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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Eine Frage kam ihm in den Sinn, die er eigentlich nicht stellen wollte, doch eine Antwort wollte er schon haben. »Der Bürgermeister... « Er räusperte sich und atmete tief ein. »Der Bürgermeister sagte, der einzige Grund, warum vom Dorf noch etwas übriggeblieben ist, wärt Ihr und sie.« Er schaffte es, den Behüter anzusehen. »Wenn man Euch etwas über einen Mann im Wald gesagt hätte... einen Mann, der den Leuten Angst einjagt, wenn er sie nur ansieht... hätte Euch das gewarnt? Ein Mann, dessen Pferd lautlos einhergeht? Und der Wind berührt seinen Mantel nicht? Hättet Ihr dann gewußt, was geschehen würde? Hättet Ihr und Moiraine Sedai das Unglück verhindern können, wenn Ihr von ihm gewußt hättet?«

»Nicht ohne ein halbes Dutzend meiner Schwestern«, sagte Moiraine, und Rand fuhr hoch. Sie kniete immer noch am Bett, aber sie hatte die Hände von Tam genommen und sich halb umgedreht, um die beiden auf der Bank anzusehen. Ihre Stimme blieb leise, doch ihre Augen nagelten Rand an die Wand. »Wenn ich bei der Abreise von Tar Valon gewußt hätte, daß ich hier Trollocs und einen Myrddraal finden würde, hätte ich ein halbes Dutzend von ihnen mitgebracht — oder auch ein Dutzend, und wenn ich sie an den Haaren hätte herschleifen müssen. Was mich betrifft, hätte auch eine Warnung einen Monat vorher keinen Unterschied gemacht. Vielleicht. Ein einzelner Mensch kann eben nur soviel tun, selbst wenn man die Eine Macht zur Verfügung hat, und letzte Nacht haben sich in diesem Gebiet vielleicht mehr als hundert Trollocs herumgetrieben. Eine ganze Faust.«

»Es wäre trotzdem gut gewesen, es im voraus zu wissen«, sagte Lan scharf. Die Schärfe in seiner Stimme galt Rand. »Wo genau hast du ihn gesehen und wann?«

»Das spielt jetzt keine Rolle«, sagte Moiraine. »Ich möchte nicht, daß der Junge glaubt, er trage an etwas die Schuld, wenn das nicht der Fall ist. Es ist genausogut meine Schuld. Dieser verfluchte Rabe gestern mit seinem eigenartigen Verhalten hätte mich warnen sollen. Genau wie du, mein alter Freund.« Sie schnalzte ärgerlich mit der Zunge. »Ich war überheblich bis zum Hochmut und sicher, daß der Einfluß des Dunklen Königs nicht so weit reichen könne. Und auch nicht in diesem Maße. Noch nicht. So sicher war ich.«

Rand zwinkerte. »Der Rabe? Ich verstehe nicht.«

»Aasfresser.« Lans Mund verzog sich angeekelt. »Die Lakaien des Dunklen Königs finden oft Spione unter den Kreaturen, die sich vom Tod ernähren. Raben und Krähen zu meist. In den Städten sind es manchmal Ratten.«

Ein Schauer lief Rand den Rücken hinunter. Raben und Krähen als Spione des Dunklen Königs? Überall sah man zur Zeit Raben und Krähen. Der Einfluß des Dunklen Königs, hatte Moiraine gesagt. Der Dunkle König war immer da — das wußte er -, doch wenn man im Licht ging, sich bemühte, ein gutes Leben zu führen und ihn nicht beim Namen nannte, dann konnte er einem nichts tun. Das glaubten jedenfalls alle; jeder sog diese Lehre schon mit der Muttermilch ein. Aber Moiraine schien sagen zu wollen...

Sein Blick fiel auf Tam, und alle anderen Gedanken verschwanden aus seinem Kopf. Das Gesicht seines Vaters war viel weniger stark gerötet als zuvor, und die Atmung hörte sich beinahe normal an. Rand wäre aufgesprungen, hätte ihn Lan nicht am Arm festgehalten. »Ihr habt es geschafft!«

Moiraine schüttelte den Kopf und seufzte. »Noch nicht. So hoffe ich zumindest. Die Waffen der Trollocs werden in einem Tal namens Thakan'dar geschmiedet, am Hang des Shayol Ghul. Einige Waffen werden vom Bösen dieses Orts erfaßt; das Metall enthält etwas vom Bösen. Diese vergifteten Klingen schlagen Wunden, die ohne Hilfe nicht heilen, oder sie verursachen ein tödliches Fieber, fremdartige Krankheiten, die unsere Medizin nicht heilen kann. Ich habe die Schmerzen deines Vaters gestillt, aber das Gift des Bösen steckt immer noch in ihm. Wenn man sich nicht mehr um ihn kümmert, wird es schwellen und ihn verzehren.«

»Aber Ihr verlaßt ihn nicht!« Rands Worte waren halb Bitte und halb Befehl. Er war erschrocken, als er erkannte, daß er so zu einer Aes Sedai gesprochen hatte, doch sie schien seinen Tonfall nicht zu bemerken.

»Nein, das tue ich nicht«, stimmte sie zu. »Ich bin sehr müde, Rand, und ich hatte seit letzter Nacht keine Möglichkeit, mich auszuruhen. Normalerweise würde das keine Rolle spielen, doch bei einer solchen Verletzung... Dies hier«, — sie nahm ein kleines in weiße Seide gehülltes Bündel aus ihrer Tasche — »ist ein Angreal.« Sie sah seinen Gesichtsausdruck. »Du hast schon vom Angreal gehört. Gut.«

Unbewußt lehnte er sich zurück, weiter weg von ihr und dem Gegenstand, den sie in der Hand hielt. In ein paar der Geschichten kam ein Angreal vor, ein Überbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden, das von den Aes Sedai benutzt wurde, um ihre größten Taten zu vollbringen. Er war überrascht, als sie eine glatte Elfenbeinfigur auspackte, vom Alter dunklem Braun verfärbt. Sie war nicht länger als ihre Hand und stellte eine Frau in wehenden Gewändern dar, der langes Haar über die Schultern fiel.

»Wir haben vergessen, wie man sie herstellt«, sagte sie. »Soviel ist verlorengegangen und wird vielleicht nie wiedergefunden. Es gibt nur noch so wenige. Beinahe hätte der Amyrlin-Sitz mir nicht gestattet, dieses Stück mitzunehmen. Es war gut für Emondsfeld und für deinen Vater, daß man mir die Erlaubnis gegeben hat. Aber du darfst dich nicht von deiner Hoffnung beherrschen lassen. Heute kann ich damit nicht viel mehr erreichen, als ich gestern noch ohne Angreal erreicht hätte. Der Einfluß des Dunklen ist stark. Er hat Zeit gehabt, sich zu festigen.«

»Ihr könnt ihm helfen«, sagte Rand leidenschaftlich. »Ich weiß, daß Ihr es könnt.«

Moiraine lächelte. Nur ihre Lippen verzogen sich dabei ein wenig. »Wir werden sehen.« Dann wandte sie sich wieder Tam zu. Sie legte eine Hand auf seine Stirn, und in der anderen hielt sie die Elfenbeinfigur. Ihre Augen schlossen sich, und das Gesicht spannte sich in Konzentration. Sie schien kaum zu atmen.

»Der Reiter, von dem du erzählt hast«, sagte Lan leise, »der dir Angst eingejagt hat, das war sicher ein Myrddraal.«

»Ein Myrddraal!« rief Rand. »Aber die Blassen sind zwanzig Fuß groß und...« Die Worte erstarben unter dem erbarmungslosen Grinsen des Behüters.

»Manchmal, Schäfer, werden die Dinge in den Geschichten größer als in der Wirklichkeit. Glaub mir, die Wahrheit über die Halbmenschen ist groß genug. Halbmensch, Lurk, Blasser, Schattenmann — der Name hängt davon ab, in welchem Land man sich befindet, aber alle bedeuten Myrddraal. Die Blassen sind Abkömmlinge von Trollocs, die fast wieder wie die ursprünglichen Menschen wirken, die von den Schattenlords benützt wurden, um Trollocs zu züchten. Beinahe. Aber wenn auch die menschlichen Merkmale in ihnen stärker ausgeprägt sind, so ist es doch der Einfluß des Bösen, der die Trollocs zu Zerrbildern macht. Halbmenschen haben gewisse Kräfte, und zwar von der Art, wie sie vom Dunklen König ausgeht. Nur die schwächsten Aes Sedai unterlägen einem Blassen im Einzelkampf; doch mancher gute und treue Mann ist ihnen zum Opfer gefallen. Seit den Kriegen, die das Zeitalter der Legenden beendeten, seit die Verlorenen gebunden wurden, sind die Halbmenschen das Gehirn, das einer Trolloc-Faust sagt, wo sie zuschlagen soll. In den Tagen der Trolloc-Kriege haben Halbmenschen die Trollocs in die Schlacht geführt, unter dem Kommando der Schattenlords.«

»Er hat mir Angst eingejagt«, sagte Rand sehr leise. »Er hat mich nur angesehen, und... « Ihn schauderte.

»Du mußt dich deshalb nicht schämen, Schäfer. Mir jagen sie auch Angst ein. Ich habe Männer gesehen, die ihr ganzes Leben lang als Soldaten kämpften, und wenn sie einem Halbmensch gegenüberstanden, dann erstarrten sie wie ein Kaninchen vor der Schlange. Im Norden, im Grenzgebiet der Großen Fäule, gibt es ein Sprichwort: ›Der Blick der Augenlosen bedeutet Angst.‹«

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