Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Jetzt rannten sie wie die Tiere, die vor einem Waldbrand flüchteten, und dachten an nichts anderes als an Flucht. Nach Norden und Süden flohen sie. Tausende ertranken, als sie versuchten, ohne die Hilfe der Schattenlords den Tarendrelle zu überqueren, und am Manetherendrelle rissen sie die Brücken ein aus Angst vor den Verfolgern. Wo immer sie auf Menschen stießen, da mordeten und verbrannten sie, aber sie wurden von dem Gedanken an Flucht beherrscht. Bis schließlich keiner mehr im Lande Manetheren zurückblieb. Sie wurden verstreut wie Staub von einem Wirbelwind. Die endgültige Rache erfolgte langsamer, aber sie holte sie ein, als sie nämlich von anderen Völkern gejagt wurden, von den Heeren anderer Länder. Keiner von denen, die am Aemonsfeld gemordet hatten, blieb am Leben. Aber Manetheren zahlte einen hohen Preis. Eldrene hatte mehr Macht in sich vereint, als ein Mensch je ohne Hilfe beherrschen kann. Als die Generale des Feindes starben, starb auch sie, und das Feuer, das sie verschlang, verschlang auch die leere Stadt Manetheren, selbst die Steine bis hinunter auf den Grundfels des Gebirges. Und doch waren die Menschen gerettet.
Von ihren Bauernhöfen, ihren Dörfern oder ihrer großartigen Stadt war nichts übriggeblieben. Einige meinten, es sei überhaupt nichts mehr übrig für sie, und sie müßten in andere Länder fliehen, um dort neu zu beginnen. Sie sagten es aber nicht. Sie hatten einen solch hohen Preis an Blut und Hoffnung für ihr Land bezahlt, wie es noch nie zuvor geschehen war, und nun waren sie durch Bande, stärker als Stahl, an diese Erde gebunden. Sie wurden in späteren Jahren mit anderen Kriegen überzogen, bis schließlich ihre Ecke der Welt vergessen wurde und bis sie die Kriege und ihre Folgen vergessen hatten. Manetheren erhob sich niemals mehr. Ihre schwebenden Türme und plätschernden Brunnen wurden zu Teilen eines Traums, der langsam in der Erinnerung der Menschen verblaßte. Doch sie und ihre Kinder und Kindeskinder hielten dieses Land, das ihnen gehörte. Sie hielten es, auch wenn die langen Jahrhunderte das Warum aus ihren Gedächtnissen wuschen. Sie hielten es bis heute, bis zu euch. Weint um Manetheren. Weint um das, was für immer verloren ist.«
Die Flammen aus Moiraines Stock erloschen, und sie senkte ihn, als wöge er hundert Pfund. Lange Augenblicke war das Heulen des Windes der einzige Laut. Dann schob sich Paet al'Caar vor die Coplins.
»Ich weiß nichts von Eurer Geschichte«, sagte der Bauer mit dem langen Kinn. »Ich bin kein Dorn im Fuß des Dunklen Königs und werde es wahrscheinlich auch nie sein. Aber mein Wil kann dank Eurer Hilfe wieder laufen, und deshalb schäme ich mich, hier zu sein. Ich weiß nicht, ob Ihr mir vergeben könnt, aber ob Ihr könnt oder nicht, ich gehe jetzt. Und was mich betrifft, könnt Ihr so lange in Emondsfeld bleiben, wie es Euch beliebt.«
Mit einem geschwinden Kopfnicken, beinahe schon einer Verbeugung schob er sich in die Menge zurück. Nun murmelten auch andere, taten verschämt Buße, bevor sie ebenfalls davon schlichen. Die Coplins, mit finsterer Miene und heruntergezogenen Mundwinkeln, sahen die Gesichter der Menschen und verschwanden ohne ein Wort in der Nacht. Bili Congar hatte sich noch vor seinen Vettern verdrückt.
Lan zog Rand zurück und schloß die Tür. »Gehen wir, Junge!« Der Behüter trat in den hinteren Teil der Schenke. »Kommt mit, ihr beiden! Schnell!«
Rand zögerte und tauschte einen fragenden Blick mit Mat. Während Moiraine die Geschichte erzählt hatte, hätten ihn selbst Meister al'Veres Dhurran-Hengste nicht fortschleifen können, doch nun hemmte etwas anderes seine Schritte. Dies war der endgültige Moment, die Schenke zu verlassen und dem Behüter in die Nacht zu folgen... Er schüttelte sich und bemühte sich um Entschlossenheit. Er hatte keine andere Wahl, aber er würde nach Emondsfeld zurückkehren, wie weit ihn auch seine Reise führen mochte.
»Worauf wartet ihr?« fragte Lan an der Tür. Mat zuckte zusammen und eilte zu ihm.
Rand versuchte, sich selbst zu überzeugen, daß er am Beginn eines großen Abenteuers stand, und folgte ihnen durch die dunkle Küche in den Stallhof.
10
Abschied
Eine einzelne Laterne, die Klappen halb geschlossen, hing an einem Nagel von einem Stallpfosten und warf ein trübes Licht über die Szenerie. Die meisten Boxen wurden von den tiefen Schatten verschluckt. Als Rand gleich hinter Mat und dem Behüter durch das Tor eintrat, sprang Perrin unter Strohrascheln von seinem Platz auf. Er hatte mit dem Rücken an eine Boxentür gelehnt dagesessen. Ein schwerer Umhang hüllte ihn ein.
Lan blieb nur ganz kurz stehen und wollte wissen: »Hast du so genau nachgesehen, wie ich es dir gesagt habe, Schmied?«
»Habe ich«, antwortete Perrin. »Hier ist niemand außer uns. Warum sollte sich auch jemand verstecken... «
»Vorsicht und ein langes Leben sind gute Partner, Schmied.« Der Behüter sah sich hastig in dem düsteren Stall um, warf einen Blick hinauf in den noch dunkleren Heuboden und schüttelte den Kopf. »Keine Zeit«, murmelte er in sich hinein. »Beeil dich, hat sie gesagt.«
Um seinen eigenen Worten Folge zu leisten, schritt er schnell hinüber, wo die fünf Pferde aufgezäumt und gesattelt im dämmrigen Lichtkreis standen. Zwei davon waren der schwarze Hengst und die weiße Stute, die Rand schon zuvor gesehen hatte. Die anderen waren wohl nicht so groß und geschmeidig, schienen aber zum Besten zu gehören, was die Zwei Flüsse aufbieten konnten. Schnell, aber sorgfältig überprüfte Lan die Sattelgurte und die Lederriemen, die ihre Satteltaschen, Wasserschläuche und Deckenrollen hinter den Sätteln festhielten.
Rand und seine Freunde lächelten sich unsicher an, und er bemühte sich sehr, so zu wirken, als könne er den Aufbruch gar nicht erwarten.
Zum ersten Mal bemerkte Mat das Schwert an Rands Seite, und er zeigte darauf. »Wirst du jetzt auch ein Behüter?« Er lachte, hielte aber gleich mit einem schnellen Seitenblick auf Lan wieder inne. Der Behüter hatte offensichtlich nichts bemerkt. »Oder zumindest Leibwächter bei einem Kaufmann?« fuhr Mat mit einem Grinsen fort, das nur ein ganz klein bißchen gezwungen wirkte. Er hob seinen Bogen. »Die Waffe eines ehrlichen Mannes ist nicht gut genug für ihn.«
Rand überlegte, ob er daraufhin sein Schwert schwenken sollte, aber die Anwesenheit Lans hielt ihn davon ab. Der Behüter blickte nicht einmal in ihre Richtung, aber er war sicher, daß er alles aufnahm, was um ihn herum geschah. Also sagte er übertrieben nebensächlich: »Es könnte nützlich sein«, als sei das Tragen eines Schwertes nichts Besonderes.
Perrin bewegte sich und versuchte, etwas unter seinem Umhang zu verbergen. Rand erhaschte einen Blick auf einen breiten Ledergürtel um die Taille des Schmiedlehrlings. Der Stiel einer Axt steckte in einer Schlaufe am Gürtel.
»Was hast du denn da?« fragte er.
»Noch ein Leibwächter«, johlte Mat.
Der junge Mann mit dem struppigen Haar sah Mat mit einem Stirnrunzeln an, das darauf hindeutete, daß er schon mehr als einmal Ziel von Mats Spott gewesen war. Dann seufzte er tief und öffnete den Umhang weit genug, um seine Axt zu enthüllen. Es war keine gewöhnliche Holzfälleraxt. Mit einer breiten halbmondförmigen Schneide auf einer Seite und einem gekrümmten Haken auf der anderen wirkte sie genauso fremdartig wie Rands Schwert. Doch Perrins Hand ruhte mit einer gewissen Vertrautheit auf dem Stiel.
»Meister Luhhan hat sie vor etwa zwei Jahren für den Leibwächter eines Wollaufkäufers gemacht. Aber als sie fertig war, wollte der Bursche den vereinbarten Preis nicht zahlen, und Meister Luhhan gab sie nicht für weniger her. Er hat sie mir gegeben, als... « Er räusperte sich und sah Rand genauso warnend an wie vorher Mat. »... als er sah, wie ich damit übte. Er sagte, ich könne sie haben, weil er sowieso nichts Vernünftiges daraus machen könne.«