Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Roger bemerkte, dass er den Atem angehalten hatte. Er atmete aus und holte tief und langsam Luft. Er roch Salz und Kiefern und den schwachen Gestank toter Schalentiere. Bald also – oder erst nach Anbruch der Dunkelheit oder in der Morgendämmerung des nächsten Tages. Er hoffte, dass es bald sein würde – und hoffte es doch gleichzeitig auch wieder nicht.
Das Boot glitt dicht an den Steg heran, und Duff stieß mit einem Ruder an einen der mit Entenmuscheln verkrusteten Pfeiler und ließ das Boot gekonnt parallel zum Steg schwingen. Jamie zog sich eilig zum Dock hoch, denn er konnte es kaum abwarten, festen Boden unter die Füße zu bekommen. Roger reichte ihm die Schwerter und das kleine Bündel hinauf, das ihre Wasserflaschen und ihr zusätzliches Schießpulver enthielt, dann folgte er ihm. Er kniete auf dem Dock, alle Sinne hellwach auf das geringste Geräusch eines Menschen ausgerichtet, doch er hörte nichts als die trällernden Gesänge der Amseln in der Marsch und die Rufe der Möwen über der Meerenge.
Jamie kramte in seinem Beutel herum und brachte eine kleine Börse zum Vorschein, die er Duff mit einem Kopfnicken zuwarf. Jedes weitere Wort war überflüssig; dies war eine Anzahlung. Der Rest der Bezahlung würde erfolgen, wenn Duff in zwei Tagen zurückkehrte, um sie abzuholen.
Jamie hatte ihre Fahrt erst im letzten Augenblick arrangiert und war damit sichergegangen, dass Bonnet zumindest so lange unerreichbar war, bis die Begegnung – der Hinterhalt – stattgefunden hatte. Falls das Unternehmen erfolgreich verlief, würde Jamie den Rest der vereinbarten Summe bezahlen; falls nicht – würde Claire bezahlen.
Claires Gesicht erschien plötzlich vor seinem inneren Auge, bleich und verkrampft, während sie mit verkniffenen Lippen nickte, als Jamie Duff die Bedingungen erklärte. Dann waren ihre Augen zu Duff hinübergehuscht, gelb, scharf und rücksichtslos wie die eines Falken, der im Begriff ist, seinen Schnabel in die Eingeweide einer Ratte zu senken, und er hatte gesehen, wie die angedeutete Drohung Duff zusammenzucken ließ. Er lächelte insgeheim, als er daran dachte. Wenn Freundschaft und Geld nicht ausreichten, um Duff den Mund zu versiegeln, reichte ja vielleicht die Angst vor der Weißen Frau.
Schweigend standen sie zusammen auf dem Dock und sahen zu, wie sich das Boot langsam entfernte. Der Knoten in seinem Magen verhärtete sich. Er hätte gern gebetet, vermochte es jedoch nicht. Er konnte für das, was er jetzt vorhatte, keine Hilfe erbitten – weder von Gott noch von dessen Erzengel Michael; weder vom Reverend noch von seinen Eltern. Nur von Jamie Fraser.
Er fragte sich dann und wann, wie viele Menschen Fraser schon umgebracht hatte – falls er sie zählte. Falls er es wusste. Es war natürlich etwas anderes, ob man einen Mann in der Schlacht oder in Notwehr umbrachte oder sich mit kaltblütigen Mordplänen auf die Lauer legte. Dennoch, Fraser würde die Tat, die sie vorhatten, bestimmt leichter fallen.
Er musterte Fraser und merkte, wie er das Boot beobachtete, das sich jetzt entfernte. Er stand reglos wie eine Steinsäule da, und Roger sah, dass seine Augen etwas im Blick hatten, das sich weit jenseits des Bootes befand, jenseits von Himmel und Wasser – etwas Böses fixiert hatten, ohne mit der Wimper zu zucken. Fraser holte tief Luft und schluckte krampfhaft. Nein, es würde ihm nicht leichter fallen.
Irgendwie tröstete ihn das.
Sie erkundeten die Schuppen kurz, fanden aber nichts als verstreutes Gerümpeclass="underline" zerbrochene Kisten, verschimmelte Strohhaufen, ein paar abgenagte Knochen, die die Hunde oder die Sklaven zurückgelassen hatten. Ein oder zwei Schuppen hatten offenbar schon einmal als Unterkünfte gedient, jedoch nicht in letzter Zeit. Irgendein Tier hatte an der Wand eines Schuppens ein großes, unordentliches Nest gebaut; als Jamie mit einem Stock hineinstieß, kam ein fettes, graues, nagerähnliches Tier herausgeschossen und stürzte sich mit einem erschreckend lauten Platschen vom Dock ins Wasser.
Sie bezogen im größten der Schuppen, der direkt auf dem Dock stand, Quartier und ließen sich dort nieder, um zu warten. Mehr oder weniger.
Der Plan war schlicht und ergreifend, nämlich Bonnet im Augenblick seines Auftauchens zu erschießen. Es sei denn, es regnete, in welchem Fall es unumgänglich sein würde, sich ihrer Schwerter oder Messer zu bedienen. Wenn man es einfach so herunterbetete, klang es nach einer simplen und direkten Vorgehensweise. Rogers Phantasie war jedoch nicht in der Lage, es dabei zu belassen.
»Du kannst ruhig herumlaufen, wenn du willst«, sagte Jamie, nachdem er eine Viertelstunde zugesehen hatte, wie Roger herumzappelte. »Wir werden ihn schon kommen hören.« Jamie selbst saß seelenruhig da wie ein Frosch auf einem Lilienblatt und überprüfte systematisch das Waffenarsenal, das vor ihm ausgebreitet lag.
»Mmpfm. Was, wenn er nicht allein kommt?«
Jamie zuckte mit den Achseln, den Blick auf den Zündmechanismus der Pistole in seiner Hand gerichtet. Er schüttelte sie, um sicher zu gehen, dass nichts verrutschte, dann legte er die Waffe hin.
»Dann kommt er eben nicht allein. Wenn er Männer bei sich hat, müssen wir ihn von ihnen trennen. Ich werde ihn unter dem Vorwand, ihn unter vier Augen sprechen zu wollen, in einen der kleinen Schuppen locken und dort kurzen Prozess mit ihm machen. Du siehst zu, dass uns niemand folgt; ich werde nicht mehr als eine Minute brauchen.«
»Oh, aye? Und dann kommst du herausspaziert und teilst seinen Männern mit, dass du ihren Kapitän erledigt hast, und dann?«, wollte Roger wissen.
Jamie rieb sich mit der Hand über den Nasenrücken und zuckte erneut mit den Achseln.
»Dann ist er tot. Meinst du, er ist der Typ, der seine Männer zu solcher Loyalität treibt, dass sie versuchen, ihn zu rächen?«
»Nun ja … nein«, sagte Roger. »Wohl eher nicht.« Bonnet war der Typ, der seine Männer dazu trieb, hart zu arbeiten, doch sie arbeiteten aus Angst und aus Hoffnung auf Profit, nicht aus Liebe.
»Ich habe eine ganze Menge über Mr. Bonnet herausgefunden«, bemerkte Jamie und ließ die Pistole los. »Er hat reguläre Geschäftspartner, ja, aber er hat keine richtigen Freunde. Er segelt nicht immer mit demselben Maat oder derselben Mannschaft – wie es die Seekapitäne oft tun, wenn sie Männer finden, mit denen sie sich gut verstehen. Bonnet würfelt seine Besatzungen nach Gutdünken zusammen, und er wählt sie nach ihrer Körperkraft oder ihrem Können aus – nicht, weil sie ihm sympathisch sind. Daher würde ich auch nicht davon ausgehen, bei ihnen auf große Sympathie für ihn zu stoßen.«
Roger nickte, um den Wahrheitsgehalt dieser Beobachtung zu bestätigen. Bonnet hatte die Gloriana mit eiserner Hand geführt, doch es hatte keinerlei Kameradschaftsgeist gegeben, nicht einmal zwischen ihm und seinen Maaten oder seinem Bootsmann. Und es stimmte, was Jamie sagte; alles, was sie herausgefunden hatten, deutete darauf hin, dass Bonnet sich seine Helfershelfer nach Bedarf aussuchte; falls er jemanden zu diesem Stelldichein mitbrachte, würde es kaum ein treu ergebener Leutnant oder Seemann sein – sondern wahrscheinlich eher eine Hand voll Matrosen, die er an den Docks aufgelesen hatte.
»Nun gut. Aber falls – wenn – wir ihn umbringen, werden seine Begleiter –«
»Sich neue Arbeit suchen müssen«, fiel Jamie ihm ins Wort. »Nein, so lange wir Acht geben, nicht auf sie zu feuern, und ihnen keinen Grund zu der Annahme zu geben, dass wir eine Bedrohung für sie darstellen, glaube ich nicht, dass sie sich Bonnets wegen großartig den Kopf zerbrechen werden. Trotzdem –« Er ergriff sein Schwert und ließ es mit einem leichten Stirnrunzeln aus der Scheide und wieder hineingleiten, um sicherzugehen, dass es sich gut bewegen ließ.