns darf je wieder ein Halbgottkind haben.«

»Aber Nico und Bianca sind doch schon da. Bestimmt …«

»Nein! Die Weissagung warnt vor einem Kind, das sechzehn wird. Zeus hat verfügt, dass die Kinder, die ich bereits habe, zur angemessenen Ausbildung ins Camp Half-Blood gebracht werden müssen, aber ich weiß, was er vorhat. Bestenfalls werden sie dort überwacht, eingesperrt, gegen ihren Vater aufgestachelt. Aber wahrscheinlicher ist, dass er kein Risiko eingeht. Er wird nicht zulassen, dass meine Kinder sechzehn werden. Er wird eine Möglichkeit finden, sie zu vernichten, und das will ich nicht riskieren.«

»Certamente«, sagte Maria. »Wir bleiben zusammen. Zeus ist un imbecile

Ich musste ihren Mut einfach bewundern, Hades dagegen schaute nervös zur Decke hoch. »Maria, bitte. Ich habe dir doch gesagt, dass Zeus mir bis zur letzten Woche Zeit gelassen hatte, die Kinder auszuhändigen. Sein Zorn wird entsetzlich sein, und ich kann euch nicht für immer verstecken. Solange du bei den Kindern bist, schwebst auch du in Gefahr.«

Maria lächelte und wieder fand ich die Ähnlichkeit mit ihrer Tochter unheimlich. »Du bist ein Gott, mein Liebster. Du wirst uns beschützen. Aber ich werde nicht mit Nico und Bianca in die Unterwelt gehen.«

Hades rang die Hände. »Es gibt noch eine Möglichkeit. Ich kenne einen Ort in der Wüste, wo die Zeit stillsteht. Ich könnte die Kinder dorthin schicken, nur für einige Zeit, zur ihrer eigenen Sicherheit, und wir könnten zusammenbleiben. Ich kann dir am Styx einen goldenen Palast bauen.«

Maria di Angelo lachte leise. »Du bist ein guter Mann, mein Liebster. Ein großzügiger Mann. Die anderen Götter sollten dich so kennen, wie ich dich kenne, dann würden sie dich nicht mehr so fürchten. Aber Nico und Bianca brauchen ihre Mutter. Und sie sind doch nur Kinder. Die Götter würden ihnen schon nichts Böses tun.«

»Du kennst meine Familie nicht«, sagte Hades düster. »Bitte, Maria. Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren.«

Sie berührte seine Lippen mit den Fingern. »Du wirst mich nicht verlieren. Warte hier, ich hole nur schnell meine Handtasche. Pass auf die Kinder auf.«

Sie küsste den Herrn der Toten und stand vom Sofa auf. Hades sah zu, wie sie die Treppe hochging, und jeder ihrer Schritte schien ihm wehzutun.

Gleich darauf erstarrte er. Die Kinder hörten auf zu spielen, als ob auch sie etwas gespürt hätten.

»Nein!«, sagte Hades. Aber sogar seine göttlichen Kräfte waren zu langsam. Er konnte gerade noch eine Wand aus schwarzer Energie um die Kinder errichten, dann flog das Hotel auch schon in die Luft.

Die Explosion hatte eine solche Wucht, dass das Nebelbild sich auflöste. Als ich wieder klar sehen konnte, kniete Hades in den Trümmern und hielt die verstümmelte Maria di Angelo in den Armen. Noch immer loderten überall um ihn herum die Feuer. Blitze jagten über den Himmel und der Donner grollte.

Der kleine Nico und die kleine Bianca starrten ihre Mutter fassungslos an. Hinter ihnen tauchte die Furie Alekto auf, sie zischte und schlug mit ihren Lederflügeln. Die Kinder schienen sie nicht zu bemerken.

»Zeus!« Hades drohte dem Himmel mit der Faust. »Dafür werde ich dich zerschmettern! Ich werde sie zurückholen!«

»Hoher Herr, das könnt Ihr nicht«, warnte Alekto. »Gerade Ihr unter allen Unsterblichen müsst die Gesetze des Todes achten!«

Hades glühte vor Zorn. Ich glaubte schon, er würde seine wahre Gestalt annehmen und seine eigenen Kinder zu Staub zerfallen lassen, aber in letzter Sekunde schien er sich wieder unter Kontrolle zu haben.

»Nimm sie mit«, sagte er zu Alekto und unterdrückte ein Schluchzen. »Spüle ihnen im Lethe ihre Erinnerungen ab und bring sie ins Lotos Hotel. Da wird Zeus ihnen nichts tun.«

»Wie Ihr wollt, Herr«, sagte Alekto. »Und der Körper der Dame?«

»Nimm sie ebenfalls mit«, sagt er bitter. »Vollziehe an ihr die uralten Riten.«

Alekto, die Kinder und Marias Leichnam lösten sich in Schatten auf und Hades stand allein zwischen den Trümmern.

»Ich hatte dich ja gewarnt«, sagte eine Stimme.

Hades fuhr herum. Ein Mädchen in einem knallbunten Kleid stand neben den rauchenden Überresten des Sofas. Sie hatte kurze schwarze Haare und traurige Augen und sie war höchstens zwölf Jahre alt. Ich kannte sie nicht, aber sie wirkte auf seltsame Weise vertraut.

»Du traust dich hierher?«, knurrte Hades. »Ich sollte dich zu Staub zerfallen lassen.«

»Das kannst du nicht«, sagte das Mädchen. »Die Macht von Delphi schützt mich.«

Mir lief ein Schauer über den Rücken, als mir aufging, dass sie das Orakel von Delphi war, lebendig und jung. Sie so zu sehen war irgendwie noch unheimlicher, als sie als Mumie vor mir zu haben.

»Du hast die Frau umgebracht, die ich liebe!«, brüllte Hades. »Deine Weissagung ist schuld!«

Er ragte hoch über dem Mädchen auf, aber sie zuckte nicht mit der Wimper.

»Zeus hat die Explosion angeordnet, um die Kinder zu vernichten«, sagte er. »Weil du seinem Willen getrotzt hast. Ich hatte nichts damit zu tun. Und ich hatte dir geraten, sie rechtzeitig zu verstecken.«

»Das konnte ich nicht. Maria hat es nicht zugelassen! Außerdem sind sie unschuldig.«

»Aber sie sind deine Kinder und damit gefährlich. Wenn du sie im Lotos Hotel versteckst, verschiebst du das Problem damit nur. Nico und Bianca werden nie in die Welt zurückkehren können, denn dann könnten sie ja sechzehn werden.«

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