Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Oh.«
»Aber ich mußte dir nichts vormachen. Ich habe dir gezeigt, was ich wirklich gefühlt habe. Es war nicht so gut, Wie es einmal sein wird, aber es war gut. Du warst gut zu mir. Sehr sanft. Sehr freundlich. Sehr …«
»Liebevoll?«
»Wolltest du das sein?«
»Ja«, sagte er. »Das war mir am wichtigsten.«
»Ah«, sagte sie.
Doch dann wurde ihm klar, daß sie gar nicht ah gesagt hatte, sondern lediglich ein Geräusch über ihre Lippen gekommen war, ohne daß sie es eigentlich gewollt hatte. Und er sah in dem schwachen Licht, daß sie weinte, und ihm kam in den Sinn, daß er genau die richtigen Dinge zu ihr und sie genau die richtigen Dinge zu ihm gesagt hatte.
Und als er dem Schlaf entgegentrieb, ihr Körper neben dem seinen, ein Arm leicht auf ihrer Seite ruhend, da dachte er: Ich habe von der Frucht in Vaters Traum gekostet. Nicht, als wir kopuliert haben, nicht, als mein Körper zum erstenmal seinen Samen in den Körper einer Frau gab, sondern als ich ihr meine Furcht zeigte und meine Dankbarkeit und meine Liebe; und dann noch einmal, als sie mir ihre Gefühle offenbarte. Da haben wir beide nach oben gegriffen und den ersten Bissen dieser Frucht gekostet, und nun kenne ich das Geheimnis von Vaters Traum, das er selbst nicht verstanden hat — man kann von dieser Frucht niemals kosten, wenn man selbst nach ihr greift. Sondern nur, wenn man sie für jemand anderen von dem Baum pflückt, wie Schuja mir die Frucht gab und ich, obwohl ich es nie für möglich gehalten hätte, eine abpflückte und sie davon kosten ließ.
5
Das Gesicht des Hüters
Luet saß da und beobachtete die Paviane. Das Weibchen, das sie wegen einer bläulichen Narbe auf dem Rücken für Rubjet hielt, war brünstig, und Luet verfolgte interessiert, wie die Männchen sich um sie bewarben. Dem Männchen, das am wütendsten tobte, Jobar — der auch so viel Zeit im Lager der Menschen verbrachte —, gelang es dabei kaum, Rubjets Aufmerksamkeit zu erlangen. Ganz im Gegenteil, je aggressiver er wurde, desto weniger Fortschritte machte er. Er zeigte seine Wut, trampelte und schnaubte, fletschte die Zähne und teilte sogar Faustschläge aus, um ein Männchen einzuschüchtern, das Rubjet umwarb. Jedesmal gab das Männchen, das er gerade einschüchterte, ziemlich schnell auf und lief davon — doch während Jobar sein Opfer verfolgte, machten andere Männchen sich an Rubjet heran. Und wenn Jobar dann von seinem ›Sieg‹ zu Rubjet zurückkehrte, stellte er fest, daß sich schon wieder andere Männchen an sie herangemacht hatten, und das Spiel begann von neuem.
Schließlich wurde Jobar wirklich wütend und griff ein Männchen ernsthaft an, biß es und zerrte an ihm. Es war ein Männchen, dem Volemak den Namen Salo gegeben hatte, weil es sich einmal im ganzen Gesicht mit Fett verschmiert hatte, als es Nahrung aus dem Kochfeuer stahl. Salo unterwarf sich sofort und zeigte Jobar sein Hinterteil, doch Jobar war zu wütend, um die Unterwerfung zu akzeptieren. Die anderen Männchen sahen — vielleicht sogar amüsiert — zu, wie Jobar sein Opfer verprügelte und kniff.
Salo gelang es schließlich, sich zu befreien. Heulend und jaulend lief er vor Jobar davon, der, noch immer tobend, ihm mit wahnsinniger Geschwindigkeit folgte und auf ihn einprügelte, wann immer er in seiner Reichweite war.
Dann tat Salo etwas sehr Außergewöhnliches. Er lief direkt zu einer jungen Mutter namens Ploxy, die noch ein Junges säugte, mit dem Salo oft spielte, und riß das Baby Ploxy aus den Armen. Ploxy heulte einmal verärgert auf, doch das Baby machte sich nichts daraus und schien sogar Spaß an der wilden Jagd zu haben — bis der noch immer tobende Jobar kam und wieder auf Salo einschlug.
Diesmal kreischte das Baby in Salos Armen jedoch vor Angst auf, und nun sahen die anderen Männchen nicht mehr selbstgefällig zu, sondern wurden augenblicklich wütend. Ploxy kreischte ebenfalls und rief um Hilfe, und nach einem Augenblick hatte sich die gesamte Pavianschar um Jobar versammelt, schrie ihn an und schlug auf ihn ein. Verwirrt und verängstigt versuchte Jobar, das Baby Salo aus den Händen zu reißen; vielleicht dachte er, wenn er das Baby hielt, wären alle anderen auf seiner Seite, doch Luet war klar, daß dies nicht funktionieren würde. Natürlich schlugen die anderen in dem Augenblick, in dem er nach dem Baby griff, geradezu brutal auf ihn ein, sonderten ihn von der Gruppe ab und jagten ihn davon. Mehrere Männchen verfolgten ihn über eine beträchtliche Entfernung und blieben dann in der Nähe, um ihn im Auge zu halten und zu verhindern, daß er zurückkam. Luet fragte sich, ob dies das Ende von Jobars Versuch war, sich der Gruppe anzuschließen.
Dann sah sie sich nach Salo um. Sie vermutete ihn irgendwo in der Nähe von Ploxy und dem Baby — doch dort war er nicht, obwohl die meisten anderen sich dort aufhielten, schnatterten und auf und ab sprangen und auch noch auf andere Weise zeigten, wie wütend sie waren.
Salo hingegen war in einem Gebüsch flußaufwärts von der Hauptgruppe. Er hatte Rubjet von den anderen weggelockt und bestieg sie gerade. Auf ihrem Gesicht lag ein überaus komischer, resignierter Ausdruck, der manchmal einem so starken Vergnügen — oder einer Wut — wich, daß sie die Augen verdrehte. Luet fragte sich, ob menschliche Gesichter unter ähnlichen Umständen dieselben beängstigend gegensätzlichen Mienen zeigten … eine gewisse zerstreute Intensität, die Vergnügen, aber auch Verwirrung bedeuten konnte.
Auf jeden Fall hatte der aggressive Jobar eine vernichtende Niederlage erlitten — und vielleicht sogar seinen Platz im Stamm verloren. Und der nicht besonders große Salo hatte zwar das Scharmützel verloren, aber die Schlacht und den Krieg gewonnen.
All das, weil Salo einer Mutter ein Baby weggenommen hatte.
»Glücklicher Salo«, sagte Nafai. »Ich habe mich schon gefragt, wer das Herz der schönen Rubjet gewinnen würde.«
»Er hat es mit Blumen geschafft«, sagte Luet. »Ich wollte nicht so lange hier draußen bleiben.«
»Ich habe nicht nach dir gesucht, weil du gebraucht wirst«, sagte Nafai, »sondern weil ich bei dir sein wollte. Bis zum Abendessen habe ich sowieso nichts mehr zu tun. Ich habe heute morgen mein Wild erlegt und das blutige Ding nach Hause geschleppt, um es meiner Gefährtin vor die Füße zu legen. Aber die war damit beschäftigt, sich zu übergeben, und ich mußte auf meine übliche Belohnung verzichten.«
»Ist es nicht furchtbar, daß ausgerechnet mir ständig schlecht ist?« sagte Luet. »Huschidh hat einmal gerülpst, und damit war die Sache für sie erledigt. Und Kokor hat versucht, sich zu übergeben, bringt es aber einfach nicht zustande, und jetzt bekommt sie nicht das Mitgefühl, an dem ihr so viel liegt, und ich bekomme es, obwohl ich es gar nicht haben will.«
»Wer hätte gedacht, daß es bei dem ersten Baby der Kolonie zu einem Rennen zwischen dir, Huschidh und Kokor kommt.«
»Das ist doch nur gut für dich«, sagte Luet. »Dann kannst du dir ein Kleinkind schnappen, falls es Probleme geben sollte.«
Nafai hatte Salos Strategie nicht beobachtet, und daher wußte er nicht, was sie meinte.
»Salo hat sich Ploxys Baby gegriffen.«
»Ah ja, das machen sie manchmal«, sagte Nafai. »Schedemei hat es mir erzählt. Die Männchen, die vom Stamm voll akzeptiert werden, freunden sich mit einem oder zwei Säuglingen an, bis die Kleinen sie schließlich mögen. Bei einem Kampf packen sie sich dann das Kleine, das nicht schreit, wenn sein Freund es ergreift. Das andere Männchen ist nicht sein Freund, und wenn es das Kleine dann angreift, schreit das Baby, und der ganze Stamm fällt über den armen Trottel her.«