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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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»Oh«, sagte Luet. »Das war also Routine.«

»Ich habe es nie gesehen. Ich bin eifersüchtig, daß du es gesehen hast, ich aber nicht.«

»Und das ist der Lohn der Strategie«, sagte Luet und deutete auf Salo, der noch immer mit Rubjet zugange war.

»Und wo ist der Verlierer? Ich wette, ist war Jobar.« Luet zeigte bereits auf ihn, und natürlich war es Jobar, der sich verloren in einiger Entfernung herumtrieb, den Stamm zwar beobachtete, es aber nicht wagte, zu ihm zurückzukehren, weil zwei Männchen auf halber Strecke zwischen ihm und den anderen Wache hielten.

»Also freundest du dich lieber mit meinem Baby an«, sagte Luet. »Oder du wirst in unserem Stamm nie deinen Willen bekommen.«

Nafai legte die Hand auf Luets Bauch. »Es ist noch nicht größer geworden.«

»Das ist mir nur recht«, sagte Luet. »Also, weshalb bist du wirklich hierher gekommen?«

Er betrachtete sie konsterniert.

»Ich habe niemandem gesagt, daß ich die Paviane beobachten wollte, also konnte niemand wissen, daß ich hier bin«, sagte Luet. »Du hast mich also nicht gesucht, du wolltest allein sein.«

Er zuckte die Achseln. »Ich bin lieber bei dir.«

»Du bist so ungeduldig«, sagte Luet. »Die Überseele hat bereits gesagt, daß sie keine Eile hat — sie wird erst in einigen Jahren bei Vusadka für uns bereit sein.«

»Dieser Ort kann uns nicht ernähren«, sagte Nafai. »Es wird immer schwerer, Wild zu finden. Und wir sind diesem besiedelten Tal hinter den Bergen im Osten viel zu nah.«

»Auch darüber zerbrichst du dir nicht den Kopf«, sagte Luet. »Es macht dich verrückt, daß der Hüter der Erde dir keinen Traum geschickt hat.«

»Das stört mich überhaupt nicht«, sagte Nafai. »Mich stört nur, daß ihr mir das immer wieder unter die Nase reibt: daß ihr alle, du und Schuja und Vater und Muuzh und Durstig, diese Engel und Ratten gesehen habt, und ich nicht. Bedeutet das etwa, daß irgendein Computer, der um einen vielleicht hundert Lichtjahre entfernten Planeten kreist, mich irgendwie ein Jahrhundert vor meiner Geburt beurteilt hat und zum Schluß gekommen ist, ich sei nicht würdig, seine hübschen kleinen Zoo-Träume zu empfangen?«

»Du bist wirklich wütend«, sagte Luet.

»Ich will etwas tun, und wenn ich das schon nicht kann, dann will ich wenigstens etwas wissen«! rief Nafai. »Ich bin es leid, immer nur zu warten, und nichts geschieht. Es bringt mir auch nichts, mit dem Index zu arbeiten, weil Zdorab und Issib ihn ständig benutzen und viel vertrauter mit seiner Funktionsweise sind, als ich es bin …«

»Aber zu dir spricht er trotzdem deutlicher als zu allen anderen.«

»Er verrät mir zwar nichts, aber das mit großer Deutlichkeit. Einfach toll.«

»Und du bist ein guter Jäger. Das sagt sogar Elemak.«

»Das ist das einzige, wozu ich zu gebrauchen bin — etwas zu töten.«

Luet sah, wie der Schatten der Erinnerung an Gaballufix’ Tod über Nafais Gesicht glitt. »Wirst du dir das nie vergeben?«

»Doch. Sobald Gaballufix aus den Schlafhöhlen der Paviane kommt und mir erklärt, er habe seinen Tod nur vorgetäuscht.«

»Dir gefällt lediglich das Warten nicht«, sagte Luet. »Aber genauso ist es mit meiner Schwangerschaft. Ich hätte es gern hinter mir. Ich hätte gern das Baby. Aber es dauert seine Zeit, und so warte ich.«

»Du wartest, aber du spürst die Veränderung in dir.«

»Weil ich alles erbreche, was ich essen.«

»Nicht alles«, sagte Nafai, »und du weißt genau, was ich meine. Ich spüre keine Veränderungen, ich bin völlig überflüssig …«

»Ohne dich hätten wir weniger zu essen.«

»Na schön, du hast gewonnen. Ich bin wichtig, ohne mich kommt ihr nicht aus, ich habe furchtbar viel zu tun, also muß ich glücklich sein.« Er ging davon.

Sie überlegte, ob sie ihn zurückrufen sollte, aber das wäre sinnlos gewesen. Er wollte unglücklich sein, und wenn sie ihn aufzuheitern versuchte, würde sie ihm nur einen Strich durch die Rechnung machen. Tante Rasa hatte ihr erst vor ein paar Tagen gesagt, es könne nicht schaden, sich daran zu erinnern, daß Nafai noch immer nur ein Junge war und sie nicht damit rechnen dürfe, er würde sich für sie als reifer Mann, als Turm der Stärke erweisen. »Ihr wart beide zu jung, um zu heiraten«, hatte Rasa gesagt, »aber die Ereignisse haben uns überrollt. Es hat sich gezeigt, daß du der Herausforderung gewachsen bist — und mit der Zeit wird auch Njef an ihr wachsen.«

Aber Luet war sich gar nicht so sicher, daß sie irgendeiner Herausforderung gewachsen war. Sie hatte schreckliche Angst davor, hier draußen in der Wildnis, weit von den Ärzten der Stadt entfernt, ein Kind zu bekommen. Sie wußte nicht, ob sie in ein paar Monaten überhaupt noch etwas zu essen haben würden — alles hing von ihrem Garten und den Jägern ab, und in dieser Hinsicht taugten nur Elemak und Nafai etwas, wenngleich auch Obring und Vas gelegentlich mit Pulsatoren loszogen. Der Kolonie konnte jederzeit die Nahrung ausgehen, und sie, Luet, würde bald ein Baby bekommen. Und was, wenn alle sich dann plötzlich entschieden, weiterziehen zu müssen? Schon jetzt war ihr ständig schlecht, und wenn sie dann noch auf einem schwankenden Kamel reiten mußte … da würde sie lieber Kamelkäse essen.

Natürlich bewirkte der Gedanke an Kamelkäse, daß ihre Übelkeit zurückkehrte, und sie wußte, daß sie sich diesmal wohl übergeben mußte. Sie kniete wieder nieder. Langsam war sie der Qualen überdrüssig, die die scharfe Säure erzeugte, die von ihrem Magen in ihren Mund emporstieg. Ihr Hals schmerzte, ihr Kopf schmerzte, und sie war das alles so furchtbar leid.

Sie fühlte, daß Hände sie berührten, ihr Haar von ihrem Gesicht wegstrich, es hochhob und festhielt, damit kein Erbrochenes darauf gelangte. Sie wußte, daß es Nafai war, und wollte sich bedanken; gleichzeitig wollte sie, daß er ging, es war so erniedrigend und schrecklich und peinlich, sich übergeben zu müssen, während jemand zusah. Aber er war ihr Mann. Er gehörte zu ihr, und sie konnte ihn nicht wegschicken. Wollte ihn nicht einmal wegschicken.

Schließlich kam nichts mehr heraus.

»Nicht sehr wirksam«, sagte Nafai, »wenn wir von der Menge ausgehen.«

»Bitte halte die Klappe«, sagte Luet. »Ich will nicht aufgeheitert werden; ich will, daß mein Baby schon zehn Jahre alt ist, damit ich mich an diese ganze Sache als amüsantes Ereignis aus meiner schon lange zurückliegenden Kindheit erinnern kann.«

»Dein Wunsch sei dir gewährt«, sagte Nafai. »Das Baby ist da und zehn Jahre alt. Natürlich ist es ein unglaublich widerwärtiges und verzogenes Gör, genau wie du es mit zehn Jahren gewesen bist.«

»War ich nicht.«

»Du warst schon Wasserseherin, und wir alle wissen, daß du die Erwachsenen ständig herumkommandiert hast.«

»Ich habe ihnen gesagt, was ich gesehen habe, mehr nicht!« Dann merkte sie, daß er lachte. »Zieh mich nicht auf, Nafai. Ich weiß, daß es mir später leid tun würde, aber trotzdem verliere ich vielleicht die Beherrschung und bringe dich um.«

Er nahm sie in die Arme, und sie mußte den Kopf wegdrehen, damit er sie nicht küßte. »Nicht«, sagte sie. »Ich habe einen ganz schrecklichen Geschmack im Mund. Das wird dir bestimmt nicht gefallen.«

Also hielt er sie nur fest, und nach einer Weile fühlte sie sich besser.

»Ich denke die ganze Zeit über den Hüter der Erde nach«, sagte Nafai.

Das würde ich auch tun, wenn ich nicht immer an das Baby denken müßte, pflichtete Luet ihm stumm bei.

»Ich überlege, ob er vielleicht nicht nur einfach ein Computer ist«, sagte Nafai. »Daß er uns vielleicht nicht durch hundert Jahre alte Träume ruft, sondern uns vielleicht kennt und nur … nur auf etwas wartet, bevor er zu mir spricht.«

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