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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Um einer Pfütze am Weg auszuweichen, sprang Denissows Pferd zur Seite, so daß er mit dem Knie gegen einen Baum stieß.

»Du Teufelsbiest!« schrie Denissow zornig, preßte die Zähne aufeinander und versetzte dem Tier drei Peitschenhiebe, wobei er sich und seine Gefährten mit Schmutz bespritzte.

Denissow war verstimmt: einmal, weil es regnete, dann, weil er Hunger hatte – er hatte seit dem Morgen nichts gegessen –, hauptsächlich aber, weil von Dolochow bis jetzt noch keine Nachricht gekommen und der Bauer, den er fortgeschickt hatte, um einen »Aussager« einzufangen, noch nicht zurückgekehrt war.

Wird wohl kaum wiederkommen, eine solche Gelegenheit wie heute, einen Transport zu überfallen. Doch allein über ihn herzufallen ist zu gewagt, verschiebe ich es aber auf einen anderen Tag, so schnappt mir ein größeres Freikorps die Beute vor der Nase weg, dachte Denissow und spähte unentwegt nach vorn in der Hoffnung, den erwarteten Boten Dolochows zu erblicken.

Als sie an eine Lichtung gekommen waren, durch die man weit nach rechts sehen konnte, machte Denissow halt.

»Dort kommt jemand geritten«, sagte er.

Der Kosakenhauptmann blickte in die Richtung, die Denissow angegeben hatte.

»Es sind ihrer zwei, ein Offizier und ein Kosak. Aber es ist wenig Eventualität, daß es der Oberstleutnant selber ist«, erwiderte der Kosakenhauptmann, der gern Worte gebrauchte, die den Kosaken nicht geläufig sind.

Die Reiter ritten einen Berg hinunter und kamen außer Sicht. Doch nach einigen Minuten zeigten sie sich wieder. Voran ritt in müdem Galopp, das Pferd mit der Nagaika antreibend, ein Offizier, völlig durchnäßt und mit wirrem Haar, die Hosen vom Reiten bis über die Knie hochgeschoben. Ihm folgte, in den Steigbügeln stehend, im Trabe ein Kosak. Der Offizier, ein ganz junges Kerlchen mit breitem, rotbäckigem Gesicht und flinken, lustigen Augen, sprengte auf Denissow zu und überreichte ihm einen durchnäßten Brief.

»Vom General«, meldete der Offizier. »Verzeihen Sie, daß er nicht ganz trocken …«

Denissow machte ein finsteres Gesicht, nahm den Brief und öffnete ihn.

»Da haben mir nun alle gesagt, es sei gefährlich, sehr gefährlich«, fing der kleine Offizier mit dem Kosakenhauptmann eine Unterhaltung an, während Denissow den Brief las. »Übrigens waren wir nicht unvorbereitet, ich und Komarow.« Er zeigte auf den Kosaken. »Jeder hat zwei Pistolen … Aber wer ist denn das?« fragte er und zeigte auf den französischen Tambour. »Ein Gefangener? Waren Sie denn schon im Gefecht? Darf man mit ihm reden?«

»Rostow! Petja!« rief in diesem Augenblick Denissow aus, nachdem er den Brief überflogen hatte. »Aber warum sagst du denn nicht, wer du bist?« Und Denissow wandte sich lächelnd um und streckte dem kleinen Offizier die Hand entgegen.

Der Offizier war Petja Rostow.

Den ganzen Tag über hatte er sich darauf vorbereitet, wie er sich, ohne seine frühere Bekanntschaft zu erwähnen, gegen Denissow verhalten wollte, ganz wie es einem Erwachsenen und Offizier gezieme. Doch kaum hatte Denissow ihm zugelächelt, fing Petja sogleich an zu strahlen, wurde ganz rot vor Freude, vergaß sein vorbereitetes feierliches Auftreten und fing an zu erzählen, wie er an den Franzosen vorbeigeritten sei, wie froh er sei, einen solchen Auftrag erhalten zu haben, daß er schon mit in der Schlacht bei Wjasma gewesen sei, wo ein Husar sich ganz besonders ausgezeichnet habe, und so weiter, und so weiter.

»Na, ich freue mich, dich zu sehen«, unterbrach ihn Denissow, und sein Gesicht nahm wieder einen besorgten Ausdruck an.

»Michail Feoklitytsch«, wandte er sich an den Kosakenhauptmann, »das ist schon wieder von dem Deutschen. Dieser junge Offizier steht bei ihm.«

Und Denissow erzählte dem Kosakenhauptmann den Inhalt des soeben überbrachten Schreibens, der in einer nochmaligen Aufforderung des deutschen Generals bestand, mit ihm zusammen den Transport zu überfallen.

»Wenn wir ihn morgen nicht nehmen, schnappt der ihn uns vor der Nase weg«, schloß er.

Während Denissow mit dem Kosakenhauptmann sprach, streifte Petja, durch Denissows kalten Ton in Verwirrung gebracht und in der Annahme, der Zustand seiner Hosen sei die Ursache davon, unter dem Mantel verstohlen, damit es niemand merke, seine hochgeschobenen Hosen herunter und gab sich dabei alle Mühe, so militärisch wie möglich auszusehen.

»Haben Euer Hochwohlgeboren Befehle?« fragte er Denissow, wobei er die Hand an den Mützenschirm legte und wieder den Adjutanten seines Generals spielte, wie er sich vorgenommen hatte. »Oder soll ich bei Euer Hochwohlgeboren bleiben?«

»Befehle?« wiederholte Denissow nachdenklich. »Ja, darfst du denn bis morgen hier bleiben?«

»Ach bitte … lassen Sie mich hier bleiben!« rief Petja aus.

»Ja, was hat dir denn der General befohlen? Sollst du gleich zurückkommen?« fragte Denissow.

Petja wurde rot.

»Er hat mir gar nichts ausdrücklich befohlen. Ich denke, ich darf?« erwiderte er fragend.

»Na schön«, sagte Denissow.

Dann wandte er sich zu seinen Untergebenen und gab den Befehl, daß der Zug sich nach dem Rastort bei dem bezeichneten Wächterhäuschen im Wald begeben solle und daß der Offizier auf dem Kirgisenpferd – er hatte den Adjutantenposten inne – zu Dolochow reiten und fragen solle, ob und wohin er am Abend kommen werde. Denissow selber beabsichtigte mit dem Kosakenhauptmann und Petja bis an den nach Schamschewo zu gelegenen Waldsaum hinauszureiten, um von dort aus die Stelle des feindlichen Lagers in Augenschein zu nehmen, gegen die der Angriff morgen gerichtet werden sollte.

»Na, Graubart«, wandte er sich an den Führer, den Bauern, »nun bring uns mal nach Schamschewo.«

Darauf ritten Denissow, Petja und der Kosakenhauptmann, begleitet von einigen Kosaken und dem Husaren, der den Gefangenen mit sich führte, nach links durch eine Schlucht dem Waldrand zu.

5

Der Regen hatte aufgehört, nur der Nebel fiel, und das Wasser tropfte von den Zweigen der Bäume. Denissow, der Kosakenhauptmann und Petja ritten schweigend hinter dem Bauern in der Zipfelmütze her, der mit seinen umwickelten, in Bastschuhen steckenden Beinen leicht und geräuschlos über die Wurzeln und nassen Blätter dahinschritt, um Denissow nach dem Waldrand zu führen.

Als sie an einen Abhang gekommen waren, blieb der Bauer stehen, sah sich um und wandte sich dorthin, wo die Bäume spärlicher standen. Unter einer großen Eiche, die noch kein Blatt verloren hatte, machte er abermals halt und winkte die andern geheimnisvoll mit der Hand herbei.

Denissow und Petja ritten zu ihm hin. Von der Stelle, wo der Bauer stehen geblieben war, konnte man die Franzosen sehen. Gleich hinter dem Wald zog sich, nach unten abfallend, ein Stoppelfeld hin. Zur Rechten, hinter der steilen Schlucht, sah man ein kleines Dorf und ein Herrenhaus mit beschädigten Dächern. In diesem Dörfchen, im Herrenhaus, die ganze Anhöhe hinauf, im Garten, am Brunnen und am Teich und überall auf dem Weg, der über die Brücke zum Dorf hinaufführte, sah man in einer Entfernung von nicht mehr als vier- bis fünfhundert Metern in dem wogenden Nebel eine Masse Menschen. Man hörte deutlich, wie sie in nichtrussischer Sprache die Pferde anschrien, die mit den Fuhrwerken den Berg hinaufkeuchten, und wie sie einander allerlei zuriefen.

»Bringt den Gefangenen hierher«, sagte Denissow leise, ohne die Franzosen aus den Augen zu lassen.

Ein Kosak sprang vom Pferd, nahm den Knaben und trat mit ihm zu Denissow. Dieser zeigte auf die Franzosen und fragte, was für Truppen diese und jene seien. Der Knabe, der seine erstarrten Hände in die Taschen gesteckt hatte, blickte Denissow mit zusammengezogenen Brauen ängstlich an, gab, obgleich er offenbar den Wunsch hatte, alles zu sagen, was er wußte, doch nur verwirrte Antworten und bestätigte nur, was Denissow bereits in seine Fragen hineingelegt hatte. Denissow drehte ihm mit finsterem Gesicht den Rücken und wandte sich an den Kosakenhauptmann, dem er seine Ansichten mitteilte.

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