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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Deshalb siegte auf dem Kriegsrat zu Malo-Jaroslawez, wo die Generäle taten, als berieten sie, und verschiedene Vorschläge laut werden ließen, die zuletzt vorgebrachte Ansicht der schlichten Soldatennatur Moutons, der aussprach, was die anderen im stillen dachten, nämlich, daß man so schnell wie möglich abmarschieren müsse. Niemand, selbst Napoleon nicht, konnte gegen diese von allen anerkannte Wahrheit etwas erwidern.

Doch obgleich alle wußten, daß ihnen jetzt nichts anderes übrigblieb, als zu fliehen, schraken sie vor dieser Erkenntnis doch noch wie vor einer Schande zurück. Es bedurfte eines äußeren Anstoßes, um dieses Gefühl der Schande zu besiegen. Und dieser Anstoß kam zur richtigen Zeit. Es war das bei den Franzosen so genannte »Hourra de 1’Empereur«.

Am Tag nach dem Kriegsrat ritt Napoleon frühmorgens, als wolle er die Truppen und das letzte und künftige Schlachtfeld besichtigen, mit einer Anzahl Marschällen und einem Gefolge mitten durch die Stellungslinie seiner Truppen. Kosaken, die auf Beute ausgegangen waren, stießen auf den Kaiser selbst und hätten ihn beinahe gefangen. Wenn die Kosaken Napoleon dieses Mal nicht gefangen nahmen, so rettete ihn dasselbe, was seine Franzosen ins Verderben lockte: die Beute, auf die sich wie in Tarutino so auch hier die Kosaken stürzten, ohne auf die Menschen zu achten. Sie kümmerten sich nicht um den Kaiser, sondern fielen nur über die Beute her, und Napoleon konnte entkommen.

Wenn nun schon les enfants du Don[221] den Kaiser selber mitten aus seinem Heer bei einem Haar gefangengenommen hätten, so war es klar, daß nichts übrigblieb, als so schnell wie möglich auf dem nächsten bekannten Weg zu fliehen. Napoleon, der mit seinem vierzigjährigen Bäuchlein nicht mehr die frühere Beweglichkeit und Unternehmungslust in sich fühlte, verstand diesen Wink von oben. Und unter dem Einfluß der Angst, die ihm die Kosaken eingeflößt hatten, erklärte er sich sogleich mit Mouton einverstanden und erteilte, wie die Geschichtsschreiber berichten, den Befehl zum Rückzug auf der Smolensker Straße.

Daß sich Napoleon mit Mouton einverstanden erklärte und daß die Truppen zurückgingen, beweist nicht, daß es auf seinen Befehl hin geschehen sei, sondern beweist nur, daß dieselben Kräfte, die auf die ganze Armee einwirkten in dem Sinn, sie in der Richtung nach der Straße nach Moshaisk zurückzutreiben, gleichzeitig ihre Wirkung auch auf Napoleon erstreckten.

19

Wenn sich ein Mensch in fortschreitender Bewegung befindet, denkt er sich immer ein Ziel für dieses Vorwärtsstreben aus. Um tausend Werst zurückzulegen, muß er sich unbedingt vorstellen, daß ihm am Ende dieser tausend Werst etwas Gutes winkt. Diese Vorstellung eines Gelobten Landes am Ziel ist nötig, um die Kraft zum Vorwärtsstreben zu haben.

Dieses Gelobte Land war für die Franzosen bei ihrem Einmarsch in Rußland Moskau, bei ihrem Abzug die Heimat. Aber die Heimat war noch fern, und ein Mensch, der tausend Werst zu gehen hat, wird sich, ohne an das Endziel zu denken, unbedingt erst sagen: heute gehe ich vierzig Werst bis zu dem und dem Rastort und Nachtlager. Und dieser nächstliegende Rastort wird am ersten Tag das endgültige Ziel fast in den Schatten stellen und alle Wünsche und Hoffnungen in Anspruch nehmen. Und dieses Streben, das sich bei einem einzelnen Menschen zeigt, tritt bei einer Menge nur noch in vergrößertem Maßstab zutage.

Für die Franzosen, die auf der alten Smolensker Landstraße zurückfluteten, war das endgültige Ziel, die Heimat, noch zu weit, das nächste Ziel aber, auf das sich, durch die Masse der Menschen zu riesigem Ausmaß gesteigert, all ihre Wünsche und Hoffnungen richteten, war Smolensk. Nicht etwa, weil die Leute gedacht hätten, daß in Smolensk viel Proviant und frische Truppen seien, nicht etwa, weil man ihnen dies gesagt hätte – im Gegenteil, die höheren Offiziere und Napoleon selbst wußten ganz genau, daß es dort wenig Lebensmittel gab –, sondern weil nur diese Vorstellung ihnen die Kraft zum Vorwärtseilen und zum Ertragen aller gegenwärtigen Entbehrungen verlieh. Und so betrogen sowohl die Wissenden als auch die Unwissenden in gleicher Weise sich selbst und strebten nach Smolensk wie nach einem Gelobten Land.

Als die Franzosen die große Heerstraße erreicht hatten, eilten sie mit erstaunlicher Energie und unerhörter Schnelligkeit auf ihr eingebildetes Ziel zu. Außer dem allgemeinen Streben, das alle zu einem großen Ganzen zusammenschweißte und ihnen diese Energie verlieh, gab es noch etwas anderes, das sie zusammenhielt. Und das war die große Masse. Ihre ungeheure Menge zog wie nach dem physikalischen Gesetz der Anziehung alle diese einzelnen Atome, diese Menschen, an sich. Mit ihrer hunderttausendköpfigen Masse bewegten sie sich vorwärts wie ein ganzer Staat.

Jeder einzelne hatte nur den einen Wunsch, sich gefangenzugeben und so allen Schrecken und Leiden zu entgehen. Aber einerseits zog die Kraft des allgemeinen Strebens nach dem Ziel Smolensk alle in derselben Richtung fort, andererseits konnte sich doch ein ganzes Armeekorps nicht einer einzelnen Kompanie gefangen geben, und wenn auch die Franzosen jede günstige Gelegenheit benutzten, um voneinander loszukommen, und sich bei dem geringsten anständigen Vorwand gefangen gaben, so bot sich doch eine solche Gelegenheit nicht immer. Eben ihre Masse und ihr zusammengedrängtes, schnelles Vorwärtsmarschieren beraubte sie dieser Möglichkeit und machte es den Russen nicht nur schwer, sondern sogar unmöglich, diese Bewegung aufzuhalten, auf die die ganze Energie der Masse der Franzosen gerichtet war. Ein mechanisches Auseinanderreißen dieses Körpers hätte den Zersetzungsprozeß, der sich vollzog, nicht über die ihm bestimmten Grenzen hinaus beschleunigen können.

Ein Schneeball kann nicht in einem Augenblick zu Wasser werden. Es bedarf einer gewissen Spanne Zeit, vor deren Ablauf keine Wärmekraft den Schnee zum Schmelzen bringen kann. Im Gegenteil, je größer die Hitze ist, desto fester wird der übrigbleibende Schnee.

Doch dafür hatte von den russischen Heerführern keiner Verständnis außer Kutusow. Als die Flucht des französischen Heeres auf der Straße nach Smolensk eine feste Richtung zeigte, wurde das, was Konownizyn in der Nacht vom 11. Oktober vorausgesehen hatte, zur Wirklichkeit. Alle hohen Offiziere der russischen Armee wollten sich auszeichnen, wollten die Franzosen abschneiden, umzingeln, gefangen nehmen, zurückwerfen, und alle drängten zur Offensive.

Nur Kutusow verwandte alle seine Kräfte darauf – und die Kräfte eines Oberkommandierenden sind nicht allzu groß –, jedem Angriff entgegenzuwirken.

Das, was wir heute sagen, konnte er ihnen nicht auseinandersetzen: wozu eine Schlacht schlagen und den Franzosen den Weg versperren, wozu Leute verlieren, wozu das unmenschliche Niedermachen dieser Unglücklichen, wozu dies alles, wenn von Moskau bis Wjasma auch ohne Schwertstreich schon ein Drittel dieses Heeres weggeschmolzen war? Aber er sagte ihnen, was er aus der Weisheit seines Alters zog und was sie begreifen konnten, sprach ihnen von einer goldenen Brücke, aber sie machten sich nur über ihn lustig, verleumdeten ihn, tobten und warfen sich wegen des getöteten Wildes in die Brust.

Bei Wjasma konnten Jermolow, Miloradowitsch, Platow und andere, die sich in der Nähe der Franzosen befanden, dem Verlangen nicht widerstehen, zwei französische Armeekorps abzuschneiden und niederzuwerfen. An Kutusow schickten sie, um ihm ihre Absicht mitzuteilen, statt einer Meldung einen Umschlag mit einem Blatt weißen Papiers.

Doch wie sehr Kutusow sich auch bemühte, die Truppen zurückzuhalten, sie griffen dennoch an und versuchten den Franzosen den Weg zu versperren. Infanterieregimenter gingen, wie erzählt wird, mit Musik und Trommelwirbel zum Angriff vor, schlugen sich und verloren Tausende von Leuten.

Aber sie schnitten niemanden ab und warfen niemanden zurück. Und die französische Armee, die durch die Gefahr nur fester zusammengeschweißt wurde, setzte, gleichmäßig weiter schmelzend, ihren zum Untergang führenden Weg nach Smolensk fort.

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les enfants du Don. so nannte Napoleon die Kosaken nach deren bekanntester Gruppierung, den Don-Kosaken.

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