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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Außerdem nahm man jetzt im Stab der russischen Armee große Umwälzungen vor. Die Stellen des gefallenen Bagration und Barclays, der sich beleidigt zurückgezogen hatte, wurden neu besetzt. Mit großem Ernst überlegte man hin und her, was wohl besser wäre: $à. an die Stelle von B. zu setzen und B. an die Stelle von D. oder im Gegenteil D. an die Stelle von $à. und so weiter, ganz als ob davon irgend etwas abhinge außer dem Vorteil des Herrn $à. oder B.

Infolge Kutusows Feindschaft mit seinem Stabschef Bennigsen, der Anwesenheit der Vertrauensmänner des Kaisers und ebendieses Stellenwechsels gedieh das verwickelte Intrigenspiel der Parteien im Stab der Armee noch üppiger als gewöhnlich: $à. untergrub die Stellung des B. D. die Stellung des C. und so weiter mit allen nur möglichen Kombinationen und Varianten. Für alle diese Wühlarbeiten diente als Vorwand meist der Krieg, den diese Leute zu lenken und zu leiten glaubten, doch dieser Krieg ging unabhängig von ihnen seinen Gang, eben jenen Gang, den er gehen mußte, das heißt: seine Ereignisse fielen nie mit dem zusammen, was sich die Menschen ausgedacht hatten, sondern entsprangen dem Wesen der Beziehungen der Massen untereinander. Alle diese ausgeklügelten Ideen, die sich kreuzten und gegenseitig verwirrten, stellten in den höchsten Sphären nur ein treues Spiegelbild dessen dar, was sich vollziehen mußte.

»Fürst Michail Ilarionowitsch!« schrieb der Kaiser unter dem 2. Oktober an Kutusow in einem Brief, den dieser nach der Schlacht bei Tarutino empfing. »Seit dem 2. September ist Moskau in der Hand unserer Feinde. Ihre letzten Berichte datieren vom 20. v. M. Seit jener Zeit ist nicht nur nichts geschehen, um gegen die Franzosen vorzugehen und unsere Erste Hauptstadt wieder zu befreien, Sie sind sogar, ihrem letzten Brief zufolge, noch weiter zurückgegangen. Schon ist Serpuchow von einer feindlichen Abteilung besetzt, und Tula mit seiner berühmten, für das Heer so unentbehrlichen Fabrik ist in Gefahr. Aus den Berichten des Generals Wintzingerode ersehe ich, daß ein feindliches, zehntausend Mann starkes Korps auf der Straße nach Petersburg vorrückt. Ein zweites Korps von einigen tausend Mann marschiert nach Dmitrow zu. Ein drittes bewegt sich auf der Wladimirschen Straße vorwärts. Ein viertes von ziemlich beträchtlicher Stärke steht zwischen Rusa und Moshaisk. Napoleon selber war bis zum 25. in Moskau. Wenn nun der Feind, wie alle diese Nachrichten bezeugen, durch das Entsenden derart starker Abteilungen seine Kräfte so zersplittert hat und Napoleon mit seiner Garde selbst noch in Moskau ist, sollten da wirklich die feindlichen Kräfte, die vor Ihnen stehen, noch so beträchtlich sein und Ihnen nicht erlauben, zur Offensive überzugehen? Man kann im Gegenteil aller Wahrscheinlichkeit nach annehmen, daß er Sie nur mit einzelnen Abteilungen verfolgt oder wenigstens mit Korps, die weit schwächer sind als die Ihnen anvertraute Armee. Wenn Sie diese Umstände benutzen, so könnten Sie, sollte man meinen, den Feind, der schwächer ist als Sie, mit Vorteil angreifen, ihn vernichten oder wenigstens zum Rückzug zwingen, dadurch einen beträchtlichen Teil des jetzt vom Feind besetzten Gouvernements wieder in Ihre Hand bekommen und so die Gefahr von Tula und anderen Städten im Innern des Landes abwenden. Ihnen verbleibt die Verantwortung dafür, wenn der Feind imstande sein sollte, ein beträchtliches Korps freizubekommen und nach Petersburg zu schicken, um diese Hauptstadt zu bedrohen, in der nur wenige Truppen zurückbleiben konnten, denn Sie haben mit der Ihnen anvertrauten Armee, wenn Sie entschlossen und tatkräftig vorgehen, alle Mittel in der Hand, dieses neue Unheil abzuwenden. Denken Sie daran, daß Sie dem durch den Verlust Moskaus schwerverletzten Vaterland Rechenschaft schulden. Sie kennen meine Bereitwilligkeit, Sie zu belohnen, aus Erfahrung. Diese Bereitwilligkeit wird nicht erlahmen, aber ich und ganz Rußland haben auch das Recht, von Ihnen alle Anstrengungen, alle Energie und alle Erfolge zu erwarten, die Ihre Begabung, Ihre militärischen Talente und die Tapferkeit der Ihnen anvertrauten Truppen uns versprochen haben.«

Doch während dieser Brief noch unterwegs war, der beweist, daß das wahre Verhältnis der Kräfte seine Reflexe schon bis Petersburg geworfen hatte, hatte Kutusow die unter seinem Befehl stehende Armee schon nicht mehr von einem Angriff zurückhalten können: die Schlacht war bereits geschlagen worden.

Am 2. Oktober hatte ein Kosak namens Schapowalow auf einem Patrouillenritt mit seiner Flinte einen Hasen erlegt und einen zweiten angeschossen. Während er nun diesen angeschossenen Hasen verfolgte, verlor er sich weiter in den Wald hinein und stieß auf den linken Flügel der Armee Murats, die hier ohne alle Vorsichtsmaßregeln eine Stellung eingenommen hatte. Der Kosak erzählte dann lachend seinen Kameraden, wie er beinahe den Franzosen in die Hände geraten sei. Ein Fähnrich, der diese Erzählung mit angehört hatte, machte seinem Kommandeur davon Mitteilung.

Der Kosak wurde herbeigerufen und ausgefragt; die Kosakenkommandeure wollten den Fall benutzen, um Pferde zu erbeuten, aber einer von ihnen, der mit den höheren Befehlshabern der Armee bekannt war, teilte die Tatsache einem General vom Stabe mit. In der letzten Zeit war die Stimmung im Stab äußerst gespannt gewesen. Vor ein paar Tagen war Jermolow zu Bennigsen gekommen und hatte ihn angefleht, doch seinen ganzen Einfluß auf den Oberkommandierenden geltend zu machen, damit ein Angriff unternommen werde.

»Wenn ich Sie nicht kennte, würde ich denken, daß Sie das, worum Sie bitten, gerade nicht wollen. Denn ich brauche nur etwas zu raten, so wird der Durchlauchtige todsicher das Gegenteil tun«, hatte Bennigsen geantwortet.

Die Kunde des Kosaken, die durch ausgesandte Patrouillen ihre Bestätigung fand, bewies, daß das Ereignis nun endgültig reif war. Die straffgespannte Saite sprang, die Stunde schlug, das Glockenspiel ertönte. Trotz all seiner vermeintlichen Macht, Begabung, Erfahrung und Menschenkenntnis konnte Kutusow, nachdem er das Schreiben Bennigsens, der auch an den Kaiser persönlich einen Bericht abgeschickt hatte, gelesen und den von allen seinen Generälen einstimmig ausgesprochenen Wunsch, der vermutlich auch der Wunsch des Kaisers war, und die Nachricht des Kosaken angehört hatte, die unvermeidliche Bewegung schon nicht mehr aufhalten, und gab notgedrungen den Befehl zu etwas, das er selber für nutzlos und schädlich hielt: er erteilte der sich vollziehenden Tatsache seinen Segen.

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Bennigsens Schreiben und die Meldung des Kosaken über den ungedeckten linken Flügel der Franzosen waren nur die letzten Anzeichen dafür, daß die Erteilung eines Angriffsbefehls nun nicht mehr zu umgehen war, und so wurde der Angriff auf den 5. Oktober festgesetzt.

Am 4. Oktober morgens unterschrieb Kutusow die Disposition. Toll las sie Jermolow vor und bat ihn, die weiteren Anordnungen zu treffen.

»Schön, schön, nur habe ich jetzt keine Zeit«, erwiderte Jermolow und verließ das Zimmer.

Die Disposition, die Toll entworfen hatte, war sehr gut. Ebenso wie bei dem Schlachtenplan von Austerlitz stand auch hier geschrieben, wenn auch nicht auf deutsch: Die erste Kolonne marschiert hierhin und dorthin, die zweite Kolonne marschiert dahin und dahin und so weiter. Und alle diese Kolonnen kamen auf dem Papier zur bestimmten Zeit an ihren Platz und vernichteten den Feind. Alles war wie bei allen Schlachtenplänen wundervoll ausgedacht. In Wirklichkeit gelangte indes, wie das ebenfalls bei allen Schlachtenplänen zu sein pflegt, nicht eine Kolonne zur rechten Zeit an den rechten Platz.

Als die Disposition in der nötigen Anzahl von Exemplaren bereit war, wurde ein Offizier herbeigerufen und zu Jermolow gesandt, um ihm die Papiere zur Ausführung zu überbringen. Der junge Gardereiteroffizier, eine Ordonnanz Kutusows, froh über den ihm erteilten wichtigen Auftrag, begab sich nach Jermolows Quartier.

»Ausgeritten«, meldete ihm Jermolows Bursche.

Der Gardereiteroffizier ritt zu einem General, bei dem Jermolow häufig weilte.

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