Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
Beide bildeten ein schönes Paar mit so unerschütterlicher Gesundheit, daß sie die beste Hoffnung haben konnten, dereinst zu den vielen Hundertjährigen zu gehören, deren Langlebigkeit dem canadischen Klima alle Ehre macht.
Einen einzigen Vorwurf hätte man Catherine Harcher vielleicht machen können; denselben Vorwurf hätten aber alle Frauen des Landes verdient, wenn man den allgemeinen Aussagen Glauben schenken darf. Wenn die Canadierinnen gute Hausfrauen sind, so kommt das doch nur daher, daß ihre Ehemänner die Wirthschaft besorgen, die Betten zurecht machen, den Tisch decken, die Hühner rupfen, die Kühe melken, die Butter schlagen, die Pataten schälen, das Feuer anzünden, die Möbel abreiben, das Eßgeschirr waschen u.s.w.
Uebrigens trieb Catherine diese Frauenherrschaft nicht bis aufs Aeußerste, eine Herrschaft, welche in den meisten Haushaltungen der Colonie die Männer einfach zu Sclaven ihrer Frauen macht. Nein! Um gerecht zu sein, müssen wir anerkennen, daß auch sie an des Tages Mühe und Last redlich theilnahm. Immerhin unterwarf sich Thomas Harcher gern ihren Wünschen und Launen. Doch welch' schöne Familie hatte ihm Catherine auch geschenkt, von Pierre dem Führer des »Champlain«, seinem Erstgebornen an, bis zum letzten Baby von nur einigen Wochen, das am heutigen Tage getauft werden sollte!
In Canada ist die Fruchtbarkeit der Ehen bekanntlich eine erstaunliche. Familien von zwölf bis fünfzehn Kindern sind ganz allgemein; solche, wo man deren zwanzig zählt, sind nicht selten, und daneben gibt es auch noch Familien von über fünfundzwanzig Abkömmlingen. Es sind das fast gar nicht mehr Familien, sondern Stämme, welche sich unter dem Einflusse patriarchalischer Sitten entwickeln.
Wenn Ismael Busch, der alte Pionnier Fenimore Cooper's, einer der Helden des Romans »Die Prairie«, mit Stolz auf die sieben Söhne - die Töchter gar nicht gerechnet - hinweisen konnte, die seiner Ehe mit der gesundheitstrotzenden Esther entsprungen waren, welches Gefühl von Ueberlegenheit mußte dann Thomas Harcher erfüllen, den Vater von sechsundzwanzig lebenden Kindern, welche in der Farm zu Chipogan alle lustig emporwuchsen!
Fünfzehn Söhne und elf Töchter jeden Alters - von dreißig Jahren bis zu drei Wochen; von den fünfzehn Söhnen vier verheiratet, von den elf Töchtern zwei unter der Haube. Und aus diesen Ehen gab es wieder siebzehn Enkel, was - wenn man Vater und Mutter hinzuzählt - eine Anzahl von zweiundfünfzig Abkömmlingen der Familie Harcher ergibt.
Die fünf Aeltesten kennt der Leser bereits. Es waren diejenigen, welche die Besatzung des »Champlain« bildeten, die ergebenen Gefährten Johanns. Es wäre ein unnöthiger Zeitverlust, die Namen der übrigen Kinder anzuführen oder besonders unterscheidende Züge ihres Charakters hier auszumalen. Söhne, Töchter, Schwiegersöhne, Schwiegertöchter verließen niemals den Pachthof. Sie arbeiteten hier unter der Leitung des Hausherrn. Die Einen waren auf den Feldern beschäftigt, wo es ihnen nie an Arbeit fehlte; die Anderen hatten im Walde zu thun, wo sie das Geschäft der »Lumbermen« betrieben, und auch sie hatten keine Zeit müßig zu gehen. Zwei oder drei der Aeltesten jagten gewöhnlich in den benachbarten Wäldern von Chipogan und hatten keine Mühe, das für den ungeheuren Familientisch nöthige Wild zu liefern. Auf diesen Gebieten gibt es in der That viele Arten Wild, wie Caribus - eine Art große Renthiere - Bisons, Damhirsche, Ziegen, Elenthiere, ohne des kleinen Feder- und Haarwildes zu erwähnen, wie Tauchervögel, Wildgänse, Enten, Schnepfen und Wasserschnepfen, Rebhühner, Wachteln, Regenpfeifer u. a. m.
Zur Zeit, wo die Kälte sie zwang, die Gewässer des St. Lorenzo zu verlassen, kehrten Pierre Harcher und seine Brüder, Remy, Michel, Tony und Jacques, zum Winteraufenthalte nach dem Pachthofe zurück und betrieben dann die Jagd auf Pelzthiere. Man zählte sie zu den unerschrockensten Squatters, den unermüdlichsten Waldläufern, und sie lieferten auch mehr oder weniger kostbare Felle nach den Märkten von Montreal und Quebec.
Jener Zeit waren die schwarzen Bären, die Luchse, die Wildkatzen, die Marder, die canadischen Vielfraße, die Bisons, eine Abart der Marder (auch Minks genannt) die Füchse, Biber, Hermeline, die Otter und die Moschusratte noch nicht nach den nördlichen Gegenden ausgewandert, und damals blühte der Handel mit Fellen ganz besonders, da die Jäger noch nicht gezwungen waren, ihr Glück an den entfernten Küsten der Hudsons-Bai zu versuchen.
Um eine solche Familie von Eltern, Kindern und Kindeskindern zu beherbergen, bedurfte es natürlich einer Art Kaserne; und es war auch eine wirkliche Kaserne, jenes Gebäude, das mit seinen zwei Stockwerken die Wirtschaftsgebäude der Farm von Chipogan überragte. Daneben mußten doch auch noch einige Zimmer für Gäste freibleiben, welche Thomas Harcher vorübergehend bei sich aufnahm, entweder Freunde aus der Grafschaft, Farmer aus der Nähe oder »Reisende«, das heißt Schiffsleute, welche die Holzzüge auf den kleineren Flüssen bis nach dem großen Strome führen.
Endlich gab es auch eine besonders vorbehaltene Wohnung für Herrn de Vaudreuil und dessen Tochter, wenn sie der Farmerfamilie gelegentlich einen Besuch abstatteten.
Gerade an diesem Tage - am 5. October - waren Herr und Fräulein de Vaudreuil hierher gekommen. Es waren nicht allein die Beziehungen des Gutsherrn zu seinem Pächter, welche Herrn de Vaudreuil mit Thomas Harcher und den Seinigen verbanden, sondern vielmehr eine gegenseitige Neigung, eine Freundschaft von der einen, eine Ergebung von der anderen Seite, welche seit so vielen Jahren schon ungetrübt bestanden hatte. Außerdem aber fesselte sie auch noch die gleichmäßige Vaterlandsliebe aneinander. Der Farmer wie sein Herr waren mit Leib und Leben der nationalen Sache ergeben.
Jetzt war die Familie einmal vollzählig zusammen. Seit drei Tagen hatten Pierre und seine Brüder, nachdem sie den »Champlain« am Quai von Laprairie abgetakelt verlassen, ihr Winterquartier im Pachthofe bezogen. Nur der Adoptivsohn fehlte noch, er, den man in der Farm von Chipogan mit wärmster Liebe umfaßte.
Man erwartete Johann indeß noch im Laufe des Tages. Wenn Johann von diesem Familienfeste fern blieb, so mußte er mindestens in die Hände der Rip'schen Agenten gefallen sein, und die Nachricht von seiner Verhaftung hätte sich schon im Lande verbreitet.
Johann hatte sich ja gewissermaßen einer Pflicht zu entledigen, die er ebenso ernst nahm, wie Thomas Harcher selbst.
Die Zeit lag noch nicht fern, wo der Lehnsherr des Kirchspieles es auf sich genommen hatte, bei allen Kindern seiner Parochianen Pathenstelle zu vertreten - wobei er es freilich schon auf mehrere Hundert Mündel gebracht hatte. Herr de Vaudreuil zählte übrigens unter der Nachkommenschaft seines Pächters deren erst zwei; und dieses Mal sollte Clary bei dem sechsundzwanzigsten Kinde als Taufzeugin und Johann als Taufzeuge eintreten. Das junge Mädchen schätzte sich glücklich über diese Gelegenheit, welche sie Beide, wenigstens für einige Minuten, näher als sonst verband.
Uebrigens betraf es nicht eine Taufe allein, daß der Pachthof von Chipogan das Festgewand angelegt hatte.
Als Thomas Harcher seine fünf Söhne empfing, hatte er gerufen:
»Willkommen, meine Jungen; Ihr kommt gerade zur rechten Zeit!
- Wie immer, Vater! antwortete Jacques.
- Nein, noch mehr als sonst. Wenn Ihr uns heute bereit seht, das letzte Baby des Hauses zu taufen, so werden Clemens und Cäcilie morgen zum ersten Male das Abendmahl empfangen und übermorgen wird die Hochzeit Eurer Schwester Rose mit Bernard Miquelon stattfinden.
- Zu Haus geht Alles gut, wie es scheint, hatte Tony erwidert.
- O, nicht schlecht, mein Junge, rief der Farmer; es ist auch gar nicht ausgeschlossen, daß ich Euch nächstes Jahr zu einer weiteren Feierlichkeit dieser Art zusammenrufe.«
Thomas Harcher begleitete dieses Versprechen mit herzlichem Lachen, dem Ausdrucke echter gallischer Heiterkeit, während Catherine die fünf kraftvollen Sprossen, ihre Erstgeborenen, zärtlich umarmte.