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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Fräulein de Vaudreuil und Johann begleiteten ihn auf der hübschen, von großen Ulmen beschatteten Straße von Chipogan, welche sich längs eines kleinen Wasserlaufes, eines Zuflusses des St. Lorenzo, hinzieht. Sie waren mit ihm schon vorausgegangen und wurden von dem Wagen erst eine halbe Lieue von der Farm eingeholt. Herr de Vaudreuil nahm nun neben Pierre Harcher Platz, und bald waren sie bei dem scharfen Trabe des Gespanns verschwunden.

Johann und Clary schlugen den Rückweg ein, der durch das schattige, stille Gehölz am Rande des Flüßchens hinführte. Nichts hinderte ihren Schritt, weder Gesträuch, noch die Zweige der Bäume, welche in den canadischen Wäldern emporstreben, statt sich zum Erdboden hinabzusenken. Von Zeit zu Zeit ertönte die Axt eines Lumberman, wenn sie auf die uralten Stämme der Bäume niederfiel. In der Ferne hörte man auch gelegentlich einige Flintenschüsse, und zuweilen erschien ein gehetztes Rudel Damwild auf den Waldblößen, welche die Thiere eilig übersprangen. Weder Jäger noch Holzfäller wurden aber in dem Dickicht sichtbar, und in völliger Einsamkeit gingen Fräulein de Vaudreuil und Johann in der Richtung nach der Farm hin.

Bald sollten sich Beide wieder trennen!. Wann und wo sollten sie sich wiedersehen?. Ihr Herz krampfte sich bei der nahe bevorstehenden Trennung schmerzhaft zusammen.

»Denken Sie nicht bald einmal nach der Villa Montcalm zurückzukehren? fragte Clary.

- Gerade das Haus Ihres Herrn Vaters dürfte besonders scharf überwacht sein, antwortete Johann, und in seinem Interesse erscheint es rathsamer, daß Niemand seine Beziehungen zu Anderen kennen lernt.

- Sie können doch aber kaum daran denken, in Montreal Unterkommen zu suchen?

- Nein, obwohl es leichter sein dürfte, einer etwaigen Verfolgung inmitten einer großen Stadt zu entschlüpfen. Ich bin mehr in Sicherheit in der Wohnung des Herrn Vincent Hodge, der Herren Farran oder Clerc, als in der Villa Montcalm.

- Doch keines freundschaftlicheren Empfangs versichert! antwortete das junge Mädchen.

- Das weiß ich, und werde niemals vergessen, daß Sie und Ihr Herr Vater mich während der wenigen Stunden meines Verweilens bei Ihnen wie einen Sohn, wie einen Bruder behandelt haben.

- Wie es unsere Pflicht war, erwiderte Clary. Durch dasselbe Vaterlandsgefühl verbunden zu sein, ist doch wohl ebensoviel werth, wie Bande des Bluts! - Mir kommt es stets so vor, als hätten Sie von jeher unserer Familie angehört. Und da Sie nun gar so allein in der Welt dastehen.

- Allein in der Welt, wiederholte Johann gesenkten Kopfes. Ja, allein. allein!

- O, mit dem Siege unserer Sache wird dieses Haus auch das Ihrige sein. Bis dahin begreife ich, daß Sie ein sichereres Obdach suchen als die Villa Montcalm. Sie werden ein solches auch finden; denn welche canadische Wohnung würde sich vor einem Verfolgten verschließen?.

- Nein, gewiß nicht. ich weiß es, unterbrach sie Johann, und Keiner wird schamlos genug sein, mich zu verrathen.

- Sie verrathen! rief Fräulein de Vaudreuil. Nein!. Die Zeit der Verräther ist vorüber. In ganz Canada würde man man keinen Black und keinen Simon Morgaz mehr finden!«

Bei diesem mit dem Ausdrucke von Abscheu genannten Namen stieg dem jungen Manne die Schamröthe ins Gesicht, und er mußte sich abwenden, um seine Erregung zu verbergen. Clary de Vaudreuil hatte es nicht gleich bemerkt, doch als Johann sich ihr wieder zuwandte, zeigte sein Gesicht so deutlich den Stempel tiefen Seelenleidens, daß sie geängstigt ausrief:.

»Mein Gott! - Was ist Ihnen denn?.

- Nichts!. Es ist nichts! versicherte Johann. Etwas Herzklopfen, woran ich zuweilen leide!. Mir ist's dann, als sollte mein Herz zerspringen; jetzt ist schon Alles vorbei!«

Clary sah ihn mit langem Blicke an, als wollte sie in der Tiefe seiner Seele lesen.

Hierauf begann er, um diesem für ihn so peinlichen Gespräche eine andere Wendung zu geben:

»Am rathsamsten wird es sein, ich ziehe mich nach einem Dorfe der benachbarten Grafschaften zurück, wo ich in Verbindung mit Herrn de Vaudreuil bleiben kann!

- Ohne daß Sie sich jedoch aus Montreal entfernen, bemerkte Clary.

- Nein, antwortete Johann, denn in den nächstgelegenen Kirchspielen wird der Aufstand jedenfalls zuerst ausbrechen. Uebrigens kommt nicht so viel darauf an, wohin ich gehe.

- Vielleicht, fuhr Clary fort, böte Ihnen die Farm von Chipogan noch das sicherste Obdach?

- Ja. vielleicht!.

- Es wäre doch schwierig, Sie unter der zahlreichen Familie unseres Pächters herauszufinden.

- Gewiß, doch wenn das geschähe, so könnte es für Thomas Harcher sehr unangenehme Folgen haben. Er weiß ja nicht, daß ich Johann ohne Namen bin, auf dessen Kopf ein Preis ausgesetzt ist.

- Glauben Sie etwa, bemerkte Clary lebhaft, er würde, wenn er das heute noch erführe, sich überlegen.

- Nein, gewiß nicht, bestätigte Johann. Seine Söhne, wie er selbst, sind die besten Patrioten. Ich habe davon so manche Beweise gehabt, als wir unsere Agitationsreise zusammen machten. Ich möchte aber nicht, daß Thomas Harcher das Opfer seiner Zuneigung zu mir würde; und fände mich die Polizei bei ihm, so würde man auch ihn verhaften. Nein, nein!. Eher lieferte ich mich selbst aus!

- Sie sich ausliefern!« flüsterte Clary mit einer Stimme, welche ihre schmerzlichen Empfindungen deutlich genug verrieth.

Johann ließ den Kopf herabsinken. Er verstand recht wohl, welcher Art das Gefühl war, dem er sich gegen seinen Willen hingab; er empfand es, welches Band ihn mehr und mehr an Clary de Vaudreuil fesselte. Die Liebe eines Sohnes Simon Morgaz'!. Welche Schmach!. Und welche Falschheit, daß er ihr nicht gesagt hatte, aus welcher Familie er stammte. Nein, er mußte sie fliehen, durfte sie niemals wiedersehen. Und als er seiner wieder mehr Herr geworden, fuhr er fort:

»Morgen in der Nacht werd' ich die Farm von Chipogan verlassen, und kehre nicht eher zurück, als bis die Stunde des Kampfes schlägt. Dann werd' ich mich nicht mehr zu verbergen brauchen.«

Das Gesicht Johanns ohne Namen, in dem eine augenblickliche Begeisterung aufleuchtete, nahm sofort wieder die gewohnte Ruhe an.

Clary blickte ihn mit unbeschreiblichem Ausdrucke von Traurigkeit an. Sie wäre gern tiefer in das Leben dieses jungen Patrioten eingedrungen. Doch wie sollte sie ihn fragen, ohne ihn durch indiscrete Zudringlichkeit zu verletzen?

Nachdem sie ihm jedoch die Hand gereicht, die er kaum berührte, sagte sie:

»Johann, verzeihen Sie, wenn meine Theilnahme für Sie mich aus der Zurückhaltung heraustreten läßt, die ich eigentlich bewahren sollte. In Ihrem Leben gibt es ein Geheimniß. eine unglückliche Vergangenheit!. Johann, Sie haben wohl viel gelitten?.

- Sehr viel,« bestätigte Johann.

Und als ob dieses Zugeständniß ihm wider Willen entschlüpft wäre, setzte er sofort hinzu:

»Ja, viel gelitten. weil ich meinem Vaterlande das noch nicht habe darbringen können, was es von mir zu erwarten ein Recht hat.

- Ein Recht, etwas zu erwarten. wiederholte Fräulein de Vaudreuil, ein Recht, etwas von Ihnen zu erwarten?.

- Ja, von mir, antwortete Johann, wie von allen Canadiern, deren heilige Pflicht es ist, sich zum Opfer zu bringen, um ihrem Lande die Unabhängigkeit wieder zu geben.«

Das junge Mädchen hatte durchschaut, daß sich unter diesem Ausbruche von Patriotismus noch andere Qualen verbargen. Sie hätte seine Schmerzen so gern kennen gelernt, um sie zu theilen, vielleicht zu mildern. Doch was konnte Clary thun, da Johann sich nur auf ausweichende Antworten beschränkte? Immerhin glaubte Clary, ohne die Zurückhaltung, welche ihr die Lage des jungen Mannes auferlegte, aus den Augen zu setzen, noch hinzufügen zu sollen:

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