Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
- Befanden sich denn Polizeiagenten auf Ihrer Spur? fragte Herr de Vaudreuil.
- Ja, bestätigte Johann, doch gelang es mir ohne große Mühe, sie noch einmal hinters Licht zu führen.
- Jede Stunde Ihres Lebens ist doch eine Gefahr! bemerkte Fräulein de Vaudreuil. Es gibt keinen Augenblick, wo Ihre Freunde nicht für Sie zitterten! Seit Ihrem Aufbruch aus der Villa Montcalm haben wir uns unausgesetzt um Sie beunruhigt.
- Auch ich, entgegnete Johann, bin es nun überdrüssig, ein Leben zu führen, das ich mir immer nur erkämpfen muß; mich drängt es, im vollen Licht des Tages zu handeln, dem Feinde Auge in Auge gegenüber zu treten. Ja, es ist nun hohe Zeit, daß der Kampf beginnt, und das wird nicht lange mehr dauern. In diesem Augenblick lassen Sie uns die Zukunft um der Gegenwart willen vergessen. Das ist eine Art Waffenstillstand, eine Ruhestunde vor der Schlacht. Hier, Herr de Vaudreuil, bin ich ja nur der Adoptivsohn dieser braven, ehrenwerthen Familie.«
Der Zug war am Ziel. Kaum vermochte die kleine Kirche die Menge zu fassen, die unterwegs noch weiter angewachsen war.
Der Pfarrer stand auf der Schwelle, nahe der bescheidenen Steinschale, welche zu den Tauffeierlichkeiten der unzähligen Neugebornen des Kirchspiels diente.
Thomas Harcher präsentirte mit gerechtem Stolze den sechsundzwanzigsten, aus seiner Ehe mit der nicht weniger stolzen Catherine hervorgegangenen Sprößling.
Clary de Vaudreuil und Johann nahmen nebeneinander Platz, während der Pfarrer die übliche Salbung vornahm.
»Und wie soll er heißen? fragte er.
- Johann, wie sein Pathe,« antwortete Thomas Harcher, der dem jungen Mann die Hand entgegenhielt.
Es ist zu bemerken, daß die alten französischen Gebräuche sich in den Städten wie auf dem Lande in der Provinz Canada noch heute erhalten haben. Vorzüglich in den ländlichen Gemeinden rühren die Einnahmen des katholischen Clerus nur aus dem Zehent her. Dieser beträgt den sechsundzwanzigsten Theil aller Früchte und Ernteergebnisse. In Folge einer ebenso merkwürdigen wie rührenden Ueberlieferung erstreckt sich dieses Recht des Zehenten aber nicht allein auf die Früchte des Feldes.
Thomas Harcher verwunderte sich also gar nicht, als der Pfarrer nach vollendeter Taufe mit lauter Stimme sagte:
»Dieses Kind gehört der Kirche. Thomas Harcher - wenn es der Täufling des Pathen und der Pathin ist, die Sie für dasselbe erwählt haben, so ist es nicht weniger auch mein Mündel. Bilden die Kinder nicht gewissermaßen auch ein Ernteerzeugniß der Familie? Nun, ebenso wie Sie mir jede sechsundzwanzigste Getreidegarbe ausgeliefert haben würden, ebenso macht die Kirche auf dieses Ihr sechsundzwanzigstes Kind Anspruch.
»Wir erkennen das Recht derselben an, Herr Pfarrer, antwortete Harcher, und meine Frau und ich, wir unterwerfen uns ohne Widerrede.«
Das Kind wurde darauf nach dem Pfarrhause getragen und dort triumphirend aufgenommen.
Nach den Satzungen, betreffend den Zehent, gehörte der kleine Johann der Kirche an und als solcher hatte seine Erziehung auf Kosten des ganzen Kirchspiels zu erfolgen.
Und als der Festzug sich wieder in Bewegung setzte, um nach der Farm von Chipogan zurückzukehren, da erschallten Freudenrufe aus Hunderten von Kehlen zur Ehre des wackeren Thomas und der Catherine Harcher.
Elftes Capitel
Der Letzte der Sagamores
Am folgenden Tage begannen die Feierlichkeiten von Neuem. Wiederum begab sich, schon in früher Stunde, ein Zug nach dem Kirchlein, der auf dem Hin- wie auf dem Rückwege sich des gleichen Empfanges erfreute.
Die jungen Leute, Clemens und Cäcilie Harcher, der Erstere im schwarzen Rocke, in dem er wie ein kleiner Herr aussah, die Andere in dem weißen Kleide, das sie wie eine Braut schmückte, standen in erster Reihe der aus den benachbarten Farmen herbeigeströmten Communicanten. Wenn die anderen »Bewohner« auch nicht so reich an Nachkommenschaft waren, wie Thomas Harcher und Catherine, so hatten sie doch Alle eine recht ansehnliche Zahl Sprößlinge. Die Grafschaft Laprairie schien offenbar von dem Segen des Herrn überhäuft, und in dieser Beziehung konnte sie sich zweifellos mit den fruchtbarsten Gegenden von Neu-Schottland messen.
An diesem Tage sah Pierre den Fremden nicht wieder, dessen Anwesenheit ihn gestern einigermaßen beunruhigte. Der Agent war wirklich wieder fort. Ob er etwas bezüglich Johanns ohne Namen entdeckt hatte, und deshalb nach Montreal gegangen war, um dem Polizeichef Bericht zu erstatten, das wird der Leser bald erfahren.
Nach der Farm heimgekehrt, hatte die Familie sich nur noch zum Frühstück niederzusetzen. Dank der vielfachen Ermahnungen, welche Thomas Harcher von Catherine zu Theil geworden waren, stand Alles in bester Bereitschaft. Der folgsame Mann hatte sich nacheinander mit der Tafel, mit der Speisekammer, dem Keller und der Küche beschäftigen müssen, natürlich unterstützt von seinen Söhnen, die von den mütterlichen Befehlen ihren guten Theil erhalten hatten.
»Es ist ganz gut, sie daran zu gewöhnen, wiederholte Catherine gern. Dann wird es ihnen selbstverständlich vorkommen, wenn sie einmal eine Frau haben.«
In der That machten die jungen Leute hier eine vortreffliche Lehrzeit durch.
Doch wenn es schon so vieler Vorbereitungen für das Frühstück bedurfte, wie mußte das erst beim Hochzeitsschmause am nächsten Tage werden! Eine Tafel, die dann für hundert Theilnehmer eingerichtet werden mußte! - Ja, auf so viel war zu rechnen, wenn man die Verwandten des jungen Ehemanns und dessen Freunde aus der Nachbarschaft mitzählte. Daneben ist auch Meister Nick und sein Schreiber nicht zu vergessen, die man an diesem Tage zur Unterzeichnung des Ehecontracts erwartete. - Mit einem Worte, das mußte eine Hochzeit ohne Gleichen werden, bei der der Farmer Harcher mit dem Pächter Gamache cervantischen Andenkens wetteiferte.
Doch, das sollte ja erst am nächstfolgenden Tage vor sich gehen. Heute handelte es sich nur darum, dem Notar einen guten Empfang zu bereiten. Einer der Söhne des Hauses sollte denselben mit dem Planwagen um drei Uhr in Laprairie abholen.
Meister Nick angehend, glaubte Catherine ihrem Gatten in Erinnerung bringen zu sollen, daß der vortreffliche Mann ein sehr starker Esser und dabei ein Feinschmecker erster Sorte sei, und sie würde es nimmer dulden - das war ihre Art und Weise, den Leuten ihren Willen aufzuzwingen - würde es nimmer dulden, daß der ehrenwerthe Tabellione nicht nach Wunsch bedient werde.
»Wird schon geschehen, versicherte der Farmer. Du kannst darüber ruhig sein, meine gute Catherine!
- Ich bin es aber nicht, und werde es nie sein, ehe nicht Alles vorüber ist. Im letzten Augenblick fehlt immer noch das oder jenes, und das dulde ich nicht!«
Thomas Harcher verschwand, um seine Aufträge auszuführen, während er mehrfach wiederholte:
»Eine ausgezeichnete Frau! Vielleicht etwas gar zu vorsorglich! Sie duldet nicht die kleinsten Mängel!. Sie duldet so etwas nicht!. Und ich bitte Sie zu glauben, daß sie sonst so manches schon erduldet hat!«
Seit dem Vorabend hatten sich Herr de Vaudreuil und Clary mit Johann über seine Wanderungen durch die Grafschaften Unter-Canadas ausführlich unterhalten können. Seinerseits erfuhr der junge Patriot dabei, was das Comite von Montcalm in der Zeit nach seinem Aufbruche von da gethan. Andre Farran, William Clerc und Vincent Hodge waren zu wiederholten Malen nach der Villa gekommen, wo Herr de Vaudreuil gleichzeitig den Besuch des Advocaten Sebastian Grammont empfing. Dann war dieser nach Quebec zurückgereist, woselbst er mit den hervorragendsten Führern der Opposition zusammenzutreffen gedachte.
Nach dem Frühstück, welches nach der Rückkehr aus der Kirche aufgetragen worden war, wollte Herr de Vaudreuil den Planwagen benutzen, um sich nach dem Bezirksstädtchen zu begeben. Heute fehlte es ihm nicht an Zeit, um mit dem Präsidenten des Comites von Laprairie sich auszusprechen, und er konnte auch noch zur Stunde zurück sein, bevor der Notar den Ehecontract zur Unterzeichnung fertig haben würde.