Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Excusez-moi, mademoiselle«, ertönte Jamies Stimme irgendwo hinter ihm und klang arg verblüfft. Auch das Mädchen war verblüfft, doch es erschrak nicht. Jedoch ließ sie seine Hoden los, so dass er zurücktreten konnte.
Jamie hatte eine Pistole gezogen, ließ sie jedoch an seiner Seite hängen. Er zog eine Augenbraue hoch und sah Roger an.
»Wer ist denn das?«
»Woher zum Teufel soll ich das wissen?« Er schüttelte sich, um die Fassung zurückzuerlangen. »Ich habe sie für Bonnet oder einen seiner Männer gehalten, aber offensichtlich war das falsch.«
»Offensichtlich.« Fraser schien etwas Lustiges an der Situation zu finden; ein Muskel in der Nähe seines Mundes zuckte heftig. »Qui êtes-vous, mademoiselle?«, fragte er das Mädchen.
Sie sah ihn stirnrunzelnd an, und es war klar, dass sie kein Wort verstand, dann sagte sie erneut etwas in der merkwürdigen Sprache. Jamie zog beide Augenbrauen hoch.
»Was spricht sie da?«, fragte Roger.
»Ich habe keine Ahnung.« Mit einer Miene, in der sich Belustigung mit Argwohn vermischte, wandte sich Jamie der Tür zu und hob die Pistole. »Lass sie nicht aus den Augen, aye? Sie ist ja bestimmt nicht allein.«
Das war offensichtlich; es erklangen Stimmen auf dem Dock. Ein Mann und eine weitere Frau. Roger wechselte einen verblüfften Blick mit Jamie. Nein, die Stimme gehörte weder Bonnet noch Lyon – und was in Gottes Namen machten all diese Frauen hier?
Doch die Stimmen näherten sich, und das Mädchen rief plötzlich etwas in seiner Sprache. Es hörte sich nicht wie eine Warnung an, doch Jamie drückte sich neben der Tür flach an die Wand, die Pistole im Anschlag und die andere Hand an seinem Dolch.
Die schmale Tür verdunkelte sich fast vollständig, und ein dunkler Zottelkopf schob sich in den Schuppen. Jamie trat vor und hielt einem sehr großen, sehr überrascht aussehenden Mann seine Pistole unter das Kinn. Er packte den Mann am Kragen, trat zurück und zog ihn in den Schuppen.
Dem Mann folgte eine Frau, deren hochgewachsener, kräftiger Körperbau und hübsches Gesicht sie als die Mutter des Mädchens auswiesen. Die Frau war allerdings blond, während der Mann – der Vater des Mädchens? – so dunkel war wie ein Bär und diesem Tier auch sonst ausgesprochen ähnlich sah. Er war nahezu genauso groß wie Jamie, jedoch fast doppelt so breit, mit einer massigen Brust, kräftigen Schultern und dichtem Bartwuchs.
Keiner von ihnen schien im Geringsten alarmiert zu sein. Der Mann machte ein überraschtes Gesicht, die Frau ein beleidigtes. Das Mädchen lachte herzlich und wies dabei zuerst auf Jamie, dann auf Roger.
»Ich komme mir allmählich ziemlich albern vor«, sagte Jamie zu Roger. Er ließ die Pistole sinken und trat argwöhnisch zurück. Dann versuchte er es mit einer anderen Sprache aus seinem Repertoire.
»Ich glaube nicht, dass sie Deutsche sind«, sagte Roger. »Sie« – er wies mit dem Daumen auf das Mädchen, das Jamie jetzt prüfend ansah, als wollte sie sein Potential als Turnpartner im Stroh einschätzen – »schien weder Französisch noch Deutsch zu verstehen, wenn sie vielleicht auch nur so getan hat.«
Der Mann hatte stirnrunzelnd zwischen Jamie und Roger hin und her geblickt, um auszumachen, was sie sagten. Doch bei dem Wort »Französisch« schien sich seine Miene zu erhellen.
»Comment allez-vous?«, sagte er mit dem grauenhaftesten Akzent, den Roger je gehört hatte.
»Parlez-vous français?«, sagte Jamie, der den Mann nach wie vor mit Vorsicht betrachtete.
Der Riese lächelte und hielt seinen schwieligen Daumen und seinen Zeigefinger etwa drei Zentimeter auseinander.
»Un peu.«
Ein sehr kleines peu, wie sie schnell herausfanden. Der Mann kannte ungefähr ein Dutzend französischer Wörter, gerade genug, um sich selbst als Mikhail Chemodurow vorzustellen, seine Frau sei Iva und seine Tochter Karina.
»Ruschki«, sagte Chemodurow und schlug sich mit der Hand auf die fleischige Brust.
»Russen?« Roger starrte die drei verdattert an, wogegen Jamie einen faszinierten Eindruck machte.
»Ich bin noch nie einem Russen begegnet«, sagte er. »Aber was in Gottes Namen machen die hier?«
Mit einigen Schwierigkeiten vermittelte man Mr. Chemodurow diese Frage. Dieser strahlte und wies mit einer ausladenden Geste seines massigen Arms auf das Dock.
»Les cochons«, sagte er. »Pour le Monsieur Wylie.« Er blickte Jamie erwartungsvoll an. »Monsieur Wylie?«
Angesichts des beißenden Aromas, das alle drei Russen absonderten, kam die Erwähnung von Schweinen nicht besonders überraschend. Was die russischen Schweinehirten mit Philip Wylie verband, war schon weniger offensichtlich. Doch bevor man der Frage nachgehen konnte, erklang draußen ein lauter Rumms und ein knirschendes Geräusch, als sei etwas Großes, Hölzernes gegen das Dock gestoßen. Daraufhin folgte ein durchdringender Chor von Bell- und Kreischgeräuschen, die meisten davon schweinischen Ursprungs, einige jedoch auch menschlich – und weiblich.
Für seine Größe bewegte sich Chemodurow erstaunlich schnell, doch Jamie und Roger waren ihm direkt auf den Fersen, als er jetzt durch die Tür des Schuppens polterte.
Roger hatte gerade genug Zeit, um zu sehen, dass jetzt zwei Schiffe am Dock vertäut waren; die kleine Barke der Russen und ein kleineres, offenes Boot. Mehrere bis an die Zähne mit Messern und Pistolen bewaffnete Männer schwärmten gerade aus dem kleineren Boot auf das Dock.
Bei diesem Anblick machte Jamie einen Satz zur Seite und verschwand um die Ecke eines kleineren Schuppens. Roger griff nach seiner Pistole, zögerte jedoch, denn er konnte sich nicht entscheiden, ob er feuern oder flüchten sollte. Er zögerte eine Sekunde zu lange. Jemand rammte ihm eine Muskete unter die Rippen, so dass ihm der Atem verging, und Hände fassten ihm an den Gürtel und raubten ihm Pistolen und Dolch.
»Keine Bewegung, Kumpel«, sagte der Mann mit der Muskete. »Wenn du auch nur zuckst, puste ich dir die Leber durch die Wirbelsäule.«
Er sprach ohne besonderen Nachdruck, aber mit hinreichendem Ernst, so dass Roger keine Neigung verspürte, ihn auf die Probe zu stellen. Er stand still, die Hände halb erhoben, und sah zu.
Chemodurow war ohne zu zögern mitten unter die Eindringlinge gewatet und teilte mit vollen Händen Hiebe aus. Ein Mann, der offenbar vom Dock geschubst worden war, befand sich im Wasser, einen anderen hielt der Russe umklammert und würgte ihn mit brutaler Effizienz. Er ignorierte sämtliche Rufe, Drohungen und Hiebe, ganz und gar auf den Mann konzentriert, den zu ermorden er auf dem besten Wege war.
Schreie zerrissen die Luft; Iva und Karina waren auf ihr Schiff zugeeilt, auf dessen Deck zwei der Eindringlinge erschienen waren, jeder mit einer etwas kleineren Ausgabe Karinas im Schlepptau. Einer der Männer zielte mit einer Pistole auf die Russinnen. Er schien abzudrücken; Roger sah einen Funken und ein kleines Rauchwölkchen, doch die Pistole feuerte nicht. Die Frauen verloren keine Zeit, sondern stürzten sich kreischend auf ihn. Panisch ließ er die Pistole und das Mädchen los und sprang ins Wasser.
Ein grauenhafter, dumpfer Knall riss Rogers Aufmerksamkeit von diesem Zwischenspiel los. Einer der Männer, eine kurze, kantige Gestalt, hatte mit dem Kolben seiner Büchse auf Chemodurows Schädel eingeknüppelt. Der Russe kniff die Augen zu, nickte und lockerte die Umklammerung, in der er sein Opfer hielt, ein wenig. Der Angreifer zog eine Grimasse, umfasste sein Schießeisen fester und hieb erneut auf ihn ein. Der Russe verdrehte die Augen und fiel auf das Dock, dessen Bretter bei seinem Aufprall erzitterten.
Roger hatte von Mann zu Mann geblickt und inmitten des Tohuwabohus verzweifelt Ausschau nach Stephen Bonnet gehalten. So sehr er sich auch umschaute, es war keine Spur vom Kapitän der Gloriana zu sehen.