Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, es gibt Eicheln und Wurzeln in Hülle und Fülle«, merkte Jamie an, »und dann und wann einen Neger als besonderen Leckerbissen. Sie werden schon auf ihre Kosten kommen.«
Roger lachte, und Jamie schnaubte belustigt.
»Du meinst wohl, ich mache Witze, wie? Ich nehme an, du hast auch noch nie ein Wildschwein gejagt, oder?«
»Mmpfm. Nun, vielleicht lädt uns Mr. Wylie ja ein, einmal –«
Sein Hinterkopf explodierte, und alles verschwand.
Irgendwann kam er wieder zu Bewusstsein. Bewusst wurde ihm vor allem ein Schmerz, der so groß war, dass ihm die Bewusstlosigkeit unendlich viel lieber gewesen wäre. Bewusst wurde ihm aber auch, dass sich Kieselsteine und Laub in sein Gesicht drückten und in seiner Nähe Geräusche erklangen. Das Klirren, Scheppern und Ächzen eines Kampfes auf Leben und Tod.
Er zwang sich, ganz aufzuwachen, und hob den Kopf, obwohl sich bei dieser Bemühung in seinem Kopf ein buntes Feuerwerk abspielte und er sich am liebsten übergeben hätte. Er stützte sich mit zusammengebissenen Zähnen auf seine verschränkten Arme, und nach ein paar Sekunden wurde sein Blickfeld klar, auch wenn er immer noch ein wenig verschwommen sah.
Er brauchte ein paar Sekunden, um zu erkennen, was vorging: sie waren etwa drei Meter von ihm entfernt, und ihm waren Äste und Zweige im Weg. Doch er fing unter dem Keuchen und Ächzen ein leises »A Dhia!« auf und verspürte heftige Erleichterung. Jamie lebte also.
Er erhob sich schwankend auf die Knie und verharrte einen Moment so, denn ihm wurde immer wieder schwarz vor Augen. Als sich sein Blickfeld klärte, war sein Kopf nach vorn gesunken, und er starrte zu Boden. Sein Schwert lag nicht weit von ihm entfernt unter aufgescharrtem Sand und Laub verborgen. Eine seiner Pistolen lag daneben, doch damit gab er sich erst gar nicht ab; selbst wenn das Pulver noch trocken genug zum Feuern gewesen wäre, hätte er sie nicht ruhig halten können.
Er tastete sich ungeschickt vor, doch sobald er seine Hand in den Korb des Schwertgriffes geschoben hatte, fühlte er sich etwas besser; jetzt würde es ihm nicht mehr hinfallen. Etwas Nasses lief ihm über den Hals – Blut, Regen? Es spielte keine Rolle. Er stolperte, klammerte sich mit der freien Hand an einen Baum, kniff die Augen zu, um die Schwärze zu vertreiben, wagte einen weiteren Schritt.
Er fühlte sich wie das Wildschwein, denn der unvertraute Boden schwankte verräterisch unter seinen Füßen. Er trat auf etwas, das nachgab und wegrollte, und er fiel hin und landete hart auf seinem Ellbogen.
Durch das Schwert behindert, drehte er sich umständlich um und stellte fest, dass er auf Anstruthers Bein getreten war. Der Sheriff lag auf dem Rücken. Sein Mund stand offen, und er machte ein überraschtes Gesicht. In seinem Hals klaffte ein großer Spalt, und rings um seinen Körper waren große Mengen rostroten, stinkenden Blutes in den Sand gesickert.
Er fuhr angewidert zurück, und der Schock brachte ihn auf die Beine, ohne dass er sich hätte erinnern können, dass er aufgestanden war. Lillywhite stand mit dem Rücken zu ihm; der nasse Leinenstoff seines Hemdes klebte ihm an der Haut. Er sprang ächzend vorwärts, dann fuhr er zurück, hieb zu, ripostierte …
Roger schüttelte den Kopf, um ihn von den idiotischen Fachbegriffen der Fechtkunst zu entleeren, dann hielt er inne und keuchte vor Schmerz. Jamies Gesicht trug ein manisches Halbgrinsen, und er verfolgte mit vor Anstrengung entblößten Zähnen die Waffe seines Gegners. Doch er hatte Roger gesehen.
»Roger!«, brüllte er, atemlos vom Kampf. »Roger, a charaid!«
Lillywhite drehte sich nicht um, sondern warf sich zu einem Scheinangriff nach vorn, schlug drauflos, vollführte eine Terz nach rückwärts.
»Nicht … dumm …«, keuchte er.
Roger begriff dumpf, dass Lillywhite an eine Finte Jamies glaubte, um ihn dazu zu verleiten, sich umzudrehen. Die Ränder seines Blickfeldes flackerten erneut, und er streckte die Hand nach einem Baum aus, den er fest umklammerte, um auf den Beinen zu bleiben. Das Laub war nass; seine Finger rutschten ab.
»Heh …«, rief er heiser, denn ihm fielen keine Worte ein. Er hob sein Schwert, dessen Spitze bebte. »Heh!«
Lillywhite trat zurück und fuhr mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen herum. Roger stürzte sich blindlings auf ihn, ohne zu zielen, jedoch mit aller Kraft, die ihm noch geblieben war.
Das Schwert fuhr Lillywhite ins Auge, und Roger spürte es schlittern und knirschen, als das Metall an seinem Schädelknochen entlangschabte und dann zu etwas Weicherem durchstieß, wo es stecken blieb. Er versuchte loszulassen, doch seine Hand steckte im Korb des Griffes fest. Lillywhite erstarrte, und Roger konnte spüren, wie das Leben des Mannes geradewegs an seinem Schwert entlanglief, durch seine Hand hindurch und an seinem Arm hinauf, rasend schnell und lähmend wie elektrischer Strom.
Er zerrte und drehte panisch, um sein Schwert loszureißen. Lillywhite bäumte sich auf, erschlaffte und fiel in seine Richtung. Er zuckte wie ein riesiger, toter Fisch, als Roger jetzt vergebens weiter darum kämpfte, sich von seinem Schwert zu befreien.
Da ergriff Jamie ihn am Handgelenk und bekam ihn frei, legte einen Arm um ihn und führte ihn beiseite, stolpernd und blind vor Panik und Schmerz. Jamie hielt ihm den Kopf und massierte ihm den Rücken und murmelte gälischen Unsinn, während sich Roger heftig würgend übergab. Wischte ihm das Gesicht mit feuchtem Laub ab, wischte ihm mit dem nassen Hemdsärmel den Rotz von der Nase.
»Bist du okay?«, murmelte Roger irgendwann zwischendurch.
»Aye, bestens«, sagte Jamie und klopfte ihm erneut auf den Rücken. »Und du auch, klar?«
Irgendwann war er wieder auf den Beinen. Sein Kopf hatte den Schmerz hinter sich gelassen; er schmerzte zwar noch, doch der Schmerz schien sich von ihm losgelöst zu haben und in seiner Nähe zu lauern, ohne ihn jedoch zu berühren.
Lillywhite lag mit dem Gesicht nach oben im Laub. Roger schloss die Augen und schluckte. Er hörte, wie Jamie etwas vor sich hinknurrte, dann ein Ächzen, ein Rascheln im Laub und einen leisen Aufprall. Als er die Augen öffnete, lag Lillywhite mit dem Gesicht auf dem Boden; der Rücken seines Hemdes war voller Sand und Eichelhüllen.
»Komm mit.« Jamie fasste ihm unter den Arm, zog den Arm über seine Schulter. Roger hob seine freie Hand und schwenkte sie vage in Richtung der Leichen.
»Sie. Was machen wir mit … ihnen?«
»Wir lassen sie für die Schweine liegen.«
Als sie den Waldrand erreichten, konnte er allein gehen, obwohl er die Tendenz hatte, zur einen oder anderen Seite abzudriften und noch nicht richtig geradeaus steuern konnte. Wylies Haus lag vor ihnen, ein prächtiges Gebäude aus rotem Backstein. Sie überquerten den Rasen, ohne zu beachten, dass sie von mehreren Haussklaven angestarrt wurden, die sich um die Fenster im ersten Stock drängten und tuschelnd mit den Fingern auf sie zeigten.
»Warum?«, fragte Roger und blieb kurz stehen, um sich das Laub vom Hemd zu schütteln. »Haben sie das gesagt?«
»Nein.« Jamie zog einen nassen Stoffball, der einmal ein Taschentuch gewesen war, aus dem Ärmel und schwenkte ihn in Philip Wylies Zierspringbrunnen. Er wischte ihm damit durchs Gesicht, warf einen kritischen Blick auf die so entstandenen Schmutzstreifen und tauchte es erneut in den Brunnen.
»Ich habe erst gemerkt, dass sie da waren, als Anstruther dich niedergeknüppelt hat – da, dein Kopf blutet ja immer noch. Ich habe mich umgedreht und dich am Boden liegen sehen, und im nächsten Moment fuhr mir ein Schwert aus dem Nichts quer über die Rippen. Sieh dir das an.« Er steckte seine Finger durch einen großen Riss in seinem Hemd und wackelte damit. »Ich bin hinter einem Baum in Deckung gegangen und konnte gerade noch mein Schwert ziehen. Aber keiner von ihnen hat ein einziges Wort gesagt.«