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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Er hatte gehofft, dass sie ihm seine Geschichte einfach abnehmen und wieder gehen würden – und es war immer noch möglich, dass sie das taten, wenn sie sich davon überzeugt hatten, dass tatsächlich kein Whisky in der Nähe des Anlegers versteckt war. Doch ihm war auch noch eine andere Möglichkeit in den Sinn gekommen, und diese machte ihn zunehmend nervös.

Das Verhalten der Männer machte es hinreichend deutlich, dass sie die Absicht gehabt hatten, den Whisky mit Gewalt an sich zu bringen – wenn es welchen gegeben hätte. Und die Art, wie Lillywhite sich im Hintergrund gehalten hatte, sich versteckt hatte … natürlich ging es nicht an, dass ein Distriktsmagistrat dabei ertappt wurde, dass er Verbindungen zu Schmugglern und Piraten unterhielt.

Da es aber nun einmal keinen Whisky gab, konnte Roger Lillywhite auch keinen Fehler vorwerfen – natürlich war es illegal, mit Schmuggelware zu handeln, doch derartige Geschäfte waren an der Küste so häufig, dass das bloße Gerücht Lillywhites Ruf in seinem im Landesinneren gelegenen Distrikt kaum schaden konnte. Andererseits war Roger allein – zumindest dachte Lillywhite das.

Es gab eindeutig eine Verbindung zwischen Lillywhite und Stephen Bonnet – und wenn Roger und Jamie Fraser anfingen, Fragen zu stellen, war es sehr wahrscheinlich, dass diese Verbindung ans Licht kommen würde. Waren Lillywhites Machenschaften so gefährlich, dass er Roger umbringen würde, um ihn am Reden zu hindern? Er hatte das unangenehme Gefühl, dass es gut möglich war, dass Lillywhite und Anstruther zu genau diesem Schluss kamen.

Sie konnten ihn einfach in das Marschland führen, ihn umbringen und seine Leiche versenken, um dann zu ihren Begleitern zurückzukehren und zu verkünden, dass er nach Edenton zurückgekehrt war. Selbst wenn irgendjemand die Mitglieder von Lillywhites Bande aufspürte und sie zum Reden bringen konnte – was beides höchst unwahrscheinlich war –, würde ihm nichts zu beweisen sein.

Draußen erklang lautes Rumpeln und Scheppern, und allmählich wurde das Rufen leiser, als zuerst die Schuppen erneut durchsucht wurden und man die Suche dann auf das angrenzende Marschland ausdehnte.

Roger hielt es für sehr gut möglich, dass Lillywhite und Anstruther vorgehabt hatten, ihn und Jamie umzubringen, nachdem sie den Whisky an sich gebracht hatten. In diesem Fall hinderte sie noch weniger daran, jetzt dasselbe zu tun; sie waren ja sowieso darauf eingestellt. Was die Russen anging – würden sie ihnen etwas antun? Er hoffte es nicht, doch das war unmöglich einzuschätzen.

Auf dem Blechdach des Schuppens ertönte ein leises Prasseln; es begann zu regnen. Schön, wenn ihr Schießpulver nass wurde, würden sie ihn nicht erschießen; sie würden ihm die Kehle durchschneiden müssen. Seine Hoffnung, dass Jamie nicht zu früh auftauchte, verwandelte sich in die inbrünstige Hoffnung, dass er nicht zu spät auftauchte. Was er allerdings tun würde, falls und wenn er tatsächlich auftauchte …

Die Schwerter. Waren die Schwerter immer noch dort, wo sie sie liegen gelassen hatten, in der Ecke des Schuppens? Der Regen wurde jetzt so laut, dass er draußen sowieso nichts mehr hören konnte; er verließ seinen Lauschposten, um nachzusehen.

Die Russinnen blickten mit einer Mischung aus Argwohn und Sorge zu ihm auf. Er lächelte und nickte und schob sie mit kleinen Gesten aus dem Weg. Ja, die Schwerter waren noch da – das war immerhin etwas, und er spürte eine kleine Welle der Hoffnung.

Chemodurow war bei Bewusstsein; er sagte etwas mit lallender Stimme, und Karina stand auf und trat zu Roger. Sie tätschelte ihm sanft den Arm, dann nahm sie ihm eins der Schwerter ab. Sie zog es mit einem klirrenden Geräusch aus der Scheide, das alle Anwesenden zusammenfahren ließ, bevor sie nervös loslachten. Sie schlug ihre Hände um den Griff und legte das Schwert wie einen Baseballschläger über ihre Schulter. Sie marschierte zur Tür und bezog dort mit finsterer Miene Posten.

»Gut«, sagte Roger und grinste sie beifällig an. »Wenn jemand seinen Kopf hier hineinsteckt, schlag ihn ab, aye?« Er ahmte mit der Handkante eine Hackbewegung nach, und die Russen zollten ihm mit begeistertem Geheul Beifall. Eins der jüngeren Mädchen griff nach dem anderen Schwert, doch er bedeutete ihr lächelnd, dass er es behalten würde, trotzdem vielen Dank.

Zu seiner Überraschung schüttelte sie den Kopf und sagte etwas auf Russisch. Er zog die Augenbrauen hoch und schüttelte hilflos den Kopf. Sie zupfte an seinem Arm, bis er ihr in die Ecke folgte.

Sie waren während ihrer kurzen Gefangenschaft nicht untätig gewesen. Sie hatten das Gerümpel beiseitegeräumt, dem Verletzten ein bequemes Strohlager bereitet – und die große Falltür im Boden freigelegt, die es bei Ebbe ankommenden Booten ermöglichte, unter das Dock zu fahren, so dass ihre Fracht direkt in den Schuppen hinaufgereicht werden konnte und nicht auf dem Dock entladen werden musste.

Jetzt herrschte Ebbe; bis zur dunklen Oberfläche des Wassers war es ein Fall von über zwei Metern. Er zog sich bis auf die Hose aus und ließ sich an den Händen von der Kante der Falltür baumeln, bevor er sich mit den Füßen voran fallen ließ, da er keinen Kopfsprung in ein möglicherweise flaches Gewässer riskieren wollte.

Doch das Wasser reichte ihm bis über den Kopf; er versank in einem Regen aus Silberbläschen, dann berührten seine Füße den sandigen Boden, und er stieß sich ab und durchbrach laut die Wasseroberfläche. Er winkte dem Kreis der russischen Gesichter, die durch die Falltür zu ihm hinuntersahen, beruhigend zu, dann hielt er auf das andere Ende des Landestegs zu.

Lillywhite wandte sich ab und liebkoste nervös den Knauf seines Schwertes. Von seinem Aussichtspunkt auf dem Dach des Schuppens betrachtete Jamie abschätzend die Art, wie sich der Magistrat bewegte und wie er seine Waffe tätschelte. Große Reichweite und eine aufrechte Haltung; schnell, wenn auch ein wenig abgehackt. Wenn er unter diesen Umständen ein Schwert trug, ließ dies darauf schließen, dass er mit der Waffe sehr gut vertraut war und ein Faible dafür hatte.

Anstruther konnte er nicht sehen, da sich dieser unter dem Dachüberhang an die Wand des Schuppens gepresst hatte, doch der Sheriff war seine kleinste Sorge. Er war ein Angeber, der noch dazu kurze Arme hatte.

»Ich sage, wir bringen sie alle um. Das ist der einzig sichere Weg.«

Lillywhite bekundete mit einem Grunzlaut seine skeptische Zustimmung.

»Das mag ja sein – aber was ist mit den Männern? Wir wollen unser Schicksal doch nicht in die Hände von Zeugen legen, die reden könnten. Mit Fraser und MacKenzie wären wir problemlos im Verborgenen fertig geworden – aber sie sind so viele … vielleicht können wir die Russen ja laufen lassen; sie sind Fremde und scheinen kein Englisch zu sprechen …«

»Aye, und wie sind sie hierhergekommen, wüsste ich gern? Ich garantiere Euch, dass sie nicht in eine Wasserhose geraten und zufällig hier abgesetzt worden sind. Irgendjemand weiß von ihnen, irgendjemand wird nach ihnen suchen – und wer auch immer das ist, er hat mit Sicherheit eine Möglichkeit, mit ihnen zu reden. Sie haben schon zu viel gesehen – und wenn Ihr vorhabt, diesen Landeplatz weiter zu benutzen …«

Der Regen fiel immer noch leicht, aber beständig. Jamie verdrehte den Kopf, um sich mit der Schulter die Feuchtigkeit aus den Augen zu wischen. Er lag flach auf dem Bauch und hatte die Arme und Beine ausgebreitet wie ein Frosch, um nicht von dem schrägen Blechdach zu rutschen. Er wagte es noch nicht, sich zu bewegen. Doch draußen auf der Meerenge flüsterte der Regen, der das Wasser aufraute wie aufgespannte Seide und das Metall ringsum leise klingeln ließ. Wenn der Regen nur noch ein kleines bisschen zunahm, würde er jedes Geräusch übertönen.

Er verlagerte sein Gewicht ein wenig, weil sein Dolch gegen seinen Hüftknochen drückte. Die Pistolen lagen neben ihm auf dem Dach, doch im Regen waren sie wahrscheinlich nutzlos. Der Dolch war momentan seine einzige, wirkliche Waffe, und er eignete sich viel besser für Überraschungsangriffe als für Frontalattacken.

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