Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Was stimmte hier nicht? Bonnet war kein Feigling, und er war der geborene Kämpfer. Es war undenkbar, dass er die Männer an Land schickte und sich selbst im Hintergrund hielt. Roger sah sich erneut um und zählte die Köpfe, um den Überblick über die Männer zu behalten, doch als das Chaos jetzt rasch abebbte, blieb nur eine Schlussfolgerung. Stephen Bonnet war nicht hier.
Roger blieb keine Zeit, sich zu entscheiden, ob er über diese Entdeckung enttäuscht oder erleichtert war. Der Mann, der Chemodurow niedergeknüppelt hatte, wandte sich jetzt zu ihm um, und er erkannte David Anstruther, den Sheriff von Orange County. Anstruther erkannte ihn ebenfalls – er sah, wie sich die Augen des Mannes verengten –, schien aber nicht überrascht zu sein, ihn hier zu sehen.
Der Kampf – oder was noch davon übrig war – kam jetzt rasch zum Erliegen. Man hatte die vier Russinnen umzingelt, sie unter großem Gekreische und Gefluche in den größten Schuppen geschoben und dann den am Boden liegenden Chemodurow ebenfalls dorthin geschleift. Er hinterließ eine beunruhigende Blutspur auf den Brettern des Docks.
An diesem Punkt erschienen zwei gepflegte Hände auf der Kante des Docks, und ein hochgewachsener, eleganter, schlanker Mann zog sich aus dem Boot hinauf. Es bereitete Roger keine Schwierigkeiten, Mr. Lillywhite zu erkennen, einen der Magistraten von Orange County, auch wenn er seine Perücke und seinen flaschengrünen Rock nicht trug.
Lillywhite hatte sich für den heutigen Anlass in schlichtes, schwarzes Tuch gekleidet, doch sein Leinenhemd war so kostbar wie immer, und er trug das Schwert eines echten Herrn an seiner Seite. Er überquerte das Dock ohne große Eile und machte sich im Vorübergehen ein Bild von der Lage. Roger sah, wie er angesichts der Blutspur den Mund verkniff.
Lillywhite winkte dem Mann, der Roger festhielt, und endlich ließ der schmerzhafte Druck des Pistolenlaufes nach, so dass er tief Luft holen konnte.
»Mr. MacKenzie, nicht wahr?«, fragte Lillywhite freundlich. »Und wo ist Mr. Fraser?«
Er hatte diese Frage erwartet, und er hatte genug Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten.
»In Wilmington«, sagte er im selben, freundlichen Ton wie Lillywhite. »Ihr seid aber selbst weit in die Ferne geschweift, nicht wahr, Sir?«
Lillywhite verzog kurz die Nase, als röche er etwas Unangenehmes – was mit Sicherheit der Fall war, wenn Roger auch bezweifelte, dass der Schweinegestank daran schuld war, dass er so wenig erbaut war.
»Treibt keine Scherze mit mir, Sir«, sagte der Magistrat knapp.
»Würde mir im Traum nicht einfallen«, versicherte ihm Roger, ohne den Kerl mit der Muskete aus dem Auge zu lassen, der nicht übel Lust zu haben schien, ihm erneut auf die Pelle zu rücken. »Wenn wir aber schon solche Fragen stellen – wo ist Stephen Bonnet?«
Lillywhite lachte kurz auf, und eine Art frostiger Belustigung hielt Einzug in seine blassgrauen Augen.
»In Wilmington.«
Anstruther erschien an der Seite des Magistrats, verschwitzt und kompakt. Er nickte Roger mit einem hässlichen Grinsen zu.
»MacKenzie. Wie schön, Euch wieder zu sehen. Wo ist Euer Schwiegervater, und was noch wichtiger ist – wo ist der Whisky?«
Lillywhite sah den Sheriff stirnrunzelnd an.
»Ihr habt ihn nicht gefunden? Habt Ihr die Schuppen durchsucht?«
»Aye, wir haben überall nachgesehen. Da ist nichts außer Gerümpel.« Er stellte sich drohend auf die Zehenspitzen. »Nun, MacKenzie, wo habt Ihr ihn versteckt?«
»Ich habe gar nichts versteckt«, erwiderte Roger gleichmütig. »Es gibt keinen Whisky.« Allmählich entspannte er sich ein wenig. Wo auch immer Bonnet war, er war nicht hier. Er ging zwar nicht davon aus, dass sie über die Entdeckung, dass der Whisky eine Finte war, erfreut sein würden, aber …
Der Sheriff versetzte ihm einen Boxhieb in die Magengrube. Er klappte zusammen, ihm wurde schwarz vor Augen, und er versuchte vergeblich zu atmen und bekämpfte die plötzliche Panik, als er seine Erhängung erneut durchlebte, die Schwärze, die Atemnot …
An den Rändern seines Blickfeldes erschienen leuchtende, schwebende Flecken, und er holte keuchend Luft. Er saß mit gespreizten Beinen auf dem Dock, und der Sheriff hielt eine Hand voll seiner Haare umklammert.
»Versucht es noch einmal«, wies Anstruther ihn an und schüttelte ihn grob an den Haaren. Der Schmerz war eher ärgerlich als unangenehm, und er holte mit der Faust aus und traf den Sheriff mit voller Wucht am Oberschenkel. Der Mann jaulte auf, ließ ihn los und hüpfte rückwärts.
»Habt Ihr auf dem anderen Boot nachgesehen?«, fragte Lillywhite, ohne die missliche Lage des Sheriffs zu beachten. Anstruther funkelte Roger an und rieb sich den Oberschenkel, antwortete aber mit einem Kopfschütteln.
»Da war nichts außer Schweinen und Mädchen. Und wo in Dreiteufelsnamen kommen die her?«, wollte er wissen.
»Aus Russland.« Roger hustete, biss die Zähne gegen die daraus resultierende Schmerzattacke zusammen und rappelte sich langsam auf. Dabei hielt er sich den Arm vor die Körpermitte, um zu verhindern, dass seine Eingeweide herausquollen. Der Sheriff ballte voller Vorfreude die Faust, doch Lillywhite gebot ihm mit einer Geste Einhalt. Er sah Roger ungläubig an.
»Russland? Und was haben sie mit dieser ganzen Angelegenheit zu tun?«
»Soweit ich weiß, nichts. Sie sind kurz nach mir hier angekommen.«
Der Magistrat grunzte und machte ein unzufriedenes Gesicht. Er runzelte nachdenklich die Stirn, dann beschloss er, es auf einem anderen Kurs zu versuchen.
»Fraser hatte eine Absprache mit Milford Lyon. Ich habe nun Mr. Lyons Seite der Vereinbarung übernommen. Es entspricht also ganz den Regeln, wenn Ihr mir den Whisky übergebt«, sagte er und versuchte jetzt, eine sehr viel geschäftsmäßigere Höflichkeit in seine Stimme einfließen zu lassen.
»Mr. Fraser ist anderweitige Verpflichtungen eingegangen«, erwiderte Roger mit derselben Höflichkeit. »Er hat mich geschickt, um Mr. Lyon dies mitzuteilen.«
Das schien Lillywhite aus dem Konzept zu bringen. Er spitzte die Lippen und zog sie dann zwischen seine Zähne. Dabei starrte er Roger unverwandt an, wie um abzuschätzen, ob er die Wahrheit sprach. Roger erwiderte seinen Blick mit ausdrucksloser Miene und hoffte nur, dass Jamie jetzt nicht im ungünstigen Moment zurückkam und seine Geschichte ad absurdum führte.
»Wie seid Ihr hierhergekommen?«, fragte Lillywhite abrupt. »Wenn Ihr nicht mit diesem Boot gekommen seid?«
»Ich bin auf dem Landweg aus Edenton gekommen.« Während er Duff im Stillen für diese Information dankte, wies er beiläufig hinter sich. »Dahinten ist eine mit Muscheln gedeckte Straße.«
Die beiden Männer starrten ihn an, doch er ließ sich nicht einschüchtern und starrte zurück.
»Irgendetwas riecht hier faul, und es ist nicht die Marsch.« Anstruther untermalte seine Worte mit einem lauten Schnüffeln, dann hustete er und schnaubte verächtlich. »Pfui! Was für ein Gestank.«
Lillywhite beachtete ihn nicht, sondern fuhr fort, Roger mit zusammengekniffenem Auge anzustarren.
»Ich glaube, ich muss Euch noch ein wenig länger zur Last fallen, Mr. MacKenzie«, sagte er und wandte sich an den Sheriff. »Steckt ihn zu den Russen – falls es wirklich Russen sind.«
Anstruther nahm sich dieses Auftrags mit Feuereifer an und stieß Roger die Mündung seiner Muskete in den Hintern, während er ihn auf den Schuppen zuschubste, in dem die Russen gefangen saßen. Roger biss die Zähne zusammen und ignorierte ihn. Er fragte sich, wie hoch der Sheriff wohl zurückprallen würde, wenn man ihn packte und mit aller Kraft auf die Planken des Docks knallte.
Die Russen hatten sich in einer Ecke des Schuppens umeinandergeschart, wo sich die Frauen tröstend um ihren verwundeten Gatten und Vater kümmerten, doch bei Rogers Eintreten blickten sie auf, und ein Gewirr unverständlicher Begrüßungen und Fragen setzte ein. Er lächelte ihnen so zuversichtlich wie möglich zu und brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen, um sein Ohr an die Wand des Schuppens zu drücken und zu hören, was Lillywhite und Konsorten jetzt vorhatten.