Die Familie ohne Namen
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:
Wenn diese Indianer die angeerbten Sitten bewahrt, die Gebräuche der Stämme aus alter Zeit beibehalten haben und noch heute sich gern in eignen Dörfern zusammendrängen und streng auf gewisse Privilegien achten, welche die Behörden ihnen übrigens gern gewähren, wenn sie sich endlich mit Vorliebe entfernt von den »Bleichgesichtern« halten, so sind sie dennoch ein wenig modernisirt, mindestens in Bezug auf -ihre Tracht. Nur unter Umständen kann man sie noch in ihrer Kriegstracht zu sehen bekommen.
Dieser Hurone, der sich fast ganz der gewöhnlichen canadischen Kleidung bediente, gehörte der Sippe der Mahogannis an, welche einen Flecken von vierzehn- bis fünfzehnhundert Feuerstellen im Norden der Grafschaft bevölkerten. Diese Wilden standen, wie schon erwähnt, in Beziehungen mit der Farm zu Chipogan, wo der Farmer ihnen stets einen freundlichen Empfang zutheil werden ließ.
»Und was wollt Ihr, Hurone? rief er, als der Indianer eingetreten war und ihm feierlich den traditionellen Händedruck verabreicht hatte.
- Thomas Harcher wird jedenfalls auf die Frage antworten, die ich an ihn zu richten denke? erwiderte der Hurone mit dem seiner Race eigenthümlichen gutturalen Tone.
- Und warum nicht, antwortete der Farmer, wenn meine Antwort für Euch einen Nutzen haben kann?
- Mein Bruder wird mich anhören und dann beurtheilen, was er sagen kann.«
Schon an dieser Sprechweise, bei welcher der Wilde nur in der dritten Person sprach, an der feierlichen Form, seine Fragen zu stellen, welche jedenfalls auf eine sehr einfache Erkundigung hinausliefen, hätte man den Abkömmling der vier großen Nationen erkannt, welche ehemals das Gebiet von Amerika inne hatten. Man theilte sie damals in Algonquins, Huronen, Montagnais und Irokesen, welche in die Einzelsippen der Mohawks, Oneidas, Onondagas, Tuscaroras, Delawaren und Mohikaner zerfielen, welch' letztere man in den Erzählungen Fenimore Cooper's eine so hervorragende Rolle spielen sieht. Heutzutage sind von diesen alten Stämmen nur noch einzelne Ueberreste zu finden.
Nachdem er einige Augenblicke schweigend vor dem Farmer gestanden, nahm der Indianer, seinen Bewegungen eine charakteristische Würde ertheilend, wieder das Wort.
»Mein Bruder kennt, wie uns gesagt wurde, den Notar Nicolas Sagamore in Montreal?
- Ich habe die Ehre, Hurone.
- Soll er nicht nach der Farm von Chipogan kommen?
- So ist es.
- Könnte mein Bruder es mir wissen lassen, ob er schon eingetroffen ist?
- Noch nicht, antwortete Thomas Harcher. Wir erwarten ihn erst morgen, wo er den Ehecontract zwischen meiner Tochter Rose und Bernard Miquelon aufsetzen soll.
- Ich danke meinem Bruder für die Auskunft.
- Habt Ihr dem Meister Nick vielleicht eine wichtige Mittheilung zu machen?
- Eine sehr wichtige, erklärte der Hurone. Morgen werden also die Krieger des Stammes das Dorf Walhatta verlassen, um ihm einen Besuch abzustatten.
- Ihr werdet auf der Farm von Chipogan willkommen sein,« antwortete Thomas Harcher.
Noch einmal streckte der Hurone dem Farmer die Hand entgegen und zog sich dann mit würdigem Ernste zurück.
Er war noch kaum eine Viertelstunde fort, als die Hofthür sich wiederum öffnete. Dieses Mal war es Johann, dessen Ankunft mit allseitigem Freudengeschrei bewillkommt wurde.
Thomas und Catherine Harcher, ihre Kinder und ihre Enkel liefen auf ihn zu, und es bedurfte einiger Zeit, um den Willkommen aller Freunde zu beantworten, welche so glücklich waren, ihn wiederzusehen. Händedrücken und Umarmungen dauerten wenigstens fünf Minuten ohne Unterbrechung an.
Da die Zeit drängte, konnten Herr de Vaudreuil, Clary und Johann nur wenige Worte wechseln; da sie aber drei Tage lang zusammen auf der Farm verweilen sollten, mußten sie ja Muße genug finden, ihre Angelegenheiten zu besprechen. Thomas Harcher und seine Frau hatten es eilig, sich nach der Kirche zu begeben. Man hatte den Pfarrer ja schon allzulange warten lassen. Der Pathe und die Pathin waren zur Stelle, jetzt hieß es aufbrechen.
»Vorwärts! Vorwärts! rief Catherine, scheltend und anordnend von Einem zum Anderen laufend. Vorwärts, mein Sohn, sagte sie zu Johann, Fräulein Clary den Arm angeboten! Und Thomas?. Wo steckt der Thomas?. Wo steckt denn Thomas. Er wird doch niemals fertig! - Thomas!.
- Da bin ich, Frau!
- Du wirst das Püppchen tragen.
- Natürlich.
- Und lass' mirs nicht fallen!.
- Keine Angst, ich habe schon fünfundzwanzig zum Herrn Pfarrer getragen und habe genug Uebung.
- Schon gut! versetzte Catherine, ihm das Wort abschneidend. Nun vorwärts!«
Der Zug verließ die Farm in folgender Ordnung: an der Spitze Thomas, der den Säugling in den Armen hielt, und Catherine Harcher unmittelbar neben ihm; Herr de Vaudreuil, seine Tochter und Johann gleich nach ihnen; hinter diesen aber der lange Schweif der Familie aus drei Generationen bestehend, wo die Altersstufen der Einzelnen so vermengt waren, daß das jüngste geborene Baby unter den Kindern seiner Brüder und Schwestern schon eine Anzahl Neffen und Nichten hatte, welche älter waren als dieses selbst.
Die Witterung war schön; zu dieser Jahreszeit wäre die Luftwärme aber schon eine recht niedrige gewesen, wenn von dem wolkenlosen Himmel nicht ein wahrer Ueberfluß an Sonne herabstrahlte. So wand sich die Gesellschaft unter den Baumkronen und über die geschlängelten Waldpfade hin, an deren Ende der Glockenthurm der kleinen Kirche hervorragte. Ein Teppich von trocknen Blättern bedeckte den Boden. Alle gelben Schattirungen des Herbstes vermischten sich in den Gipfeln der Kastanienbäume, der Birken, Eichen, Buchen und Zitterpappeln, deren Zweigskelett sich da und dort scharf vom Himmelsblau abhob, während die Fichten und Tannen noch ihren grünen Helmbusch trugen.
Mit dem Fortschreiten des kleinen Zuges schlossen sich mehrere Freunde Thomas Harcher's, Farmer aus der Nachbarschaft, demselben unterwegs an. Die Zahl der Theilnehmer an jenem wuchs so zusehends, daß sie beim Eintreffen in der Kirche wohl an hundert betrug.
Sogar völlig Fremde, welche aus Neugier, oder weil sie eben nichts zu thun hatten, gekommen waren, reihten sich dem Zuge ein, wenn sie zufällig dessen Weg kreuzten.
Pierre Harcher bemerkte unter andern auch einen Mann, dessen Haltung ihm etwas verdächtig erschien. Offenbar war dieser Unbekannte nicht aus dem Lande hier. Pierre hatte ihn noch niemals gesehen, und es machte sein Erscheinen auf ihn den Eindruck, als suche er die Bewohner der Farm scharf ins Auge zu fassen!
Pierre hatte ganz Recht, diesem Manne zu mißtrauen. Es war einer der Polizisten, welche den Auftrag erhalten hatten, Herrn de Vaudreuil, seit dieser die Villa Montcalm verlassen, auf den Fersen zu bleiben. Rip, der sich auf der Fährte Johanns ohne Namen befand, welch' Letzteren man in der Gegend von Montreal versteckt glaubte, hatte jenen Agenten mit dem Mandate versehen, nicht nur Herrn de Vaudreuil, sondern auch die Familie Thomas Harcher's, dessen reformistische Anschauungen bekannt waren, zu beobachten.
Während sie so dicht neben einander hergingen, unterhielten sich Herr de Vaudreuil, seine Tochter und Johann von der Verzögerung, welcher dieser auf dem Rückwege nach der Farm erlitten hatte.
»Von Pierre Harcher hatte ich erfahren, sagte Clary, daß Sie sich seiner Zeit von ihm trennten, um Chambly und die benachbarten Kirchspiele zu besuchen.
- Ganz richtig, antwortete Johany.
- Kommen Sie jetzt direct von Chambly?
- Nein, ich mußte durch die Grafschaft Hyazinthe wandern, von wo aus ich nicht so schnell, wie ich wünschte, zurückkehren konnte. Ich sah mich gezwungen, einen Umweg jenseits der Grenze einzuschlagen.