Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Was haben Sie?«fragte Indiana alarmiert.
«Jemand kommt!«antwortete Anita.
«José?«
«Ich weiß es nicht«, sagte Anita.»Aber wenn, dann … dann darf er Sie auf keinen Fall hier sehen, Indy.«
In diesem Punkt war Indiana ausnahmsweise einmal einer Meinung mit ihr. Er wollte aufspringen und zur Tür laufen, aber es hätte Anitas erschrockener Bewegung nicht einmal bedurft, um ihm klarzumachen, daß das die falscheste aller möglichen Richtungen war — auch er hörte die Schritte jetzt, und er begriff, daß es viel zu spät war, das Zimmer noch zu verlassen und sich im Ernst einzubilden, dabei nicht gesehen zu werden. Er brauchte ein Versteck.
«Das Bett!«sagte Anita.»Kriechen Sie darunter! Schnell!«
Eine Sekunde lang war Indiana so verblüfft, daß er gar nichts tat. Der Vorschlag erschien ihm so lächerlich, daß er um ein Haar laut aufgelacht hätte. Aber ihm blieb gar keine Zeit mehr, darüber nachzudenken. Er stürmte los, hörte, wie die Schritte dicht vor der Tür abbrachen, und warf sich mit einem langgestreckten Sprung nach vorn. Als die Klinke heruntergedrückt wurde, schlitterte er auf dem Bauch und mit eingezogenem Kopf über den spiegelblank gebohnerten Holzfußboden. Seine Füße verschwanden unter dem Rand des Bettes, als die Tür geöffnet wurde und ein schmaler Lichtstreifen vom Flur aus ins Zimmer fiel, und eine Sekunde später kollidierte sein Kopf ziemlich unsanft mit der Wand, vor der das Bett stand.
Für einen Moment sah er nur bunte Sterne. Mit zusammengebissenen Zähnen und so leise wie er nur konnte, drehte sich Indiana herum und blickte zur Tür.
In der nächsten Sekunde kam er sich tatsächlich so albern vor, wie er befürchtet hatte. Die Tür stand noch immer offen, aber die Füße und der Teil der dazugehörigen Beine, den er darüber erkennen konnte, gehörten ganz eindeutig nicht José. Es waren sehr schmale, zierliche Mädchenfüße und — waden.
«Joana!«hörte er Anitas Stimme. Sein Gesicht wurde unsanft gegen den Boden gepreßt, als sich Anita überrascht im Bett aufrichtete und die ausgeleierten Stahlfedern unter der Belastung ächzten und sich durchbogen.
«Was machen Sie denn hier?«
Indiana hörte das Geräusch der Tür, die wieder geschlossen wurde, und dann das leise Tappen von Joanas Füßen, als sie sich dem Bett näherte.
«Ich … wollte mit Ihnen reden«, sagte Joana. Ihre Stimme klang müde und irgendwie erschöpft. Aber nicht mehr betrunken.
«Jetzt?«fragte Anita.»Ich … ich bin schon zu Bett gegangen und …«
«Ich hoffe, ich habe Sie nicht geweckt«, unterbrach sie Joana.»Ich bleibe auch nicht lange. Aber … ich habe die Stimme Ihres Mannes gehört, unten im Salon. Und ich wollte allein mit Ihnen reden.«
«Hat das nicht Zeit bis morgen früh?«
«Ich wollte mich nur entschuldigen«, sagte Joana zerknirscht.»Ich glaube, ich … habe mich furchtbar danebenbenommen. Das mit Ihrem Mann tut mir sehr leid.«
«Er wird es überleben«, sagte Anita.»Und er wird auch Ihnen nicht den Kopf abreißen, Kindchen.«
«Es ist mir furchtbar peinlich«, fuhr Joana fort.»Vielleicht … können Sie mit ihm reden. Ich meine, bevor er morgen früh …«Sie stockte abermals und begann verlegen von einem Fuß auf den anderen zu treten.
«Das tue ich, Joana«, sagte Anita.»Ich verspreche es Ihnen. Ich rede noch heute mit ihm, sobald er heraufkommt. Sie werden sehen, morgen früh ist alles wieder in Ordnung. Aber jetzt seien Sie lieb und lassen Sie mich schlafen: Ich bin sehr müde — und keiner von uns weiß, wieviel Schlaf er in dieser Nacht bekommen wird.«
«Sicher«, sagte Joana hastig.»Es tut mir leid, wenn ich Sie gestört habe. Ich … gehe dann wieder.«
Indiana stieß einen lautlosen Seufzer der Erleichterung aus, als Joana sich umwandte und zur Tür ging. Vorsichtig öffnete sie sie und machte einen Schritt — und stockte wieder. Eine Sekunde lang blieb sie völlig reglos unter der Tür stehen. Dann wich sie mit einer raschen Bewegung wieder ins Zimmer zurück und drückte die Tür ins Schloß.
«Was ist?«fragte Anita.
«Ihr Mann!«antwortete Joana erschrocken.»Er kommt die Treppe herauf!«
«Dann sollten Sie gehen.«
«Zu spät!«antwortete Joana. In ihrer Stimme klang ein deutlicher Unterton von Panik mit.»Er würde mich sehen.«
«So schlimm ist das ja nun auch wieder nicht«, begann Anita, aber Joana hörte ihr gar nicht zu, sondern fuhr mit beinahe hysterischer Stimme fort.
«Ich verstecke mich! Schicken Sie ihn unter irgendeinem Vorwand weg — nur für eine Minute.«
Indiana hörte das hastige Klatschen nackter Füße auf dem Holzfußboden und dann Anitas erschrockenes Einatmen.
«Nicht dort! In den Schrank!«
Aber es war zu spät. Joana ließ sich mit einer raschen Bewegung zu Boden gleiten, kroch geschickt unter das Bett — und fuhr erschrocken zurück, als ihre tastenden Hände über Indianas Gesicht glitten.
«Wer …?«
«Pssst!«machte Indiana.»Keinen Laut!«
Joana verstummte tatsächlich, aber ihre Finger fuhren prüfend ein zweites Mal über sein Gesicht. Es war so dunkel hier unter dem Bett, daß sie ihn nicht einmal als Schatten wahrnehmen konnte — und er hoffte zumindest, daß sie ihn nicht an dem erkannte, was sie ertastete.
Fast im gleichen Augenblick wurde die Tür geöffnet, und José trat ein. Automatisch schloß er sie wieder hinter sich, aber nur, um sie beinahe im gleichen Moment wieder zu öffnen, um sich in dem Licht, das vom Flur hereinschien, zu orientieren. Indiana hörte seine schweren Stiefelschritte auf den Boden poltern, dann zitterte das ganze Bett über ihnen, und die altersschwachen Stahlfedern bogen sich noch weiter durch, als José sich auf die Kante setzte. Indiana bekam kaum noch Luft.
«José?«fragte Anita. Der verschlafene Ton in ihrer Stimme klang wirklich überzeugend, dachte Indiana. Anita war wirklich eine gute Schauspielerin. Er wußte nur nicht, ob ihn diese Erkenntnis sehr erfreute.
«Du bist noch wach?«brummte José.
«Ich habe auf dich gewartet«, antwortete Anita.
«Im Dunkeln?«Die Matratze hob sich wieder ein wenig, als Jo-sé aufstand und polternd zum Tisch ging.
«Nein«, sagte Anita.
Josés Schritte stockten.»Nein — was?«
«Das Licht«, antwortete Anita.»Mach es bitte nicht an.«
«Aber warum denn nicht?«
«Sie … könnten es von draußen sehen«, antwortete Anita stok-kend.
José lachte grob.»Unsinn! Die Läden sind vorgelegt, oder?«Indiana hörte, wie er ein Streichholz anriß, Glas klirrte leise, und dann erfüllte der bleiche, fast weiße Schein einer Petroleumlampe das Zimmer.
Ihr Licht fiel natürlich nicht unter das Bett, aber es reichte immerhin aus, die Dunkelheit soweit aufzuhellen, daß er Joanas schreckensbleiches Gesicht und ihre ungläubig aufgerissenen Augen nur wenige Zentimeter vor sich erkennen konnte.
So deutlich wie sie umgekehrt ihn.
Eine Sekunde lang starrte sie ihn einfach nur an, dann sah er, wie in ihren Augen ein düsterer Funke aufglomm, der heller und heller brannte. Gleichzeitig begann sich ihr Gesicht immer weiter zu verdunkeln.
Indiana griff im letzten Moment zu und preßte ihr die Hand auf den Mund, als sie losschreien wollte. Joana versuchte instinktiv, seine Hand beiseitezuschlagen, konnte sich aber in der Enge unter dem Bett ebensowenig bewegen wie er.
«Was war das?«fragte José alarmiert, und Joana erstarrte erschrocken mitten in der Bewegung.
«Was?«fragte Anita harmlos.
«Ich … ich dachte, ich hätte etwas gehört«, sagte José.»Du nicht?«
Indianas Herz machte einen erschrockenen Sprung, als er Anita leise auflachen und antworten hörte:»Vielleicht habe ich ja meinen Liebhaber unter dem Bett versteckt. Warum siehst du nicht nach?«
«Ich habe wirklich etwas gehört«, beharrte José.