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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Wylie funkelte erst Jamie an, dann warf er einen argwöhnischen Blick auf Roger, der halb nackt, triefend nass und mit blutdurchtränktem Schlamm verschmiert im Schutz des Waldes stand.

»Er hat Recht«, krächzte Roger, dann hustete er, räusperte sich und wiederholte seine Worte noch einmal mit mehr Nachdruck. »Er hat Recht; wir haben nicht viel Zeit.«

Wylie presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen und atmete heftig durch die Nase aus. Er sah sich nach seinen Sklaven um, als wollte er sie zählen; ein halbes Dutzend Männer, die mit stabilen Knüppeln bewaffnet waren. Einer oder zwei trugen Bambusmesser in ihren Gürteln. Wylie nickte und fällte seinen Entschluss.

»Nun, dann kommt.«

Um das verräterische Knirschen der Straße zu vermeiden, gingen sie quer durch die Marsch, so dass sie nur langsam, aber dennoch stetig vorwärtskamen.

»Warum Schweine?«, hörte er Jamie, der gemeinsam mit Wylie der Gruppe voranging, neugierig fragen.

»Nicht Schweine«, erwiderte Wylie. »Russische Wildschweine. Für die Jagd.« Er sprach ausgesprochen stolzerfüllt und schob dabei mit seinem Stock das Gras beiseite. »Jeder sagt, dass das russische Wildschwein der wildeste und gerissenste Gegner unter allen wilden Tieren ist. Ich habe vor, sie auf meinem Besitz im Wald frei zu lassen, so dass sie sich vermehren können.«

»Ihr wollt sie jagen?« Jamies Stimme klang ungläubig. »Habt Ihr denn schon einmal Wildschweine gejagt?«

Roger sah, wie sich Wylies Schultern bei dieser Frage unter dem feuchten Hemd anspannten. Der Regen hatte zwar nachgelassen, jedoch nicht aufgehört.

»Nein«, sagte er. »Noch nicht. Ihr denn?«

»Ja«, sagte Jamie, war jedoch so klug, seine Antwort nicht weiter auszuführen.

Als sie sich der Landestelle näherten, fiel Roger eine Bewegung ins Auge. Das kleinere Boot war im Begriff davonzufahren.

»Sie haben die Suche nach mir und dem Whisky aufgegeben und ihre Männer weggeschickt.« Jamie wischte sich mit der Hand über das Gesicht, um den Regen abzustreifen. »Was sagt Ihr, Wylie? Wir haben keine Zeit zu verlieren. Die Russen sind in dem großen Schuppen auf dem Dock.«

Wenn er sich einmal entschlossen hatte, machte Wylie nicht viel Federlesens.

»Stürmt das Dock«, sagte er knapp.

Er winkte mit der Hand, um seine Sklaven anzuweisen, ihm zu folgen, und hielt dann im Laufschritt auf die Anlegestelle zu. Der ganze Trupp schwenkte auf die Muschelstraße ein und donnerte mit dem Lärm einer Lawine auf das Dock zu. Wenn das Lillywhites und Anstruthers Mordpläne nicht erschütterte, dachte Roger. Es hörte sich an, als sei eine Armee im Anmarsch.

Roger, der barfuss war, hielt sich weiter an den marschigen Boden und kam demzufolge langsamer voran als der Rest. Er sah ein erschrockenes Gesicht zwischen den Schuppen hervorlugen und hastig wieder verschwinden.

Jamie sah es ebenfalls und stieß einen seiner wilden Highlandschreie aus. Wylie fuhr erschrocken zusammen, fiel dann jedoch mit Gebrüll ein. »Raus da, ihr Mistkerle!« Dadurch ermuntert, stimmten die Neger ein allgemeines Geschrei und Gebrüll an und schwenkten begeistert ihre Knüppel, während sie auf das Dock zustürmten.

Es war wie eine kalte Dusche, auf dem Landesteg anzukommen und niemanden dort vorzufinden außer den gefangenen Russen, die Philip Wylie beinahe enthauptet hätten, als er unklugerweise die Tür aufstieß, ohne sich vorher anzukündigen.

Eine kurze Durchsuchung des russischen Schiffs und des umliegenden Marschlandes brachte keine Spur von Lillywhite oder Anstruther zutage.

»Wahrscheinlich weggeschwommen«, sagte einer der Neger, als er von der Suche zurückkehrte. Er wies kopfnickend über den Kanal hinweg auf das Gewirr der Sandbänke und befühlte seinen Speer. »Jagen wir sie?« Es war der Mann, der Roger entdeckt hatte und offensichtlich immer noch darauf brannte, sein Glück zu versuchen.

»Sie sind nicht geschwommen«, sagte Wylie knapp. Er wies mit einer Geste auf den kleinen Strand neben der Landestelle, eine leere, mit Austernschalen übersäte Fläche. »Sie haben mein Boot genommen, die Schufte.«

Er wandte sich angewidert ab und begann, Befehle zum Ausladen und Einpferchen der russischen Wildschweine zu erteilen. Man hatte Chemodurow und seine Familie bereits zum Plantagenhaus gebracht. Beim Abmarsch hatten die Mädchen abwechselnd erstaunt auf die schwarzen Sklaven und schüchtern auf Roger geblickt, der zwar sein Hemd und seine Schuhe wieder an sich genommen hatte, dem die Hose jedoch immer noch am Körper klebte.

Einer der Sklaven kam mit einem Arm voll abgelegter Waffen aus dem Schuppen, was Wylie kurzfristig an seine Pflichten als Gastgeber erinnerte.

»Ich bin Euch zu Dank für Eure Hilfe bei der Rettung meines Eigentums verpflichtet, Sir«, sagte er zu Jamie. Er verbeugte sich steif. »Wollt Ihr mir nicht erlauben, Euch und Mr. MacKenzie meine Gastfreundschaft anzubieten?« Roger registrierte, dass er nicht besonders begeistert klang, aber immerhin hatte er es angeboten.

»Ich bin Euch zu Dank für Eure Hilfe bei der Rettung unseres Lebens verpflichtet«, sagte Jamie nicht minder steif und verbeugte sich ebenfalls. »Und ich danke Euch, aber –«

»Mit dem größten Vergnügen«, unterbrach ihn Roger. »Danke.« Er schüttelte Wylie fest die Hand, was diesen sehr überraschte, und packte Jamie am Arm, um ihn auf die Muschelstraße zuzusteuern, bevor er protestieren konnte. Es gab sicher Zeiten und Orte, an denen man auf dem hohen Ross sitzen konnte, aber nicht jetzt.

»Du brauchst dem Mann ja nicht den Arsch zu küssen«, sagte er als Antwort auf Jamies Murren, als sie auf den Wald zuschritten. »Sein Butler kann uns ein trockenes Handtuch und etwas zu essen geben, und dann sind wir weg, während er noch mit seinen Schweinen zugange ist. Ich habe nicht gefrühstückt, und du auch nicht. Und wenn wir nach Edenton zurücklaufen müssen, mache ich das nicht mit leerem Magen.«

Die Erwähnung von etwas Essbarem schien Jamies Gleichmut weitgehend wiederherzustellen, und als sie den ansatzhaften Schutz des Waldes erreichten, war zwischen ihnen eine beinahe überschwängliche Fröhlichkeit aufgekommen. Roger fragte sich, ob dies das Gefühl war, das man nach einer Schlacht empfand; die schiere Erleichterung, sich lebendig und unverletzt wiederzufinden, war so groß, dass man Lust bekam zu lachen und herumzublödeln, nur um zu beweisen, dass man es noch konnte.

In unausgesprochenem Einverständnis hoben sie sich jede Diskussion der jüngsten Ereignisse – und jede Spekulation über Stephen Bonnets gegenwärtigen Aufenthaltsort – für später auf.

»Russische Wildschweine, du meine Güte«, sagte Jamie und schüttelte sich wie ein Hund, als sie im Schutz der Bäume stehen blieben. »Dabei bezweifle ich, dass der Mann im Leben schon einmal ein Wildschwein gesehen hat! Man sollte doch meinen, dass er billigere Mittel und Wege kennt, sich umzubringen.«

»Aye, was glaubst du wohl, was ihn das gekostet hat? Wahrscheinlich mehr Geld, als wir in zehn Jahren zu sehen bekommen, nur um eine Ladung Schweine … wie weit, sechstausend Meilen zu transportieren?« Von der bloßen Vorstellung verblüfft, schüttelte er den Kopf.

»Nun, um fair zu sein, es sind mehr als nur Schweine«, sagte Jamie nachsichtig. »Hast du sie nicht gesehen?«

Roger hatte sie gesehen, allerdings nur kurz. Die Sklaven hatten gerade eines der Tiere über das Dock getrieben, als er mit seinen Kleidern aus dem Schuppen kam. Es war groß und borstig mit langen, gelben Zähnen, die ziemlich gemein aussahen.

Doch es war von der langen Seereise ausgemergelt, man konnte seine Rippen zählen, und sein borstiges Fell war zur Hälfte kahl gescheuert. Offenbar hatte es sich noch nicht an den festen Boden gewöhnt, denn es stolperte und schwankte mit rollenden Augen wie betrunken auf seinen lächerlich kleinen Hufen herum und grunzte panisch, als die Sklaven es anschrien und mit ihren Stöcken anstießen. Es hatte Roger ziemlich leidgetan.

»Oh, sie sind ganz schön groß, aye«, sagte er. »Und wenn sie wieder etwas auf den Rippen haben, sind sie bestimmt ein imposanter Anblick. Ich frage mich allerdings, wie es ihnen hier gefallen wird – nach Russland?« Er wies mit einer Handbewegung auf den nassen, stoppeligen Wald ringsum. Die Luft war regenfeucht, doch die Bäume fingen den größten Teil des Niederschlags ab, so dass es unter dem niedrigen Dach aus Krüppeleichen und klapprigen Kiefern dunkel war und nach Harz duftete. Auf dem Sandboden knirschten Zweige und Eichelhütchen angenehm unter ihren Füßen.

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