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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Welche Schwierigkeiten denn?« wollte Rand wissen, aber statt zu antworten, rannte der Behüter voraus und nahm immer zwei Stufen auf einmal. Mat hetzte ihm hinterher, nachdem er Rand mit einer schnellen Bewegung bedeutet hatte, ihnen zu folgen.

Er rannte los, wobei er sich auch noch den Umhang über den Kopf zog. Unten holte er sie ein. Der Schankraum war nur schwach beleuchtet; die Hälfte der Kerzen war ausgebrannt, und die andere Hälfte flackerte nur noch. Der Raum war leer. Mat stand neben einem Fenster und spähte hinaus, als wolle er von draußen nicht gesehen werden. Lan öffnete die Tür einen Spalt und blickte in den Hof hinaus.

Er fragte sich, wonach sie Ausschau hielten, und gesellte sich zu ihnen. Der Behüter raunte ihm zu, er solle vorsichtig sein, aber er öffnete die Tür ein wenig weiter, damit Rand auch hinaussehen konnte.

Zuerst war er sich nicht sicher, was da draußen wirklich geschah. Männer aus dem Dorf, drei Dutzend etwa, hatten sich neben dem ausgebrannten Gestell des Krämerwagens versammelt. Die Fackeln, die sie trugen, verdrängten die Nacht. Moiraine stand ihnen gegenüber, der Schenke den Rücken zugekehrt, und stützte sich scheinbar unbeteiligt auf ihren Wanderstock. Hari Coplin stand mit seinem Bruder Darl und Bili Congar etwas den anderen entfernt. Auch Cenn Buie war da. Er blickte ziemlich unglücklich drein. Rand war überrascht, als er sah, wie Hari Moiraine mit der Faust bedrohte.

»Verlaßt Emondsfeld!« rief der Bauer mit dem mürrischen Gesicht. Ein paar Stimmen aus der Menge unterstützten ihn, aber nur zögernd, und niemand drängte sich vor. Sie hatten den Mut, sich innerhalb einer Menschenmenge einer Aes Sedai zu stellen, aber keiner wollte ihr allein gegenüberstehen. Keiner Aes Sedai, die auch noch Grund hatte, sich angegriffen zu fühlen.

»Ihr habt diese Ungeheuer hergebracht!« brüllte Darl. Er schwenkte eine Fackel über dem Kopf, und man hörte Rufe wie: »Ihr habt sie hergebracht!« und »Es ist Eure Schuld!« Der lauteste Schreier war sein Vetter Bili.

Hari stieß Cenn Buie mit dem Ellbogen, und der alte Dachdecker spitzte die Lippen, wobei er ihn von der Seite her böse ansah. »Diese Dinger... diese Trollocs sind erst aufgetaucht, nachdem Ihr hierher kamt«, murmelte Cenn, gerade laut genug, um noch hörbar zu sein. Er drehte den Kopf mürrisch von Seite zu Seite, als wünsche er sich irgendwo anders hin und suche nach einem Weg, dorthin zu kommen. »Ihr seid eine Aes Sedai. Wir wollen keine von Euch hier bei den Zwei Flüssen. Aes Sedai bringen Unglück mit sich. Wenn Ihr bleibt, wird es nur noch schlimmer.«

Seine Rede rief keine Reaktion in den Reihen der versammelten Dorfbewohner hervor, und so blickte Hari enttäuscht und grimmig drein. Plötzlich riß er Darl die Fackel aus der Hand und schwenkte sie in ihre Richtung. »Geht fort!« schrie er. »Oder wir brennen Euch hinaus!«

Eisiges Schweigen folgte. Nur das Schlurfen von Füßen war hörbar, als sich die Männer zurückzogen. Die Leute von den Zwei Flüssen konnten sich zur Wehr setzen, wenn man sie angriff, aber Gewaltanwendung war nicht üblich, und es lag ihnen fern, Menschen zu bedrohen. Höchstens daß einer mal die Faust schwenkte. Cenn Buie, Bili Congar und die Coplins standen ganz allein vor den anderen. Bili machte den Eindruck, als wollte er sich auch am liebsten zurückziehen.

Hari schreckte leicht zusammen, als er merkte, wie wenig Unterstützung er bekam, aber er erholte sich schnell. »Geht fort!« schrie er wieder. Darl tat es ihm nach und schließlich, etwas leiser, auch Bili. Hari sah die anderen böse an. Die meisten in der Menge mieden seinen Blick.

Plötzlich traten Bran al'Vere und Haral Luhhan aus dem Schatten und blieben stehen, ein Stück von der Menge, aber auch von der Aes Sedai entfernt. In einer Hand trug der Bürgermeister wie zufällig den großen Holzhammer, den er benutzte, um Zapfhähne in die Fässer zu treiben. »Hat jemand vorgeschlagen, meine Schenke anzuzünden?« fragte er sanft.

Die beiden Coplins traten einen Schritt zurück, und Cenn Buie setzte sich von ihnen ab. Bili Congar schob sich in die Menge hinein. »Das nicht«, sagte Darl schnell. »Das haben wir nie gesagt, Bran... äh, Bürgermeister.«

Bran nickte. »Dann habe ich vielleicht gehört, wie ihr Gäste meiner Schenke bedroht habt?«

»Sie ist eine Aes Sedai«, begann Hari wütend, aber seine Worte brachen ab, als Haral Luhhan sich bewegte.

Der Schmied streckte sich einfach nur, erhob die dicken Arme über den Kopf, ballte die kräftigen Fäuste, bis die Gelenke knackten, doch Hari sah den bulligen Mann an, als hätte er ihm diese Fäuste unter die Nase gehalten. Haral verschränkte die Arme wieder vor der Brust. »Verzeihung, Hari. Ich wollte dich nicht unterbrechen. Was hattest du gesagt?«

Aber Hari zog die Schultern ein, als wolle er in sich selbst hineinkriechen und verschwinden, und schien nichts mehr zu sagen zu haben.

»Ich bin über euch Leute überrascht«, grollte Bran. »Paet al'Caar, deinem Jungen wurde letzte Nacht das Bein gebrochen, aber ich habe ihn heute wieder herumlaufen sehen — und das hat er ihr zu verdanken. Eward Candwin, du hast auf dem Bauch gelegen — mit einem Schnitt im Rücken wie ein Fisch, den man ausnehmen will, bis sie die Hände auf dich gelegt hat. Jetzt sieht es aus, als sei es vor einem Monat passiert, und wenn ich mich nicht irre, wird kaum eine Narbe bleiben. Und du, Cenn... « Der Dachdecker schob sich ein Stück rückwärts auf die Menge zu, blieb aber dann stehen, von Brans Blick festgehalten. »Ich wäre schon bestürzt genug, hier einen Mann aus dem Gemeinderat anzutreffen, aber am meisten, wenn es ausgerechnet du bist, Cenn. Wenn sie nicht gewesen wäre, hinge dein Arm immer noch schlaff an deiner Seite herab, mit unzähligen Verbrennungen und Abschürfungen. Wenn du schon keine Dankbarkeit kennst, schämst du dich dann nicht wenigstens?«

Cenn hob die rechte Hand ein Stück, blickte dann aber ärgerlich zur Seite. »Ich leugne nicht, was sie getan hat«, murmelte er, und es hörte sich tatsächlich an, als schäme er sich. »Sie hat mir und anderen geholfen«, fuhr er in einem beinahe bittenden Tonfall fort, »aber sie ist eine Aes Sedai, Bran. Wenn diese Trollocs nicht ihretwegen gekommen sind, warum dann? Wir wollen keine Aes Sedai bei den Zwei Flüssen. Sie sollen ihre Zwistigkeiten von uns fernhalten!«

Ein paar Männer, sicher in der Menge verborgen, riefen nun: »Wir wollen keinen Ärger mit den Aes Sedai!« »Schickt sie weg!« »Treibt sie davon!« »Warum sind sie gekommen, wenn nicht ihretwegen?«

Brans Gesicht verfinsterte sich zusehends, aber bevor er etwas sagen konnte, wirbelte Moiraine plötzlich ihren mit Ranken beschnitzten Stock hoch über dem Kopf durch die Luft. Sie drehte ihn mit beiden Händen. Rand schnappte genau wie die Dorfbewohner nach Luft, denn aus jedem Ende des Stocks fuhr zischend eine weiße Flamme. Trotz der wirbelnden Bewegung des Stocks stachen die Flammen gleichmäßig wie Speerspitzen heraus. Sogar Bran und Haral zogen sich zurück. Sie ließ die Arme fallen und hielt sie gerade ausgestreckt, den Stock parallel zum Boden. Aber das blasse Feuer zischte immer noch daraus hervor, heller als die Fackeln. Die Männer scheuten zurück, hielten die Hände vors Gesicht, um die Augen vor dem Schmerz zu bewahren, den das Strahlen verursachte.

»Ist Aemons Blut in euch so dünn geworden?« Die Stimme der Aes Sedai war nicht laut, doch sie übertönte jedes andere Geräusch. »Kleine Leute, die sich um das Recht zanken, sich wie die Kaninchen zu verstecken? Ihr habt vergessen, wer Ihr wart, vergessen, was Ihr wart, aber ich hatte gehofft, es sei noch ein wenig davon übriggeblieben, ein schwacher Abklatsch in Eurem Blut und Euren Knochen. Irgendein Überbleibsel, um Euch auf die lange Nacht vorzubereiten, die gerade anbricht.«

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