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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Mein Alter?« Rands Stimme zitterte, und es kümmerte ihn nicht einmal. »Licht! Mat. Was ist mit Perrin?«

»Sie leben und sind wohlauf«, versicherte ihm Moiraine, »wenn auch ein bißchen schmutziger.«

»Ban Crawe und Lem Thane?«

»Waren niemals in Gefahr«, sagte Lan. »Zumindest nicht mehr als alle anderen.«

»Aber sie haben den Reiter, den Blassen, auch gesehen, und sie sind im gleichen Alter wie ich.«

»Meister Crawes Haus wurde nicht einmal beschädigt«, sagte Moiraine, »und der Müller mit seiner Familie verschlief den Angriff, bis sie von dem Lärm geweckt wurden. Ban ist zehn Monate älter als du und Lem acht Monate jünger.« Sie lächelte trocken angesichts seiner Überraschung. »Ich habe dir gesagt, daß ich Fragen stellte. Und ich habe auch gesagt, junge Männer eines bestimmten Alters. Du und deine beiden Freunde, ihr seid altersmäßig nur ein paar Wochen auseinander. Euch drei suchte der Myrddraal und niemanden sonst!«

Rand trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Es war ihm höchst unangenehm, daß sie ihn so ansahen, als könnten ihre Augen in seinem Hirn lesen und alles wahrnehmen, was darin verborgen lag. »Was können sie von uns wollen? Wir sind nur Bauern, Schäfer.«

»Diese Frage kann in der Gegend der Zwei Flüsse nicht beantwortet werden«, sagte Moiraine ruhig, »doch die Antwort ist wichtig. Das zeigt uns das Auftauchen von Trollocs, wo sie zweitausend Jahre lang nicht mehr gesehen worden waren.«

»Es gibt eine Menge Berichte über Trolloc-Überfälle«, sagte Rand stur. »Wir hatten eben hier noch nie einen. Behüter kämpfen die ganze Zeit über gegen Trollocs.«

Lan schnaubte. »Junge, ich rechne damit, am Rand der Großen Fäule auf Trollocs zu treffen, aber nicht hier, fast sechshundert Tagesmärsche weiter südlich. Das war ein Überfall letzte Nacht, wie ich ihn in Shienar erwarte oder in einem der Grenzlande.«

»In einem von euch«, erklärte Moiraine, »oder in allen dreien sieht der Dunkle König eine Gefahr.«

»Das... Das ist unmöglich.« Rand stolperte zum Fenster und blickte hinaus auf das Dorf und auf die Menschen, die inmitten der Ruinen arbeiteten. »Es ist mir gleich, was geschehen ist, aber das ist unmöglich.« Etwas auf dem Grün zog seinen Blick an. Er sah genauer hin und erkannte dann, daß es der angekohlte Stumpf des Frühlingsbaums war. Ein schönes Bel Tine mit einem Krämer, einem Gaukler und Fremden. Er fror bei dem Gedanken und schüttelte energisch den Kopf. »Nein. Nein, ich bin Schäfer. Der Dunkle König kann mich nicht meinen.«

»Es machte große Mühe«, sagte Lan ernst, »so viele Trollocs so weit entfernt einzusetzen, ohne von den Grenzlanden bis Caemlyn und noch weiter Aufsehen zu erregen. Ich wüßte gern, wie sie das fertiggebracht haben. Glaubst du wirklich, sie haben das alles angestellt, nur um ein paar Häuser niederzubrennen?«

»Sie kommen zurück«, fügte Moiraine hinzu.

Rand hatte schon den Mund geöffnet, um Lan zu widersprechen, aber dieser Satz erstickte seine Worte im Ansatz. Er fuhr zu ihr herum. »Zurück? Könnt Ihr sie nicht aufhalten? Ihr habt das doch letzte Nacht auch geschafft, und dabei wurdet Ihr überrascht. Jetzt wißt Ihr, daß sie da sind.«

»Vielleicht«, antwortete Moiraine. »Ich könnte Tar Valon benachrichtigen, um einige meiner Schwestern anzufordern. Sie könnten möglicherweise hier ankommen, bevor wir sie brauchen. Auch der Myrddraal weiß, daß ich hier bin, und wird vielleicht deshalb nicht angreifen, zumindest nicht offen, solange er keine Verstärkung bekommt — Myrddraal und Trollocs. Genügend Aes Sedai und Behüter könnten die Trollocs zurückschlagen, obwohl ich nicht sagen kann, wie viele Schlachten wir dazu benötigen würden.«

Eine Vision tanzte ihm durch den Kopf: Emondsfeld völlig niedergebrannt. Alle Bauernhöfe in Schutt und Asche. Und Wachhügel und Devenritt und Taren-Fähre dazu. Nur Asche und Blut. »Nein«, sagte er, und er fühlte, wie etwas in seinem Innern zerbrach, wie etwas seinem Zugriff entglitt. »Deshalb muß ich fort, nicht wahr? Die Trollocs kommen nicht zurück, wenn ich nicht mehr hier bin.« Eine letzte Spur von Sturheit ließ ihn hinzufügen: »Wenn sie wirklich hinter mir her sind.«

Moiraines Augenbrauen hoben sich, als sei sie überrascht, daß er immer noch nicht überzeugt war, aber Lan sagte: »Möchtest du die Existenz deines Dorfes dafür riskieren, Schäfer? Der ganzen Zwei Flüsse?«

Rands Sturheit verflog. »Nein«, sagte er wieder und fühlte diese Leere in seinem Innern erneut. »Perrin und Mat müssen auch fort, ja?« Die Zwei Flüsse verlassen. Sein Heim und seinen Vater verlassen. Wenigstens würde es Tam besser gehen. Wenigstens könnte er sich von ihm bestätigen lassen, daß alles, was er auf der Haldenstraße gesagt hatte, Unsinn war. »Wir könnten nach Baerlon gehen, denke ich, oder vielleicht sogar nach Caemlyn. Ich habe gehört, daß in Caemlyn mehr Menschen wohnen als im ganzen Gebiet der Zwei Flüsse. Dort wären wir sicher.« Er versuchte zu lachen, doch es klang hohl. »Ich habe früher davon geträumt, Caemlyn zu sehen. Ich hätte nie geglaubt, daß mein Wunsch auf diese Weise erfüllt würde.«

Nach langem Schweigen sagte Lan schließlich: »Ich würde nicht damit rechnen, in Caemlyn wirklich in Sicherheit zu sein. Wenn die Myrddraal dich unbedingt fangen wollen, werden sie auch dort eine Möglichkeit finden. Mauern können einen Halbmenschen nicht lange aufhalten. Und du wärst ein Narr, begriffest du nicht endlich, daß sie wirklich unbedingt deiner habhaft werden wollen.«

Rand hatte geglaubt, die tiefsten Tiefen der Niedergeschlagenheit bereits erreicht zu haben, doch nun wurde es noch ein wenig schlimmer.

»Es gibt einen sicheren Ort«, sagte Moiraine sanft, und Rand spitzte die Ohren. »In Tar Valon wärst du bei den Aes Sedai und den Behütern geborgen. Selbst während der Trolloc-Kriege wagten die Mächte des Dunklen Königs nicht, die Leuchtenden Mauern anzugreifen. Und als sie es dennoch taten, führte dieser eine Versuch zu ihrer größten Niederlage überhaupt. In Tar Valon ist alles Wissen zusammengetragen, das wir Aes Sedai seit der Zeit des Wahns erwarben. Einige Fragmente gehen sogar auf das Zeitalter der Legenden zurück. Wenn überhaupt, dann wirst du in Tar Valon erfahren, warum die Myrddraal nach dir suchen. Warum der Vater der Lügen nach dir verlangt. Das kann ich dir versprechen.«

Eine Reise bis zum fernen Tar Valon war fast unvorstellbar. Eine Reise an einen Ort, an dem er von Aes Sedai umgeben wäre. Natürlich hatte Moiraine Tam geheilt — oder es sah wenigstens so aus -, aber es gab ja noch alle diese Geschichten... Es war schon unangenehm genug, sich im gleichen Raum mit einer Aes Sedai zu befinden, aber in einer Stadt voll von ihnen? Und immer noch hatte sie ihren Preis nicht genannt. Man mußte immer bezahlen, hieß es in den Geschichten.

»Wie lange wird mein Vater schlafen?« fragte er schließlich. »Ich... Ich muß es ihm sagen. Er soll nicht aufwachen und erfahren, daß ich weg bin.« Er glaubte, von Lan einen Seufzer der Erleichterung zu hören. Er sah den Behüter neugierig an, doch Lans Gesicht war so ausdruckslos wie immer.

»Es ist unwahrscheinlich, daß er aufwacht, bevor wir abreisen«, sagte Moiraine. »Ich will bald nach dem völligen Einbruch der Dunkelheit aufbrechen. Selbst ein einziger Tag Aufenthalt könnte sich als tödlich erweisen. Es ist am besten, du hinterläßt ihm eine Botschaft.«

»In der Nacht?« meinte Rand zweifelnd, und Lan nickte.

»Der Halbmensch wird früh genug herausfinden, daß wir weg sind. Wir sollten ihm seine Aufgabe nicht noch erleichtern.«

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