Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Abermals das Rascheln und Schleifen, dann glomm neben dem Bett ein brennendes Streichholz auf.
Indiana schloß geblendet die Augen und fuchtelte gleichzeitig erschrocken mit den Händen vor dem Gesicht.»Kein Licht!«sagte er hastig.»Ich möchte nicht, daß José etwas merkt.«
Das Streichholz erlosch, und er konnte mehr hören und spüren als wirklich sehen, wie Anita sich vollends im Bett aufsetzte und die Decke über die Knie hochzog.
«Das ist … auch in meinem Sinn«, sagte sie zögernd. Mehr noch als das merkliche Stocken ihrer Stimme verriet ihm die umständliche Wahl ihrer Worte, wie unangenehm ihr sein Besuch hier war.
Indiana blieb noch einen Herzschlag lang neben der Tür stehen und lauschte auf den Flur hinaus. Als er nichts hörte, bewegte er sich auf Zehenspitzen auf das Bett zu und ließ sich behutsam auf der Kante nieder, während Anita ein Stück zur Seite rutschte. Obwohl er jetzt kaum noch einen Meter von ihr entfernt war, konnte er ihr Gesicht immer noch nicht deutlich erkennen. Aus irgendeinem Grund machte das Licht des Vollmondes das Zimmer nicht hell. Es vertrieb die Dunkelheit, aber was es statt dessen brachte, das war keine Helligkeit, sondern … etwas anderes, dachte er irritiert. Etwas, bei dem man beinahe schlechter sah als in einer mondlosen Nacht.
Er verscheuchte diesen albernen Gedanken und zwang sich zu einem Lächeln, obwohl sie sein Gesicht vermutlich ebenso wenig erkennen konnte wie er ihres.»Ich möchte nur mit Ihnen reden«, sagte er.
«Ich habe auch nicht geglaubt, daß Sie aus irgendeinem anderen Grund hier sind, Dr. Jones«, antwortete Anita. Indiana entging der feine Spott in ihren Worten keineswegs, aber er war nicht in der Laune, darauf einzugehen.»Es … tut mir wirklich leid, was Ihnen passiert ist«, begann er.
Anita unterbrach ihn mit einer Bewegung, die er nur hörte.»Das muß es nicht, Dr. Jones«, antwortete sie.
«Indy«, verbesserte sie Indiana.»Nennen Sie mich Indy. Das tun alle meine Freunde.«
«Das muß es nicht, Indy«, sagte Anita noch einmal.»Ich wußte, daß José nicht besonders glücklich über das sein würde, was ich tat. Und es war nicht so schlimm, wie es aussieht. Er war sehr wütend. Und, von seinem Standpunkt aus betrachtet, zu Recht. Immerhin habe ich ihn bestohlen.«
«Das haben Sie nicht«, behauptete Indiana.»Man kann niemandem etwas stehlen, was ihm gar nicht gehört.«
«Er hat lange gebraucht, um diesen Anhänger ausfindig zu machen«, fuhr Anita in der Dunkelheit fort.»Und noch länger, um ihn zu bekommen.«
«Ja«, maulte Indy.»Und ich Trottel habe ihm auch noch dabei geholfen.«
«Sie hatten gar keine andere Wahl«, behauptete Anita.
«Wie meinen Sie das?«
«Er hat diese Pokerpartie arrangiert, haben Sie das noch nicht begriffen?«Indiana blinzelte überrascht.»Moment mal!«sagte er.»Wollen Sie damit sagen, daß er mich …«
«… betrogen hat. Ja«, führte Anita den Satz zu Ende. Sie lachte leise.»Wissen Sie, Indy, ich kenne José schon eine ganze Weile. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht — er hat eine Menge Talente. Aber Kartenspielen gehört ganz bestimmt nicht dazu. Er ist ein miserabler Pokerspieler.«
«Um beim Poker zu betrügen, muß man ein verdammt guter Spieler sein«, erwiderte Indiana zweifelnd.
«Oder einen sehr guten Partner haben. «Wieder lachte Anita, was Indiana bewies, daß sie offensichtlich besser sehen konnte als er, denn sein fassungsloser Gesichtsausdruck war ihr nicht entgangen.»Der Mann, der neben ihm saß und als letzter ausgestiegen ist«, fuhr sie nach ein paar Sekunden fort.»Ich weiß nicht, ob Sie auf ihn geachtet haben. Er ist einer der berüchtigsten Kartenhaie von New Orleans. Glauben Sie mir, Dr. Jones, Sie hatten von Anfang an keine Chance. Die beiden haben dafür gesorgt, daß Sie den ganzen Abend über gewinnen.«
«Ich verstehe«, sagte Indiana düster.»Damit ich leichtsinnig werde und zum Schluß alles auf eine Karte setze.«
«Ganz genau. Und Sie haben es schließlich auch getan — oder?«
«Ja«, gestand Indiana zerknirscht.»Ich Idiot.«
«Seien Sie froh, daß Sie es getan haben«, sagte Anita ernst.»José war wild entschlossen, Ihnen diese Kette abzujagen. Ganz egal, auf welche Weise.«
Indiana überlegte einen Moment.»Nachdem ich das PALLADIUM verlassen habe, hatte ich eine unangenehme Begegnung mit zwei Burschen«, sagte er.»Steckt José vielleicht auch dahinter?«
«Nein«, erwiderte Anita überzeugt.»Warum auch? Er hatte, was er wollte.«
«Damit sind wir beim Thema«, sagte Indiana.»Was ist an diesen drei Anhängern so wichtig?«
«Ich weiß es nicht«, antwortete Anita, und obwohl Indiana ihr Gesicht in der Dunkelheit immer noch nicht sehen konnte, spürte er einfach, daß sie log. Offensichtlich war es in den letzten drei Tagen zu einer allseits beliebten Freizeitbeschäftigung geworden, ihn zu belügen, zu betrügen und zu hintergehen. Aber er sagte nichts dazu, sondern saß nur schweigend da und wartete darauf, daß sie von sich aus weitersprach.
«Ich weiß nicht, was an diesen Anhängern so wichtig ist, Dr. Jones«, sagte sie noch einmal.»Aber ich weiß, daß José und Nor-ten sie nicht bekommen sollten.«
«Warum?«
«Weil sie ihnen nicht gehören«, antwortete Anita. Unter fast allen anderen denkbaren Umständen wäre diese Antwort lächerlich gewesen; jetzt nicht. Ohne daß ein einziges Wort der Erklärung nötig gewesen wäre, wußte Indiana, was Anita damit meinte. Diese kleinen Schmuckstücke gehörten José und Norten so wenig wie ihm oder Joana — oder wie sie Greg gehört hatten. Es waren alte Dinge, heilige Dinge, Dinge, die irgendwann einmal von ungeheurer Wichtigkeit und Bedeutung für Menschen gewesen waren, Dinge, an die sie ihren Glauben gehängt, die sie verehrt und vielleicht sogar mit ihrem Leben beschützt hatten. Vielleicht waren Menschen gestorben für diese kleinen Schmuckstücke — vor fünfhundert oder tausend oder auch zweitausend Jahren. Und vielleicht hatten einmal die Hoffnungen eines ganzen Volkes an dem gehangen, was sie symbolisierten. Was immer Norten und José damit vorhatten — es war falsch.
«Wenn diese Anhänger wirklich so wertvoll für Ihren Mann und Norten sind«, sagte er,»dann war es sehr tapfer, was Sie getan haben.«
«Vielleicht«, sagte Anita.»Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht wollte ich einfach nicht, daß José die Kette hat. Vielleicht hatte ich einfach Angst, daß etwas wie das hier passiert.«
Indiana glaubte ihr kein Wort. Auch Anita verschwieg ihm etwas. Aber er hatte das sichere Gefühl, daß sie es aus anderen Gründen tat als ihr Mann oder Norten.
«Sie wissen auch nicht, wer diese Männer dort draußen sind?«fragte er.»Die Mayakrieger?«
Er konnte Anitas Zusammenzucken spüren.»Mayakrieger?«wiederholte sie.»Wie kommen Sie darauf?«
«Nur eine Vermutung«, sagte Indiana.»Die beiden, die in New Orleans hinter mir her waren, waren Mayas.«
«Aber ich … ich dachte immer, die Mayas wären ausgestorben«, sagte Anita unsicher, und auch das klang nach dem, was es war — eine weitere, nicht einmal sonderlich überzeugende Lüge.
Trotzdem antwortete er:»Das denken die meisten. Aber es ist falsch. Es gibt noch ein paar Stämme. Nicht viele; insgesamt sind es vielleicht fünf- oder sechstausend Menschen. Reichlich wenig für ein Volk, das einmal einen großen Teil des südamerikanischen Kontinents beherrscht hat. Aber es gibt sie noch.«
«Das ist … interessant«, sagte Anita, die jetzt hörbar ihre Fassung wiedergewann. Mit spöttisch erhobener Stimme fügte sie hinzu:»Und jetzt glauben Sie, sie hätten ihre Reservate verlassen und das Kriegsbeil ausgegraben, um nach Kuba zu kommen?«
«Ich weiß, wie verrückt das klingt«, antwortete Indiana ernst.»Aber diese ganze Geschichte hört sich reichlich verrückt an, nicht wahr?«
«Das stimmt«, antwortete Anita.»Und ich …«
Sie stockte mitten im Wort, lauschte einen Moment lang angestrengt und fuhr dann erschrocken zusammen.