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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Moiraine gab ein Glucksen von sich. »Verbreite keine solche Weltuntergangsstimmung, Lan! Wir haben Grund zum Feiern. Einen kleinen wohl nur, aber immerhin.« Sie nahm den Stock, um auf die Beine zu kommen. »Bring mich zu deinem Vater, Rand! Ich werde ihm helfen, so gut ich es vermag. Zu viele hier haben meine Hilfe von vornherein abgelehnt. Auch sie haben die Geschichten gehört«, fügte sie trocken hinzu.

»Er ist in der Schenke«, sagte Rand. »Hier entlang. Und ich danke Euch. Danke!«

Sie folgten, doch sein schneller Schritt holte rasch einen Vorsprung heraus. Ungeduldig verhielt er, damit sie aufholen konnten, und lief dann wieder voraus, so daß er erneut warten mußte.

»Bitte beeilt Euch!« spornte er sie an. Er war so davon besessen, Tam endlich Hilfe zu bringen, daß er die eigene Tollkühnheit nicht bemerkte: zu versuchen, eine Aes Sedai anzutreiben. »Das Fieber verzehrt ihn.«

Lan sah ihn zornig an. »Kannst du nicht sehen, wie müde sie ist? Selbst mit einem Angreal glich das, was sie letzte Nacht tat, dem Umherlaufen mit einem Sack voller Steine auf dem Rücken. Ich weiß nicht, ob du das wert bist, Schäfer, gleichgültig, was sie sagt.«

Rand schluckte und hielt den Mund.

»Nur ruhig, mein Freund«, sagte Moiraine. Ohne ihren Schritt zu verlangsamen, hob sie den Arm und klopfte dem Behüter auf die Schulter. Seine Gestalt ragte schützend über ihr auf, als könne er ihr durch seine Nähe allein Kraft verleihen. »Du denkst immer nur an mein Wohl. Warum sollte er nicht genauso in bezug auf seinen Vater denken?« Lan blickte finster drein, schwieg aber. »Ich komme, so schnell ich kann, Rand, das verspreche ich dir.«

Angesichts der Härte ihrer Augen und der Sanftheit ihrer Stimme wußte Rand nicht, was er ihr glauben konnte. Vielleicht paßte beides zusammen. Aes Sedai. Jetzt hatte er den Kopf in der Schlinge. Er paßte seinen Schritt dem ihren an und bemühte sich, nicht darüber nachzudenken, über welchen Preis sie später verhandeln würden.

8

Eine sichere Zuflucht

Noch während er durch die Tür trat, suchte Rands Blick seinen Vater — seinen Vater, ganz gleich, was irgend jemand behauptete. Tam hatte sich keine Handbreit bewegt. Seine Augen waren immer noch geschlossen, und sein Atem ging unregelmäßig, stoßweise und röchelnd. Der weißhaarige Gaukler brach seine Unterhaltung mit dem Bürgermeister ab, der sich gerade über das Bett beugte und nach Tam sah, und blickte Moiraine unsicher an. Die Aes Sedai achtete nicht auf ihn. Sie blickte nur auf Tam und sah ihn mit gerunzelter Stirn eindringlich an.

Thom steckte sich die kalte Pfeife zwischen die Zähne, zog sie aber schnell wieder heraus und sah sie böse an. »Der Mensch kann nicht einmal in Frieden rauchen«, murmelte er. »Ich werde mich mal vergewissern, ob nicht irgendein Bauer meinen Umhang stiehlt, um seine Kuh zu wärmen. Dort draußen kann ich wenigstens meine Pfeife rauchen.« Damit eilte er aus dem Zimmer.

Lan sah ihm nach, das kantige Gesicht so ausdruckslos wie ein Fels. »Ich mag diesen Mann nicht. Er hat etwas an sich, das mich mißtrauisch macht. Letzte Nacht habe ich ihn nirgends gesehen.«

»Er war da«, sagte Bran, der Moiraine ebenfalls unsicher beobachtete. »Er muß dagewesen sein. Sein Umhang ist nicht vom Kaminfeuer versengt worden.«

Rand war es gleich, wenn der Gaukler sich die Nacht über im Stall versteckt hatte. »Mein Vater?« wandte er sich bittend an Moiraine.

Bran öffnete den Mund, doch bevor er sprechen konnte, sagte Moiraine: »Laßt mich mit ihm allein, Meister al'Vere! Ihr könnt hier nichts tun, außer mir im Weg zu stehen.«

Bran zögerte ein Weilchen. Er war hin- und hergerissen zwischen dem Protest, sich in der eigenen Schenke herumkommandieren zu lassen, und der Angst, einer Aes Sedai den Gehorsam zu verweigern. Schließlich richtete er sich auf und schlug Rand auf die Schulter. »Komm mit, Junge! Lassen wir Moiraine Sedai ihre... äh... ihre... Du kannst mir unten bei einer Menge Sachen behilflich sein. Bevor du dich versiehst, ruft Tam nach seiner Pfeife und einem Krug Bier.«

»Kann ich bleiben?« fragte Rand, obwohl Moiraine nur Tam zu bemerken schien. Brans Hände verkrampften sich, doch Rand gab nicht auf. »Bitte! Ich werde Euch nicht im Weg stehen. Ihr werdet nicht einmal merken, daß ich da bin. Er ist mein Vater«, fügte er so flehentlich hinzu, daß es ihn selbst überraschte und sich die Augen des Bürgermeisters erstaunt weiteten.

»Ja, ja«, sagte Moiraine ungeduldig. Sie hatte ihren Umhang und Stock nachlässig auf den einzigen Stuhl im Zimmer geworfen und krempelte gerade die Ärmel ihres Kleids bis zu den Ellbogen hoch. Auch während sie mit anderen sprach, galt ihre ganze Aufmerksamkeit Tam. »Setz dich dort drüben hin. Du auch, Lan.« Sie zeigte fahrig in Richtung einer langen Bank, die an einer Wand stand. Sie musterte Tam langsam von Kopf bis Fuß, aber Rand hatte das eigenartige Gefühl, daß sie auf irgendeine Art durch ihn hindurchblickte. »Ihr könnt miteinander sprechen, wenn ihr wollt«, fuhr sie abwesend fort, »aber bitte leise. Jetzt geht bitte, Meister al'Vere. Dies ist ein Krankenzimmer und kein Versammlungsraum. Sorgt dafür, daß ich nicht gestört werde.«

Der Bürgermeister brummte ein wenig, allerdings nicht sonderlich laut, drückte nochmals Rands Schulter und schloß dann folgsam, wenn auch zögernd die Tür hinter sich. Die Aes Sedai murmelte leise vor sich hin, kniete sich vor das Bett und legte die Hände leicht auf Tams Brust. Sie schloß die Augen, bewegte sich längere Zeit nicht und gab auch keinen Laut von sich. In den Geschichten wurden die Taten der Aes Sedai immer von Blitzen und Donnerhall begleitet oder von anderen Anzeichen großer Tatkraft und Macht. Der Macht. Der Einen Macht aus der Wahren Quelle, die das Rad der Zeit antrieb. Das war kein Thema, über das Rand gern nachdachte — Tam im Einfluß der Einen Macht und er im gleichen Raum, wo sie angewandt wurde. Es war schon schlimm genug, sich im gleichen Dorf zu befinden. Soweit er es allerdings beurteilen konnte, konnte Moiraine durchaus eingeschlafen sein. Und doch glaubte er, daß Tams Atmung leichter klang. Sie mußte irgend etwas getan haben. Er konzentrierte sich ganz aufs Beobachten. Als Lan ihn leise ansprach, fuhr er zusammen. »Das ist eine schöne Waffe, die du da trägst. Könnte es sein, daß auf der Klinge ein Reiher zu sehen ist?«

Einen Augenblick lang starrte er den Behüter an und begriff nicht, wovon der sprach. Er hatte Tams Schwert in der Aufregung ganz vergessen. Es schien auch nicht mehr so schwer zu sein. »Ja, stimmt. Was tut sie?«

»Ich hätte nicht geglaubt, an einem Ort wie diesem ein mit dem Reiher gekennzeichnetes Schwert anzutreffen«, sagte Lan.

»Es gehört meinem Vater.« Er sah Lans Schwert an. Der Griff war gerade noch unter dem Umhang sichtbar. Die beiden Schwerter sahen sich recht ähnlich, auch wenn auf dem des Behüters kein Reiher sichtbar war. Er blickte wieder zum Bett hinüber. Tams Atmung klang wirklich leichter, und das Röcheln war nicht mehr zu hören. Da war er ganz sicher. »Er hat es vor langer Zeit gekauft.«

»Seltsam, daß ein Schäfer ein solches Schwert kauft.«

Rand erlaubte sich einen Seitenblick auf Lan. Wenn ein Fremder an einem Schwert solches Interesse zeigte, war das für ihn Schnüffelei. Wenn es aber ein Behüter war... Trotzdem fühlte er die Notwendigkeit einer Rechtfertigung. »Soviel ich weiß, hat er es niemals benutzt. Er sagte, es sei nutzlos. Jedenfalls bis letzte Nacht. Ich wußte bis dahin nicht einmal, daß er es besaß.«

»So, er nannte es also nutzlos. Er muß nicht immer dieser Meinung gewesen sein.« Lan berührte die Scheide an Rands Seite kurz mit einem Finger. »Es gibt Orte, wo der Reiher als Kennzeichen des herausragenden Schwertkämpfers gilt. Diese Klinge muß seltsame Wege gegangen sein, bis sie bei einem Schäfer von den Zwei Flüssen landete.«

Rand überhörte die unausgesprochene Frage. Moiraine hatte sich immer noch nicht bewegt. Tat die Aes Sedai wirklich etwas? Er schauderte und rieb sich die Arme, unschlüssig, ob er überhaupt wissen wollte, was sie tat. Eine Aes Sedai.

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