Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Lieber würde ich dem Zauberer seine liebste Marionette nehmen!« Die Kiefer schlossen sich um den Hals des Ritters.
Huma stieß seine Klinge fest in den Schreckenswolf. Die Klinge traf nur in die Seite, so daß der Stich wenig ernsten Schaden anrichtete, doch er warf das Biest von seiner Brust.
Der Schreckenswolf überschlug sich einmal und landete auf den Füßen. Die blutroten Augen leuchteten wild, und das Wesen fletschte haßerfüllt die Zähne. Huma erhob sein Schwert.
Plötzlich ging die Kreatur in Flammen auf. Von einem Augenblick auf den anderen stand es nicht mehr sprungbereit da, sondern wurde zum Feuerball. Huma sah verblüfft zu. Dann bemerkte er eine Gestalt, die aus den Ruinen eines einst großen Wirtshauses trat.
»Magus!«
Der Zauberer legte schnell einen Finger an die Lippen, um zu zeigen, daß sie leise sein mußten. Er war dünner und hatte viel von seiner Pracht eingebüßt. Der einst strahlendgoldene Glanz seiner Haare war einem armseligen Braun gewichen, und sie waren auch viel kürzer. Waren sie verbrannt? Magus trug auch etwas, worin Huma ihn seit den Anfangstagen seiner Ausbildung nicht mehr gesehen hatte – die karmesinrote Robe.
»Komm! Ich habe einen Verwirrungszauber über Fürst Avontals Leute gelegt, trotzdem werden sie bald heraushaben, welchen Weg du wirklich genommen hast!«
»Aber – « Huma wußte, daß es Wahnsinn war, seinem alten Freund wieder zu folgen, doch die einst so fest geschmiedeten Bande waren heute noch genauso stark.
»Komm!« wiederholte Magus drängend.
Huma folgte ihm.
Sie rannten mit erstaunlicher Geschwindigkeit durch die Stadt und kamen irgendwann auf der gegenüberliegenden Seite an den Südrand. Dort warteten zwei Pferde. Magus bedeutete dem Ritter, daß das stärkere für ihn war. Erst als sie längst losgeritten waren, redete Magus.
»Wir müssen eine Weile schnell reiten. Es gibt einen solamnischen Außenposten, an dem wir vorbei müssen.«
»Außenposten?« Da Huma die Gegend südlich von Solamnia wenig vertraut war, war diese Nachricht ein Schock für ihn. Ritter von Solamnia! In Ergod!
»Warst du das, der das Licht gezaubert hat?«
»Ja«, antwortete Magus. »Ich erkläre es dir morgen früh, wenn ich sicher bin, daß wir den Verfolgungstrupp abgeschüttelt haben, den der Ergodianer zweifellos inzwischen losgeschickt hat!«
Huma bremste sein Pferd ab. »Warum rennen wir vor Fürst Avontal davon?«
Die Augen des Zauberers blitzten. »Bist du blind? Glaubst du etwa, der Ergodianer hilft dir aus Herzensgüte?«
Huma zwang sich, nicht zurückzufauchen: Ja, ihm war der Mann vertrauenswürdig erschienen. Was war daran falsch?
»Du hast ihm erzählt, daß es etwas in den Bergen gibt, nicht wahr? Du hast ihm von dem Pfad erzählt!«
»Du spinnst, Magus. Ich weiß nichts von irgendeinem Pfad.«
Magus verzog das Gesicht, und Huma merkte, daß der Zauberer sich verplappert hatte. Der Magier riß sich jedoch zusammen und sagte: »Du hast ihm gesagt, daß in den Bergen im Südwesten etwas ist, das den Sieg über Takhisis bringen könnte. Er ist zuallererst mal ein Edelmann aus Ergod, Huma. Der ergodianische Adel ist für seine Bereitschaft bekannt, alles zu tun, was dem Zuwachs an Prestige und Macht dient. Überleg doch, was du ihm erzählt hast. Was für ein Schatz für ihn, wenn er das seinem Kaiser bringen könnte! Überleg doch, wie der Kaiser den Mann belohnen würde, dem es gelänge, Ansalon nach so langer Zeit den Frieden zu bringen. Ein ergodianischer Edelmann würde für etwas so Wertvolles wie das, was wir suchen, töten.«
Die Worte – oder vielleicht war es der Tonfall – wirkten wie hypnotisierend. Huma sagte sich immer wieder, daß Fürst Avontal ein guter Mann war. Aber würde seine Loyalität nicht eher seinem Kaiser gelten als einem umherziehenden Ritter? Er hatte Huma sicheres Geleit versprochen, aber nur wenn der Ritter erst mit ihm reisen würde. Huma schüttelte den Wahnsinn aus seinem Kopf. Er war sich nicht mehr darüber im klaren, was richtig oder falsch war. Er wollte nur noch diesen Berg finden, zu dem er gerade unterwegs war. Es schien unsinnig zu sein, jetzt wieder umzukehren.
Das bittere Lächeln, das über das abgekämpfte Gesicht des Magiers glitt, entging ihm.
Unter Magus’ Führung folgten sie einer verzwickten Route durch die Ebenen und Wälder südwestlich von Kargod.
Kurz vor der Morgendämmerung machten die beiden ernstlich halt. Magus entdeckte einen kleinen, weitgehend versteckt liegenden See, wo sie ihre Pferde zum Weiden anbanden. Der Zauberer legte sich kurz darauf schlafen, wiederum, ohne etwas zu erklären. Huma lehnte sich gegen einen Baum und starrte auf den stillen See hinaus. Er grübelte über den abtrünnigen Zauberer, der Huma jetzt genauso verfolgte wie Magus. Drakos.
Der Schreckenswolf war nur noch ein Aschehäufchen, so daß Galan Drakos zumindest gegenwärtig keinen Spion besaß und Huma und Magus gegenüber blind war. Da der Krieg ihn so sehr in Anspruch nahm, war der abtrünnige Zauberkundige gezwungen gewesen, sich allzusehr auf seine Spione zu verlassen. Huma vermutete, daß Drakos mindestens so viel über die Sache wußte, hinter der Magus her war, wie er selbst, vielleicht sogar mehr. Irgendwo, irgendwann würde es andere Spione geben – und Huma zweifelte nicht daran, daß Galan Drakos sich früher oder später von seinen sonstigen Aufgaben abwenden würde, um sowohl seinen Feinden als auch ihrer Mission persönlich ein Ende zu bereiten.
Huma nahm einen kleinen Kieselstein und warf ihn in die Mitte des Sees – nur um Zeuge zu werden, wie er zu ihm zurückgeflogen kam. Huma versuchte aufzustehen, doch seine Beine versagten. Wo war er diesmal reingeraten, fragte er sich verärgert.
Unerwartet tauchte ein Frauenkopf am Rande des Sees auf. Obwohl sie etwas grünlich war, war sie sehr hübsch. Die Augen waren schmale Schlitze, als wäre die Frau gerade erst aufgewacht. Sie hatte eine kleine Stupsnase und große, volle Lippen. Als sie aus dem Wasser stieg, sah Huma, daß sie schlank und langbeinig war, obwohl sie so klein war, daß sie ihm nicht einmal bis zu den Schultern reichte. Ihr einziges Kleidungsstück, ein dünner Umhang, klebte klatschnaß an ihr und betonte jede Rundung ihres Körpers. Eine Nymphe. Er hatte Geschichten über diese Wesen gehört. Sie stammten angeblich aus dem Zeitalter der Träume, aus dem es keine schriftlichen Überlieferungen gab. Ob sie eine eigene Rasse darstellten, war umstritten. Man bekam sie nur sehr selten zu Gesicht.
»Hallo, Menschlein.« Ihre Stimme war melodiös wie die eines kleinen Waldvogels. Sie lächelte, und Huma wurde rot. Doch trotz ihrer Schönheit drängte sich ein anderes weibliches Wesen, Gwyneth, in seine Gedanken. Es gelang ihm aufzustehen.
»Hallo.« Er brauchte etwas Zeit, um den Mut zu einer Erwiderung aufzubringen. Die Nymphe beunruhigte ihn ebensosehr, wie sie ihn anzog. Diese Wesen waren der Legende nach nicht nur verspielt, sondern auch tödlich. Viele Männer waren schon in den Untergang gelockt worden, wenn man den alten Erzählungen Glauben schenken wollte. Humas Hand strich über seinen Schwertknauf. Ihr Volk war magisch, und trotz seiner Freundschaft zu Magus teilte Huma in gewisser Hinsicht das Mißtrauen der Ritterschaft gegen Zauberei.
Huma sah neben sich herunter und stellte überrascht fest, daß Magus immer noch schlief. Huma hatte den Verdacht, daß sein Schlaf nicht länger natürlich war, und erschauerte.
Die Nymphe stieß ein überraschtes Lachen aus. »Ich dachte, du wärst jemand anders«, sagte sie. »Du gefällst mir aber auch.«
»Oh?« Er gab sich größte Mühe, beiläufig zu klingen, obwohl sein Herz und seine Gedanken sich überschlugen.
»Warum hast du mich für jemand anderen gehalten?« Wenn andere den See besuchten, wollte Huma nicht lange hierbleiben. Falls sie der Nymphe ähnelten, würde Huma wohl keine Chance haben, wenn es zu einer Auseinandersetzung käme. Seine Hand umfaßte unwillkürlich den Griff seiner Waffe.
»Du siehst aus wie Buoron. Das ganze Metall. Er kommt mich immer besuchen. Möchtest du mein Haus sehen?«