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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Rand machte sich an den Decken seines Vaters zu schaffen. Der Weg nach Tar Valon war sehr weit. »In diesem Fall... In diesem Fall werde ich nun besser gehen und Mat und Perrin suchen.«

»Darum kümmere ich mich.« Moiraine stand energisch auf und legte sich den Umhang mit plötzlich wiederhergestellter Lebhaftigkeit um. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter, und er bemühte sich sehr, nicht zusammenzuzucken. Sie drückte nicht fest zu, doch es war ein eiserner Griff, der ihn so sicher hielt wie der gegabelte Stock die Schlange. »Es ist am besten, wenn wir all das für uns behalten. Verstehst du? Die gleichen Leute, die den Drachenzahn auf die Tür der Schenke kritzelten, könnten uns Schwierigkeiten bereiten, wenn sie Bescheid wüßten.«

»Ich verstehe.« Er atmete erleichtert auf, als sie ihre Hand wegnahm. »Ich lasse dir von Frau al'Vere etwas zu essen bringen«, fuhr sie fort, als habe sie seine Reaktion gar nicht bemerkt. »Dann mußt du schlafen. Es wird eine anstrengende Reise heute nacht, selbst wenn du ausgeruht bist.«

Die Tür schloß sich hinter ihnen, und Rand stand da und blickte auf seinen Vater hinunter. Er sah ihn an und sah doch nichts. Bis zu dieser Minute war ihm nie bewußt gewesen, daß Emondsfeld ebenso ein Teil von ihm war wie er ein Teil von Emondsfeld. Jetzt wurde es ihm klar, weil er spürte, daß es dieses Gefühl gewesen war, das gerade in ihm zerbrochen war. Nun war er irgendwie vom Dorf getrennt. Der Schäfer der Nacht suchte ihn. Es war unmöglich — er war nur ein Bauer -, aber die Trollocs waren gekommen, und Lan hatte in einer Hinsicht recht: Er durfte nicht die Existenz des Dorfes gefährden, nur aus dem Gefühl heraus, Moiraine könne sich irren. Er konnte es nicht einmal jemandem erzählen; die Coplins würden deswegen bestimmt einen ganz schönen Wirbel veranstalten. Er mußte einer Aes Sedai vertrauen.

»Weck ihn jetzt nicht auf!« sagte Frau al'Vere, als der Bürgermeister die Tür hinter sich und seiner Frau schloß. Unter dem Tuch, das über dem Tablett in ihren Händen lag, duftete es köstlich und warm. Sie stellte es auf der Truhe an der Wand ab und schob Rand energisch vom Bett weg.

»Frau Moiraine hat mir gesagt, was er braucht«, sagte sie sanft, »und dazu gehört nicht, daß du ihm vor Erschöpfung auf den Kopf fällst. Ich habe dir etwas zu essen mitgebracht. Laß es nicht kalt werden.«

»Ich möchte nicht, daß Ihr sie so nennt«, sagte Bran verdrießlich. »Moiraine Sedai ist die korrekte Anrede. Sie könnte böse werden.«

Frau al'Vere tätschelte ihm die Wange. »Überlaß das ruhig mir. Sie und ich, wir haben uns lange unterhalten. Und sprich leise. Wenn du Tam aufweckst, werde ich genauso wild wie Moiraine Sedai.« Sie legte die Betonung auf Moiraines Titel und zog Brans Beharrlichkeit auf diese Art ins Lächerliche. »Ihr beiden steht mir bitte nicht im Weg herum.« Mit einem liebevollen Lächeln in Richtung ihres Mannes wandte sie sich dem Bett und Tam zu.

Meister al'Vere sah Rand verdrossen an. »Sie ist eine Aes Sedai. Die Hälfte der Frauen im Dorf benimmt sich, als hätte sie einen Sitz im Frauenzirkel, und die andere Hälfte, als wäre sie ein Trolloc. Keine von ihnen scheint zu merken, daß man bei einer Aes Sedai vorsichtig sein muß. Die Männer schauen sie von der Seite her an, aber wenigstens tun sie nichts, um sie herauszufordern.«

Vorsicht! dachte Rand. Es war nicht zu spät dafür, vorsichtig zu werden. »Meister al'Vere«, sagte er langsam, »wißt Ihr, wie viele Bauernhöfe angegriffen wurden?«

»Ich habe nur von zweien gehört, darunter Eurer.« Der Bürgermeister hielt inne, zog die Stirn kraus und zuckte schließlich mit den Achseln. »Wenn man betrachtet, was hier geschehen ist, dann sind das nicht viele. Es sollte mich ja froh stimmen, aber... Na ja, vielleicht hören wir bis heute abend von weiteren.«

Rand seufzte. Nicht nötig, danach zu fragen, welcher andere Hof es war. »Hier im Dorf, haben sie da... Ich meine, konnte man an irgendwas erkennen, was sie eigentlich wollten?«

»Wollten, Junge? Ich weiß nicht, ob sie irgendwas Bestimmtes wollten es sei denn, uns alle zu töten. Es war so, wie ich schon sagte. Die Hunde bellten, und Moiraine Sedai und Lan rannten auf die Straße, und dann schrie jemand, Meister Luhhans Haus und die Schmiede stünden in Flammen. Abell Cauthons Haus loderte auf — eigentlich seltsam, es steht ja in der Dorfmitte. Jedenfalls waren dann die Trollocs überall. Nein, ich glaube nicht, daß sie etwas Bestimmtes wollten.« Er lachte kurz und hart, hörte aber nach einem wachsamen Blick auf seine Frau damit auf. Sie drehte sich nicht um. »Um die Wahrheit zu sagen«, fuhr er leiser fort, »schienen sie fast genauso verwirrt wie wir. Ich bezweifle, daß sie erwartet hatten, hier eine Aes Sedai oder einen Behüter zu finden.«

»Das nehme ich auch an«, sagte Rand mit einer Grimasse.

Wenn Moiraine in dieser Hinsicht also die Wahrheit gesagt hatte, dann stimmte wohl auch der Rest. Ein Augenblick lang überlegte er, ob er den Bürgermeister um Rat bitten solle, aber offensichtlich wußte Meister al'Vere nicht mehr über die Aes Sedai als jeder andere im Dorf. Außerdem traute er sich nicht einmal dem Bürgermeister zu erzählen, was sich wirklich abspielte -was Moiraine behauptete. Er wußte nicht, wovor er sich mehr fürchtete: ausgelacht zu werden oder daß ihm geglaubt wurde. Er rieb seinen Daumen am Griff von Tams Schwert. Sein Vater war draußen in der Welt gewesen; er mußte mehr über die Aes Sedai wissen als der Bürgermeister. Aber wenn Tam tatsächlich außerhalb der Zwei Flüsse gewesen war, konnte dann nicht auch das, was er im Westwald gesagt hatte... Er strich sich mit beiden Händen durchs Haar und ließ den Gedankengang unvollendet.

»Du brauchst Schlaf, Junge«, sagte der Bürgermeister.

»Das stimmt«, fügte Frau al'Vere hinzu. »Du fällst ja beinahe von den Füßen.«

Rand blinzelte sie erstaunt an. Er hatte nicht einmal bemerkt, daß sie sich von seinem Vater abgewandt hatte. Er brauchte wirklich Schlaf; schon der bloße Gedanke ließ ihn gähnen.

»Du kannst das Bett im Nebenzimmer haben«, sagte der Bürgermeister. »Das Feuer ist schon angezündet.«

Rand sah seinen Vater an. Tam schlief noch fest. Er mußte daraufhin wieder gähnen. »Ich bleibe lieber hier drinnen, wenn es Euch nichts ausmacht. Falls er aufwacht.«

Was Krankenzimmer betraf, hatte Frau al'Vere das Sagen, und der Bürgermeister überließ ihr die Entscheidung. Sie zögerte nur einen Moment, bevor sie nickte. »Aber laß ihn von allein aufwachen. Wenn du ihn im Schlaf störst...« Er versuchte, ihr zu sagen, er werde ihn nicht stören, aber die Worte wurden von einem erneuten Gähnen erstickt. Sie schüttelte lächelnd den Kopf. »Du wirst selbst im Nu einschlafen. Wenn du schon hierbleiben willst, dann roll dich dort am Feuer ein. Und trink ein wenig von der Rindfleischbrühe, bevor du die Augen schließt.«

»Werde ich«, sagte Rand. Er hätte alles getan, um in diesem Zimmer zu bleiben. »Und ich werde ihn nicht wecken.«

»Das will ich hoffen«, sagte Frau al'Vere fest, aber nicht unfreundlich. »Ich bringe dir ein Kopfkissen und ein paar Decken.«

Als sich die Tür endlich hinter ihnen schloß, zog Rand den einzigen Stuhl des Zimmers hinüber zu Tams Bett und setzte sich so hin, daß er Tam beobachten konnte. Es war ja schön und gut, wenn Frau al'Vere von Schlafen sprach — sein Kiefer knackte, als er ein weiteres Gähnen unterdrückte -, aber jetzt konnte er noch nicht einschlafen. Tam wachte vielleicht jeden Moment auf und würde dann möglicherweise nur ganz kurz wach bleiben. Wenn das geschah, mußte Rand für ihn da sein.

Er verzog das Gesicht und drehte sich auf dem Stuhl ein wenig herum. Er drückte den Schwertgriff von den Rippen weg. Er hatte ein schlechtes Gewissen, unbedingt jemandem erzählen zu wollen, was Moiraine ihm erzählt hatte, aber dies war schließlich Tam. Dies war... Ohne es zu bemerken, schob sich sein Kinn entschlossen vor. Mein Vater. Ich kann meinem Vater erzählen, was ich will.

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