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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Er schloß sich der Menge an, die über die Brücke und durch breite Tore und wuchtige hohe Mauern in die Stadt strömte. Drinnen fand er ein Wunderland, wo das unscheinbarste Gebäude noch wie ein Palast wirkte. Es war, als habe man den Erbauern aufgetragen, Stein und Ziegel und Platte zu ergreifen und damit Schönheit zu erschaffen, die sterblichen Menschen den Atem raubte.

Kein Gebäude, kein Denkmal, das er nicht mit großen Augen anstarrte. Musik erfüllte die Straßen, hundert verschiedene Lieder, und alle vereinten sich mit dem Lärm der Menge in einer großartigen, freudigen Harmonie. Die Düfte süßer Parfüme und beißender Gewürze, wundervoller Speisen und Myriaden von Blumen trieben durch die Luft, als habe sich jeder Wohlgeruch der Welt hier versammelt.

Die Straße, über die er die Stadt betreten hatte, breit und mit glatten grauen Steinen gepflastert, erstreckte sich kerzengerade vor ihm bis ins Zentrum der Stadt. An ihrem Ende ragte ein Turm auf, der breiter und höher war als alle anderen in der Stadt. Er war so weiß wie frisch gefallener Schnee. In diesem Turm lagen seine Sicherheit und das Wissen, das er suchte. Aber diese Stadt war so grandios, wie er es sich nie erträumt hatte. Bestimmt machte es nichts, wenn er den Gang zum Turm nur ein wenig hinauszögerte. Er bog in eine engere Straße ein, wo Jongleure zwischen Ständen mit fremdartigem Obst ihre Kunst zeigten.

Vor ihm am Ende dieser Straße lag ein schneeweißer Turm. Derselbe Turm. Ein Weilchen noch, dachte er und umrundete eine weitere Ecke. Auch am entfernten Ende dieser Straße lag der weiße Turm. Stur bog er erneut ab und dann wieder, und jedesmal fiel sein Blick auf den Alabasterturm. Er drehte sich um, wollte wegrennen -und hielt inne. Vor ihm — der weiße Turm. Er fürchtete sich davor, über die Schulter zurückzublicken, weil er Angst hatte, der Turm werde sich auch dort zeigen. Die Gesichter um ihn herum waren immer noch freundlich, doch nun erfüllt von zerschmetterter Hoffnung, Hoffnung, die er enttäuscht hatte. Immer noch bedeuteten ihm die Leute, weiterzugehen, gestikulierten bittend. Zum Turm hin. In ihren Augen stand verzweifelte Not, und nur er konnte sie lindern, nur er konnte sie retten. Also gut, dachte er. Schließlich wollte er ja sowieso zu diesem Turm gehen. Gleich nachdem er den ersten Schritt vorwärts getan hatte, verschwand die Enttäuschung von den Gesichtern der Umstehenden und wandelte sich zu einem Lächeln. Sie gingen mit ihm mit, und kleine Kinder streuten Blütenblätter vor ihm aus. Er blickte sich verwirrt um, da er sich fragte, für wen wohl die Blumen bestimmt seien, doch hinter ihm befanden sich nur weitere lächelnde Menschen, die ihm bedeuteten, weiterzugehen. Sie müssen für mich sein, dachte er und staunte darüber, daß ihm das plötzlich gar nicht mehr eigenartig vorkam. Das Staunen hielt sich einen Moment und verflog dann; alles war so, wie es sein sollte.

Zuerst begann einer dieser Menschen zu singen, dann ein anderer, und schließlich vereinigten sich alle Stimmen zu einer wunderbaren Hymne. Er konnte die Worte immer noch nicht verstehen, aber mindestens ein Dutzend ineinander verwobener Melodien sang von Freude und Rettung. Musikanten tollten durch die sich vorwärtsschiebende Menge und ergänzten die Hymne mit Flöten-, Harfen- und Trommelklängen. Alle die Lieder, die er vorher gehört hatte, gingen in diese neue Harmonie über. Mädchen tanzten um ihn herum, legten ihm Girlanden aus süßduftenden Blumen über und wanden sie um seinen Hals. Sie lächelten ihn an. Ihre Freude schwoll mit jedem Schritt, den er tat. Er konnte nicht anders als zurückzulächeln. Seine Füße wollten sich ihrem Tanz anschließen, und kaum hatte er daran gedacht, da tanzte er auch schon, und seine Schritte kamen so sicher, als kenne er sie bereits seit seiner Geburt. Er warf den Kopf in den Nacken und lachte; seine Schritte waren beschwingter als je zuvor, wenn er mit... Er konnte sich an den Namen nicht erinnern aber es erschien ihm auch nicht wichtig.

Es ist dein Schicksal, flüsterte eine Stimme in seinem Kopf, und das Flüstern war wie ein Teil des gesamten Lobgesangs um ihn herum.

Wie ein Zweig, der vom Schaumkamm einer Woge getragen wird, schwemmte ihn die Menge auf einen riesigen Platz im Stadtzentrum, und zum ersten Mal sah er, daß sich der weiße Turm aus einem großen hellen Marmorpalast erhob, der weniger gebaut als vielmehr von einem Bildhauer geformt erschien, mit elegant geschwungenen Wänden, schwellenden Kuppeln und graziösen Türmchen, die nach dem Himmel griffen. Vor Ehrfurcht stockte ihm der Atem. Breite Treppen aus kantig geformtem Stein führten vom Platz aus hoch, und die Menschen blieben am Fuß dieser Treppen stehen, doch ihr Lied schwoll immer stärker an. Die andächtigen Stimmen trugen seine Füße empor. Dein Schicksal, flüsterte die Stimme eifrig und eindringlich.

Er tanzte nicht mehr, blieb aber keineswegs stehen. Ohne Zögern schritt er die Treppen hinauf. Er gehörte hierher.

Die massiven Türflügel am oberen Ende der Treppe waren mit Runen bedeckt, dermaßen verflochtenen und feinen Gravierungen, daß er sich keine Klinge vorstellen konnte, die fein genug wäre, um das fertigzubringen. Das Tor öffnete sich, und er schritt hinein. Die Türflügel schlossen sich mit einem Donnerhall hinter ihm.

»Wir haben auf dich gewartet«, zischte der Myrddraal.

Rand schnellte hoch, schnappte nach Luft und zitterte, die Augen weit aufgerissen. Tam schlief noch in seinem Bett. Langsam beruhigte sich Rands Atem. Halbverglühte Holzscheite loderten im Kamin. Um sie herum war ein schöner Ring aus Kohle aufgehäuft; jemand mußte das getan haben, während er schlief. Zu seinen Füßen lag eine Decke, die ihm beim Hochschnellen heruntergefallen war. Auch die provisorische Bahre war verschwunden, und die Umhänge waren ordentlich an der Tür aufgehängt worden. Mit einer immer noch zitternden Hand wischte er sich kalten Schweiß von der Stirn. Er fragte sich, ob es den Dunklen König auch dann auf ihn aufmerksam machen könne, wenn er ihn im Schlaf nannte und nicht im wachen Zustand.

Draußen dämmerte es, der Mond stand rund und fett hoch am Himmel, und über den Verschleierten Bergen glitzerten die Abendsterne. Er hatte den Tag verschlafen. Er rieb sich über einen schmerzenden Fleck an der Seite. Offensichtlich war er eingeschlafen, obwohl ihn der Schwertgriff in die Rippen drückte. Das und ein leerer Magen und die ereignisreiche Nacht zuvor: kein Wunder, wenn er Alpträume hatte.

Sein Magen knurrte, und so stand er steif auf und trat zum Tisch, auf dem Frau al'Vere das Tablett abgestellt hatte. Er zog das weiße Tuch beiseite. Obwohl er einige Zeit geschlafen hatte, war die Rindfleischbrühe noch warm, genau wie das Brot mit seiner knusprigen Rinde. Es wurde ihm schnell klar, was Frau al'Vere getan hatte: Das Tablett war ausgetauscht worden. Wenn sie einmal beschlossen hatte, daß jemand eine warme Mahlzeit brauchte, dann gab sie nicht auf, bis man sie gegessen hatte.

Er trank ein wenig Brühe, legte rasch Fleisch und Käse zwischen zwei Scheiben Brot und stopfte sich alles in den Mund. Zwischen den ersten großen Bissen ging er zum Bett zurück. Frau al'Vere hatte sich offensichtlich auch um Tam gekümmert. Er war ausgezogen worden. Seine Kleider lagen nun sauber und zusammengelegt auf dem Nachttisch, und eine Decke war ihm bis unter das Kinn hochgezogen worden. Als Rand die Stirn seines Vaters berührte, öffnete Tam die Augen. »Da bist du ja, Junge. Marin hat mir gesagt, daß du hier bist, aber ich war noch nicht einmal in der Lage, mich aufzusetzen, um nach dir zu sehen. Sie sagte, du seist zu müde, und sie könne dich nicht wecken, nur damit ich dich sehe. Selbst Bran kann da nichts ausrichten, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat.«

Tams Stimme klang schwach, doch sein Blick war klar und ruhig. Die Aes Sedai hatte recht, dachte Rand. Genügend ausgeruht wird er auch wieder ganz gesund. »Kann ich dir etwas zu essen holen? Frau al'Vere hat ein Tablett dagelassen.«

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