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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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»Danke, dass ihr gekommen seid«, antwortete ich. »Sag mal, warum galoppieren Pegasi eigentlich beim Fliegen?«

Blackjack wieherte. Warum schwenken Menschen beim Gehen die Arme? Keine Ahnung, Boss. Fühlt sich einfach richtig an. Wohin soll’s gehen?

»Wir müssen zur Williamsburg Bridge«, sagte ich.

Blackjack senkte den Kopf. Gute Entscheidung, Boss. Da sind wir auf dem Weg hierher vorbeigeflogen und es sieht gar nicht gut aus. Spring auf!

Auf dem Weg zur Brücke krampfte sich mein Magen zusammen. Der Minotaurus war eines der ersten Monster, die ich je besiegt hatte. Vor vier Jahren hatte er auf dem Half-Blood Hill fast meine Mutter umgebracht. Ich hatte immer noch Albträume davon.

Ich hatte gehofft, er würde für einige Jahrhunderte tot bleiben, aber ich hätte eigentlich wissen müssen, dass mein Glück nicht so lange währen würde.

Wir sahen die Schlacht schon, ehe wir nahe genug herangekommen waren, um einzelne Kämpfer zu erkennen. Es war inzwischen nach Mitternacht, aber die Brücke war hell erleuchtet. Wagen brannten, und lodernde Speere und Pfeile malten Feuerbögen in die Luft.

Wir drehten noch eine Runde und ich sah, dass die Apollo-Leute auf dem Rückzug waren. Sie versteckten sich hinter Autos und schossen von dort auf die näher rückende Armee, benutzten Explosionspfeile und ließen Krähenfüße auf die Straße fallen; sie bauten, wo sie nur konnten, brennende Barrikaden auf und zogen schlafende Fahrer aus den Autos, um sie aus der Gefahrenzone zu holen. Aber der Feind rückte immer weiter vor. Eine ganze Phalanx aus Dracaenae marschierte vorweg, die Schilde miteinander verhakt, während darüber Speerspitzen funkelten. Ab und zu wurde ein Schlangenleib, ein Hals oder eine Spalte in ihren Rüstungen von einem Pfeil getroffen und die unselige Schlangenfrau löste sich auf, aber die meisten Apollo-Pfeile prallten wirkungslos von der Schildwand ab. An die hundert weitere Monster folgten ihnen.

Etliche Höllenhunde sprangen vor ihnen her. Die meisten wurden von Pfeilen zerstört, aber einer erwischte einen Apollo-Kämpfer und zerrte ihn davon. Ich konnte nicht sehen, was dann mit ihm geschah, und wollte es auch nicht wissen.

»Da!«, rief Annabeth vom Rücken ihres Pegasus.

Und wirklich, mitten in der Invasionsarmee sah ich den alten Stierkopf persönlich.

Als ich den Minotaurus zuletzt gesehen hatte, war er nur mit einer weißen Feinripp-Unterhose bekleidet gewesen. Ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht war er aus dem Bett geworfen worden, um mich zu jagen. Aber diesmal war er auf die Schlacht vorbereitet.

Von der Hüfte abwärts trug er die übliche griechische Schlachtrüstung – einen kiltartigen Schurz aus Leder und Metallstreifen, metallene Beinschützer und eng gebundene Ledersandalen. Von den Schultern aufwärts war er Stier – Fell und Muskeln und ein so großer Kopf, dass allein das Gewicht seiner Hörner ihn hätte umwerfen müssen. Er kam mir größer vor als bei unserer letzten Begegnung – mindestens drei Meter hoch. Eine doppelseitige Axt war auf seinen Rücken geschnallt, aber er war zu ungeduldig, um sie zu benutzen. Sowie er sah, dass ich über ihm kreiste (oder mich witterte, da sein Sehvermögen sehr schlecht war), brüllte er auf und schnappte sich eine weiße Limousine.

»Runter, Blackjack!«, rief ich.

Was?, fragte der Pegasus. Der könnte doch nie … heiliges Pferdefutter!

Wir waren mindestens dreißig Meter hoch, aber die Limousine kam genau auf uns zugesegelt und rotierte dabei um sich selbst wie ein zwei Tonnen schwerer Bumerang. Annabeth und Porkpie drehten in einem waghalsigen Manöver nach links ab, während Blackjack die Flügel anlegte und sich fallen ließ. Die Limousine segelte über meinen Kopf und verfehlte mich höchstens um zwei Fingerbreit. Sie flog an der Brückenaufhängung vorbei und fiel in den East River.

Monster spotteten und brüllten und der Minotaurus schnappte sich noch einen Wagen.

»Lass uns hinter der Front bei den Apollo-Leuten runter«, sagte ich zu Blackjack. »Bleib in Hörweite, aber bring dich nicht in Gefahr.«

Da will ich nicht widersprechen, Boss!

Blackjack jagte hinter einem umgekippten Schulbus, hinter dem sich zwei Camper versteckt hatten, zur Erde hinunter. Annabeth und ich sprangen ab, sowie die Hufe unserer Pegasi den Boden berührten, und Blackjack und Porkpie schossen wieder in den Nachthimmel hinaus.

Michael Yew kam auf uns zugerannt. Er war eindeutig der kleinste Kommandant, den ich je gesehen hatte. An seinem Arm hatte er einen verbundenen Schnitt. Sein Frettchengesicht war mit Ruß verschmiert und sein Köcher war fast leer, aber er strahlte, als ob er sich köstlich amüsierte.

»Schön, dass ihr da seid«, sagte er. »Wer kommt noch zur Verstärkung?«

»Für den Moment war’s das«, sagte ich.

»Dann sind wir tot«, sagte er.

»Hast du noch immer deinen fliegenden Wagen?«, fragte Annabeth.

»Nö«, sagte Michael. »Hab ich im Camp gelassen. Ich habe Clarisse gesagt, sie könnte ihn haben. Ist doch jetzt sowieso egal. Lohnt sich nicht mehr, darum zu kämpfen. Aber sie hat gesagt, es sei zu spät; wir hätten ihre Ehre zum letzten Mal gekränkt oder so einen Blödsinn.«

»Immerhin hast du es versucht«, sagte ich.

Michael zuckte mit den Schultern. »Na ja, ich hab ziemlich Klartext geredet, als sie gesagt hat, dass sie trotzdem nicht kämpfen will. Ich glaube, das hat nicht gerade geholfen. Achtung, Monster!«

Er zog einen Pfeil hervor und schoss ihn ab. Der Pfeil machte beim Fliegen ein kreischendes Geräusch und der Aufprall klang wie ein vom größten Lautsprecher der Welt verstärkter Powerakkord auf einer elektrischen Gitarre. Monster ließen ihre Waffen fallen und hielten sich mit schmerzverzerrten Gesichtern die Ohren zu; andere rannten weg oder lösten sich auf der Stelle auf.

»Das war mein letzter akustischer Pfeil«, sagte Michael.

»Geschenk von deinem Dad?«, fragte ich. »Dem Gott der Musik?«

Michael grinste verschlagen. »Laute Musik kann ungesund sein. Aber leider nicht immer tödlich.«

Und wirklich schlossen einige Monster sich wieder zusammen und schüttelten ihre Verwirrung ab.

»Wir müssen uns zurückziehen«, sagte Michael. »Ich habe Kayla und Austin weiter hinten auf der Brücke Fallen aufstellen lassen.«

»Nein«, sagte ich. »Bring deine Leute hier vorne in Position und warte auf mein Zeichen. Ich lenke die Monster ab. Ihr sammelt euch hier. Schafft die schlafenden Sterblichen beiseite. Dann könnte ihr die Monster einzeln erledigen, während ich dafür sorge, dass sie sich auf mich konzentrieren. Wenn irgendwer das schafft, dann ihr.«

Michael schnaubte. »Vielen Dank.«

Ich schaute Annabeth an.

Sie nickte widerstrebend. »Na gut. Los geht’s.«

Ehe mich der Mut verlassen konnte, fragte ich: »Kriege ich keinen Kuss als Glücksbringer? Das ist doch so eine Art Tradition, oder?«

Ich dachte schon, sie würde mir eine reinhauen. Stattdessen zog sie ihr Messer und starrte die Armee an, die auf uns zumarschierte. »Komm lebend zurück, Algenhirn. Dann werden wir ja sehen.«

Ich ging davon aus, dass das das beste Angebot war, das ich kriegen würde, deshalb trat ich hinter dem Schulbus hervor und ging ohne jede Deckung über die Brücke, direkt auf den Feind zu.

Als der Minotaurus mich entdeckte, loderten seine Augen vor Hass auf. Er brüllte – ein Klang irgendwo zwischen einem Schrei, einem Muhen und einem sehr lauten Räuspern.

»He, du Hacksteak«, brüllte ich zurück. »Hab ich dich nicht schon mal umgebracht?«

Er hämmerte mit der Faust auf die Motorhaube eines Lexus und der Wagen wickelte sich auf wie Alufolie.

Einige Dracaenae warfen lodernde Speere nach mir. Ich stieß sie beiseite. Ein Höllenhund setzte zum Angriff an und ich wich aus. Ich hätte ihn erstechen können, zögerte aber.

Das ist nicht Mrs O’Leary, schärfte ich mir ein. Das ist ein ungezähmtes Monster. Es will mich und alle meine Freunde umbringen.

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