Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Keiner sagte ein Wort. Die beiden Coplins sahen aus, als wollten sie nie wieder den Mund öffnen.
Bran sagte: »Vergessen, wer wir waren? Wir sind, wer wir immer waren. Ehrliche Bauern und Schäfer und Handwerker. Die Leute der Zwei Flüsse.«
»Im Süden«, sagte Moiraine, »liegt der Fluß, den ihr den Weißen Fluß nennt, doch weit weg im Osten nennen ihn die Menschen immer noch bei seinem rechtmäßigen Namen: Manetherendrelle. In der Alten Sprache: Die Wasser der Bergheimat. Schimmernde Wasser, die einst durch ein Land der Schönheit und Tapferkeit flossen. Vor zweitausend Jahren floß der Manetherendrelle an den Mauern einer Bergstadt vorbei, die so schön anzusehen war, daß sogar Steinwerker der Ogier kamen, um sie staunend zu betrachten. Ackerland und Dörfer bedeckten diese Gegend und das Gebiet, das Ihr den Wald der Schatten nennt, und noch mehr. Aber diese Menschen betrachteten sich als die Leute der Bergheimat, die Einwohner von Manetheren.
Ihr König war Aemon al Caar al Thorin, Aemon, der Sohn des Caar, Sohn des Thorin, und Eldrene ay Carlan war seine Königin. Aemon war ein so furchtloser Mann, daß das größte Kompliment, das man jemandem für seinen Mut machen konnte, sogar unter seinen Feinden damals hieß: Der Mann hat Aemons Herz. Eldrene war so schön, daß man sich erzählte, die Blumen blühten nur, um sie zum Lächeln zu bringen. Mut und Schönheit und Weisheit und eine Liebe, die auch der Tod nicht zerbrechen konnte. Weint, wenn ihr noch ein Herz im Leib habt, weil sie verloren sind, weil sogar die Erinnerung an sie verlorenging. Weint, denn auch ihr Blut scheint verloren.«
Sie schwieg, und niemand sprach. Rand war wie die anderen in ihrem Bann gefangen. Als sie wieder begann, lauschte er begierig ihren Worten, genau wie die anderen.
»Beinahe zwei Jahrhunderte lang hatten die Trolloc-Kriege die Welt der Länge und der Breite nach verwüstet, und wo immer Schlachten tobten, da war das Banner von Manetheren mit seinem Roten Adler in der vordersten Linie zu finden. Die Männer von Manetheren waren ein Dorn im Fuß des Dunklen Königs und ein Stachel in seiner Hand. Singt von Manetheren, das nie sein Knie dem Schatten beugte. Singt von Manetheren, dem Schwert, das nicht zerbrochen werden konnte.
Sie waren weit weg, die Männer von Manetheren, auf dem Feld von Bekkar, das man auch das Feld des Blutes nennt, als sich die Nachricht verbreitete, daß eine Trolloc-Armee gegen ihre Heimat marschierte. Zu weit entfernt, um etwas anderes zu tun, als darauf zu warten, vom Tod ihres Landes zu hören, denn der Dunkle König wollte ihnen ein Ende bereiten. Töte die mächtige Eiche, indem du ihre Wurzeln abhackst. Zu weit weg, um etwas anderes zu tun, als zu trauern. Aber sie waren die Männer der Bergheimat.
Ohne zu zögern, ohne an die Entfernung zu denken, die sie zurücklegen mußten, marschierten sie direkt vom ruhmreichen Schlachtfeld los, immer noch mit Staub und Blut und Schweiß bedeckt. Tag und Nacht marschierten sie, denn sie hatten die Schrecken erlebt, die eine Armee von Trollocs hinter sich zurückläßt, und keiner von ihnen konnte ruhig schlafen, während eine solche Gefahr Manetheren bedrohte. Sie marschierten, als hätten sie Schwingen an den Füßen, weiter und schneller, als ihre Freunde hofften und ihre Feinde fürchteten. Zu jeder anderen Zeit hätte allein dieser Marsch schon Dichter und Sänger inspiriert. Als die Armeen des Dunklen Königs über die Ländereien von Manetheren herfallen wollten, standen die Mannen der Bergheimat bereits vor ihnen mit dem Rücken zum Tarendrelle.«
Irgendein Dorfbewohner brachte seinen Beifall zum Ausdruck, doch Moiraine fuhr fort, als habe sie es nicht gehört. »Die Heerschar, der sich die Mannen von Manetheren gegenübersahen, war gewaltig genug, um auch das tapferste Herz zum Zittern zu bringen. Raben verdunkelten den Himmel, Trollocs verdunkelten das Land. Trollocs und ihre menschlichen Verbündeten. Zehntausende und Aberzehntausende von Trollocs und Schattenfreunden, von Schattenlords geführt. In der Nacht sah man mehr Lagerfeuer als Sterne am Himmel, und in der Morgendämmerung sah man das Banner von Ba'alzamon an ihrer Spitze. Ba'alzamon, das Herz der Dunkelheit. Ein uralter Name für den Vater der Lügen. Der Dunkle König konnte noch nicht aus seinem Gefängnis am Shayol Ghul befreit sein, denn wäre das der Fall gewesen, hätte keine menschliche Macht ausgereicht, um ihm zu widerstehen, und doch war viel Macht hier versammelt. Schattenlords und so viel Böses, daß das lichtzerstörende Banner durchaus angebracht schien und die Seelen der Männer, die ihm gegenüberstanden, erzittern ließ.
Und doch wußten sie, was sie zu tun hatten. Ihre Heimat lag gleich jenseits des Flusses. Sie mußten diese Heerschar und die sie begleitenden Mächte von der Bergheimat fernhalten. Aemon hatte Boten ausgesandt. Hilfe wurde ihnen versprochen, wenn sie sich nur drei Tage lang am Tarendrelle halten konnten. Drei Tage lang aushalten gegen eine Übermacht, die sie schon während der ersten Stunde überwältigen würde. Und doch ertrugen sie den blutigen Angriff in verzweifelter Gegenwehr, hielten eine Stunde lang stand, eine zweite Stunde und eine dritte. Drei Tage lang kämpften sie, und obwohl das Land einem Schlachthof glich, gestatteten sie dem Feind keinen Übergang über den Tarendrelle. Als die dritte Nacht sich neigte, war immer noch keine Hilfe gekommen und auch kein Kurier. Sie kämpften allein weiter. Sechs Tage lang. Neun Tage. Und am zehnten Tag schmeckte Aemon den bitteren Geschmack des Verrats. Es kam keine Hilfe, und sie konnten die Flußübergänge nicht länger halten.«
»Was machten sie dann?« wollte Hari wissen. Fackeln flackerten im kalten Nachtwind, aber niemand bewegte sich, um einen Umhang enger um sich zu wickeln.
»Aemon überquerte den Tarendrelle«, sagte ihnen Moiraine, »und zerstörte die Brücken hinter ihnen. Und er sandte Boten durch das Land, um den Menschen zu sagen, sie sollten fliehen, denn es war ihm klar, daß die Mächte, die das Trolloc-Heer begleiteten, einen Weg finden würden, es über den Fluß zu schaffen. Und noch während die Boten forteilten, begannen die Trollocs, den Fluß zu überqueren, und die Soldaten von Manetheren stellten sich ihnen erneut, um ihren Landsleuten Zeit zur Flucht zu erkaufen. Von der Stadt Manetheren aus führte Eldrene die Flüchtlinge in die tiefsten Wälder und in die Schlupfwinkel der Berge.
Doch manche flohen auch nicht. Zuerst nur wenige, dann immer mehr, und schließlich strömten Männer nicht in Richtung Sicherheit, sondern zu der Armee, die für ihr Land kämpfte. Schäfer mit dem Bogen und Bauern mit der Mistgabel und Waldarbeiter mit der Axt. Auch Frauen kamen mit, schulterten an Waffen, was sie finden konnten, und marschierten an der Seite ihrer Männer in den Kampf. Keiner, der nicht wußte, daß er nie mehr zurückkehren würde. Aber es war ihr Land. Es war das Land ihrer Väter gewesen, und es würde ihren Kindern gehören, und sie waren bereit, den Preis dafür zu bezahlen. Kein Fußbreit Boden wurde preisgegeben, bevor er nicht mit Blut getränkt war, doch am Ende wurde die Armee von Manetheren zurückgedrängt, hierher, an diesen Ort, den ihr nun Emondsfeld nennt. Und hier wurden sie von den Trolloc-Horden eingeschlossen.«
In ihrer Stimme schwangen kalte Tränen mit. »Tote Trollocs und die Leichen von Abtrünnigen lagen zu Hügeln aufgetürmt, doch immer mehr krochen über die Gebeinhaufen in endlosen Wellen des Todes. Es konnte nur einen Ausgang geben. Kein Mann und keine Frau, die zu Beginn dieses Tages unter dem Banner des Roten Adlers gestanden hatten, erlebte noch den Anbruch der Nacht. Das Schwert, das nicht zerbrochen werden konnte, zersplitterte.
In den Verschleierten Bergen, allein in der leeren Stadt Manetheren, fühlte Eldrene, wie Aemon starb, und ihr Herz starb mit ihm. Und wo ihr Herz gewesen war, da blieb nur noch ein Wunsch nach Rache übrig, Rache für ihre Liebe, Rache für ihre Untertanen und für ihr Land. Von Schmerz getrieben, verband sie sich mit der Wahren Quelle und lenkte die Eine Macht auf die Trolloc-Armee. Und die Schattenlords starben, wo sie gerade standen, gleichgültig, ob in einer geheimen Beratung oder bei der Inspektion ihrer Soldaten. Innerhalb eines Atemzugs brachen die Schattenlords und die Generale des Dunklen Königs in Flammen aus. Feuer verschlang ihre Körper, und Angst überwältigte ihre gerade noch siegreiche Armee.