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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Na, wo hast du dich herumgetrieben?« fragte Denissow.

»Wo ich mich herumgetrieben habe? Hinter den Franzosen her«, erwiderte Tichon dreist und schnell mit seiner heiseren, singenden Baßstimme.

»Warum bist du denn am Tag hingeschlichen? Du Rindvieh! Na, und wie ist’s? Hast du keinen erwischt?«

»Erwischt schon«, sagte Tichon.

»Wo ist er denn?«

»Ich kriegte ihn gleich zuallererst beim Morgengrauen zu packen«, fuhr Tichon fort und stellte seine flachen, umwickelten Beine in den Bastschuhen noch breiter auseinander, »ja, und schleppte ihn in den Wald. Ich sehe ihn mir an: nichts Gescheites. Na, denke ich, läufst wieder runter und holst dir einen besseren.«

»So ein Halunke, wahrhaftig«, sagte Denissow zu dem Kosakenhauptmann.

»Warum hast du denn den nicht hergebracht?«

»Wozu ihn herbringen?« unterbrach ihn Tichon hastig und ärgerlich. »Er taugte ja nichts. Weiß ich etwa nicht, was für einen ihr braucht?«

»So eine Bestie!… Nun, und?«

»Ich ging also hin, um einen anderen zu holen«, fuhr Tichon fort, »schlich durch den Wald und legte mich so hin.« Tichon warf sich plötzlich geschickt auf den Bauch, um anschaulich darzustellen, wie er das gemacht hatte. »Da kommt auch einer gegangen«, fuhr er fort. »Ich so auf ihn zu und kriege ihn zu packen.« Tichon sprang schnell und leichtfüßig auf. »Komm mit, sage ich, zum Oberst. Fängt der Kerl an zu brüllen! Gleich waren ihrer viere zur Stelle. Fallen mit ihren elenden kleinen Säbeln über mich her. Ich aber mit meinem Beil so auf sie los: nun aber, gnade euch Gott!« schrie Tichon, fuchtelte mit den Armen und warf sich mit drohend gefalteter Stirn in die Brust.

»Ja, ja, wir haben es von oben mit angesehen, wie du durch die Pfützen hindurch das Hasenpanier ergriffen hast«, warf der Kosakenhauptmann ein und kniff seine lustigen Augen zusammen.

Petja hätte am liebsten laut aufgelacht, aber er sah, daß sich alle anderen das Lachen verbissen. Schnell ließ er seine Augen von Tichons Gesicht auf Denissow und den Kosakenhauptmann hinübergleiten, ohne zu begreifen, was dies alles zu bedeuten hatte.

»Spiel doch nicht immer den Hanswurst«, sagte Denissow, ärgerlich hüstelnd. »Warum hast du den ersten nicht hergebracht?«

Tichon kratzte sich mit der einen Hand den Rücken, mit der anderen den Kopf, und plötzlich verzog sich seine ganze Fratze zu einem strahlenden, dummen Lächeln, so daß seine Zahnlücke sichtbar wurde. Davon hatte er seinen Namen, Schtscherbaty, das heißt der mit der Zahnlücke. Denissow lächelte und Petja brach in lustiges Gelächter aus, in das auch Tichon nun selber mit einstimmte.

»Aber er war ja zu nichts zu gebrauchen«, sagte Tichon. »Elende Sachen trug er auf dem Leib, wozu ihn da erst herschleppen? Und grob war er, Euer Wohlgeboren. ›Was fällt dir ein‹, sagt er zu mir, ›bin selber ein $Jeneralssohn, ich komme nicht mit‹, sagt er zu mir.«

»Du Rindvieh!« brummte Denissow. »Ich mußte ihn doch ausfragen …«

»Ich habe ihn ja ausgefragt«, erwiderte Tichon. »Er sagt, er ist schlecht unterrichtet. Wir sind zwar, sagt er, unser viele, aber alle nicht viel wert, nur Namen und Titel, weiter nichts. Brüllt nur ordentlich, sagt er, dann kriegt ihr sie alle«, schloß Tichon und sah Denissow lustig und frech in die Augen.

»Ich werde dir mal hundert Gepfefferte aufzählen lassen, dann wirst du das Hanswurstspielen schon verlernen«, erwiderte Denissow streng.

»Warum so grimmig?« versetzte Tichon. »Habe ich etwa eure Franzosen nicht gesehen? Laßt’s nur erst dunkel werden, dann hole ich dir ihrer dreie, so wie du sie haben willst.«

»Also reiten wir weiter«, entschied Denissow und ritt mit ärgerlich gefalteter Stirn schweigend bis zum Wächterhäuschen.

Tichon lief hinter ihnen her, und Petja hörte, wie die Kosaken ihn wegen irgendwelcher Stiefel, die er in die Büsche geworfen haben sollte, hänselten.

Als die Heiterkeit, die sich bei Tichons Worten und seinem Lächeln der anderen bemächtigt hatte, vorüber war, wurde Petja auf einmal klar, daß dieser Tichon einen Menschen getötet hatte, und ein Gefühl des Unbehagens beschlich ihn. Er sah sich nach dem gefangenen kleinen Tambour um, und es fuhr ihm wie ein Stich durchs Herz. Aber dieses unbehagliche Gefühl dauerte nur einen Augenblick. Dann empfand er es als Notwendigkeit, den Kopf höher zu heben und sich Mut zu machen, und befragte den Kosakenhauptmann mit wichtiger Miene über das für morgen geplante Unternehmen, um sich der Gesellschaft, in der er sich befand, nicht unwürdig zu zeigen.

Der ausgeschickte Offizier kam Denissow noch auf dem Weg mit der Nachricht entgegen, daß Dolochow sogleich persönlich kommen werde, und daß auf seiner Seite alles vorzüglich klappe.

Denissows Stimmung heiterte sich mit einemmal auf, und er rief Petja zu sich heran.

»Nun erzähle mir mal, was du alles erlebt hast«, sagte er.

7

Nachdem Petja mit seinen Eltern aus Moskau ausgezogen war, hatte er sich von diesen verabschiedet und zu seinem Regiment begeben. Bald darauf war er Ordonnanz bei einem General geworden, der eine große Abteilung kommandierte. Seit er zum Offizier befördert und vor allem seit er in die aktive Armee eingetreten war und an der Schlacht bei Wjasma teilgenommen hatte, befand er sich in einer fortwährenden glücklichen Erregung und Freude darüber, daß er nun zu den Erwachsenen zählte, und war mit begeistertem Eifer ständig darauf bedacht, ja keine Gelegenheit zu einer wahren Heldentat zu versäumen. Über alles, was er in der Armee sah und erlebte, war er überglücklich, hatte aber dabei doch stets den Eindruck, daß nur immer dort, wo er gerade nicht war, die wirklich großen Heldentaten vollbracht würden. Und deshalb zog es ihn immer mit aller Hast dorthin, wo er nicht war.

Als sein General am 21. Oktober den Wunsch ausgesprochen hatte, jemanden zu Denissows Abteilung zu schicken, hatte Petja so flehentlich gebeten, ihn zu senden, daß der General es ihm nicht hatte abschlagen können. Aber der hohe Vorgesetzte hatte sich auch an Petjas unvernünftiges Verhalten in der Schlacht bei Wjasma erinnerte, wo dieser, statt auf dem Weg dorthin zu reiten, wohin man ihn geschickt hatte, mitten im Feuer der Franzosen durch die Vorpostenkette gesprengt war und dort zweimal seine Pistole abgefeuert hatte. Deshalb hatte ihm der General, als er ihn abschickte, ausdrücklich verboten, sich an irgendwelchen Unternehmungen Denissows zu beteiligen, welcher Art sie auch seien. Dies war auch der Grund, weshalb Petja rot und verlegen geworden war, als ihn Denissow gefragt hatte, ob er dableiben dürfe. Noch auf dem Ritt bis zum Waldsaum hatte es Petja für unumgänglich gehalten, daß er streng seine Pflicht erfülle und augenblicklich zurückkehre. Als er aber dann die Franzosen und Tichon gesehen und erfahren hatte, daß noch diese Nacht unbedingt angegriffen werden sollte, war er, nach Art junger Leute schnell von einer Ansicht zur anderen übergehend, zu dem Schluß gelangt, sein General, den er bisher sehr geachtet hatte, sei ein Waschlappen, ein Deutscher, Denissow dagegen und der Kosakenhauptmann und Tichon seien wahre Helden, und es sei eine Schmach für ihn, sie in einem so schweren Augenblick zu verlassen.

Es dämmerte bereits, als Denissow, Petja und der Kosakenhauptmann zum Wächterhäuschen kamen. Im Halbdunkel sah man gesattelte Pferde, Kosaken und Husaren, die auf einer Waldblöße Reisighütten bauten und in einer Schlucht – damit die Franzosen den Rauch nicht sähen – ein rotleuchtendes Feuer angezündet hatten. Im Flur der kleinen Hütte zerhackte ein Kosak mit aufgestreiften Ärmeln Hammelfleisch. In der Hütte selber befanden sich drei Offiziere von Denissows Schar, die eben dabei waren, aus einer Tür einen Tisch herzustellen. Petja legte seine nassen Sachen ab, gab sie zum Trocknen und machte sich dann gleich daran, den Offizieren beim Aufstellen des Tisches für die Abendmahlzeit behilflich zu sein.

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