Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wie gesagt, ich denke, wenn er in Begleitung kommt, werde ich Bonnet beiseitenehmen. Lass mir eine Minute Zeit, um mit ihm fertig zu werden, dann denk dir eine Entschuldigung aus und komm her, als wolltest du mich holen. Bleib aber nicht stehen; geh geradewegs zwischen den Schuppen hindurch und halte auf die Bäume zu. Ich komme dann zu dir.«
Roger betrachtete Jamie skeptisch. Himmel, der Mann redete davon wie von einem Sonntagsausflug – am Fluss rechts, und dann treffen wir uns im Park; ich bringe Schinkenbrote mit, und du sorgst für den Tee.
Er räusperte sich, räusperte sich noch einmal und ergriff dann eine seiner eigenen Pistolen. Sie lag ihm kühl und fest in der Hand, ein beruhigendes Gewicht.
»Aye, nun gut. Eines nur. Ich übernehme Bonnet.«
Fraser sah ihn scharf an. Er selbst zuckte nicht mit der Wimper und lauschte dem Pulsschlag, der in seinen Ohren zu hämmern begonnen hatte.
Er sah, wie Fraser zum Sprechen ansetzte und dann innehielt. Der Mann starrte ihn nachdenklich an, und Roger konnte die Argumente hören, die im Rhythmus seines Pulsschlags auf sein inneres Ohr einhämmerten, so deutlich, als spräche Jamie sie laut aus.
Du hast doch noch nie einen Menschen umgebracht oder auch nur in einer Schlacht gekämpft. Du bist kein guter Schütze und kannst nur mittelprächtig mit einem Schwert umgehen. Schlimmer noch, du hast Angst vor dem Mann. Und wenn du es versuchst und es dir nicht gelingt …
»Ich weiß«, sagte er laut und trotzte Frasers dunkelblauem, starrem Blick. »Er gehört mir. Ich übernehme ihn. Brianna ist deine Tochter, aye – aber sie ist meine Frau.«
Fraser kniff die Augen zu und wandte den Kopf ab. Er trommelte einen Moment mit den Fingern auf sein Knie, dann hielt er inne und holte tief seufzend Luft. Er richtete sich langsam auf und wandte sich dann wieder Roger zu, den er direkt ansah.
»Es ist dein gutes Recht«, sagte er förmlich. »Also gut. Zögere nicht; fordere ihn nicht heraus. Töte ihn, sobald du die Gelegenheit hast.« Er hielt kurz inne, dann sprach er weiter, die Augen unverwandt auf Roger gerichtet. »Wenn du aber fällst – sollst du wissen, dass ich dich rächen werde.«
Die mit Nägeln gespickte Masse in seinem Magen schien hochgerutscht zu sein und jetzt in seiner Kehle zu stecken. Er hustete, um sie zu beseitigen, und schluckte.
»Großartig«, sagte er. »Und wenn du fällst, werde ich dich rächen. Haben wir eine Abmachung?«
Fraser lachte nicht, und in diesem Augenblick begriff Roger, warum ihm seine Männer überallhin folgten und alles für ihn taten. Er sah Roger einfach nur ein paar Sekunden lang an und nickte dann.
»Eine exzellente Abmachung«, sagte er leise. »Danke.« Er zog den Dolch aus seinem Gürtel und begann, ihn zu polieren.
Sie hatten keine Uhr, doch die brauchten sie auch nicht. Obwohl der Himmel von tief hängenden Wolken verhüllt und die Sonne nicht zu sehen war, konnten sie spüren, wie die Minuten dahinschlichen, wie sich die Erde allmählich verschob und sich die Rhythmen des Tages veränderten. Das Geräusch des Wassers, das gegen die Pfähle schlug, änderte seinen Tonfall mit dem Ansteigen der Flut, die in dem Zwischenraum unterhalb des Docks widerhallte.
Die Flut erreichte ihren Höhepunkt und ebbte wieder ab; das Echo unter dem Dock wurde allmählich hohl, als das Wasser zu sinken begann. Der Pulsschlag in Rogers Ohren begann zu erschlaffen, genau wie der Knoten in seinem Bauch.
Dann stieß etwas gegen das Dock, und eine Vibration durchlief den Boden des Schuppens.
Jamie war blitzartig auf den Beinen. Er hatte zwei Pistolen in seinem Gürtel stecken und eine dritte in der Hand. Er legte den Kopf schief, sah Roger an und verschwand durch die Tür.
Roger rammte seinerseits die Pistolen fest in seinen Gürtel, fasste zu seiner Beruhigung an den Knauf seines Dolches und folgte ihm. Er erhaschte einen raschen Blick auf das Schiff, dessen dunkle Holzreling knapp über die Kante des Steges ragte, dann stand er im Inneren des kleineren Schuppens zu ihrer Rechten. Jamie war nirgendwo in Sicht; er hatte also seinen Posten auf der linken Seite bezogen.
Er presste sich gegen die Wand und blinzelte durch den Schlitz zwischen Türangel und Tür ins Freie. Das Schiff glitt langsam an der Kante des Docks entlang und war noch nicht vertäut. Er konnte gerade eben ein Stück des Bugs sehen; der Rest befand sich außerhalb seines Blickfeldes. Egal; er konnte sowieso erst feuern, wenn Bonnet auf dem Steg erschien.
Er wischte sich die Handfläche an seiner Hose ab und zog die bessere seiner Pistolen, deren Ladung er zum tausendsten Mal überprüfte. Das Metall der Waffe roch scharf und ölig und lag kühl in seiner Hand.
Die Luft war feucht; seine Kleider klebten ihm am Leib. Würde das Pulver zünden? Er berührte zum zehntausendsten Mal den Dolch und exerzierte Frasers Anweisungen zum Töten mit einem Messer durch. Hand auf seine Schulter, ramme es unter seinem Brustbein fest aufwärts. Von hinten, die Nieren, von unten nach oben. Gott, konnte er es Auge in Auge tun? Ja. Er hoffte, dass es Auge in Auge sein würde. Er wollte sehen …
Eine Seilschlinge landete auf dem Dock; er hörte den dumpfen Aufprall, dann sprang jemand mit einem Plumps über die Reling, um das Schiff zu vertäuen. Ein Rascheln und ein angestrengtes Ächzen, eine Pause … Er schloss die Augen und versuchte, gegen das Donnern seines Herzens anzulauschen. Schritte. Langsam, aber nicht verstohlen, kamen sie auf ihn zu.
Die Tür stand halb offen. Er trat leise an ihre Kante und lauschte. Wartete. Ein Schatten fiel zur Tür herein, getrübt durch das wolkige Licht. Der Mann trat ein.
Er kam mit einem Satz hinter der Tür hervor und stürzte sich auf den Mann, den er mit einem dumpfen Knall gegen die Wand stieß. Der Mann jaulte bei dem Aufprall überrascht auf, und der Klang dieses Ausrufs ließ Roger genau in jenem Moment innehalten, als er seine Hände um eine eindeutig unmaskuline Kehle legte.
»Mist!«, sagte er. »Ich meine, ich – ich – ich bitte um Verzeihung, Ma’am.«
Er hatte sie mit seinem ganzen Gewicht gegen die Wand gedrückt und war sich sehr wohl bewusst, dass auch alles andere an ihr unmaskulin war. Das Blut schoss ihm heiß in die Wangen, und er ließ sie los und trat schwer atmend zurück.
Sie schüttelte sich wie ein Hund, zog ihre Kleider zurecht und berührte vorsichtig ihren Hinterkopf, der gegen die Wand geprallt war.
»Es tut mir leid«, sagte er schockiert und kam sich wie ein Trottel vor. »Ich wollte nicht – seid Ihr verletzt?«
Die junge Frau war so groß wie Brianna, aber stabiler gebaut. Sie hatte dunkelbraunes Haar und ein hübsches Gesicht mit breiten Wangenknochen und tief liegenden Augen. Sie grinste Roger an und sagte etwas Unverständliches, das kräftig nach Zwiebeln roch. Sie betrachtete ihn unverblümt von oben bis unten, kam offenbar zu einem zufriedenstellenden Ergebnis und legte dann in einer unmissverständlich einladenden Geste die Hände unter ihre Brüste. Sie wies mit einem Ruck ihres Kopfes auf eine Ecke des Schuppens, wo feuchte Strohhaufen einen kräftigen, nicht unangenehmen Modergeruch absonderten.
»Ahhh …«, sagte Roger. »Nein. Ihr irrt Euch – nein, nicht anfassen. Nein. Non!« Er kämpfte mit ihren Händen, die fest entschlossen zu sein schienen, seinen Gürtel zu öffnen. Sie sagte erneut etwas in der unbekannten Zunge. Er verstand kein Wort, begriff aber dennoch ohne Schwierigkeiten, was sie meinte.
»Nein. Ich bin ein verheirateter Mann. Hört Ihr jetzt wohl auf damit!«
Sie lachte, warf ihm unter ihren langen, schwarzen Wimpern einen funkelnden Blick zu und unternahm einen erneuten Angriff auf seine Unschuld.
Er wäre fest überzeugt gewesen zu halluzinieren, wäre da nicht der Geruch gewesen. Aus nächster Nähe begriff er, dass die Zwiebeln noch das geringste Übel waren. Sie sah nicht schmutzig aus, doch ihr haftete der porentiefe Gestank eines Menschen an, der gerade eine lange Seereise hinter sich hat; er erkannte den Geruch. Darüber hinaus jedoch stieg der unverwechselbare Geruch von Schweinen aus ihren Röcken auf.