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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Und der geniale Napoleon tat dies. Würde man jedoch sagen, Napoleon habe seine Armee zugrunde gerichtet, weil er dies gewollt habe, oder weil er sehr unbegabt gewesen sei, so wäre das genauso unberechtigt, wie wenn man sagen wollte, Napoleon habe seine Truppen nach Moskau geführt, weil er das gewollt habe, oder weil er ein sehr kluger und genialer Mensch gewesen sei.

Im einen wie im anderen Fall stimmt nur seine persönliche Tätigkeit, die keine größere Kraft besitzt als die eines jeden Soldaten, mit jenen Gesetzen überein, nach denen sich das betreffende Ereignis vollzieht.

Vollkommen unrichtig, und nur deshalb, weil die Folgen Napoleons Taten nicht rechtfertigten, berichten uns die Geschichtsschreiber, Napoleons Kräfte hätten in Moskau nachgelassen. Aber ganz wie früher und auch später, im Jahre 1813, hat er all sein Wissen und all seine Kraft darauf verwandt, das Beste für sich und seine Truppen herauszuschlagen. Napoleons Tätigkeit während dieser Zeit ist nicht minder bewundernswert als die in Ägypten, in Italien, in Österreich und in Preußen. Wir wissen nichts Sicheres darüber, bis zu welchem Grad sein Wirken in Ägypten, wo vierzig Jahrhunderte auf seine großen Taten herabblickten[212], tatsächlich genial war, denn alle diese großen Taten sind uns nur von Franzosen beschrieben worden. Auch sein geniales Wirken in Österreich und in Preußen können wir nicht mit Sicherheit beurteilen, da wir Zeugnisse dafür ebenfalls aus französischen und deutschen Quellen schöpfen müssen. Die unbegreifliche Tatsache, daß sich ganze Armeen ohne Schwertstreich gefangen gaben und Festungen ohne Belagerung kapitulierten, hat die Deutschen dazu gebracht, Napoleons Genialität als einzige Erklärung für einen Krieg, wie er damals in Deutschland geführt worden ist, anzuerkennen. Wir aber haben Gott sei Dank keine Ursache, an seine Genialität zu glauben, um unsere eigne Schmach zu verdecken. Das Recht, diese Dinge klar und unverschleiert zu betrachten, ist uns teuer genug zu stehen gekommen, und wir werden uns dieses Recht nicht nehmen lassen.

Napoleons Tätigkeit in Moskau war ebenso bewundernswert und genial wie überall. Von seinem Einzug in Moskau an erteilte er Befehl auf Befehl, entwarf er Plan auf Plan, bis er Moskau wieder verließ. Die Abwanderung der Einwohner, das Ausbleiben einer Deputation, ja selbst der Brand Moskaus rührten ihn nicht. Nichts verlor er aus dem Auge: weder das Wohl seiner Truppen noch die Aktionen des Feindes noch das Heil der Völker Rußlands noch seine Verwaltungsangelegenheiten in Paris noch die diplomatischen Erwägungen über die Bedingungen eines künftigen Friedens.

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In strategischer Hinsicht befiehlt Napoleon gleich nach seinem Einzug in Moskau dem General Sebastiani aufs strengste, alle Bewegungen der russischen Armee zu verfolgen, schickt Truppen auf den verschiedensten Wegen aus und erteilt Murat den Befehl, Kutusow zu suchen. Dann trifft er emsig Anordnungen, den Kreml zu befestigen, und entwirft, über die ganze Karte von Rußland hinweg, einen genialen Plan für den künftigen Feldzug.

In diplomatischer Hinsicht läßt Napoleon den ausgeplünderten und zerlumpten Hauptmann Jakowlew[213] zu sich kommen, der nicht wußte, wie er aus Moskau herauskommen sollte, setzt ihm ausführlich seine ganze Politik und Großmut auseinander, schreibt an Kaiser Alexander einen Brief, in dem er es für seine Pflicht hält, seinem Freund und Bruder mitzuteilen, daß Rastoptschin in Moskau schlecht seines Amtes gewaltet hat, und schickt Jakowlew mit diesem Brief nach Petersburg. Nachdem er ebenso ausführlich seine Ansichten und seine Großmut auch Tutolmin dargelegt hat, schickt er diesen alten Mann ebenfalls zwecks Verhandlungen nach Petersburg.

In rechtlicher Hinsicht befiehlt Napoleon gleich nach dem Brand Moskaus, die Schuldigen zu suchen und zu verurteilen. Den Bösewicht Rastoptschin bestraft er dadurch, daß er seine Häuser niederbrennen läßt.

In administrativer Hinsicht beschenkt er Moskau mit einer Konstitution, setzt eine Stadtverwaltung ein und läßt folgendes bekanntgeben:

»Einwohner von Moskau!

Euer Unglück ist bitter, aber Seine Majestät der Kaiser und König wird dessen Lauf hemmen. Schreckliche Beispiele haben euch gezeigt, wie er Ungehorsam und Verbrechen zu bestrafen pflegt. Um der Unordnung Einhalt zu tun und die allgemeine Sicherheit wiederherzustellen, sind strenge Maßnahmen getroffen worden. Ein aus eurer Mitte gewählter Magistrat oder Stadtrat wird euch väterlich verwalten. Selbiger wird für euch, für eure Bedürfnisse und für euer Wohlergehen sorgen. Die Mitglieder dieser Verwaltungsbehörde werden an einer roten Binde zu erkennen sein, die sie über der Schulter tragen sollen, ihr Oberhaupt wird außerdem noch eine weiße Schärpe haben. Außerhalb ihrer Amtstätigkeit werden sie nur eine rote Binde um den linken Arm tragen.

Die Stadtpolizei ist in der alten Form wiederhergestellt, und dank ihrem Eingreifen ist die Ordnung schon etwas besser geworden. Die Regierung hat zwei Generalkommissare oder Polizeimeister und zwanzig Kommissare oder Reviervorsteher ernannt, die auf alle Reviere der Stadt verteilt worden sind. Sie sind kenntlich an einer weißen Binde, die sie um den linken Arm tragen werden. Einige Kirchen verschiedener Bekenntnisse sind geöffnet, in denen ungehindert Gottesdienste abgehalten werden. Täglich kehren immer mehr von euren Mitbürgern in ihre Heimstätten zurück, und es ist Befehl gegeben, daß sie in ihnen den Schutz und Beistand finden, der ihrem Unglück gebührt.

Dies sind die Maßnahmen, welche die Regierung getroffen hat, um die Ordnung wiederherzustellen und eure Lage zu erleichtern. Doch um dies zu erreichen, ist es nötig, daß sich eure Bestrebungen mit den ihrigen vereinen: daß ihr die erduldeten Leiden wenn möglich vergeßt, euch der Hoffnung auf ein besseres Schicksal hingebt und überzeugt seid, daß ein sicherer und schmählicher Tod alle erwartet, die euer Leben und das Hab und Gut, das euch noch verblieben ist, antasten, und daß ihr endlich nicht daran zweifelt, daß all eure Habe unter dem Schutz der Regierung steht. Denn dies ist der Wille des erhabensten und gerechtesten aller Monarchen.

Soldaten und Einwohner, von welcher Nation ihr auch sein mögt! Stellt das öffentliche Vertrauen, die Quelle des Glücks für jeden Staat, wieder her! Lebt wie Brüder untereinander! Gewährt euch gegenseitig Hilfe und Schutz! Vereitelt mit vereinten Kräften die Absichten Übelgesinnter! Ordnet euch der militärischen und bürgerlichen Obrigkeit unter! Dann werden eure Tränen in kurzer Zeit getrocknet sein.«

Was die Verproviantierung der Armee betraf, schrieb Napoleon allen Truppen vor, der Reihe nach à la maraude durch Moskau zu ziehen, um sich Proviant zu verschaffen, damit auf diese Weise das Heer für die nächste Zukunft gesichert sei.

In religiöser Hinsicht erließ Napoleon den Befehl, de ramener les popes und den Gottesdienst in den Kirchen wieder aufzunehmen.

Für den Handel und die Ernährung der Truppen wurde folgender Aufruf überall ausgehängt:

»Ihr friedlichen Einwohner von Moskau, Handwerksmeister und Arbeiter, die das Unglück aus der Stadt vertrieben hat, und ihr, zerstreutes Landvolk, das eine unbegründete Furcht noch auf den Feldern zurückhält, hört! Die Ruhe in der Hauptstadt ist zurückgekehrt und die Ordnung wiederhergestellt. Eure Landsleute kommen getrost aus ihren Zufluchtsstätten wieder hervor, da sie sehen, daß man ihnen Achtung entgegenbringt. Denn jeder Akt der Gewalt gegen sie und ihre Habe wird augenblicklich bestraft. Seine Majestät der Kaiser und König beschützt sie und behandelt keinen von euch wie einen Feind, ausgenommen den, der seinen Befehlen zuwiderhandelt. Er will euerm Unglück ein Ende machen und euch euerm Herd und eurer Familie wiedergeben. Helft ihm bei seinen edlen Absichten und kommt zu uns, euch droht nicht die geringste Gefahr. Einwohner! Kehrt vertrauensvoll in eure Wohnungen zurück: in kurzer Zeit werdet ihr die Mittel finden, um euch zu verschaffen, was ihr braucht! Ihr Meister und arbeitsamen Gesellen! Kehrt zurück zu eurem Handwerk! Eure Häuser, eure Läden und unsere Schutzwachen erwarten euch, ihr werdet für eure Arbeit den gebührenden Lohn erhalten! Und endlich ihr, Bauern, kommt aus den Wäldern hervor, in die ihr euch aus Angst versteckt habt, kehrt ohne Furcht in eure Hütten zurück und seid fest überzeugt, daß ihr Schutz findet. Es sind Niederlagen in der Stadt errichtet, wohin die Bauern ihren Überfluß an Vorräten und den Ertrag ihrer Scholle bringen können. Die Regierung hat folgende Maßnahmen getroffen, um ihnen den freien Verkauf zu sichern: 1. Vom heutigen Tag an können Bauern, Landleute und alle, die in der Umgebung Moskaus wohnen, ihre Vorräte, welcherart sie auch seien, ohne Gefahr nach der Stadt bringen, und zwar an die beiden dazu bestimmten Stellen in der Mochowaja und auf dem Ochotnymarkt. 2. Diese Produkte sollen ihnen zu dem Preis abgekauft werden, auf den sich Käufer und Verkäufer einigen werden; erhält der Verkäufer nicht den geforderten, ihm angemessen scheinenden Preis, so soll es ihm freistehen, seine Ware wieder mit in sein Dorf zurückzunehmen, und niemand soll ihn daran hindern können, unter welchem Vorwand es auch sei. 3. Jeden Sonntag und Mittwoch sollen große Märkte stattfinden und zu diesem Behuf dienstags und sonnabends hinlängliche Truppen in gewisser Entfernung von der Stadt auf allen großen Landstraßen aufgestellt werden, um den Fuhren Schutz zu gewähren. 4. Dieselben Maßnahmen sollen getroffen werden, damit die Bauern mit ihren Wagen und Pferden ebenso ungehindert wieder zurückfahren können. 5. Es sollen unverzüglich Bestimmungen in die Wege geleitet werden, um die gewöhnlichen Märkte wiederherzustellen. Einwohner der Stadt und der Dörfer, und ihr, Arbeiter und Gesellen, von welcher Nation ihr auch sein mögt! Kommt und helft bei der Ausführung der väterlichen Absichten Seiner Majestät des Kaisers und Königs und tragt mit bei zum allgemeinen Wohl! Legt ihm Ehrerbietung und Vertrauen zu Füßen und säumt nicht, mit uns zusammen zu wirken!«

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212

wo vierzig Jahrhunderte auf seine großen Taten herabblickten: Anspielung auf Napoleons Tagesbefehl vor der Schlacht bei den Pyramiden (vgl. Anm. 157): »Franzosen, bedenkt, daß von den Höhen dieser Denkmäler vier Jahrtausende auf euch herabschauen«.

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213

Hauptmann Jakowlew: Iwan Alexejewitsch Jakowlew (1767 bis 1846), Offizier im Ruhestand, Vater des Schriftstellers Alexander Herzen, der diese Episode am Anfang seiner Erinnerungen Gewesenes und Gedanken erzählt.

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