Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #5
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin». Краткое содержание книги:
Will und ich drängten uns durch die Athene-Leute. Will wickelte Annabeths Verbände ab, um sich die Wunde anzusehen, und ich wäre gern in Ohnmacht gefallen. Es blutete nicht mehr, aber der Schnitt sah tief aus. Die Haut an den Wundrändern hatte einen grauenhaften Grünton angenommen.
»Annabeth …«, würgte ich hervor. Sie hatte für mich das Messer abgefangen. Wie hatte ich das zulassen können?
»Gift am Dolch«, murmelte sie. »Ganz schön blöd von mir, was?«
Will Solace atmete erleichtert auf. »Das ist nicht so schlimm, Annabeth. Noch ein paar Minuten, und wir hätten ziemliche Probleme gekriegt, aber das Gift ist noch nicht an deiner Schulter vorbei. Bleib einfach ganz still liegen. Hat irgendwer ein wenig Nektar für mich?«
Ich griff nach einer Feldflasche. Will reinigte die Wunde mit dem Göttertrank, während ich Annabeths Hand hielt.
»Au«, sagte sie. »Au, au!« Sie packte meine Finger so fest, dass sie sich lila färbten, aber sie hielt still, wie Will gesagt hatte. Silena murmelte Ermutigungen. Will strich eine silberne Paste auf die Wunde und summte auf Altgriechisch vor sich hin – eine Hymne an Apollo. Dann legte er einen frischen Verband auf und erhob sich mit wackeligen Beinen.
Die Heilung musste ihn sehr viel Energie gekostet haben. Er sah fast so blass aus wie Annabeth.
»Das müsste reichen«, sagte er. »Aber wir brauchen sterbliche Medikamente.«
Er nahm einen Bogen Hotelbriefpapier, kritzelte etwas darauf und reichte ihn einem der Athene-Jungs. »Auf der Fifth Avenue gibt es eine Apotheke. Ich würde ja eigentlich niemals stehlen …«
»Ich schon«, bot Travis an.
Will starrte ihn wütend an. »Leg Geld oder Drachmen hin, was immer du hast, aber das hier ist ein Notfall. Ich habe das Gefühl, dass wir bald noch viel mehr Leute behandeln müssen.«
Niemand widersprach. Es gab wohl kaum einen Halbgott hier, der nicht schon verwundet worden war – außer mir.
»Na los, Leute«, sagte Travis Stoll. »Gönnen wir Annabeth ein bisschen Ruhe. Wir haben Medikamente zu klauen … ich meine, zu kaufen.«
Die Halbgötter gingen zurück ins Haus. Jake Mason packte im Hinausgehen meine Schulter. »Wir reden nachher weiter, aber die Sache ist unter Kontrolle. Ich nehme Annabeths Schild, um ein Auge auf die Lage zu haben. Der Feind hat sich bei Sonnenaufgang zurückgezogen, keine Ahnung, warum. Wir haben an jeder Brücke und jedem Tunnel einen Späher postiert.«
»Danke, Mann«, sagte ich. Er nickte. »Lass dir nur Zeit.«
Er schloss die Terrassentüren hinter sich und Silena, Annabeth und ich waren allein.
Silena drückte Annabeth einen kühlen Lappen auf die Stirn. »Das ist alles meine Schuld.«
»Nein«, sagte Annabeth mit schwacher Stimme. »Silena, wieso soll das deine Schuld sein?«
»Ich war nie gut in irgendwas«, murmelte Silena. »Nicht wie du oder Percy. Wenn ich eine bessere Kämpferin wäre …«
Ihre Lippen zitterten. Seit Beckendorfs Tod ging es ihr immer schlechter, und immer, wenn ich sie ansah, war ich wieder wütend über seinen Tod. Ihr Gesicht erinnerte mich an Glas, das jeden Moment zerbrechen könnte. Ich schwor mir, wenn ich je den Spion fände, der ihren Freund das Leben gekostet hatte, dann würde ich ihn Mrs O’Leary als Kauknochen schenken.
»Du bist großartig«, sagte ich zu Silena. »Du bist die beste Pegasusreiterin, die wir haben. Und du kommst gut mit Leuten zurecht. Glaub mir, wer sich mit Clarisse anfreunden kann, muss echt begabt sein.«
Sie starrte mich an, als ob ich sie auf eine Idee gebracht hätte. »Das ist es! Wir brauchen die Ares-Hütte. Ich rede mit Clarisse. Ich bin sicher, ich kann sie überreden, uns zu helfen!«
»Ich weiß nicht, Silena. Selbst, wenn du aus Manhattan rauskämst – Clarisse ist ganz schön stur. Wenn sie erst einmal sauer ist …«
»Bitte«, sagte Silena. »Ich kann einen Pegasus nehmen. Ich weiß, ich schaffe es zurück ins Lager. Lass es mich versuchen.«
Ich wechselte einen Blick mit Annabeth. Sie nickte kurz.
Mir gefiel diese Idee gar nicht. Ich glaubte nicht, dass Silena auch nur die geringste Chance hätte, Clarisse zum Kämpfen zu überreden. Andererseits war Silena im Moment so verwirrt, dass sie sich im Kampf nur in Gefahr bringen würde. Vielleicht würde es sie auf andere Gedanken bringen, wenn wir sie zurück ins Camp schickten.
»Na gut«, sagte ich zu ihr. »Ich kann mir keine Bessere vorstellen, um es zu versuchen.«
Silena fiel mir um den Hals. Dann wich sie verlegen zurück und starrte Annabeth an. »Äh, ’tschuldigung. Danke, Percy. Ich werde dich nicht enttäuschen.«
Sobald sie fort war, kniete ich mich neben Annabeth und legte ihr die Hand auf die Stirn. Sie war noch immer glühend heiß.
»Du bist süß, wenn du dir Sorgen machst«, murmelte sie. »Deine Augenbrauen ziehen sich total zusammen.«
»Du wirst auf keinen Fall sterben, solange ich dir einen Gefallen schulde«, sagte ich. »Warum hast du das Messer abgefangen?«
»Das hättest du für mich auch getan.«
Das stimmte. Und ich glaube, wir wussten das beide. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass mir jemand einen kalten Metallstab ins Herz bohrte. »Woher hast du es gewusst?«
»Was denn gewusst?«
Ich schaute mich um, um sicherzugehen, dass wir allein waren. Dann beugte ich mich über sie und flüsterte: »Meine Achillesstelle. Wenn du das Messer nicht abgefangen hättest, dann wäre ich jetzt tot.«
Ihre Augen schienen in weite Ferne zu blicken. Ihr Atem roch nach Trauben, vielleicht vom Nektar. »Ich weiß nicht, Percy. Ich hatte einfach das Gefühl, dass du in Gefahr warst. Wo … wo ist diese Stelle?«
Eigentlich durfte ich das niemandem verraten. Aber das hier war Annabeth. Wenn ich ihr nicht vertrauen konnte, dann konnte ich niemandem vertrauen.
»Unten in meinem Kreuz.«
Sie hob die Hand. »Wo? Hier?«
Sie legte mir die Hand auf den Rücken und meine Haut prickelte. Sie ließ ihre Finger zu der Stelle wandern, die mich in meinem sterblichen Leben verwurzelte. Tausend Volt schienen durch meinen Leib zu jagen.
»Du hast mich gerettet«, sagte ich. »Danke.«
Sie nahm die Hand weg, aber ich hielt sie fest.
»Dann bist du mir also einen Gefallen schuldig«, sagte sie mit schwacher Stimme. »Gibt es sonst noch was Neues?«
Wir sahen zu, wie über der Stadt die Sonne aufging. Es hätte jetzt dichter Verkehr herrschen müssen, aber kein Auto hupte, keine Menschenmengen eilten über die Bürgersteige.
In der Ferne hörte ich einen Autoalarm durch die Straßen hallen. Irgendwo über Harlem stieg eine schwarze Rauchsäule in den Himmel. Ich fragte mich, wie viele Herde wohl eingeschaltet gewesen waren, als Morpheus mit seinem Fluch zugeschlagen hatte; wie viele Leute wohl beim Kochen eingeschlafen waren. Sehr bald würde es weitere Feuer geben. Alle in New York waren in Gefahr – und alle diese Leben waren auf uns angewiesen.
»Du hast mich gefragt, warum Hermes wütend auf mich ist«, sagte Annabeth.
»He, du brauchst Ruhe …«
»Nein, ich möchte es dir sagen. Es macht mir schon lange zu schaffen.« Sie bewegte ihre Schulter und ächzte. »Voriges Jahr hat Luke mich in San Francisco besucht.«
»Persönlich?« Ich hatte das Gefühl, als ob sie mich gerade mit einem Hammer getroffen hätte. »Er war bei dir zu Hause?«
»Das war, ehe wir ins Labyrinth gegangen sind, bevor …« Sie zögerte, aber ich wusste, was sie meinte: bevor er sich in Kronos verwandelt hat. »Er kam mit einer weißen Flagge. Er bat um nur fünf Minuten, um zu reden. Er sah verängstigt aus, Percy. Er sagte mir, Kronos wolle ihn benutzen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Er sagte, er wolle weglaufen, wie in den alten Zeiten. Er wollte, dass ich mit ihm ging.«
»Aber du hattest kein Vertrauen zu ihm.«
»Natürlich nicht. Ich hielt das für einen Trick. Außerdem … na ja, seit den alten Zeiten hat sich ganz schön viel geändert. Ich sagte Luke, das sei unmöglich. Er war wütend. Er sagte … er sagte, dann könne ich genauso gut gleich mit ihm kämpfen, denn das sei meine letzte Chance.«