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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»… schickt die Männer mit dem Boot zurück. Wir können dann die Straße nehmen, wenn …«

Sie redeten immer noch mit leiser Stimme, doch er konnte erkennen, dass ihre Entscheidung gefallen war; Lillywhite brauchte sich nur noch einzugestehen, dass es unumgänglich war, und dazu würde er nicht lange brauchen. Doch zuerst würden sie die Männer fortschicken; die Angst des Magistraten vor Zeugen war berechtigt.

Er blinzelte mit den Augen, um sie vom Wasser zu befreien, und spähte zum größten der Schuppen hinüber, in welchem sich MacKenzie und die Russen befanden. Die Schuppen standen dicht beieinander; die Lücken zwischen den versetzten Blechdächern betrugen immer etwa einen Meter. Er war durch einen Schuppen von dem größeren Gebäude getrennt. Nun denn.

Er würde den Aufbruch der Männer nutzen, um die Dächer zu überqueren, und darauf bauen, dass sein Glück und der Regen verhinderten, dass Lillywhite oder Anstruther den Blick nach oben richteten. Er würde sich über die Tür des Schuppens hocken, und wenn sie kamen, um den Mord zu begehen, würde er bis zu dem Moment warten, in dem sie die Tür öffneten, sich dann von oben auf den Magistraten fallen lassen und hoffen, dass er ihm das Genick brach oder ihn zumindest schlagartig außer Gefecht setzte. Er konnte sich darauf verlassen, dass Roger Mac dann ins Freie eilen würde, um ihm den Sheriff abzunehmen.

Es war der beste Plan, der ihm unter den gegebenen Umständen einfiel, und er war gar nicht einmal so schlecht, dachte er. Natürlich nur, wenn er nicht ausrutschte und sich das Genick brach. Oder ein Bein. Er spannte sein linkes Bein an und spürte die leichte Steifheit der Muskeln in seinem Unterschenkel. Er war gut verheilt, doch er konnte nicht leugnen, dass eine leichte Schwäche zurückgeblieben war. Er konnte wunderbar laufen, aber ob er über Dächer springen konnte …

»Aye, nun ja, was sein muss, muss sein«, murmelte er. Wenn die Sache schiefging und er sich das Bein erneut ruinierte, konnte er nur hoffen, dass der Sheriff ihn umbrachte, denn sonst würde Claire es mit Sicherheit tun.

Bei diesem Gedanken musste er lächeln, doch er konnte jetzt nicht an sie denken. Später, wenn die ganze Sache hinter ihm lag. Sein Hemd war durchnässt und klebte ihm an den Schultern, und der Regen hallte von den Blechdächern wider wie ein ganzer Chor von Elfenglöckchen. Indem er vorsichtig rückwärtsrutschte, schob er seine Knie unter sich und erhob sich in eine kauernde Position, jederzeit bereit, sich wieder flach hinzulegen, wenn jemand aufblickte.

Auf dem Dock war niemand. Lillywhite und der Sheriff hatten noch vier Männer mitgebracht; diese befanden sich auf dem weichen Boden südlich des Landestegs und stocherten missmutig im hüfthohen Gras herum. Er holte tief Luft und zog langsam seine Füße unter sich. Doch als er herumfuhr, fing er aus dem Augenwinkel den Schatten einer Bewegung auf und erstarrte.

Lieber Himmel, es kamen Männer aus dem Wald. Im ersten Augenblick dachte er, Lillywhite hätte auch das organisiert, doch dann begriff er, dass die Männer Schwarze waren. Alle bis auf einen.

Les cochons, hatte der Russe gesagt. Pour le Monsieur Wylie. Und hier war Wylie nun mit seinen Sklaven im Anmarsch, um seine Schweine in Empfang zu nehmen!

Er legte sich wieder auf den Bauch und rutschte zur Rückseite des Schuppendaches. Es war zwar die Frage, dachte er, ob Wylie eher dazu neigen würde, ihm zu helfen oder ihn eigenhändig aufzuspießen – doch er ging zumindest davon aus, dass dem Mann an der Rettung seiner Russen gelegen war.

Das Wasser war kalt, jedoch nicht so sehr, dass sein Körper davon taub wurde, und der Sog der Ebbe war noch nicht stark. Dennoch, nach der Verletzung an seiner Kehle und den Verbrennungen, die er bei dem Röhrichtbrand davongetragen hatte, war er viel kurzatmiger als früher, und so sah sich Roger gezwungen, alle zwei oder drei Schwimmzüge aufzutauchen, um Luft zu holen.

Ruby lips, above the water, sang er voller Ironie vor sich hin, blowing bub-bles soft and fine… Er holte tief Luft und hörte sich um, wobei er auf der Stelle trat. Er hatte zunächst auf die Südseite des Landestegs zugehalten, über sich jedoch Stimmen gehört und daher seine Richtung geändert. Jetzt befand er sich genau unter der nördlichen Kante des Docks, im tiefen Schatten des russischen Schiffs verborgen.

Der Schweinegeruch war überwältigend, und aus dem Frachtraum konnte er unterdrücktes Rumpeln und Grunzen hören, das direkt neben ihm durch das Holz drang. Himmel, waren sie etwa den ganzen Weg aus Russland in diesem winzigen Ding gesegelt? Es sah ganz danach aus; das Holz war mitgenommen und voller Kerben.

In seiner näheren Umgebung war keine Stimme zu hören. Der Regen fiel kräftig rauschend auf das Wasser der Meerenge; er würde dabei helfen, jedes Geräusch zu übertönen, das er machte. Also auf die Plätze, fertig, los. Er füllte seine Lungen bis zum Rand mit Luft und stieß sich in Richtung des verregneten Lichtes ab, das hinter dem Dock schimmerte.

Er schwamm verzweifelt, versuchte, dabei nicht zu spritzen, während er gleichzeitig jede Sekunde damit rechnete, eine Musketenkugel zwischen die Schulterblätter zu bekommen. Er stolperte ins Gebüsch, spürte, wie das Riedgras an seinen Armen und Beinen haften blieb und er sich daran schnitt, rollte sich keuchend halb herum, wobei Salz in die Schnitte eindrang, die sofort zu brennen begannen, dann war er auf Händen und Knien und kroch durch die dichten Marschgewächse. Schwarze Nadelbinsen schwankten über seinem Kopf, und der Regen trommelte ihm auf den Rücken, während ihm das Wasser fast bis zum Kinn ging.

Schließlich hielt er unter keuchenden Atemzügen an und fragte sich, was zum Teufel er als Nächstes tun sollte. Es war zwar gut, dem Schuppen entkommen zu sein, doch er hatte keinerlei Plan, was jetzt geschehen sollte. Wahrscheinlich suchte er am besten nach Jamie – wenn das möglich war, ohne dass er erneut erwischt wurde.

Als hätte dieser Gedanke jemanden auf ihn aufmerksam gemacht, hörte er ganz in seiner Nähe jemanden platschend und raschelnd durch die Marsch waten. Suchend. Er erstarrte und hoffte, dass der Regen seine Atemgeräusche übertönen würde, die laut in seinen Ohren rasselten.

Näher. Verdammt, sie kamen näher. Er tastete an seinem Gürtel herum, doch er hatte beim Schwimmen den Dolch verloren. Er zog ein Knie unter sein Kinn und hielt sich zum Aufspringen und Weglaufen bereit.

Über ihm wurde plötzlich das Gras beiseitegeschoben, und er sprang gerade noch rechtzeitig auf, um dem Speer auszuweichen, der an der Stelle, wo er gelegen hatte, ins Wasser fuhr.

Der Speer landete zitternd vor seiner Nase, zwanzig Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Von der anderen Seite her gaffte ihn ein Schwarzer an, dessen Augen vor Erstaunen so groß wie Untertassen geworden waren. Der Neger schloss den Mund, blinzelte ihn an und sprach in zutiefst anklagendem Ton:

»Ihr seid gar kein Opossum!«

»Nein«, sagte Roger nachsichtig. »Das bin ich nicht.« Er strich sich mit zitternder Hand über die Brust, um sich zu vergewissern, dass sich sein Herz noch darin befand. »Tut mir leid.«

Zu Hause sah Philip Wylie ganz anders aus als in Gesellschaft, dachte Roger. Für den Schweinefang mit losen Kniehosen und einem Farmerhemd bekleidet, feucht vom Regen und bar jeder Spur von Perücke, Schminke, Puder oder Schönheitspflästerchen, war er immer noch schlank und elegant, doch er sah ganz normal und einigermaßen kompetent aus. Außerdem wirkte er um einiges intelligenter, obwohl sein Mund einen Hang dazu hatte, immer wieder aufzuklappen, und er es nicht lassen konnte, Jamies Bericht mit Fragen und Ausrufen zu unterbrechen.

»Lillywhite? Randall Lillywhite? Aber was kann er –«

»Reißt Euch zusammen, Mann«, sagte Jamie ungeduldig. »Ich erzähl’s Euch jetzt, und ich erzähl Euch später noch mehr, aber er und der Sheriff werden Eure Russen wie die Weihnachtsbraten zersägen, wenn wir nicht sofort hingehen und uns der Sache annehmen.«

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