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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Am 22. Oktober befand sich Denissow, der Anführer einer Freischar war, mit seinen Leuten auf dem Gipfel der Freischärlerbegeisterung. Seit dem frühen Morgen war er mit seinem Zug unterwegs. Den ganzen Tag über hatte er in den Wäldern, die sich neben der Heerstraße hinzogen, einen großen französischen Transport von Kavalleriebagage und russischen Gefangenen verfolgt, der sich von den anderen Truppen gelöst hatte und unter starker Bedeckung, wie ihm durch Kundschafter und Gefangene hinterbracht worden war, nach Smolensk vorrückte. Von diesem Transport wußten nicht nur Denissow und Dolochow, der ebenfalls ein kleines Freikorps unter sich hatte, das sich in Denissows Nähe befand, sondern auch die Befehlshaber größerer Abteilungen mit Generalstäben. Sie alle hatten von diesem Transport Kenntnis und wetzten sich, wie Denissow sagte, schon die Zähne danach. Zwei dieser großen Abteilungsführer, der eine ein Pole, der andere ein Deutscher, hatten fast gleichzeitig an Denissow die Aufforderung ergehen lassen, sich mit ihrer Abteilung zu vereinigen, um gemeinsam den Transport zu überfallen.

»Nein, Freundchen, selbst ist der Mann«, sagte Denissow, nachdem er diese Briefe gelesen hatte, und schrieb dem Deutschen, er müsse trotz des sehnlichsten Wunsches, unter dem Oberbefehl eines so hervorragenden, berühmten Generals zu dienen, dennoch auf dieses Glück verzichten, weil er sich bereits unter das Kommando des polnischen Generals gestellt habe. Dem polnischen General schrieb er ganz ebenso und versicherte ihm, er habe sich bereits unter den Oberbefehl des Deutschen gestellt.

Wenn Denissow so verfuhr, hatte er dabei die Absicht, diesen Transport mit Dolochow zusammen mit den eigenen schwachen Streitkräften anzugreifen und wegzunehmen, ohne diesen hohen Befehlshabern davon Meldung zu machen. Der Transport marschierte am 22. Oktober vom Dorf Mikulino nach dem Dorf Schamschewo. Links der Straße, die von Mikulino nach Schamschewo führt, zogen sich große Wälder hin, die an manchen Stellen bis dicht an die Straße heranreichten, an anderen Stellen wiederum eine Werst und noch weiter zurücktraten. Durch diese Wälder war nun Denissow den ganzen Tag, ohne die vorrückenden Franzosen aus den Augen zu lassen, mit seinen Leuten geritten, bald tief ins Innere eindringend, bald bis zum Saum sich hervorwagend. Am Morgen hatten einige Kosaken seiner Abteilung nicht weit von Mikulino, dort, wo der Wald dicht an die Straße herantritt, zwei im Morast steckengebliebene französische Fuhrwerke mit Kavalleriesätteln weggenommen und in den Wald geschleppt. Von diesem Augenblick an bis zum Abend hatte die Freischar, ohne anzugreifen, alle Bewegungen der Franzosen verfolgt. Man wollte sie nicht erschrecken und ruhig bis nach Schamschewo kommen lassen, dann aber zusammen mit Dolochow, der gegen Abend zu einer Beratung in das eine Werst von Schamschewo entfernte Wächterhäuschen im Wald kommen sollte, beim Morgengrauen mit elementarer Kraft von zwei Seiten über sie herfallen und alle niederhauen oder gefangen nehmen.

Im Rücken, zwei Werst von Mikulino, dort, wo der Wald dicht an die Straße herantrat, waren sechs Kosaken zurückgelassen, die augenblicklich Meldung erstatten sollten, falls sich neue französische Kolonnen zeigen sollten.

Vor Schamschewo sollte Dolochow in gleicher Weise den Weg auskundschaften, um zu wissen, in welcher Entfernung sich etwa andere französische Truppen befänden. Den Transport schätzte man auf fünfzehnhundert Mann. Denissow hatte zweihundert Mann, Dolochow wohl ebensoviel. Aber die Überlegenheit an Zahl schreckte Denissow nicht zurück. Das einzige, was er noch wissen mußte, war, mit was für Truppen er es eigentlich zu tun hatte, und zu diesem Zweck brauchte er einen »Aussager«, das heißt einen Mann von der feindlichen Kolonne. Bei dem Überfall auf die Fuhrwerke am Morgen war die Sache so schnell gegangen, daß die auf dem Wagen befindlichen Franzosen alle getötet worden waren und man nur einen jungen Burschen, einen Tambour, lebend aufgegriffen hatte, der völlig erschöpft war und nichts Bestimmtes darüber aussagen konnte, was für Truppen bei der Kolonne waren.

Ein zweites Mal anzugreifen, hielt Denissow für gefährlich: die ganze Kolonne konnte dadurch beunruhigt werden, und deshalb schickte er den Bauer Tichon Schtscherbaty, der sich bei seiner Freischar befand, nach Schamschewo vor, damit er, wenn möglich, wenigstens einen der dort schon anwesenden französischen Quartiermacher wegfange.

4

Es war ein kühler, regnerischer Herbsttag. Himmel und Horizont verschwammen in derselben Farbe, in der Farbe schmutzigen Wassers. Bald war es, als fiele nur Nebel herab, bald strömte auf einmal schräger, heftiger Regen nieder.

Denissow, in Filzmantel und Fellmütze, von denen das Wasser troff, ritt auf einem mageren Rassegaul mit strammen Schenkeln. Ebenso wie sein Pferd, das den Kopf schräg hielt und die Ohren zurückgelegt hatte, zog auch er infolge des schiefen Regens die Stirne kraus und blickte achtsam nach vorn. Sein abgemagertes, von dichtem, kurzem, schwarzem Bart umrahmtes Gesicht zeigte einen ärgerlichen Ausdruck.

Neben ihm, ebenfalls in Filzmantel und Fellmütze, ritt auf einem wohlgenährten, kräftigen Donpferd ein Kosakenhauptmann, Denissows rechte Hand.

Dieser Kosakenhauptmann Lowaiskij, in Filzmantel und Fellmütze, war ein langer blonder Mensch, platt wie ein Brett, mit fahlem Gesicht, kleinen, hellen Augen und einem ruhigen, selbstzufriedenen Ausdruck in Miene und Haltung. Obgleich man nicht sagen konnte, worin bei diesem Reiter und seinem Pferd das Besondere bestand, sah man, wenn man die beiden betrachtete, doch auf den ersten Blick, daß Denissow, naß und unbehaglich, wie er sich fühlte, eben ein Mensch war, der auf einem Pferd saß, während ein Blick auf den Kosakenhauptmann zeigte, daß dieser sich ebenso behaglich und ruhig wie immer fühlte und Pferd und Reiter zu einem einzigen, durch die doppelte Kraft stärker gewordenen Wesen verschmolzen waren.

Ein wenig vor ihnen ging, völlig durchnäßt, ein Bauer in grauem Kaftan und weißer Zipfelmütze, der ihnen den Weg zeigte.

Dicht hinter ihnen ritt auf einem dünnen, schlanken Kirgisenpferdchen mit langem Schweif, großer Mähne und blutig gerissenem Maul ein junger Offizier in blauem Franzosenmantel.

Ein Husar neben ihm hatte hinter sich auf der Kruppe seines Pferdes einen Knaben in zerrissener französischer Uniform und blauer Mütze sitzen. Der Knabe hielt sich mit seinen vor Kälte roten Händen an dem Husaren fest, suchte seine nackten Beine durch Schütteln zu erwärmen und sah sich mit hochgezogenen Brauen verwundert um. Es war der kleine französische Tambour, den man am Morgen gefangengenommen hatte.

Dann folgten auf dem schmalen, zerweichten, ausgefahrenen Waldweg zu dreien und vieren in langem Zug Husaren und Kosaken, einige in Filzröcken, andere in Franzosenmänteln oder Pferdedecken, die sie über den Kopf geworfen hatten. Die Pferde, ob es nun Füchse oder Braune waren, sahen vom Regen, der an ihnen niedertroff, alle wie Rappen aus. Ihre Hälse schienen infolge der durchnäßten Mähnen merkwürdig dünn. Ein warmer Dampf stieg von ihnen auf. Kleider, Sättel, Zügel, alles war naß, schlüpfrig und zerweicht wie die Erde und die abgefallenen Blätter, die auf dem Weg lagen. Die Leute hockten, ohne sich zu rühren, zusammengekauert auf ihren Pferden, um das Wasser, das ihnen bis auf den Körper gedrungen war, zu erwärmen und das neue kalte, das unter dem Sitz, auf den Knien und am Hals zusammenlief, nicht einzulassen. Mitten im Zug der Kosaken polterten die zwei Fuhrwerke mit den französischen Pferden, denen man gesattelte Kosakenpferde vorgespannt hatte, über Baumstümpfe und Wurzeln hinweg und plantschten durch die mit Wasser gefüllten Fahrrinnen.

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