Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Auf die Nachricht, die nur du empfangen kannst.«
»Das wäre mir egal«, sagte Nafai. »Daß nur ich sie empfangen kann. Ich wäre auch mit Vaters Traum zufrieden, nur um zu wissen, wie es sich in meinem Kopf anfühlt. Wie das, was der Hüter macht, sich von dem unterscheidet, was die Überseele in mir macht. Ich will es wissen.«
Das weiß ich. Du beschäftigst dich immer wieder damit, Tag für Tag.
»Ich habe versucht, mit dem Hüter der Erde zu sprechen. So verrückt bin ich schon! Zeig mir, was du Vater gezeigt hast! Ich sage es immer wieder.«
»Und er ignoriert dich.«
»Er ist hundert Lichtjahre entfernt!« sagte Nafai. »Er weiß nicht, daß es mich gibt.«
»Nun ja … wenn du nur denselben Traum wie Volemak haben willst, warum bittest du die Überseele nicht, ihn dir zu geben?«
»Er kam nicht von der Überseele.«
»Aber sie hat die gesamte Erfahrung im Verstand deines Vaters doch aufgezeichnet, oder? Und sie kann sie aufrufen und dir zeigen. Und da du mit der Hilfe des Index alles viel deutlicher empfangen würdest …«
»Dann wäre es so, als würde ich es selbst erfahren«, sagte Nafai. »Wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen? Wieso ist die Überseele nicht darauf gekommen?«
»Sie ist nicht sehr kreativ. Das weißt du doch.«
»Sie ist überhaupt nicht kreativ«, sagte Nafai. »Aber du bist es.« Er küßte sie auf die Wange, umarmte sie noch einmal und sprang auf. »Ich muß mit der Überseele sprechen.«
»Grüße sie von mir«, sagte Luet nachsichtig.
»Ich … oh, ich verstehe. Ich kann warten. Gehen wir gemeinsam zurück.«
»Nein, wirklich … das war kein Wink mit dem Zaunpfahl. Ich möchte noch eine Weile hier bleiben. Vielleicht bekomme ich ja mit, ob sie Jobar wieder aufnehmen.«
»Verpaß das Abendessen nicht«, sagte Nafai. »Du ißt für …«
»Zwei«, sagte Luet.
»Vielleicht sogar für drei!« sagte Nafai. »Wer weiß?«
Da sie wußte, daß er dies hören wollte, stöhnte sie theatralisch auf. Dann lief er los, das Tal entlang zum Lager.
Er ist wirklich noch ein Junge, wie Tante Rasa es gesagt hat. Aber was bin ich? Etwa seine Mutter? Wohl kaum — sie ist seine Mutter. Ich darf nicht mehr von ihm erwarten — er arbeitet hart und gut, und über die Hälfte des Fleisches, das wir essen, hat er beschafft. Und er ist freundlich und sanft zu mir — ich weiß nicht, wie Issib netter und zärtlicher sein kann als Nafai, ganz gleich, was Schuja sagt. Und ich bin seine Freundin — er kommt zu mir und bespricht Dinge mit mir, die er mit keinem anderen bespricht, und wenn ich etwas sagen will, hört er zu und antwortet, ganz im Gegensatz zu einigen der anderen Männer; zumindest behaupten deren Frauen das. Nach allen Maßstäben, von denen ich je gehört habe, ist er ein guter Ehemann und reif über seine Jahre hinaus — aber ich habe etwas anderes erwartet. Als ich ihn über den See der Frauen brachte, dachte ich, dies würde bedeuten, daß wir beide, er und ich, große und majestätische Dinge tun würden. Ich habe gedacht, wir würden wie ein König und eine Königin sein — oder zumindest wie eine Hohepriesterin und ihr Priester — und mit unseren mächtigen und achtunggebietenden Taten das Universum verändern. Statt dessen übergebe ich mich häufig, und er schmollt wie ein Fünfzehnjähriger, dem es wirklich etwas ausmacht, daß ein Computer von einer anderen Welt ihm keine Träume schickt.
Oh, ich bin zum Denken zu müde. Mir ist zu schlecht, als daß es mir etwas ausmacht. Vielleicht wird meine Vorstellung von unserer Ehe sich eines Tages verwirklichen. Aber vielleicht verwirklicht er sie auch mit seiner zweiten Frau, nachdem ich mich zu Tode gekotzt habe und im Sand verscharrt wurde.
Schedemei hatte ihr ganzes Leben mit dem Bewußtsein verbracht, daß die Leute sie für seltsam hielten. Zuerst, weil sie als Kind so intelligent gewesen war, weil sie sich für Dinge interessiert hatte, für die Kinder sich eigentlich nicht interessieren sollten. Die Erwachsenen warfen ihr seltsame Blicke zu. Und auch die anderen Kinder, doch manchmal lächelten die Erwachsenen und nickten zustimmend, was die Kinder nie taten. Schedemei hatte gedacht, dies würde bedeuten, als Erwachsene würde sie voll akzeptiert werden, doch das Gegenteil war der Fall. Als sie erwachsen wurde, bedeutete dies nur, daß alle anderen Kinder jetzt im gleichen Alter waren und sie als Erwachsene behandelten wie früher. Natürlich erkannte sie jetzt, was sie sah: Furcht, Groll, Neid.
Neid! Konnte sie denn etwas dafür, daß sie eine Genkombination bekommen hatte, die ihr ein ausgezeichnetes Gedächtnis gab, eine besondere Fähigkeit, Vorstellungen zu begreifen und verstehen, und einen Verstand, der Zusammenhänge erkannte, die kein anderer sah? Sie hatte es sich doch nicht ausgesucht, zu geistigen Turnübungen imstande zu sein, die kein anderer, den sie je getroffen hatte, bewältigen konnte. (Es gab Menschen, die genauso intelligent wie sie waren, vielleicht sogar noch intelligenter, aber sie lebten in weit entfernten Städten oder sogar auf anderen Kontinenten, und sie kannte sie nur durch die Veröffentlichungen ihrer Arbeiten, die die Überseele in allen Städten verteilte.) Sie hatte keine bösen Absichten. Und sie war ganz bestimmt nicht imstande, ihre Fähigkeiten mit den Neidischen zu teilen — sie konnte ihnen nur die Produkte ihrer Arbeit zugänglich machen. Die nahmen sie zwar gerne, doch verabscheuten sie Schedemei selbst dann noch, eben weil sie sie ihnen zugänglich gemacht hatte.
Die meisten Leute — und zu dieser Erkenntnis war sie schon vor langer Zeit gelangt — verehrten Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gern aus der Ferne, zogen es aber vor, völlig Unfähige zu Freunden zu haben. Und den meisten wurde dieser Wunsch natürlich erfüllt.
Doch nun war sie auf Dauer mit dieser kleinen Gemeinschaft aus sechzehn Menschen verbunden und mußte sich Tag für Tag mit ihnen abgeben. Sie machte ihre Arbeit — sie jätete den Garten, holte Wasser, beobachtete tagsüber die Paviane, um dafür zu sorgen, daß sie ihr Revier nicht verließen und sich über die Vorräte hermachten. Sie sprang gern für Luet ein, wenn dieser wieder schlecht war, und übernahm ohne Beschwerden die Aufgaben, für die Sevet zu faul und Kokor zu schwanger und Dol sich einfach zu schade war. Und doch paßte sie nicht zu ihnen, wurde nicht akzeptiert, war nicht Teil der Gruppe, und es wurde von Tag zu Tag nur schlimmer.
Es half auch nicht, daß sie genau begriff, was hier vor sich ging. Die monogame Verbindung zwischen Gatte und Ehefrau löst bei den anderen den Drang aus, sich genauso zu verbinden. Das wußte sie, darüber hatte sie gelesen. Die alten Muster der Werbung und die lockeren und einfachen Freundschaften bewirkten, daß die Verheirateten sich jetzt unbehaglich fühlten, weil sie nichts um sich haben wollten, das die Stabilität der monogamen Ehebande bedrohte. Die Unverheirateten waren immer ein Unsicherheitsfaktor, waren immer frei und willkürlich und zwanglos und verspielt.
Sicher, genauso hätten sich einige von ihnen gern noch benommen — Schedemei sah, wie die Monogamie Mebbekew und Obring, Sevet und Kokor aufrieb. Aber sie spielten jetzt die Rollen der Ehepartner, vielleicht sogar noch aggressiver als diejenigen, die wirklich welche sein wollten. Auf jeden Fall führte dies dazu, daß Schedemei von den anderen in ihrer Umgebung jetzt noch stärker abgeschnitten war, als es je zuvor der Fall gewesen war. Nicht, daß man sie mied. Huschidh und Luet waren so freundlich wie eh und je, und Eiadh benahm sich auf ihre Art auch anständig, während Tante Rasa sich überhaupt nicht geändert hatte — sie würde sich nie ändern. Doch die Männer waren allesamt … ja, was, höflich? Und Dol, Sevet und Kokor behandelten sie nicht mehr eiskalt, sondern mit säurehafter Schärfe.