Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma wich nervös zurück. Ihr Zuhause lag wahrscheinlich am Grunde des Sees. Wenn sie beschloß… »Nein, danke«, antwortete er eilig. »Ich möchte mich nicht aufdrängen.«
Sie schmollte. »Du redest sogar wie Buoron.«
»Hast du ihn erwartet?« Huma musterte rasch das Seeufer, wobei er praktisch damit rechnete, jeden Moment eine schwerbewaffnete Gestalt durch die Büsche brechen zu sehen.
Die Nymphe ging am Ufer entlang. Huma kümmerte sich um Magus, doch der schlief immer noch.
»Er wird nicht aufwachen, bevor ich es zulasse. Ich mag ihn nicht.«
Der Ritter runzelte die Stirn. »Du kennst auch ihn?«
Sie machte eine wegwerfende Handbewegung in Richtung auf den Zauberer. »Nicht ihn. Sein Bild.«
»Woher?« Huma wurde aus dem Geschöpf nicht schlau. Sie wirkte zerbrechlich, doch ihre Macht war stark genug, Magus problemlos in die Falle zu locken. Vielleicht wäre das nicht möglich gewesen, wenn dieser nicht so erschöpft gewesen wäre, aber es zeugte dennoch von beachtlichen Fähigkeiten.
»Ich sehe es in meinem Spiegel. Er zeigt mir, was andere träumen. Es ist so langweilig hier draußen. Ich vermisse die Höhlenbauer.«
»Höhlenbauer?«
»Die, die in der Erde graben, du Dummerjan. Du weißt schon, komische kleine Männer.«
Zwerge. Man konnte verrückt werden, wenn man versuchte, alles zu begreifen, was die Nymphe sagte.
Sie stand jetzt dicht neben ihm, wobei sie ganz unschuldig gerade nah genug kam, um ihn zu verunsichern. »Bist du sicher, daß du mein Haus nicht sehen willst? Ich werde dich nicht ertrinken lassen, solange du nicht langweilig wirst.«
Das war die eigentliche Falle. Wie viele Männer waren dieser Schönheit erlegen und ihr in die Tiefe gefolgt, um dann in einer Seehöhle gefangen zu sitzen? Instinktiv murmelte er ein Gebet zu Paladin.
Die Nymphe ging beiseite. »Ich wünschte, du würdest das lassen!«
Auch wenn sie nicht eigentlich böse war, war sie kein Geschöpf Paladins oder Gileans. Deshalb konnten echte Gebete zu einem der beiden sie ärgern oder sogar vertreiben.
Huma wollte sich gerade entschuldigen, als er ganz in der Nähe ein schweres Pferd durch die Büsche stapfen hörte. Er versuchte, sich zu erheben und sein Schwert zu nehmen.
»Ach, da kommt Buoron. Ich hoffe, ihr beide kämpft miteinander. Ich habe jahrhundertelang keinen guten Kampf mehr gesehen.«
Pferd und Reiter durchbrachen das Blattwerk und standen auf dem schmalen Uferstreifen, der den kleinen See umgab. Der Körper des Mannes war größtenteils von seinem Mantel verhüllt, doch Huma konnte darunter eine Rüstung schimmern sehen. Zuerst bemerkte der Neuankömmling sie nicht. Als er es dann doch tat, starrte er Huma mit offenem Mund an. Der Mantel glitt auseinander, so daß Huma den ersten richtigen Blick auf die Rüstung werfen konnte. Huma schaute von der Rüstung in das Gesicht und wieder zur Rüstung. Magus’ Bemerkung von einem Außenposten irgendwo im südlichen Ergod fiel ihm ein. Einem solamnischen Außenposten.
Die Nymphe lächelte bezaubernd. »Siehst du, warum ich dich mit Buoron verwechselt habe? Ihr tragt sogar die gleiche Rüstung.«
Das stimmte. Buoron war ein Ritter der Krone.
13
Buoron wandte sich der Nymphe zu. Er hatte ein rauhes Äußeres, war weder schön noch häßlich, nur wettergegerbt. In seinen Augen lag tiefe Traurigkeit. Seltsamerweise fehlte ihm der eindrucksvolle Schnurrbart, den viele Ritter sich wachsen ließen. Statt dessen trug er einen schwarzen Bart, der so geschnitten war wie der von Fürst Avontal. Huma fragte sich, wie lange der andere solamnische Ritter schon in dieser Gegend lebte.
»Geht jetzt«, sagte Buoron zu der Nymphe.
»Werdet ihr denn nicht kämpfen?«
Buoron schien von der Frage abgestoßen zu sein. »Er ist einer meiner Kameraden. Ich werde nicht mit ihm kämpfen.«
»Oh.« Sie runzelte die Stirn, um dann wieder aufzuleben. »Kämpft ihr dann mit dem Zauberer?«
»Zauberer?« Der andere Ritter strich sich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht und sah auf das schlafende Bündel. »Er muß todmüde sein, wenn er das alles verschläft.«
»Frag mal die Nymphe«, erklärte Huma.
Ein Seufzer. Der Ritter hatte das wohl erwartet. »Warum?«
Die Nymphe schmollte wieder. »Ich mag ihn nicht. Er ist einer von den Träumern, die ich dir gezeigt habe.«
»Wirklich?« Buoron zeigte lebhaftes Interesse. »Welcher?«
»Der, der immer stirbt.«
Humas Augen verengten sich. Irgendwann während dieser Wanderungen hatte Magus verraten, daß sein Tod jetzt in seinen Träumen immer wiederkehrte. Das konnte die Nymphe doch nicht wissen. Oder doch? Sah sie wirklich die Träume von anderen?
»Laß ihn frei«, ordnete der Ritter an.
»Willst du nicht ein wenig zu mir kommen?« Ihre Absicht war unverkennbar. Buorons Gesicht wurde wieder rot.
»Nein. Verschwinde. Das hier ist wichtig.«
Die Wasserbewohnerin stemmte zwei zarte Hände in die Hüften und sah ihn wütend an. »Ich mag dich nicht mehr. Ich will nicht, daß du mich noch einmal besuchen kommst.«
Sie rannte ins Wasser und tauchte unter, als es tief genug war. Nichts wies darauf hin, daß sie kein Mensch war, außer der leicht grünlichen Tönung ihrer Haut und der bemerkenswerten Geschmeidigkeit ihrer Bewegungen. Huma fragte sich, wie sie wohl atmete.
Buoron meinte: »Sie meint es nicht so. Sie war schon ein dutzendmal wütend auf mich, und jedesmal vergiß sie es, bevor ich überhaupt Luft geholt habe. Ich glaube, das liegt in ihrer Natur, auch wenn ich nie eine andere ihrer Art gesehen habe.«
Huma blickte auf den schlafenden Magus hinunter. »Wird sie daran denken, ihr Opfer zu befreien?«
»Laß ihr ein paar Minuten Zeit. Sie kann den Zauber nicht mehr lange aufrechterhalten. Du kennst meinen Namen, Ordensbruder. Wie lautet deiner?«
Huma richtete sich auf. »Ich bin Huma, Ritter der Krone aus Burg Vingaard.«
»Vingaard!« Der Name kam heraus wie der Name Paladins selbst. »Sind sie doch noch durchgebrochen? Geht der Krieg endlich zu Ende?«
Huma schüttelte den Kopf und starrte auf den Boden. Rasch berichtete er, was passiert war, Buoron war wenig erfreut.
»Eines ihrer Spielzeuge«, sagte Buoron mit einem Nicken zum Wasser hin, »ist der Traumspiegel, ein uraltes Gerät. Sie schüttelt ihn und wartet, was für Träume sie sieht.« Der bärtige Ritter erschauerte. »Die Träume der Diener der Drachenkönigin sind schwärzer, als man es sich je vorstellen könnte.«
»Lebt sie schon immer hier?«
Buoron zuckte mit den Schultern. Er schien nicht gerne über die Nymphe zu reden. Seine Beziehung zu ihr – egal, was vor sich ging – war etwas, das die Ritterschaft nicht gutheißen würde. »Sie war schon hier, als ich ins Fort kam. Ihre Schätze sind unglaublich alt.« Er hielt inne. »Ich habe sie durch Zufall getroffen. Die anderen Ritter kommen nie hierher. Ich jagte einen Hirsch und hatte keine Lust, ihn zu verlieren. Wir haben im Fort selten gutes Fleisch. Aus unerfindlichen Gründen rannte der Hirsch genau hierher. Ich fiel vom Pferd, als es abrupt stehen blieb, und als ich wieder zu mir kam, sah ich ihr genau in die Augen.«
Huma las die Beschämung in den Zügen des anderen Ritters. »Keine Angst, Bruder. Ich werde niemandem von diesem See erzählen.«
Buoron zuckte mit den Schultern. »Sie wissen es mehr oder weniger. Ich habe aus meinem Kommen und Gehen kein Geheimnis gemacht, und ich habe kaum etwas anderes getan, als bei ihr zu sitzen. Eine Nymphe ist nicht wirklich. Ich möchte eigentlich etwas mehr.« Magus begann, sich zu regen. Der andere Ritter zeigte auf ihn. »Dein Zauberfreund wacht auf. Ich bezweifle, daß er es einfach so hinnehmen wird, so lange unter einem Bannzauber gelegen zu haben.«
Huma warf einen Blick auf ihn. Magus war noch nicht richtig wach, doch Huma mußte seine Entscheidung unverzüglich treffen. »Er braucht es nicht zu wissen.«
Der bärtige Ritter sagte nichts, doch in seinen Augen stand Dankbarkeit. Huma war klar, daß ihm mehr an der Nymphe lag, als er angedeutet hatte.