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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Da wurden die Wilden schon sichtbar und mit lautem Jubel willkommen geheißen. Es wäre übrigens gar nicht nöthig gewesen, sie zum Eintritt in die Farm einzuladen, denn sie kamen dahin schon allein, fünfzig Köpfe stark, Männer und Frauen. Unter denselben erkannte Thomas Harcher auch den Huronen wieder, der erst am vergangenen Tage dagewesen war, um sich zu erkundigen, ob Meister Nick nicht in der Farm von Chipogan verweile.

Warum hatte diese Truppe Huronen aber ihre Ansiedlung im Dorfe Walhatta verlassen? Warum erschienen die Mahogannis jetzt in feierlichem Aufzuge, um dem Notar aus Montreal ihren Besuch abzustatten?

Der Leser wird bald erfahren, daß sie hierfür einen sehr wichtigen Beweggrund hatten.

Die Huronen erschienen - und das thun sie im Frieden nur bei besonders feierlichen Gelegenheiten - in ihrer Kriegertracht und den Kopf mit vielfarbigen Federn geschmückt, die langen, vollen Haare bis auf die Schultern herabhängend, über welche eine Art Mantel aus gestreiftem Wollengewebe geworfen war, den Oberkörper bedeckt mit kurzem Rocke aus Damwildfell, die Füße in Mocassins aus rohem Leder; sie waren Alle mit jenen langen Flinten bewaffnet, welche bei den Indianerstämmen schon seit vielen Jahren an Stelle der Bogen und Pfeile ihrer Vorfahren getreten sind. Die altherkömmliche Streitaxt, der Kriegs-Tomahawk, hing bei Jedem an dem Riemen, den sie um die Taille trugen.

Außerdem - eine Einzelheit, welche noch weiter den Ernst der Veranlassung ihres Zuges nach der Farm von Chipogan erkennen ließ - bedeckte eine noch ganz frische Malerei das Gesicht der Leute. Das Himmelblau, Rauchgrau und der Zinnober hoben ihre Adlernase mit den weiten Nasenlöchern und die kleinen lebhaften Augen, aus deren dunkler Höhle es wie ein Feuerbrand leuchtete, nur noch mehr hervor.

Der Abordnung des Stammes hatten sich auch einige Frauen aus Walhatta - ohne Zweifel die jüngsten und schönsten der Mahogannierinnen - angeschlossen. Diese Squaws trugen ein Leibchen aus gesticktem Stoffe, dessen Aermel die Vorderarme bedeckten, einen Rock in leuchtenden Farben, dazu »Mitasses«, das sind eine Art Schuhstrümpfe aus Caribuleder, die, mit Stacheln und Dornen verziert, bis zu den Füßen herabreichten, während letztere endlich von geschmeidigen Mocassins mit aufgestickten Glasperlen verhüllt waren. Die Füße der Frauen erschienen übrigens so zierlich, daß sich keine Europäerin derselben hätte zu schämen brauchen.

Die Indianer hatten, wenn das überhaupt möglich war, das gewohnte würdige Aussehen heute noch verdoppelt. Sie bewegten sich feierlich bis zur Schwelle des großen Saales, an der Herr und Fräulein de Vaudreuil, der Notar, Thomas und Catherine Harcher standen, während die übrigen Anwesenden den Hof erfüllten.

Da begann Einer, der der Anführer der Truppe zu sein schien, ein hochgewachsener Hurone von etwa fünfzig Jahren, der einen Mantel wie sie die Indianer selbst anfertigen, in der Hand trug, mit ernster Stimme eine Anrede, zunächst an den Farmer:

»Ist Nicolas Sagamore jetzt auf der Farm?

- Ja, der ist hier, antwortete Thomas Harcher.

- Und ich füge hinzu, daß er hier zur Stelle ist!« rief der Notar höchst verwundert, daß dieser Besuch allem Anscheine nach seiner Person gelten sollte.

Der Hurone trat zu ihm heran, erhob stolz den Kopf und sagte mit noch feierlicherer Stimme:

»Der Häuptling unseres Stammes ist von dem großen Wacondah, dem Mitsimanitu unserer Väter, abgerufen worden.

Fünf Monate sind bereits vergangen, seit er die seligen Jagdgefilde durchstreift. Sein unmittelbarer Blutserbe ist Nicolas, der Letzte der Sagamores. Ihm kommt es fürder zu, den Friedens-Tomahawk zu begraben oder die Kriegsaxt ausgraben zu lassen!«

Ein tiefes Stillschweigen der Verwunderung empfing diese so unerwartete Erklärung. Im Lande wußte man es sehr wohl, daß Meister Nick von Huronenursprung war, daß er von den großen Häuptlingen der Mahogannis abstammte; Niemand aber hätte je daran gedacht - er selbst noch weniger als jeder Andere -daß er in Folge einer Erbordnung berufen werden sollte, an die Spitze einer indianischen Völkerschaft zu treten.

Nach minutenlanger Pause, welche Niemand zu unterbrechen wagte, nahm der Hurone wieder das Wort:

»Zu welcher Zeit würde mein Bruder nun kommen, sich zum Feuer des großen Rathes seines Stammes zu setzen, angethan mit dem üblichen Mantel seiner Vorfahren?«

Der Wortführer der Abordnung hielt es gar nicht für zweifelhaft, daß der Notar von Montreal dieser Aufforderung Folge geben werde, und so hielt er ihm schon den Mahoganni-Mantel entgegen.

Und da der seiner Sprache fast beraubte Meister Nick sich noch immer nicht anschickte, eine Antwort zu geben, ertönte plötzlich ein Ruf, dem sich Andere sofort anschlossen: »Hoch! hoch! Unsere Ehrerbietung für Nicolas Sagamore!« Lionel war es, der in seiner Begeisterung jenen ersten Ruf ausgestoßen hatte. Wenn er stolz war auf das große Glück, das seinem Brotherrn widerfuhr, so dachte er gleichzeitig, daß ein Widerschein von diesem Glanze auch auf die Angestellten seines Bureaus und vor Allem auf ihn selbst zurückfallen müsse, und jubelte er schon bei dem Gedanken, später an der Seite des großen Häuptlings der Mahogannis dahinzuwandern - so brauchen wir den Leser hiermit wohl nicht aufzuhalten.

Herr und Fräulein de Vaudreuil konnten sich indeß des Lächelns nicht erwehren, als sie das verblüffte Gesicht des Meister Nick sahen. Der arme Mann! Während der Farmer, seine Frau und seine Kinder, ebenso wie dessen Freunde, ihm ihre Glückwünsche darbrachten, wußte er nicht im Geringsten, was er beginnen sollte.

Da wiederholte der Indianer seine Frage so, daß eine ausweichende Antwort nicht gut möglich war.

»Stimmt Nicolas Sagamore zu, seinen Brüdern nach dem Wigwam von Walhatta zu folgen?«

Noch immer stand Meister Nick mit weit offenem Munde da. Wohl selbstverständlich würde er nimmermehr zugestimmt haben, seine bisherige Thätigkeit aufzugeben, um dafür einen Huronenstamm zu regieren; andererseits aber wollte er die Indianer seiner Race, die ihn, gemäß dem Rechte der Erbfolge, zu einem solchen Ehrenposten beriefen, doch auch nicht gern verletzen.

»Mahogannis, begann er endlich, ich erwartete so etwas nicht. Ich bin wirklich unwürdig dieser Ehre. Ihr begreift. meine Freunde. ich befinde mich hier doch nur in der Eigenschaft eines Notars!.«

Er stammelte, er rang nach Worten und fand doch keine bündige Antwort.

Thomas Harcher kam ihm zu Hilfe.

»Huronen, sagte er, Meister Nick ist eben Meister Nick, mindestens bis die Hochzeitsfeierlichkeit vorüber ist. Nachher, wenn es ihm gefällt, mag er die Farm von Chipogan verlassen und wird er erfreut sein, mit seinen Brüdern nach Walhatta zurückzukehren.

- Ja, ja, nach der Hochzeit!« rief die ganze Gesellschaft, welche sich ihren Notar nicht rauben lassen wollte.

Der Hurone bewegte langsam den Kopf, und nachdem er sich über die unter der Abordnung herrschende Stimmung unterrichtet zu haben glaubte, sagte er:

»Mein Bruder kann nicht zögern; das Blut der Mahogannis rollt in seinen Adern und legt ihm Rechte und Pflichten auf, denen er sich nicht wird entziehen wollen.

- Rechte!. Rechte!. Ja, murmelte Meister Nick; aber Pflichten.

- Nimmt er an? fragte der Hurone.

- Ob er annimmt!. rief Lionel, das will ich glauben! Und um seinen Gefühlen Ausdruck zu geben, muß er sofort den Königsmantel der Sagamores anlegen!..

- Ob der unverschämte Bengel wohl einmal schweigen wird!« grollte Meister Nick zwischen den Zähnen.

Gern hätte der friedliebende Notar dem ungestümen Enthusiasmus seines Schreibers mit einer Backpfeife einen Dämpfer aufgesetzt.

Herr de Vaudreuil sah wohl ein, daß Meister Nick zunächst nur Zeit zu gewinnen wünschte.

So trat er an den Indianer heran und erklärte diesem, daß der Abkömmling der Sagamores gewiß nicht daran denke, sich den Pflichten, die seine Geburt ihm auferlegte, zu entziehen. Einige Tage, vielleicht einige Wochen, wären aber doch nöthig, damit er seine Angelegenheiten in Montreal regeln könne. Es schien also angezeigt, ihm einige Zeit zu gönnen, um seine Geschäfte in Ruhe abzuwickeln.

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