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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Magus sprang auf, als hätte ein sechster Sinn ihm verraten, daß er und Huma nicht mehr allein waren. Er starrte den Ritter an.

»Sei gegrüßt, Rote Robe.« Buorons Gruß kam kühl und nur aus Höflichkeit. Magus wurde nur der Respekt erwiesen, der jedem zustand, der mit einem aus der Ritterschaft unterwegs war.

Der Zauberer hatte sich erholt. Er verbeugte sich tief, wie es seine Art war, und gab den Gruß zurück: »Sei gegrüßt, Ritter von Solamnia. Ich hatte keine Ahnung, daß sich noch ein weiterer, edler Ritter so weit im Süden befindet.«

Huma verzog keine Miene, doch die neuerliche Lüge seines Freundes behagte ihm nicht. Als sie aus den Ruinen geflohen waren, hatte Magus den Wunsch geäußert, an der Garnison vorbeizureiten.

»Wir haben einen Außenposten hier unten«, entgegnete Buoron. »Ein kleiner, oft vergessener. Ich zweifle nicht daran, daß er irgendwann aufgegeben wird.«

»Ja.« Der Zauberkundige gab sich sichtlich uninteressiert. Statt dessen starrte er auf die Stelle, wo er geschlafen hatte, und dann auf den See. »Ich bitte um Verzeihung, daß ich nicht früher aufgewacht bin. Das ist nicht typisch für mich. Ich wollte nicht unhöflich sein.«

Buoron zuckte zusammen, und sein sahnefarbenes Roß trippelte nervös herum, weil es die Unruhe seines Reiters spürte. »Sicher nicht. Das passiert hier oft. Ich bin selbst mal in so einen Schlaf gefallen.«

»Das ist trotzdem keine Entschuldigung.«

»Wie weit ist es zu dem Fort?« fragte Huma schließlich, woraufhin Magus ihn anfunkelte.

»Nicht weit. Eine Stunde zu Pferde. Ihr müßt selbstverständlich mit mir mitkommen. Trotz eurer schrecklichen Nachrichten werdet ihr willkommen sein.«

Magus grinste rätselhaft.

Der andere Ritter entwickelte eine deutliche Abneigung gegen den Zauberkundigen. Während er so tat, als hätte er das Lachen des Zauberers überhört, wies Buoron auf die Pferde.

»Diese Tiere scheinen die ganze Nacht unterwegs gewesen zu sein. Sie brauchen Erholung und Pflege.« Er fragte absichtlich nicht nach dem Zweck ihrer Reise, da er annahm, daß Huma ihn informieren würde, wenn er es für richtig hielt.

Der Zauberer gab nach. »Na schön. Es kann aber nur eine kurze Pause sein. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.«

»Hm.« Das war alles, was Buoron zur Antwort gab, doch Huma fiel auf, daß er beide Männer interessiert beobachtete, als sie ihre Pferde losbanden und aufsaßen. Als sie fertig waren, zeigte er nach Westen. »Hier lang. Reitet vor, ich komme gleich nach.«

Huma und Magus trieben ihre Rösser durch Bäume und Unterholz. Der junge Ritter sah beim Zurückblicken, wie Buoron abstieg und eine kleine Holzschnitzerei aus der Satteltasche holte. Das Wasser neben ihm begann zu blubbern, und der Kopf der Nymphe tauchte auf. Dann versperrte Huma ein Baum die Sicht. Als sein Freund sich zu ihm umdrehte, tat der Ritter, als wären seine Gedanken nur beim vor ihm liegenden Weg.

Schon ein oder zwei Minuten später schloß Buoron zu ihnen auf. Er nickte Huma zu und übernahm sofort die Führung.

Beim Reiten löcherte ihn Huma mit Fragen über den Außenposten. »Gibt es hier viele Garnisonen?«

»Wir sind eine von lediglich zweien. Die andere liegt an der Westseite dieses Bergzugs dort.« Buoron zeigte auf eine Bergkette, die erst sichtbar wurde, als die drei Reiter die Spitze eines Hügels erreichten. »Grundsätzlich überwachen wir die Osthälfte und die andere den Westen. Es gibt hier unten aber nicht viel, was die Drachenkönigin interessiert. Wir jagen nur Möchtegern-Banditen, anstatt die Reihen der verdammten Oger zu lichten.«

»Seid ihr ein großer Außenposten? Ich wußte nicht, daß es hier überhaupt einen gibt.«

Buoron lachte mit bitterem Unterton. »Ich auch nicht, bis ich vor fünf Jahren hierher beordert wurde. Nein, wir sind kein großer Außenposten. Achtzig Ritter versuchen eine Gegend von etwa der Größe von Solamnia zu überwachen. Wir waren mal mehr.«

Huma brauchte keine weiteren Erklärungen. Jetzt, wo es so schlecht um den Sieg stand, waren sie wirklich von allen anderen abgeschnitten, ausgenommen ihren Leidensgenossen auf der Westseite der Berge. Sie durften die Garnisonen nicht einfach verlassen und nach Norden reiten, um sich dem Kampf anzuschließen. Man hatte sie hierher geschickt, und sie würden bleiben, bis ein anderslautender Befehl kam. Pflichtgefühl wurde jedem Ritter eingebleut. Auch Rennard hatte dessen Bedeutung wieder und wieder betont.

»Warst du schon mal in den Bergen?« fragte Magus plötzlich.

»Nein.« Buoron hatte offensichtlich keine Lust, mit dem Zauberkundigen zu reden.

»Jemand anders?«

»Nur bis zu den ersten Bergen. Wir halten uns vom Inneren des Gebirges fern.«

Magus wirkte sehr interessiert. »Warum das?«

»Die Wege sind nicht sicher. Das ist alles.«

Huma bemerkte, daß diese Antwort das Interesse seines Gefährten erlöschen ließ. Magus suchte nach etwas Ungewöhnlicherem.

So tief im südlichen Ergod war schwer zu glauben, daß ein Krieg das Land heimsuchte. Sicher, der Himmel war so bedeckt wie im Norden, aber Wälder und Felder lagen friedlich, fast idyllisch, da. Es war ein Scheinfrieden, denn er würde in dem Moment vorbei sein, wo die Horden der Drachenkönigin mit Solamnia fertig waren. War Solamnia erst gefallen, würde die Königin der Finsternis den Rest des Kontinents in weniger als einem Jahr überrennen.

»Wir sind fast da.«

Huma gewann einen ersten Eindruck von dem solamnischen Außenposten. Es war kein turmhohes Bauwerk wie Burg Vingaard. Das ganze Fort bestand aus Holz, das allerdings mit unbrennbaren Mitteln behandelt war, damit Flammen es nicht in eine tödliche Falle verwandeln konnten. Die Außenwände mußten an die sieben Meter hoch sein. Am oberen Rand waren in regelmäßigen Abständen Scharten für die Bogenschützen eingelassen. Nur ein Gebäude war von außen zu sehen: der Wachturm, auf dem selbst jetzt ein Posten stand und aufmerksam das heranrückende Dreiergespann beobachtete. Der Mann rief etwas und zeigte in ihre Richtung. Buoron erwiderte den Ruf nicht, winkte dem Posten jedoch müde zu.

Huma blickte zu Magus, welcher sehnsüchtig auf die fernen Berge starrte.

Sie hörten weitere Rufe, als der Posten bemerkte, daß einer der beiden Fremden ebenfalls ein Ritter war. Die Holztore schwangen auf, als die drei sich näherten, und es kam ihnen so vor, als würden sämtliche Bewohner des Forts herausströmen, um die Ankommenden zu begrüßen.

»Buoron? So bald zurück? Wen hast du da mitgebracht?«

Der große, betagte Sprecher mußte schon ein Ritter gewesen sein, als Fürst Oswal noch in den Kinderschuhen gesteckt hatte. Tiefe Falten prägten sein Gesicht, doch seine Bewegungen waren geschmeidig, und Huma vermutete, daß er sein Schwert noch immer mit Geschick führen konnte. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Ritter, die ergodianische Bärte trugen, hatte der alte Ritter einen traditionellen, wenn auch silbrigen Schnurrbart. Er war ein Ritter der Rose, der einzige, den Huma bei dieser ersten Begegnung entdecken konnte.

»Heil Euch, Fürst Taggin. Zwei Reisende mit dem Bedürfnis nach Ruhe, einer von ihnen ein Bruder von uns. Er bringt Nachrichten von äußerster Tragweite.«

Taggin nickte grimmig. »Das dachte ich mir.« Den anderen versammelten Rittern sagte er: »Zurück auf eure Posten! Denkt dran, ihr seid Ritter von Solamnia, kein Haufen hungriger Gänse!«

Auf den Gesichtern der Ritter zeichnete sich Enttäuschung ab. Buoron hatte erzählt, daß viele von ihnen schon zehn Jahre in dem Außenposten stationiert waren. Taggin war doppelt so lange hier. Er hatte das Fort sogar jahrelang allein gehalten.

Huma mußte lächeln. Es kam ihm irgendwie so vor, als wären die Ritter hier anders als daheim in Burg Vingaard. Sie achteten nicht so streng auf die Regeln, waren eher bereit, sich den Umständen anzupassen.

Wie sich herausstellte, umfaßte das Fort nur drei Gebäude. Eines war der Turm, der auch als Waffenkammer und Stall diente. Das zweite war eine Art Lagerhaus, in dem die Kompanie wohnte. Das dritte und – überraschenderweise – bescheidenste Gebäude gehörte Taggin. Huma, der in einem Dorf aufgewachsen war, fühlte sich hier mehr zu Hause als in der stolzen Burg.

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