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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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Wieder griff der Höllenhund an. Diesmal schwang ich Springflut in einem tödlichen Bogen. Der Höllenhund zerfiel zu Staub und Fell.

Weitere Monster drängten vorwärts – Schlangen und Riesen und Telchinen –, aber der Minotaurus brüllte sie an und sie wichen zurück.

»Einer gegen einen?«, rief ich. »Genau wie in den alten Zeiten?«

Die Nasenlöcher des Minotaurus bebten. Er hätte dringend eine Packung Papiertaschentücher in seiner Rüstungstasche haben müssen, denn seine Nase war feucht und rot und einfach widerlich. Er band seine Axt los und schwenkte sie.

Die Axt war schön – auf so eine Ich-werde-dich-aufschlitzen-wie-einen-Fisch-Art. Die beiden Klingen der Axt waren wie ein Omega geformt: Ω, der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Vielleicht, weil die Axt das Letzte war, was seine Opfer jemals sahen. Der Schaft war ungefähr so lang wie der Minotaurus groß und bestand aus mit Leder umwickelter Bronze. Unten um beide Klingen waren jede Menge Perlenketten gewickelt. Ich erkannte darin Camp-Half-Blood-Ketten – von besiegten Halbgöttern geraubt.

Ich war so wütend, dass meine Augen bestimmt mindestens so glühten wie die des Minotaurus. Die Monsterarmee feuerte den Minotaurus an, aber alles verstummte, als ich seinem ersten Hieb auswich und die Axt in zwei Hälften schlug, genau zwischen den Griffen.

»Muuh?«, grunzte er.

»HAA!« Ich fuhr herum und trat ihn in die Schnauze. Er taumelte rückwärts und versuchte, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen, dann senkte er den Kopf zum Angriff.

Dazu kam er aber nicht mehr. Mein Schwert leuchtete auf – und schnitt ein Horn ab, dann das andere. Er versuchte, mich zu packen. Ich rollte mich weg und hob die Hälfte der zerbrochenen Axt auf. Die anderen Monster wichen in verdutztem Schweigen zurück und bildeten einen Kreis um uns.

Der Minotaurus brüllte vor Wut. Er war ohnehin nicht gerade der Schlauste, aber jetzt ließ die Wut ihn alle Vorsicht vergessen. Er griff mich an und ich rannte zum Rand der Brücke, wobei ich eine Reihe Dracaenae durchbrach.

Der Minotaurus witterte sicher schon den Sieg: Er glaubte, ich wollte fliehen. Seine Leute jubelten. Am Rand der Brücke drehte ich mich um und stemmte die Axt gegen das Geländer, um seinen Angriff aufzufangen. Der Minotaurus wurde nicht einmal langsamer.

KNIRSCH!

Er schaute überrascht den Axtgriff an, der aus seinem Brustpanzer hervorschaute.

»Danke fürs Mitspielen«, sagte ich zu ihm.

Ich hob ihn an den Beinen hoch und schob ihn über das Geländer. Schon im Sturz löste er sich zu Staub auf, während seine Essenz in den Tartarus zurückkehrte.

Ich drehte mich zu seiner Armee um. Wir waren jetzt etwa hundertneunundneunzig gegen einen. Ich wählte die nächstliegende Lösung. Ich griff an.

Ihr fragt euch jetzt sicher, wie diese Unbesiegbarkeitsgeschichte funktionierte: ob ich auf magische Weise jeder Waffe auswich oder ob die Waffen mich trafen und mich nur nicht verletzten. Ehrlich, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich nicht vorhatte, diese Monster meine Heimatstadt einnehmen zu lassen.

Ich durchschnitt Rüstungen, als ob sie aus Papier wären. Schlangenfrauen explodierten. Höllenhunde schmolzen zu Schatten. Ich hieb und stach und wirbelte um mich selbst und vielleicht habe ich sogar ein-oder zweimal gelacht – ein irres Lachen, das mir selbst genauso viel Angst machte wie meinen Feinden. Ich registrierte, dass die Apollo-Leute hinter mir Pfeile abschossen und jeden Versuch der Monster, sich zusammenzuschließen, vereitelten. Endlich machten unsere Feinde kehrt und flohen – höchstens zwanzig von den zweihundert lebten noch.

Ich lief hinterher, dicht gefolgt von den Apollo-Leuten.

»Ja!«, rief Michael Yew. »Genau das habe ich gemeint!«

Wir trieben sie zurück nach Brooklyn, auf die andere Seite der Brücke. Im Osten wurde der Himmel jetzt heller. Vor uns konnte ich die Zollhäuschen sehen.

»Percy!«, schrie Annabeth. »Du hast sie doch besiegt. Komm zurück! Wir müssen zusammenbleiben!«

Ein Teil von mir wusste, dass sie Recht hatte, aber da ich schon so weit gekommen war, wollte ich sie bis zum letzten Monster vernichten.

Dann sah ich die Menge am Ende der Brücke. Die fliehenden Monster rannten ihrer Verstärkung entgegen. Es war eine kleine Gruppe, vielleicht dreißig oder vierzig zum Kampf gekleidete Halbgötter auf Skelettpferden. Einer trug ein lila Banner mit der schwarzen Sense.

Der Anführer ließ sein Pferd vortreten. Er nahm den Helm ab und ich erkannte Kronos, mit Augen wie geschmolzenes Gold.

Annabeth und die Apollo-Leute blieben stehen. Die von uns verfolgten Monster erreichten die Frontlinie der Titanen und wurden in die neue Truppe aufgenommen. Kronos starrte zu uns herüber. Er war zwar hundert Meter entfernt, aber ich schwöre, ich konnte ihn lächeln sehen.

»Jetzt«, sagte ich, »ziehen wir uns zurück.«

Die Truppe des Titanenherrschers zog die Schwerter und griff an. Die Hufe ihrer Skelettpferde donnerten über das Pflaster. Unsere Bogenschützen gaben eine Salve ab und holten mehrere Feinde aus dem Sattel, aber die übrigen ritten einfach weiter.

»Zurück!«, rief ich meinen Freunden zu. »Ich halte sie auf!«

In Sekundenschnelle hatten sie mich erreicht.

Michael und seine Bogenschützen liefen zurück, aber Annabeth blieb neben mir und kämpfte mit ihrem Messer und dem Spiegelschild, während wir uns langsam rückwärts über die Brücke zurückzogen.

Die Kavallerie des Kronos umgab uns, schlug um sich und brüllte Beleidigungen. Der Titan selbst rückte gemächlich vor, als ob er alle Zeit der Welt hätte. Als Herr der Zeit hatte er das wahrscheinlich auch.

Ich versuchte, seine Leute zu verwunden, nicht zu töten. Das machte mich langsamer, aber es waren schließlich keine Monster; es waren Halbgötter, die unter den Bann des Kronos geraten waren. Ich konnte ihre Gesichter unter den Kampfhelmen nicht sehen, aber einige von ihnen waren vermutlich mal meine Freunde gewesen. Ich kappte die Beine ihrer Reittiere, worauf die Skelettpferde sich auflösten. Nachdem die ersten Halbgötter zu Boden gegangen waren, hielt der Rest es für besser, abzusteigen und mich zu Fuß anzugreifen.

Annabeth und ich standen Schulter an Schulter und schauten in unterschiedliche Richtungen. Eine dunkle Gestalt flog über mich hinweg und ich wagte einen Blick nach oben. Blackjack und Porkpie jagten herbei und traten unseren Feinden die Helme ein, dann schossen sie davon wie übergroße Kamikaze-Tauben.

Wir hatten fast die Mitte der Brücke erreicht, als etwas Seltsames passierte. Es lief mir eiskalt den Rücken hinunter – wie in der alten Redensart, wenn jemand über dein Grab läuft. Hinter mir stieß Annabeth einen Schmerzensschrei aus.

»Annabeth!« Ich fuhr herum und konnte sie gerade noch fallen sehen, während sie sich an den Arm griff. Ein Halbgott mit blutigem Messer stand über ihr.

Sofort wusste ich, was passiert war. Er hatte versucht, mich zu erstechen, und so, wie er die Klinge hielt, hätte er mich – vielleicht aus purem Glück – ins Kreuz getroffen, in meinen einzigen verletzlichen Punkt.

Annabeth hatte die Klinge mit ihrem eigenen Körper aufgefangen.

Aber warum? Sie wusste nichts von meiner verletzlichen Stelle. Das wusste niemand.

Ich fing den Blick des feindlichen Halbgottes auf. Er trug eine Augenklappe unter seinem Kampfhelm – Ethan Nakamura, der Sohn der Nemesis. Irgendwie musste er die Explosion auf der Prinzessin Andromeda überlebt haben. Ich knallte ihm meinen Schwertgriff mit so viel Wucht ins Gesicht, dass ich seinen Helm verbeulte.

»Zurück!« Ich zerschnitt die Luft in einem weiten Bogen und trieb die anderen Halbgötter von Annabeth weg. »Niemand rührt sie an!«

»Interessant«, sagte Kronos.

Er ragte auf seinem Skelettpferd über mir auf, die Sense in der Hand. Er sah sich alles aus zusammengekniffenen Augen an, als spüre er, dass ich dem Tod nah gewesen war, so, wie ein Wolf die Angst seines Opfers wittert.

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